Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1912)
- Date
- 1912-05-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IS, SUchtiache Straße 8. j ן Telephon 1 Amt Uldand 845. ן ן Spredulunden l)ien»l»gund Donnerttag | ^_ 5—6 Uhr itadimittag•. L.J Kj U Ü Ü U' Nummer 20 1. Ssiwan 5672! XVII. Jahrgang Ausweis Schekel: Frankfurt a. M. 160,-., München 72,—, Glciwitz 65,—, Halle 6,—, Hnlbcrstadt •I,-, Plauen 6,—. Glogau 1,—, Filchne 2,—, Lüneburg 1,—, Diissdtlorf 1-1,—, Grauricnz •I,—, Thorn 12,—, Karlsruhe 4. B. ■II,Danzig 51,—, Reutlingen 2,—, Esehweilor Wiesbaden 20,-, Outtstadt (Ostpr.) I,-, Wanne i. W. 1,—, Bamberg0 ־,—, Berlin •11,—. Landcsorganisationsbciträge: 1. Ortsgruppen: .Obersitzko 13,-, Halle 6,—, Plauen 6,—, Regeiisburg 70,—, Düsseldorf •12,—, Graudenz 2,—, Thorn 21,—, Kosclunin 10,—, Karlsruhe i. B. 210,—, (davon •16,- für 1011), Niirnberg 43,—, Danzig 153,--, Leipzig ISO,—, Esehweilor 12,—, Wiesbaden 20,—, Bamberg 24,—, Fraufurt a. M. 210,—, München 216,—, Glciwitz 62,—, Berlin: ein Einzelbeitrag •I,—, ferner 365,— für 1011 und 12,—. 2. E i 11 ze I per s 0 11 e 11: Dr. Isak Straus, München. 20,—, Dr. Mcimendiugcr, Strallhurgd. E., 10,—, Alfred Salinger, Filchne, 5,—, Uefcrend.tr Adolf Wolf, Lüneburg, 5,—, Luden Dreyfiill, Strabbttrg i. E.. 8j—, J. L. Goitein, Frankfurt a. M., 5,—, Dr. Schwarz', Outtstadt (Ostpr.), 5,—, Conrad Kaiser, Berlin. 5,—, Dr. E, Straus, München, •10,—, S. Salomon, Wanne i. •W., 0,—, Dr. Katz, Berlin 20,—, S. II. GoUlmann, Frankfurt n. M., 10,—, Ucchtsanwalt I ieilbnmn, Berlin, 10,—, Richard Kaufmann, Bamberg, 5,—, Rechts- Anwalt Dr. Siegfried Sehwarzschild, Frankfurt n. M., 50,—, Aus Glciwitz: Thau 6,—, Meyer Boss 5,-~, H. Ahronheim •10,—, Dipl.-Ing. Bratni'ncr 5,—, Adler 5,—. Jacobowitz 5,—, Rechtsanwalt S. Groncimum. Berlin, 100,-, Dr. .Feitelberg, Berlin, 10,-. 3. Verschiedene Spenden: Kattowitz 5,50. Eingang vom 9. bis 15. Mai 19124 Schekel: 522,— M. L a n d c s o r g a n i s a t i o 11 s b c i t r ä g e: 2072,50 M. Gesamtelngnng: Schekel: 3550, Landeso r g a n i s a t i o n s b e i» r ii g e: 12 255,23 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Verclnlgung für Dcutsclilaiid, Berlin W. 15, Sächsische Stralic 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Hcymann & Co., Berlin, Unter den Linden 59, Zum V. Jüdischen Turntag. Von Eric 11 Burin, Vcrbandsturnwart der ״Jüdischen Turncrsehaft“. Ant sechsundzwnnzigsten Mai wird in Berlin der Fünfte Jüdische Turntag• zusammentreten. Die jüdischen Turner und Sportsleutc rüsten in ihren Werkstätten zum fröhlichen Wettkampf. Denn mit dem Delegiertenta/׳ der ״Jüdischen Turnerschnft“ sind turnerische und sportliche Veranstaltungen verbunden, die das erste jüdische Olympia bilden sollen. Die Bundestage der ״Jüdischen Turner- Schaft“, die ihre Mitglieder in Abständen von zwei bis drei Jahren *zusammeufülueu, sind iwiionalc Feste. Eine Nation, deren Zukunft vor allem in gesunder leiblicher Entwicklung des herntnvachsendcn Geschlechtes beruht, kann ihren Volksfesten neben der Freude keinen besseren Inhalt geben, als die Entfaltung im Ringen der Kräfte. Unter jugcndfrischcr Kraftäußerung sind die bisherigen Turntagc gefeiert worden. Die erste Zusammenkunft, die den Verband der ״Jü* dischen Turnerschaft“ schuf, führte unsere Turner 1903 nach Basel, zum Schauturnen vor Herzl und den Vertretern des Volkswillens. Das erste größere Verbandsschauturnen fand 1907 in Wien statt. Ein Jahr darauf wurde in Köln eine Vorturnerstunde abgehalten, und auch' der vierte Turntag (Berlin 1909) sah die Vereine in ernster turnerischer Arbeit Schulter an Schulter. Im seikon Jahr turnten die nationaljüdischcn Turner, von Nordau durch eine unvergeßliche Ansprache -belohnt, vor dem Zionistcnkongreß in Hamburg. r ״Der ZI0nL־;Juuo cratrobt für daa jüdleclio Volle clio Schaffung einer iJffcatl’cli-rccistlicb £esickerten HcImsUltto In PitlösliiUi.