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Jüdische Rundschau · 1912-05-17 · Heft 20 (17.5.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 174 Nr. 20 kommen zum Auslrng; 100 m-, •100 tu1000 ,־-m* Laufen, Hocltsprimg, Kugclstc-Üeii, Hingen, zwei Stafcttonläufe ih**J *•‘*,י Breikampf. AulSmlem finden Wettkämpfe im Weilsprung «ml Sclilcudcrbnlhvcrfen, Spiele für Turnerinnen und Ju• peiuluninnsclinften, sowie ein fTililmllntalch Her•, lin— Ntuuhurg statt. Zahlreiche Meldungen für die ein/elncn Zweige liegen bereits vor, 11. 11. vom Vivo es Atliletikai Club in Budapest, einem der angesehensten ungarischen Sportklubs. I'a7 vorit für die Hnuptentsehciduiig, die Olyinpisclic Stafette, ist die Sportabteilung iles ״Har Koeltba“• ßerlin. Eine Turnfahrt nach dem Sprcewald wird den Verbandsing schiieOen. In das jüdische Leben Berlins wird der Turn• tag einen Zug lebensvoller!Tische bringen. Mögen die ernsten Beratungen, die frohen l'csle, die turnerischen Veranstaltungen, Sport und Spiel neue Lust zur Arbeit für unser Volkstum ent* fachen, Mögen sie aber auch das eigentlich wertvolle zeitigen: Das Wachsen und Erstarken der Persönlichkeit eines jeden, der treu und ganz der unsere ist. Friede im Gemcindebundl Berlin, den K>. Mai 1012. Die gestrige Tagung hat die von allen Beteiligten selmlichst lierbeigewiinsebte Einigung gebracht, und die Arbeiten des Bundes werden mm wieder in die Balineu ruhiger, fruchtbarer Arbeit gelenkt werden. Das ist das erfreuliche Ergebnis der Beratungen, und erst in zweiter Linie wäre die Krage zu erörtern, wie dieser Friede zustande kam: und da muH ge• sagt werden, dal! nur der überaus starke Wille, das Friedenswerk zustande zu bringen, die Delegierten der Kleingemeindcn veranlassen konnte, den Vorscldä• gen der unter dem Vorsitze des Landlngsahgeord• neten Wolff-Lissa zusammengetretenen Einigmigskommission znznstiimnen. Denn man kam sich durchaus nicht — wie es doeli hei einem Kaiiipro• misse angcstrebt werden soll auf halbem Wege entgegen, sondern die Opfer, die die Opposition der Saelte des Friedens gebracht hat, waren ungleich gröbere, als die der Gegenseite, Eigentlich wurde mir in einem Punkte ihren Wünschen ein wenig entgegeugckoiumen. Dali war die Frage des passiven Wahlrechts, ilier ist man über den Antrag Apfel liiiiaiijjgcgaiigcii und hat für wählbar diejenigen erklärt, die einmal 10 Jahre in der Provinz, oder im llmidesslaate ansässig gewesen sind sowie alle die, welche 5 Jahre laug den persönlichen Beitrag zum t). I. 0.*U. entrichtet haben. Im übrigen wurde der Entwurf der gemischten Kommission e i 11 s t i in 111 i g eil Idoe angenommen. Die Basis der Einigung enthielt aller noch eine andere Resolution, die wir als starken Aktivposten in die 'Rechnung cinsvt/cn wollen: Die Frage des Pluralwahlreehts für die Wahlen zum Ausscluil) wurde der gemischten Kommission zur Beratung überwiesen und für den Fall, dall dieser Wahlmodus sich als durchführbar mul praktisch erweisen sollte, werden bereits die nächsten Waiden auf diese Weise vor• genommen werden. Arthur Schnitzler und sein Wien (Zum 50. Geburtstage des Dichters — 15. Mai P)12.) Der Zeit ist nicht zu trauen. Sie birgt den Irrtum in sieh, den Irrtum, der ״Ent• Wicklung“ heil«, das Bäudergaiikelspiel ineiu• amlergrcifender Zusammenhänge, die aber nie stetig existieren. Wohl aller l.illt sieh köstlich, unterliallsam damit spielen, Uesehichte begreifen, Literatur mul Kunst erfassen, Kultur er• gründen ־״• und wie die reiz.mideii