Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1912)
- Date
- 1912-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I a 1 1 1 I 1 1 1 1 1 I Nummer 21 XVII. Jahrgang C»fo»llic!i־rccMIIcl1 gesicherten Heimstätte ln Pulüstina.“ Baseler Programm! j׳־“. Ü,׳Cvry°,p[;o o e51 sag ״Her für Ende August nach München einbe* rufeno Kongreß wird vermutlich ein Datum in der Geschichte der Juden bilden.“ So schrieb vor genau fünfzehn Jahren Th e o ■ dor Herz! in der ersten Kummer der damals eben neubegründeten ״Welt“. Aber München erwio sich nicht als die gastliche Stadt, für die es Hcr/l gehalten. Die Münchener Judenschaft protestierte in aller Form gegen die Abhaltung des Kongresses, und so wurde nicht München, sondern Hasel das Datum in der Geschichte der Juden, ln seiner stolzen Antwort auf den mm ebenfalls historisch gewordenen Protest hatte Her/l damals mit berechtigtem Sclbstbewußlsein gesagt, es werde dereinst nichts Unrühmliches für eine Stadt bedeuten, uns beherbergt zu haben. Fünfzehn Jahre sind wenig in der Geschichte, einer politischen Bewegung, deren Erfolg eine Revolutionierung festgewurzelter Anschauungen zur Voraussetzung hat. Will man aber ermessen, was sokhc kurze Frist bedeuten kann, so genügt vielleicht die Erinnerung an die 'erwähnte Epi- , sode, die wie nichts anderes den Wandel der Zeiten zu beleuchten geeignet ist. Inzwischen haben sieben Zionistenkongrcssc in Basel, drei in Laudon, Haag und Hamburg getagt, und niemals mehr konnte sich das würdelose Schauspiel der Müchoncr Protestjuden wiederholen. — Die meisten der heutigen Führer des dcutsehen Zionismus werden gelegentlich des XIII. Delegicrlcntagcs der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der vom 26. bis 28. Mai in Posen stattfinden wird, gewill auch sonst häufig des Jahres 1S07 gedenken. Ist es doch das Jahr, in dem auf drei kurz nacheinander stattfindemlcu Delegierten tagen zu Bingen, Basel und Frankfurt a, M. die wenigen versprengten zionistischen Gruppen die Grundlage der Organisation schufen, die heute mit freudigem Stolz auf die hinter ihr liegenden anderthalb Jahrzehnte zurückblicken darf. Denn in diesen fünfzehn Jahren sind die deutschen Ddegiertentage der Zionisten von unbeachteten kleinen Konvcntikcln zu groben Parteitagen geworden, denen sogar unsere schärfsten Gegner, ja selbst jene Presse, die uns durch Schweigen töten zu körnten glaubt, ihre Beuchtitug nicht mehr entziehen können. Koch der erste in Hannover stattfindende Delegiertentag vom Jahre 1000 versammelte nur 1כ Vertreter zionistischer Gruppen, 1001 in Berlin waren es bereits 20, und am sechsten Delegierten- «ag, der vor genau zehn Jahren, am 10. Mai 1002, in der August Lamcy-Logc zu Mannheim stattband, beschlossen 66 Delegierte die Gründung von Distriktsburcaus, die der Agitation in Deutschland eine neue feste Basis wurden. Im selben Jahre konnten die deutschen Zionisten ein jüdisches Blatt erwerben, die damalige ״Israeli- •ische Rundschau“, aus dem sie sich in jahretanger opferwilliger Arbeit ihr Parteiorgan, die ••Jüdische Rundschau“, schufen, von der auch an dieser Stelle gesagt werden darf, dal! sie “־• heute eine der gclescnstcn und verbreitetsten Jüdischen Zeitungen in deutscher Sprache — der Ausbreitung des zionistischen Gedankens in Deutschland nicht zuletzt die Wege geebnet hat. So hat die zionistische Bewegung in Deutschland in diesen fünfzehn Jahren ihren Weg gcmacht. Sie hat nicht, wie Feuerköpfe wohl hoffen mochten, im Fluge die Geister erobert, vielmehr langsam und zähe, aber beharrlich vorwärtsschreitend und niemals stillcstchcnd, auch die deutschen Juden umdenken gelehrt. Und ihre nahezu zehnt a u s c n d organisierten Anhänger sind eine mit schwerer Mühe gewonnene Schar, die dafür aber auch eine Kerntruppe der zionistisehen Weltorganisation darstellt. Heute bchcrbergt Deutschland in seiner Hauptstadt Berlin nicht nur die Leitung der Zionistischen Vcreinigung für Deutschland, sondern auch das Actions- Coniite der Gesamtpartei; heute belaufen sich die zionistischen Sammlungen seit dem XII. Delegiertentag zu Frankfurt a. M. auf weit über 300 000 M., die Lnuilcsorganisntion verfügt über ein musterhaftes Bureau, gesunde Finanzen, ein Parteiorgan und ein Parteisekretariat, die der weiteren