Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 J U EDI SC H E RUNDSCHAU Seite 167 Da» ״Komitee zur Wahrung der Rechte der kleinen mul mittleren (lemcitiden" ersucht uns inil/iileileii, dall es die aut *einem Standpunkte »teilenden Delegierten zu einer Vorbesprechung cinladet, die am |ל. Mai a. c., abends ‘)Uhr, 1111 Burg-Hotel, lleriin, Btirgstr. 20, »tatltindet. «■£u$.au€R wm 0 Russland Mittwoch, den I. Mai, verschied in Lodz nach längerem Krankenlager der Rabbiner der jüdischen Gemeinde, Rabbi Ellas Chaim Meisel, mi Alter von ‘)I Jahren. Der Verstorbene war eine der ange• sehenslen rabbinischcn Koryphäen der russischen Judeuhcit. Diese verliert mit seinem l linscheiden eine ihrer markantesten führenden Persönlichkeiten, einen Mann, gleich ausgezeichnet durch tiefe Oclehrsnm• keit, grolle Herzensgute und lautere Frömmigkeit, wie durch aullerordentliche Tatkraft und vielseitige hingebungsvolle Arbeit im Dienste der jüdischen de• sämtlich. Rabbiner Meisel wurde im Jahre IS21 in llorodok, Oouv. Minsk, geboren. Schon in seinem l'l. Lebensjahre erhielt er die Approbation als Rnb* bincr. Im I‘). Lebensjahre wurde er zum Rabbiner der jüdischen Oetncinde seiner Heimatstadt gewählt. Später bekleidete er die Stelle eines Rabbiners in ' Deretschin, Pruzany und Loniza, bis er im Jahre 1873 nach Lodz, berufen wurde, üleich zu Anfang seiner Amtstätigkeit widmete sich Meisel hier der Pflege jüdischer Wohlfahrtsbcstrebungen, wobei er «>ft persönlich tätigen Anteil nahm. Besondere Sorg• falt wandte er den jüdischen Arbeitern zu. So ent• stand dank seiner Initiative die kooperative Weberei für jüdische Weber, die leider nicht lange existierte. Er gründete ferner eine Talmud Tor.vSchnle, in der jährlich gegen 900 jüdische Kinder unterrichtet werden. Rabbiner •Meisel genoß auch in weiten Kreisen der nichtjüdischen Bevölkerung hohe Verehrung und Sympathie. Das Leichenbegängnis, das am 2. d. M. statt• fand, gestaltete sich zu einer überwältigenden Trauer• kuudgebung. Von Nah und Fern waren die Amts• genossen und Verehrer des Verstorbenen, Dipittationen der verschiedenen jüdischen Gemeinden und Körperschaften, herbeigccilt. i.m Rabbiner Meisel das letzte Geleit zu geben. Man schätzt die Zahl der Teilnehmer au dem Leichenzug auf 100 000 Per• .suncu. Im ganzen russischen Reiche werden Trauerfeiern für den Verewigten abgeh,alten. Ungarn Dank den Bemühungen des Rabbiners Dr. A. Jordan in Szntmar ist ein Kindergarten mit hebräischer U n t e r r i c h t s s p r .1 c h e eröffnet worden, wohl die einzige derartige Anstalt in Mittel• ctiropa. Der Kindergarten wird von einer in Palästina aiisgehildeten Lehrerin geleitet. Spanien Die gegenwärtige spanische Regierung scheint es mit der Idee, die spaniolischen Juden des Orients nach Spanien zurückzuführen, recht ernst zu nehmen. Wie uns aus Sofia berichtet wird, he schattigen sieli die bulgarischen Blätter in letzterer Zeit sehr viel mit dem Ursprung und der Entwicklung der spaniolischen Juden in Bulgarien. Ein