Oescllschalts• spiele sonst mich heiüen mögen, die eine unharmo• tiischc und deshalb kompliziert oder seicht denkende und erlebende Menschheit der letzten Jahrzehnte ge• formt mul ersonnen hat, um das unbegreiflich Einfache, Grolle des Sieh-Erfasscns in ihren Kreis zu ziehen. Au die Stelle der stillen Gewalt eines Augenblickcs, in welchem die Zusammenhänge wahrhaft klar werden und im gestaltenden Schaffen — durch den Künstler, den Deuker, den Erfinder oder Ar• beiter - stets neu und doch ewig 11 a u e r n d für das Leben gewertet werden, trat das Sofortzu r-11 a n d• S c i n der Wertung von Menschen mul Welten aus der ״Entwicklung“ heraus. Ein kou• strnierciutes Zusammensetzen von Werk mul Wirkling aus schön anfgeputzten Formeleheu •- die für sich nichts sind —, mul am Lude steht eine Art geistiges ״Puzzle“ da. Wenn man ein Puzzle endlich aus zehntausend Hötzchen zusammengestellt hat, so sieht man eine widerliche Nachbildung eines JUEDtSCHE RUNDSCHAU_ Wir zweifeln nicht, dall die Kommission bei ernster,' vorurteilsloser 'Prüfung zu einem positiven Ergebnis kommen wird. Denn einfache mathematische Erwägung zeigt, dall das Phiralwahlreeht gerade in diesem I •die in besonderem Malle eine Forderung der elementarsten Gerechtigkeit, ist; und der .Einwarnt der technischen Schwierigkeit kann nur von Leuten erhöhen werden, die sieh mit diesem he• währten Wahlnioiliis iioeh nicht besebattigt haben. Und wenn hier einmal mit «Inn Wahltmiechl im jüdischen liemeimleleben aufgeräumt ist, dann wer• den —■ des sind wir gewill - die Listenwahl und ähnliche Kuriosa auch in den liemeinden die längste Zeit geherrscht Italien. Paim aber werden überall den jetzt amtierenden Vertretern der Majorität aus der Minderheit willige Helfer entstehen, und dem Frieden und der gemeinnützigen Arbeit in der Ge• meimle wird dadurch am besten gedient sein. Das Verdienst der Opposition, den Frieden unter so grollen Opfern geschaffen zu Italien, ist um so grölier, als die Leitung der Geschäfte vor und wähmul der Verhandlung, sowie das Verhalten der Majorität an sich durchaus nicht geeignet waren, eine Einigung vor/uhereiteii. Es fällt schwer, von einer Versammlung, die doch eigentlich hei einem gerechten Wahlmodiis die würdigsten Vertreter iles deutschen Judentums repräsentieren sollte, in tadelnden Worten z.u sprechen; aller es muH gesagt werden, dal) die Behandlung der Walilprotesle seitens des Ausschusses, die Sanktionierung dieser Willkür• liehen MalSnalimen seitens der Majorität, das Nieder• stimmen fast jedes Oppositionsautrages und das war das beschämendste an der ganzen Tagung — das Niedersclircicn einzelner Redner, die zum Eric* den sprachen, im höchsten MnlJc provokatorisch wirken nitiHlen. Nicht weniger als 160 Mandate der Opposition waren vom Ausschüsse beanstandet und einer von ihm selbstherrlich eingesetzten Wahlprüfmigskomiinssiou überwiesen worden. 21 Mandate aus Gemeinden, die dem Bunde nicht augeliörcii, wurden ohne weiteres preisgegehen, Es verblieben dann also noch 136 durchaus Zweifelhafte, die sehr wohl das Schicksal der Statutenänderung entscheiden konnten. (Ucbri• gens war auch die zur Schau getragene (iewiliheit der liberalen Delegierten, dall sie - auch nach Ausseltlull der attgez.weifeiten Mandate über die erforderliche Zweidiittcl-Melirhcit verfügten, nullegründet.) Obwohl nun vielfach zugegeben wurde, dall die Kommission, da ihr ja das Mandat von seiten der Versammlung fehlte, lediglich eine vor* bereitende Arbeit zu leisten hatte, so wurden