“ Dr.nolcr ”rogramta. -;*•«»י ■miWiHLJM So wurde der Turngedanke fruchtbar propagiert und wirkt heute durch unzählige Fäden persönlicher Verbindung allüberall, wo jüdische Arbeit geleistet wird. Vielfach sind auch, uriabhängig von der zentralen Turubcwegung und fern dem ־ Kulturkreis, in dem sie erwachsen ist, auf Grund einer bestimmten historischen Not- Wendigkeit jüdische Turn- und Sportvereine entstanden, als natürliche Reaktion eines im Kern gesunden Stammes auf die durch äußere Um• Stände bedingte physische Entartung. Mit ihnen hat die ״Jüdische Turnerschaft“ Verbindung aufgenommen und sie, wo die Verhältnisse es zuließen, ihrer Organisation angegliedert, so daß jetzt etwa 50 Vereine unter der hlauweißeu Turuerfahue stehen. Dazu kommen die zahlreichen Vereine, die, ohne formell ihren Beitritt vollzogen zu haben, bewußt oder unbewußt, ideell von der ״Jüdischen Turucrschaft“ abhängig sind. Das Schwergewicht der jüdischen Turnbewegung ist allmählich nach dem Orient gerückt worden. Der ״Makkahi“ in Konslantinopel, das iiationaljüdisehe Zentrum der Türkei, hat unsere Parole vom Muskeljudentum in großzügiger und sinnfälliger Weise in die orientalischen Massen getragen. Sein Interessenkreis reicht von Bulgarien bis nach Palästina. Die bulgarischen Turner bilden innerhalb der ״Jüdischen Turner* Schaft“ einen besonderen Landesverband mit zionistischer Tendenz. Ucbcr die Turnvereine in Palästina ist in diesem Blatte des öfteren be• richtet worden. Viel erhoffen wir dort von Zwy Orlof f, dem Turnlehrer am Hebräischen Gymnasium in Jaffa, der, ebenso wie die Lehrer des ״Makkabi“, seine Ausbildung von der ״Jüdischen Turucrschaft“ erhalten hat; er ist zurzeit damit beschäftigt, einen hebräischen Leitfaden für den Turnunterricht hernuszugeben und Ferienkurse für die Lehrer in den jüdischen Kolonien ein• zurichten. Alte und bewährte Glieder vier ״Jüdischen Turncrsehaft“ sind die Vereine in den . öster•!viehischen Ländern. Dort tritt der jüdische Turnverein als nationale Truppe in Aktion. Die Stu• dcntcnschaft liefert in weit höherem Maße als in Deutschland die leitenden Kräfte, Es sei hier auch an das Eintreten der jüdischen Reichs• ratsabgeordneten für die Turn er ei erinnert. In Deutschland sind wir in den letzten Jahren sichtlich vorangekommen. Unter dem Eindruck des Hamburger Kongreßschauturnens entstand eine Reihe neuer Vereine, namentlich im Westen des Reiches. Sie alle leiden zwar unter den Schwierigkeiten, die ihnen von jüdischer Seite bereitet werden, jedoch sind die Aussichten für die Zukunft recht günstig, namentlich, wenn die vorgesehene Kreischtteihmg die straffere Olganisation bringen wird. Neue Vereine sind auch in der Schweiz und ־— mit Genehmigung der Regierung — in Rußland entstanden. Werfen wir nun einen Blick in die praktische Tätigkeit der Turnvereine! Still, schlicht und ohne Tamtam leisten die Turnwartc und Vorturner jahraus, jahrein ihre Arbeit. Der Weg der Jugenderziehung, der