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Jüdische Rundschau · 1912-05-25 · Heft 21 (25.5.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 21 (25.5.1912)
Date
1912-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 21 Seite 184 b) Wahl des Zentralkomitees und der Revisoren. c) Wahl der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees der zionistischen Gesamtergnnisation. d) Feststellung des Etats für das Geschäftsjahr 1012. Sonntag, den 20. Mai, abends S'/r Uhr, in den Kcichshallcn Begrüßungsfeier für die mmwärtigen Gäste, veranstaltet von der l'oscner Ortsgruppe, unter Mitwirkung des J (1 d i sehen M ö n n c r - G e s a n g v e r e i n s. Die Gesinnungsgenossen werden gebeten, ihre Reise, wenn irgend möglich, so cin/urichtcn, da 11 sic schon an der Begrüßungsfeier teilncluucn können. * Ain Sonntag, den 20. Mai, werden von 10 Uhr vormittags ab zu allen Zügen, und am Montag bis 10 Uhr vormittags Herren der Empfangskommission, kenntlich durch blauweiflc Schleifen, auf dem Bahn• hofe zur Verfügung der ankommenden Delegierten und Gaste stehen. Am Montag, abends S'/j Uhr, findet im Hotel Friedrichshof ein Festessen, das Gedeck zu 3,50 M., und am Dienstag um 2 Uhr nachmittags ein gemeinschaftliches Mittagessen, das Gedeck zu 3,00 M., statt. Heide Arrangements stehen unter Aufsicht des Posener Gcmeiiiderabbinnts, Dienstag, den 28. Mai, abends 0 Uhr, ist im großen Saale des Zoologischen Gartens eine öffentliche politische Versammlung, Am Mittwoch, den 29. Mai, ist für vormittags 11 Uhr eine Spazierfahrt durch die Stadt Posen geplant, bei der insbesondere die jüdischen Sehens• Würdigkeiten in Augenschein genommen werden sollen. Am Nachmittag findet mit Genehmigung und unter Führung der Kgl. Ansicdhingskamniissiou eine Fahrt in ein Ansicdlungsgut statt. Hierzu ist das Ansicdlungsdorf G 01 c n U 0 f e n auscrschcn. (Posen ab: 2,37 Uhr, Golentiofcn an: 3,03 Uhr. Golenhofen ab: 0,13 Uhr, Posen an: 6,43 Uhr.) Neben dem Miihlcndorfc Gotenhofen selbst, das mit starker staatlicher Hilfe den Ideal/ustand einer modernen Ansicdlung üarslcllt, wird ein bennchbartes weiteres Dorf besucht werden, das ein aus eigener Kraft der Bauern entstandenes Gemeinwesen ist. Die Führung übernimmt Herr Regierungsrat Rastel von der Kgl. Ansiedhingskommission. Das Vergnügungsprogramm steht somit endgültig wie folgt fest: Sonntag, 26. Mai, abends 8 Uhr: Festkommers in den ״Reichshallen“. Montag, 27. Mai, abends 8 Uhr: Festessen im Hotel ״Fricdrichshol“. JUED1SCHE RUNDSCHAU Dienstag, 23. Mai, abends 9 Uhr: Ocffcntlichc große Versammlung im Saale des Zoologischen Gartens. Mittwoch, 29, Mal, vormittags II Uhr: Spazier• fahrt durch die Stadt Posen; nachmittags 2«/* Uhr: Ausflug in das Gebiet der Kgl. Ansiedlungskom• mission (Golenhofen), « Zugverbindungen: Ah An I'nxon: Berlin: 0,42 2.1!2 7,42 1,61 «,60 11.60 Breslau: 7,31 11,27 4.2« «,12 0,60 1,47 (!,64 12,07 .Stettin: 6.10 0,48 2,43 7,47 10,10 2,1« 0,28 11,47 Danzig: 0,10 4,2« 2,64 11,1« Königsberg: 7,271,68 11,10 *2,61 8,80 2,87 ״ *) Uobor Dimhau Für die Dclegicrtcntagung sind im Residcnzhotcl und in! Hotel Friedrichshof Zimmer zum ermäßigten Preis von 2,50 M. bis 4 M. reserviert. Die geehrten Delegierten und Oästc wollen sich mit ihren event. Wünschen und Anfragen an die unten bezeichnet Adresse wenden. Die Vcrkchrskom mission. Abraham Gutmann, Posen, Allcrhciligcnstr. 