Entwicklung der Partei in Deutschland die besten Aussichten eröffnen. Es ist nicht unnütz, sich einmal den äußeren Werdegang der Partei so vor Augen zu führen, denn die kleinen und großen Mißhelligkeiten der Tagesarbeit lassen allzu leicht vergessen, daß der Weg trotz, alledem doch ständig vorwärtsgegangen ist. Wie oft haben nicht unsere Gegner schadenfroh dem Zionismus das nahe Ende prophezeit, wie oft waren nicht auch viele unserer Freunde über dies und das mißmutig und verzagt und haben an weitere Fortschritte, wenigstens in der Agitation, nicht mehr glauben wollen, haben gemeint, wir müßten mit den einmal gcwonnenen Kräften zu arbeiten versuchen, und die weitere Propagierung der Idee nach außen sei nutzlos oder unmöglich. Da zeigt denn selbst solch ein knapper Rückblick, daß wir n i c h t n u r nicht am Ende, sondern recht eigent• lieh erst am Anfang in unserer Agitation stehen. Die auf dem vorigen Dclegicrtentag beschlosscnc Verlegung des Sitzes der deutschen Leitung nach Berlin in Verbindung mit der auf dem X. Kongreß erfolgten Verlegung des Zentr;ilburc aus der Gesamtpartei nach Berlin hat, wie bedauerlich auch der Rücktritt Dr. Bodenheimers uns war, der Neuorientierung unserer Parteiarbeit die rechten Möglichkeiten eröffnet, die vom Zentralkomitee unter der zielbewußten Leitung von Dr. Hantke auch nach allen Riehtimgeu zur Stärkung unserer Organisation bcnutzt worden sind. Der Posencr Dclegicrtentag, vor dessen Beginn wir sieben, kann nichts Besseres tun, als in Anerkennung der rechtschaffenen und erfolgreichen Arbeit ihm ruhige, konsequente und maglidist ungestörte Fortführung zu garantieren. Die großen Richtlinien der zionistischen Politik werden auf unseren Kongresien festgelegt, und die deutschen Parteitage haben Immer nur in Zeiten des besonders hochgehemlen Mcimmgskampfcs sich mit Recht berufen gefühlt, ihr Votum zu diesen Fragen abzugeben. Der X. Kongreß in Basel hat uns im August vorigen Jahres nach jahrelangen Kämpfen einen Frieden gebracht, der!•öffentlich in der Sache von Dauer sein wird, und hat in politischer Hinsicht die auf dem VII., VIII. und IX. Kongreß inaugurierte Politik des Zionismus von neuem gestützt und ihr in der Organisation einen sicheren Rückhalt geschaffen. An den deutschen Zionisten ist cs nun, die Arbeit auf dem Poscncr Delcgicrtcntage so zu gestalten, daß Deutschland seine ja nicht auf der Zahl der Anhänger, sondern auf der Festigkeit und Geschlossenheit der Organisation beruhende Stellung in der zionistischen Bewegung mit Recht auch fürderhin behaupten kann. Das wird geschehen, wenn er dazu beiträgt, immer mehr deutsche Juden zu Zionisten, und immer mehr deutsche Zionisten zu zionistischen Arbeitern zu machen. Dann wird auch Posen — wie Bingen, Mainz, Köln, Frankfurt, Mannheim, Hamburg, Hannover und Breslau — ein Datum in der Geschichte der deutschen Juden bilden, einen Meilenstein des Fortschritts auf dem Wege zudem größten Ziele,das sich Juden je gcsteckt haben. Dann wird das Wort, das der Präsident unserer Bewegung, Professor Warbürg, auf dem X. Kongreß sprach, zur Tat werden: ״Der Weg führte von Wien über Köln nach Berlin. Wir wissen, daß Berlin auch nur ein Durchgangsstadium sein wird. Geht der Zug später nach London, nach Paris, nach Rußland — wir wissen cs nicht, das eine aber wissen wir: er endet in Jerusalem.“ Die deutschen Delegierten in Posen mögen das eine vor allem bedenken, daß sie mitzuwirken berufen sind an dieser Tat! 41 Tagesordnung! Montag, den 27. M a i. Vormittagssitzimg (Q',׳z Uhr). a) Geschäftsbericht; Erstattet vom Vorsitzenden R.-A. Dr. Artur Hantke. b) Finanz-Bericht: Dr. Hans Hcymann. c) Begrüßung durch das engere Aktions-Komitee. U) Begrüßungsansprachen. c) Wahl des Präsidiums. f) Unsere Palästinapolitik: Referent Leo Motzkin. g) Erziehung zum Zionismus: Kurt Blumcnfcld. Nachmittagssitzung (2*/* Uhr). a) Debatte über die Berichte und das Referat ״Er- Ziehung zum Zionismus“. b) Debatte über das Palästina.Refcrat. Dienstag, den 28. M a i. Vorinittagssitzung (0 Uhr präzise). a) Unsere Nationalfondsarbcit: Referent Dr. Max Sichel. b) Spezialdebattc über Jugendpropaganda. c) Anträge des Zentralkomitees. Nnclunittagssitzung (3‘/j Uhr). | a) Abänderung der Statuten: Referent Dr. Juliu« Becker.