Delegierter aus Spanien ist vor einigen Tagen in Sofia erschienen, hatte mit den Führern der Juden wiederholt Kon ferenzen und konnte sich überzeugen, dall sie trotz, der vielen Jahrhunderte die spanische Sprache in ziemlicher Reinheit erhalten haben und überdies ver׳ schicdcuc altspanisclic Romanzen und Cnaiisoiis ge rettet haben, welche in Spanien selbst längst nicht inehr bekannt sind. Wie uns aus Sofia gemeldet wird, sind die Versuche des spanischen Delegierten, der übrigens als Hauptzweck seiner Reise die Summ• hing aitspanischer Lieder angab und nur nebenbei auch die Repatriierungsfrage berührte, wenigstens was die biilgarisclicn Juden betrifft, vollständig gesellet• tert. Von Sofia setzte der Abgesandte der spanischen Regierung seine Reise nach Helgrad-Salouiquc usw fort. ’ Wintersaat vernpriclit einen ßtdeu Ertrag. Nur rtn ciii/ehicit Stellen hat der Weizen infolge der über• mäßigen Niederschläge gelitten. Die <!erste entwickelt sieh sehr günstig. In den letzten Jahren ist In Clic• dera auch viel Hafer mit gutem Erfolg nngebaiit worden. In diesem Jahre dürfte der Ertrag dieser Fruchtgattiing qualitativ und quantitativ nullcrorilentlieh befriedigend nein. Die Zalil der jüdischen Landarbeiter in Gliedern gab, sind jetzt denen Pflanzungen etwa 70 aschkenasisclie und •10 jemenitische Arbeiter beschäftigt. Vor kurzem wurde hier eine gemeinsame Arheiterküehc eröffnet, der auch eine kleine Bibliothek angegliedert ist. Der Lehrer der Kotouieseluile hat im verflossenen Winter 11c• hräisehe Abendkurse für die Arbeiter eingerichtet, die sieb eines regen Zuspruches erfreuten. Es ist in Aussicht ]genommen, für die neuaiigekommenen Jcmcnitcnfnniilicn kleine Wohnhäuser zu errichten. Hierdurch wird die dauernde Selihaftinnchung dieses sympathischen und arbeitsamen Bevölkerungselcincnts in unserer Kolonie erreicht werden. in allgemeinen kann man sagen, daß Gliedern sowohl in wirtschaftlicher wie in national-kultureller linsielit bedeutende Fortschritte macht. Auch die Ocsuiiditcifsverhältiiisse dieser in den ersten Jahren von der Malaria schwer heimgesuchteit Siedlung sind jetzt durchaus zufriedenstellend. PAL'AeSTIMA-RUrJDSCHAU In den ersten Tagen des Pcssachfcstcs fand in der jüdischen Kolonie S e d j e r a ein Delegierten• tag der jüdischen Landarbeiter aus den galiiäischen Kolonien statt. Vertreter der Arbeiterschaft aus Me r c 11 a w j a , K i ne זe 111, M ed sclut eI, P o r i a , D a g a n j a , S e d j c r a M i z 0 e 11, Mil• cliam ich und Mcs’clia, sowie des Arbeiter• klubs in Haifa hatten sich zur Tagung eingefun• den. Es wurde über die Lage der jüdischen Land• arheiter in den einzelnen Siedlungen berichtet und verschiedene Maßnahmen zur Stärkung ihrer Posi• tion und zur Besserung ihrer Lebensverhältnisse bc• sprochen. Die Versammlung befaßte sich mich ein• gehend mit der Lage der j e m c n i t i s c h e n Land• arbeiter und beschloß, deren Interessen bei der Ad• ministration der lea wahrzunehmen und den Jcme• niten in jeder Weise beizustchen.. In den letzten Monaten sind in Chcdcra •100 Du• nam Boden mit Mandel• und Oclbäumcn, ferner wei• terc 150 Dunam mit Orangen neu bep lanzt worden. Die Orangengärten sind hauptsächlich durch die ״Agudath Netaim" angelegt worden. Die diesjährige XIII. Delegiertentag 26.