gerade in neuester Zeit von den weitesten Kreisen cingcschlagen wird, hier ist er seit langem beschritten worden. Tausende sind durch die Schule der Vereine ge* gangen, haben sich körperlich gekräftigt und zu Männern von aufrecht jüdischer Weltanschauung herangebildct. Mit besonderer Liebe ist das Turnen der Kinder und Zöglinge gepflegt worden. In der Mehrzahl der Vereine wird das ״deutsche Turnen“ Jalms betrieben, dessen Stärke in» geregelten Riegenturnen an Geräten liegt. Hauptaufgabe ist, die Durchsclinittslcistungeu zu heben. Auch der Schwächste und Ungeschickteste soll mit innerer Freude turnen und wahrnehmen, daß er kräftiger, gesunder, geschickter wird. Dabei wird er bald erkennen, daß unser Turnen als eine Kunst planmäßig betrieben wird, und daß ihm bei aller verwirrender Mannigfaltigkeit der Formen natürliche Gesetze zugrunde liegen. Die Frage, ob die Art des deutschen Turnens, die ihre Pflege doch hauptsächlich unter den Deutschen iindet, der jüdischen Veranlagung entspricht, und aus welchen Gründen sie von der ״Jüdischen Turucrschaft“ kritiklos übernom* men wurde, ist hier nicht zu untersuchen. Es sei nur festgcstellt, daß auch die ״schwedische Gymnastik“ in unseren Vereinen, namentlich in den Frauenabteilungen, Eingang gefunden hat. Wir haben uns keineswegs auf ein be* sti.untes System festgelegt, und nehmen das Gute, wo wir es finden. So haben wir uns in den letzten drei Jahren ein neues Gebiet erobert, den Sport. Wir haben zwar der volkstümlichen und sportlichen Uelmngsweise schon das Wort geredet, als sich die ״Deutsche Turnerschaft" und andere Turnverbändc noch strikte ablehnend verhielten. Die Belebung unseres Turnbetriebes nach’dieser Richtung hat sich als fruchtbar er* wiesen; die Begründung von Sportabteilungen und der Beitritt rein sportlicher Vereine zeigt, daß wir auf dem rechten Wege sind. Nach der ] dem 5. Turntag vorzulcgcndcn Satzung soll die ״Jüdische Turnerschaft“ alle Organisationen ihrer Tendenz umfassen, die Turnen oder Sport systematisch pflegen, also auch Athletik- und Fußballklubs, Ruder- und Schwimmvercine, Wandergruppen usw., alle Kreise, die gewillt sind, au der körperlichen Renaissance der Juden mitzuarbeiten. Der bevorstehende Turntag kann somit der Ausgangspunkt einer neuen grollen Ent- Wicklung des jüdischen Turngedankens werden! Die turnerischen und sportlichen Vcranstal* tungen des 5. Turntages sollen markant das widcrspiegcln, worin wir weitergekommen sind und weiterstreben. Ein turnerischer Fünfknmpf an Geräten (Reck, Barreu, Pferd, Freisprung, Hangeln), in Pflicht- und Kürübungen wird unsere besten Turner atif dem Plan sehen und in diesen Wochen einen hervorragenden Stinitilus auf den Betrieb der einzelnen Vereine ausiiben. Eine Verbands-V o r t u r nc r s t u n d c wird zeigen, ob die ״Jüdische Turnerschaft“ einen Nachwuchs besitzt, dem sie die Führung ihrer Mannschaft ohne Sorge anvertrauen kann. Denn nicht wenig ist es, was wir von unsern Vorturnern verlangen: den ganzen Mann. Keine, bloßen Techniker der edlen Turnkunst und Bildner ihrer Jünger, sondern jeder selber ein Vorbild strengster Mannhaftigkeit und Judentreue. Eine Lektion unter hebräischem Kommando soll die Teilnehmer an der Lehrstunde mit dem Gedanken einer einheitlichen Turnspräche vertraut machen. Auch für die Vorturncrinncn ist eine Ucbungssttinde vorgesehen. Ein sportliches Meeting wird vdcn Höhepunkt des Turntages bilden. Folgende Konkurrenzen