die von den Protesten betroffenen Herren liz.w. Stimmen nicht ztigclasscn. Entgegen dem Hraneh «Iler Paria• mente, wo die angez.weifelteti Mandate stets bis zur endgültigen Prüfung und Entscheidung in Kraft bleiheu. Es durfte also unter keinen Umständen das Bureau gewählt und in die Verhandlung eingetreten werden, bevor nicht eine vom Ciemeindetagc eilige* setzte Konimissioii ihre Arbeit getan halle. Trotzdem wurde das Präsidium sofort gewählt in einer Zu• sammcnsetziuig, die den Wünschen der Opposition nicht entsprach. Die Folge war ein formeller Protest gegen das Präsidium, den Rechtsanwalt Köllenscher- Posen zu Protokoll gab und der der Versäumt* hing im späteren Verlauf noch viel zu schaffen machte. Dieser Protest war notwendig, wenn die Minderheit nicht im Vorhinein die Waffen strecken und der Mehrheit die ummisehränktc Herrschaft lassen wollte. Gemäldes von üainsborougli oder Turner, die nicht einmal den Namen Kopie verdient. Wer könnte daran auch nur die Hälfte jenes Schattens erleben, das auch nur eine Kopie eines Oainshorouglihildes gewährt ״• wer daraus das Erlebnis eines Kunstwerks haben? Es bleibt - Puzzle, So ist es mit den Wertungen der Phänomene, des Schaffens und der Schaffenden durch unsere E n t w i c k I tt n g s luetischen mit ihren stets hilfsbereiten Konstruktionen der Zusammenhänge. Keinem entsteht ein Wert, keinem ein Bild des Wertes, stets nur eine Marke, eine Etikette ■ Puz.de, Regislreted . , , Den Marken mm entstellt ein Markt. Wo der persönliche Wert, das persönliche Wertenkönueu schwindet, gibt es immer einen Markt. Er ist bunt und vielfarbig und — unecht. Denn es ist bcipiem, etikettiert gewertet zu werden, ebenso bequem, wie etikettiert zu werten. Und diese Bequemlichkeit haben sielt Wirkende und Wertende zunutze gemacht. So haben sich ott Betrüger ־- manchmal betrogene Betrüger — in das Reich der Menschheitswerte eingeschlichen. Und die wahrhaft und aus ihrem wahrhaften Sinn heraus Wertvollen sind auf derselben Stufe wie jene Halben, Viertel und Nichtsc. Neben dem Lehen hat der Markt seinen Stand, neben dem Phänomen der Zeit die Zeitung, Kunst Schaffen und Wirken kollern wie in einem Kraus• kopfltattfen ..tat, mit Artistentmn, Literatenwesen und Geschäftigkeit. Und alles wird trübe. Markt, Makler, Feilschen statt des Lebens und des Besitzes des Lebens, Und die Mokier sind so oft Aut die einzelnen Reden, die für und wider die Statutenänderung gehalten wurden — vor allem auf das grollziigige Korreferat iles Herrn Loch -- wird noch ciiiziigclien sein. I >cr Vorschlag des Herrn I. o e vy-Raxvitseh auf Einsetzung der Eiiiigtmgskom. mission fand die Zustimmung der gesamten Oppo• sitioit, wählend die Mehrheit nur teilweise zustimmic. Dagegen sollen auch!)elegierte »1er Berliner (hoflgemeinde gestimmt haben! Bei der Abstimmung über den Kommissionsantrcg tauchten Bedenken auf, oh nicht der gegen das Prä i’ dimn eingelegte Protest die ganze Arbeit aus fori 1,<1• rechtlichen Giniidcn hinfällig machen könne. Herr R.-A. Kollensclter erklärte sich loyalerweise hei eit, nun, da eine Einigung erzielt sei, von dem ihm .!•־s dem Proteste z.usteheiulcu Rechte keinen Gehra•׳ h zu machen. Zur formellen Zurücknahme seines Ei:;• Spruchs war er jedoch mir linier der Bedingung bereit, dal! der Vorsitzende das Utircchlinällige seines Vo. gelicns aiisdnicklieli anerkenne. Sollte das ProU.t• recht einer Minorität gegen ilie Vergewaltigung seitens der Mehrheit nicht zur Farce werden, so niiiHtc man auf diesem Standpunkt hchurrcir. Den Herten vom Atissihiill wird falls sie überhaupt zu leinen gewillt sind die Lehre acht gut getan habci., dall mau in Preiilteu auch mit einer novit so klein• 11 Minderheit nicht in absolutistischer Weise imispri 1• gen darf. Als man min wiederum mit dein AnsscImBau trage hervorkain, mit dem mau die Widerspenstigen züchtigen zu können glaubte, erklärte R.