-28. Mal (Pfingsten) 1912 ln Posen, ״Reichshnllcn“, Herderstraße Tagesordnung! M o n t a g, den 27. M a i. Vormittngssitzuiig (9 Uhr präzise). a) Geschäftsbericht: Erstattet vom Vorsitzenden R.«A. Dr. Artur Hantkc. b) Finanz-Bericht: Dr. Hans Heymann. c) Begrüßung durch das engere Aktions-Komitee. U) Begrüßungsansprachen der zionistischen und natl• onaljiidischen Organisationen in Posen. e) Wald des Präsidiums. f) Unsere Palästinapolitik: Referent Leo Motzkin. g) Erziehung zum Zionismus: Kurt Blumenfcld. Naelunittagssitz.ung (2Va Uhr). a) Debatte über die Berichte und das Referat ״Er- Ziehung zum' Zionismus“. b) Debatte über das Palästina-Referat. Dienstag, den 28. Mai. Vomiiltngssitzuiig (9 Uhr präzise). .ו) Unsere Nationalfondsarbcit: Referent Dr. Max Sichel. b) Spezialdebatte über Jugemlpropaganda. c) Anträge des Zentralkomitees. Naelimittagssitzimg (3 Uhr). a) Abänderung der Statuten: Referent Dr. Julius Becker. b) Wahl des Zentralkomitees und der Revisoren. c) Wald der deutschen Mitglieder des Zentralkomitees der zionistischen Oesamtorganisation. d) Feststellung des Etats für das Geschäftsjahr 1912. Diejenigen Ortsgruppen, die ihren finanziellen Verpflichtungen gegen die Landsmannschaft (Ab• fiilirung von M. 3,— pro Mitglied) nachgekommen sind, werden nunmehr anfgefordert, die Wahlen zum Delegiertentage voi/nnclimen. Die siimnigen Gruppen seien nochmals dringendst ermähnt, die Lntnlesheiirligc unverzüglich abzusenden, um ihren Mitgliedern das Wahlrecht zu wahren. Es sei auf die folgenden Paragraphen unseres Statuts verwiesen: .ל 8 Das Wahlrecht zum Delegiertcntag ist abhängig von der Zahlung des Landesbeitrags. Jede Ortsgruppe wühlt einen Delogierten. Orts• gruppen von mehr als 50 Mitgliedern zwei Delegierte. Ortsgruppen von mehr als 100 einen Delegierten für jedes angefangene weitere Hundert. §8. Die Mitglieder des Zentralkomitees hoben Sitz und Stimme auf dem Delegiertcntag. 8 9. Das passive Wahlrecht zuin Delegiertcntag be• ginnt mit Vollendung des 24. Lebensjahres. 8 10• Jeder Delegierte verfügt nur über eine Stimme. Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden. TribUncnkurten Für Gäste werde» numerierte Trihuiiciikartci! zum Preise von 50 Pf. aiisgegebcn; dies«• bcrcclitlgcn zur Teilnahme an allen Sitzungen. Auswir« tige Gäste wollen diese bis zum 12. Mai bei dem Unterzeichneten Vorsitzenden der Vcrkvhrskommis• sion unter Einsendung von öf) Pf. (itikl. Porto) be• stellen. Qästc aus Posen können die Karlen bei Pleßncr, Papiergeschäft am Alten Markt und im Auto* matenrestaurant M. FI a t a u, Berliner Str. 6, bc• ziehen. Zugverbin dun gen: Ab An Po.seu: Berlin: 9,42 2 22 7,42 1,51 0,60 11.611 Breslau: 7,34 11,27 4.20 8,12 9,69 1,47 <;,64 12,U7 Stettin: 5.10 