3. Wir machen die Teilnehmer des Delegierten• tages darauf aufmerksam, daß die Basler Lebens- Versicherungs-Gesellschaft, die bekanntlich auf Grund eines Abkommens mit dem A..C. der zio• nistischcn Organisation eine besondere ״jüdische Ab. Wlincmisir. 4U1! vinw unmii.m. uiv zur Aufnahme von Anträgen unter Berufung aut den Zionistenvertrag gerne bereit ist. Außerdem ent. sendet die Basler Zentrale zum Deiegiertentng ihren Abtcihingschcf, Herrn S. G a r f u n k e I, um den Interessenten an Ort und Stelle jede gewünschte Auskunft zu erteilen und Versicherungsanträge ent. gegen »,.!nehmen. Wir ersuchen unsere Freunde, auch bei dieser Gelegenheit die ״Jüdische Abteilung“ im Interesse d1,׳r zionistischen Organisation zu fördern. Vom Jüdischen Verlag Während des Dclcgiertcntagcs in Posen veran« staltet der Jüdische Vcrlng׳ dort eine Ausstellung von Büchern, Bildern, Ansichtskarten und Musiknlicn seines Lagers. Dort werden auch Bestellungen ent• gegengeiiomiucn, — Gesinnungsgenossen, die besondere Wünsche oder Anregungen für den Verlag haben, werden gebeten, diese am Vyrkaufsstand mit/.uteilen. Der Geschäfts• fiihrer des/Jüdischen Verlags, der an den Verband• hingen teiluimmt, steht für persönliche Unterreduu• gen jederzeit zur Verfügung. — * 111 der Zeit von Sonntag, den 26. bis Mittwoch, den 29. Mai sind alle für unser Zvntralbnreau bc• stimmten eiligen Sendungen an die Adresse von Frl. Betty Franken stein, Posen, Residenz hotel, zu richten. Geldsendungen wie immer nach Berlin W. 5ן( Sächsische Str. 8. Postscheckkonto Nr. 8091. Avise fur Geldsendungen gleichfalls an die obige Personen. Adresse. Gemeldete Deleglcrtenwahlen Mülhausen 1. Els.1 Dr. J e r c tu i a s. Pose», Red.iLtcur Fritz A 11 r a I! am Berlin, Delegierte; Leo Kollnisclier-Poseu, Ersat/delcgicrter, Breslau: Iran Adele Sandler, R.*A. Dr. Cmt Weiß, Samuel Nelken, Dr. Hermann 11,1 dt sämtlich Breslau, Delegierte; Frau Frieda Schach• tcMtrcsI.iu, Ers.it/delegicrte. Halberstadt: Isaac F c 1! c r r i n g!1. David F r c 11n <|, beide Malbcrstadt, Delegierte; Reinhold Warhurg. Nordhausen, Referendar Felix Rosenhlütli.Berlin und Referendar Erich Cohn-Berlin, Ersat/delegicrtc. Königsberg i. Pr.: Dr. Hoppe, Dr. Julius R o s e n 1e I d , Jos. S a 1z m a n ״ •Königsberg, I h> legierte; I. Rosenzweig. R.-A. Dr. Jacob)׳ II, Frl. Bukof/cr-Königsberg, Ersat/dclegicrte. Beuthen i. Schl.: Fr. Lotte Emmerich, Lehrer Albert E i s e n b c r g , Kaufmann Jacob Stahl- Beiitlicit, Delegierte; l)r. Lcwkowitz, Dr. Block- Beutbeu. Ersat/dclegicrte. Danzig: Referendar Herbert Lewy, M. Rosen- / w e i g •Danzig, Delegierte. Jarotschin: Apotheker. Läufer•Jarotscliin, Dclc« gierter. Karlsruhe: Frau Dr. S a n d I c r •Breslau, Delegierte; Refererdar Bilcski-Bcrli», Ersat/delcgicrter. Posen: I ).