-X. Kollen sch er, dall er unter diesen Umständen selbstverständlich sein Versprechen, den!*rötest nicht an;• ziinutzeii, zurückziehei! müsse. So gelangte denn doch schlielilich der Antrag der Einigungskommissiou zur Annahme, während draullen noch immer die Wahl• Prüfungskommission tagte, während die zurückgewiesenen Delegierten auf ilire Zulassung warteten, und während der!Totest der Minderheit zu Recht bestand. -- Wir hatten die Freude, zahlreiche auswärtige Gesinnungsgenossen auf der Tagung zu begrüBeu. in der Wahlprüiimgskoinmission waren wir durch Rechtsanwalt Kollensclter, in der Einiguttgskommission durch Dr. Klee vertreten. Juden und Deutsche in Palästina Von Davis Trio t seit (Berlin). Im roten ״Tag" veröffentlicht Fritz Lorclt einen Artikel über die Vorherrschaft der deutschen Sprache in Palästina. Das Bild, das er von der Verbreitung der Deutschen seihst und der deutschen S p r a e 11 e unter den a r a h i s clt e u Lamleskindcrn*) entwirft, ist sehr interessant und dürfte auch korrekt sein. Da es solcher Zusammenstellungen sehr wenige gibt, ist die l.orcltsclte Arbeit in dieser I litt• sieht gewill wertvoll. Nach der Konstatierung, da() atiller den 21<W» ״Kerndeutschen“ noch HOI) Eingeborene als ״sicherer deutscher Bestand“ zu zählen seien - im ganzen also :1100 ־ kommt Lorclt auf die ״den bekannten jüdisch-deutschen Dialekt" sprechenden Juden, deren *) Sehr interessant war mir dabei die Bemerktm.׳,, dall von 11(10 Zöglingen, die das deutsch-syrische Waisenhaus in den 50 Jahren seines Bestehens ״voll •: deutsch erzogen" halte, mir '300 noch in Palastun ihren Wohnsitz, halten. Juden! . . . Aus der Not der Zeit suchten sie ihre Not zu lindern, die Not und das Elend - seine Seele verloren zu haben. Wie furchtbar fu•־ die, welche eine Seele haben und sie atislcbcu wollen . . . Ein Elend für die wahren Schalle!:• den unter den Juden, mögen sie nun hewulll omf tmbewnlU aus jüdischem Erfühlen schaffen! Lin Llcnd fiir die wahrhaft Schöpferischen überhaupt,.. Denn sie sind einsam, im lautesten Trubel jetu '■ lärmenden Lchcusuiarktgctrichcs einsam, in iltre.t grollten Erfolgen ־* eüvs.un. Lkrnn ihr Schallen wiM nicht erlebt, nicht gewertet, sondern mit Marken beklebt, mul aus ihm entstellt nichts Neues als Segi t in den Menschen, sondern eilt Fluch, der Fluch der M o d e , , . Ein Einsamer unter den Schaffenden i •t Arthur Schnitzler, er, der laut Umjiibcltc, der Dichter mit den groBcn Publikums- — nein, Gesell• schaftserfolgen, der Tonangebende für die literarische Wiener Mode der letzten zwanzig Jahre, der mm auch ״draullen" die ״Anerkennung gefunden hat“, wie so laut die Presseplirase schellt und jetzt erst recht laut himmeln wird, an seinem fünfzigsten Oe• burtstage. Und jetzt, eben jetzt darf man es sagen ״־־ er ist ein Einsamer, weil — sein Schaffen rein ist trotz, der Etikette, die mit schmierigem Kleber daran haftet. Ein eigenartiges Glück im Unglück. Es stammt aus einem Zufall, einem Mißverstand, da seichter Geist für Seichtheit seiner Art nahm, was Einfachheit in edler Art ist, da eine cpisodistisch•

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