־!viel W o I f f s o h n •Köln, Moritz. Krause, Frau Dr. K o 11 c n s c lt c r, Dr. Alfred M anasst• Posen, Delegierte: Jacob Auerbach, Dr. Leo Cohn, Leopold Lesser, Siegfried Ncutttark-Posen, Ersatzdelegierte. Hamburg-Altona: Leopold Landau, Dr. Victor, Frau Helene Landau, Dr. S. Modler, Frl. Sclma V e i I c h e n f c I d •I Limburg, Delegierte; Dr. Eliasberg-Berlin, Dr. Jeremias-Posen, Dr. Weigert• Hamburg, Ers.1t/delcgicrtc. Chemnitz: Frau Dr. Gütz, Chemnitz, Delegierte. Essen: Rechtsanwalt Dr. Weinberg•! >ort inund, Lehrer Jacob Auerbach •Posen, Delegierte; Rechtsanwalt Dr. Künigshergcr-Mültlhcim (Ruhr), Ers.1t/dclcgicrtcr. Dortmund: Bettv F r .1 n k c n s t c i 11 •Berlin, Dclcierte; Daniel Treu-Essen, Dr. Königsberger-Multl•!eint a./R., Ersat/dclegicrte. Berlin: Dr. Klee, Rcf. Felix Rosen blüth, F)r. Hirn m , Parteisekretär Kurt R 0 s c n b a u m , Dr. Becker, Dr. Zwirn, Rechtsanwalt Steinitz, Delegierte; Dr. Alfred Schwarz, Dr. Elinsberg, Lazarus Harth, Ersat/dclegicrte. Wronke: Isaak Rosen tlial, Delegierter; Tier* arzt. Wall, Ersatzdelegiertcr. Stettin: Apotheker Georg Beer m a tt n, DUcgierter. Guhcn-Croßciu Oberlehrer C .11 v a ry Crollcn. Delegierter; Frau Dr. Becker, Jolm Löwenthal, beide Berlin, L'rsat/delegierte. Wilrzburß: Frau Dr. Hantke, Berlin. Delegierte. Berlin, Herzl-Klub: Alfred F r .1 n k •Berlin, Dclc• gierter; Lazarus Barth-Berlin, Ersat/delcgicrter. Halle: L. Hof in .1 n n •Halle, Delegierter; Zahnarzt Max Lauter-Posen, Ersatzdelegiertcr. Ratihnr: Siegfried Fröhlich, Frau Rösi Früh• lieh, Ratibor, Delegierte. iil Arthur Schnitzler und sein Wien (Zum 50. Geburtstage des Dichters — 15. Mai 1912.) (Schluß.) Der Frühlingsabeml und das Sterben sind tlctm auch die herrlichsten mul zartesten Gebilde Schnitzlerscher Kunst. Die Feinheit einer perlemhirchwehteu, ciiifncltett Sprache zeichnet in diesen Bildern wunder* schöne Kiinstlvrwerkc reinster Art, Die Novellen ״Dämmerseelen“ und eine jüngst in einer Zeitschrift erschienene Erzählung lassen die echte Kunst Schnitz• lers erkennen. In dieser Erzählung — ihr Name ist mir entfallen, sic ist noch nicht in Buchform erschienen -- wird der Mord eines Mannes an seiner Frau erzähl»; als echtes Ende mit menschlichster j Lcbcnsgewalt, wohl die stärkste Kunst.t Und diese starke, reine Kunst kam in eine , schwache, unreine Zeit, die inr /!!jubelte, Anatol machte seinen Autor berühmt. Ec bekam die Marke ״gianöses Wien“ und behielt sie. Was Schnitzler nachher schul —- cs war im Sinne seines Schaffens immer die sinnengefaßte Episode, bald in die Szenen• form gekleidet, bald im wcicli-nmmitigcu Waldbad!• raunen seiner ungleich wertvolleren Novellen —, es wurde immer als ״graziöses Wien", als ״Anmut der fraulich-weichen Wiener Schönheit" ausgerufen. Und hatte Marktwert. Aus Mißverstand. Denn die da bimmelten und himmelten, die hatten längst eins Ver• Mäiuhus dafür verloren, mit reinen Sinnen einen Augenblick zu erleben und die Episode des Augenblieks zu einem dauernden Wert durch den Inhalt ihres echten Erlebens zu machen. Sic leben in «er Beziehung, die ihre Willkür konstruiert hat, ein halbes Leben, schaffen Zusammenhänge imaginärer Art, sind Herren über die Dinge, weit sic sic nicht reiten können oder dürfen, und Knechte der Beziehungen, die sie!:erstellen müssen, um iht Leben zu recht• fertigen, vor andern und — vor sich. Sie schweben in der Luft, jene Makler des Geistes, weil sie nicht in sich hincinhörcn können lind dürfen. Demi sonst würden sie einen Posaunenton hören, der sie ins Nichts wirft, in das eigene Nichts, welches sie aus• füllen, indem sie andere glauben machen, daß sie fremde Lücken füllen. Die Jubelehöre Schnitzlers sind das Wien der letzten Jahrzehnte, jene« Wien, das nur ans Juden zu bestellen scheint, weil seine geistige Form von Juden gegossen wird. Nicht der Inhalt, Demi dieser ist entweder Uuküiinen oder Halb• können, also nicht der Rede wert. Marktware, gespiuugene Töpfe . . . Dies heißt ״Juug-Wien׳'. Und dort wurde auch Schnitzler ciugcreiht, weil — er von einer Leichtigkeit des Lebens sprach. Diese ist der Ruf seines Schaffens, die Sehnsucht seines Erlebens. Sic ist die Sehnsucht aller Juden, die eine reine Seele haben. Aber die diesen Ruf hörten, verstanden ihn falsch; sic glaubten, es handle sich tun die Seichtheit des Lebens, um die cpisodistischc Halbheit des Fiihlcns, während Schnitzler von der Ganzheit des Erfühlen« einer Episode sprach. So wurde Schnitzler, der in Wirklichkeit nur zufällig aus seinen Sinnen heraus sielt in seinen Werken in Wien gestaltet, ״wienerisch". Und wird gefeiert von denen, die niemals die Größe seines Schaffens er- I kennen können, weil sic — um nur eine Stärke seines Werkes zu nehmen — nie das Ende des Lehens, den sinkenden Augenblick gut erleben können, sie, die stets Gefahr laufen, in das furchtbare Nichts geschleudert zu werden und sielt darum dagegen wehren müssen mit Verzweiflung. In den Geist ״Jung-Wiens“ wurde Schnitzler hincinstilisiert, der Meister der Stilisierung — ein jüdi• sehe« Erbteil übrigens, halb uroricntaliscb, halb golushalt; denn der Jude als Orientale sicht die Dinge im plastisch-konturicrcndcn Glanz einer heißen Sonne und der Golusjutlc muß die Relationen, die allein er nur leben kamt, in die Wirklichkeit hineitistili• sieren, tun sie dinglich zu sehen und zu leben. Schnitzler hat denn auch stilisiert und typisiert; Anatol, Licntnaiit Gusll, Marie (aus der ״Liebelei“) sind die Namen für diesen Stil. Und so wurde er denn zum Typus, zu seinem Typus. Und wurde ״Jting-Wieu". Was das wirklich geistige ״Jtmg-Wicn" liervoibrachle, hat in Wien - dort wo es gemarktet wird - wenig Würdigung gefunden. Nur die Halbheit und das Literatentum wird hoch gewertet: Hof• niamistals unaristokratisdie Stilnatur, die nach der Distanz vergebens strebt weil ihr die Einheit im« Festigung fehlt, das Bewußtsein des Blutes, das den Adel auch in der Kunst ausmacht, hat hier Ankhmg gefunden. Noch mehr aber das unbedenkliche Artistentum eines Felix .Salten. Weniger schon die selbst in «ler Stärke der kalten Reflexion noch glühende, wenn auch sUUskttc KunMkrsch.il» Stefan’ Zweigs, der sich leider zu früh ausgegeben bat. Und komisch ist es geradezu, mit welcher kühl-vcräclitlichen Ehrfurcht die Kunst Jakob Wassermanns gewertet wir«, der einzigen Begabung, welche ״Jung-Wien“ hervorbrachte oder hervorgebracht haben will. (Wassermann und sein Schaffen haben mit Wien höchstens die Bezugsquelle für das zum Dichten unentbehrliche Papier gemeinsam.) Wassermann ist übrigens das Beispiel des Ringenden, dem sein Schaficnskainpf dttrcli kein Volk, das ihm folg», erleichtert wir« mul der darum im ungezügelten Drang die gewagtesten Pfade beschreitet, um —• sich im anderen Menschen, im Verstehenden zu finden. ,Anders Schnitzler: Ihm war das Glück des Marktes hold. Und doch zerstörte es etwas in ihm und machte ihn einsam. Dem Dichter Schnitzler, welcher in der Feinheit der Empfindung wie in ihrer Reinheit dem Dänen Herrmann Bang in gewissem Sinne gleicht *־ 0

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