9,48 2 43 7.47 10,40 2,40 0,28 11.47 Danzig: 9,10 4.28 2,64 U.IO Königsberg: 7,27* 2,37 3,89 2 54' H.1C 1.7>H •) U«b«r Dirndiau * Für die üclcgicrtcntagung sind im Rcsidcn/.hotel und Im Hotel Friedrichshof Zimmer zum ermäßigten Preis von 2,50 M. bis 4 M. reserviert. Die geehrten Delegierten und Gäste wollen sich mit ihren event. Wünschen und Anfragen an die unten bezeichnet« Adrc9sc wenden. Die Vcrkehrsko in in i s s 1 11 ״. Abraham Gutmann, Posen, Allcrheiligcnstr. 3. Zur Uebernahmc von Mandaten haben sich bereit erklärt: Josef üoldsclunidt, Hamburg; Dr.Julius Becker, Berlin; Dr. Eliasberg, Berlin; Dr. Stahl, Tarnowitz; Zahnarzt Max l nufer, Posen; Frau Frida Schachtel, Max Ehrlich, Fraulein Piue Bileski, Fräulein Bertha llawidmv, •amtlich in Breslau; Referendar Josef Marcus, z. Zt Franken• stein i. Schics.; Dr. Hoppe, Dr, Pelz, M. L. Sambursky, Dr. Roscnfeld, Dr. Berlowit/, Leo Diencs• mann, A. I, Rosenzweig, Otto Golm, Joset Salzmann, Willy Pcrlis, Moses Marx, sämtlich Königs• berg; Simon Seherck-Pcsen; Znlinnr/t Freund, Kern• pen i. P.; Josef Lachmaun, Kattovvitz; Fanny Hildesheimer, Berlin; Josef Lin, Berlin; Leopold Lesscr, Max Paradies, Siegfried Nu.mark, Posen; Anitsgcrichtsrat Bhmienfeld, Insterburg; Rchcckn Scherek, Posen. Gemeldete Deleglertenwahlen Mülhausen j. Eis.: Dr. J י r e in . a s Pomii. Rc• daktcur Fritz A br a ha m Berlin, Delegierte, i co Kolleiiseher-Posen, Ers.it/delcg1ertcr Breslau: Frau Adele Sandler, R..-\. Dr. C'irt Weiß, Samuel Nelken. Dr. Herrn,•!nn Bad' sämtlich Breslau, Delegierte. Frau Frieda Schachtel-Breslau, Ersatzdelegierte. Halberstadt: Isaac F e u e r r i ■1« 11. I >.1\ui I reu n d, heidc I l.ilhcrst;ult, Delegierte, Keinhohl Warhurg• Nordhausen, Referendar Felix lo.-eiihliith-Berlin und Referendar Erich Colin-Berlin, Ers.1l/«leh־g1erte Agitationsreisen des Parteisekretärs Stricgau. Hier fand dieser Tage die erste /io* nistischc, vielleicht überhaupt die crs;e jüdische Ver• Sammlung größeren Stiles statt. Debet 0(» Personen füllten den Saal, darunter auch solche ans Jauer, Schweidnitz, Reichcnbacli, ja seihst aus Frankenstein. Herr Referendar Marcus, ein aller Strieganer, hegrüßte und leitete die Versammlung Herr Partei- Sekretär Rosen bau in sprach in gioßzügiger und vielseitiger Weise über ״W ,1׳ s will der Z i o 11 i s in us“. Es war eine herzliche Freude, zu sehen, wie eifrig alle hei der Sache waren, wie eifrig uticl anregend die Diskussion war, die sieh fast bis Miller• nacht liin/og. Es wurde viel gefragt und viel be• kämpft, aber mau sah die alten Vorurteile gegen den verkannten Zionismus immer mehr schwinden, 111:111 kam sich näher mul naher, und schließlich krönte die tief aus dem Herzen kommende Frage den Abend: ,jWie können wir Strieganer helfen?" Aut diese• Frage soll ein zweiter Abend demnächst antworten. Man siebt, in Stricgau kann bet einiger Anregung munteres jüdisches Leben entstehen. Auch die verdienstvolle junge Gründung des jüdischen Jugend- Vereins ist ein deutlicher und erfreulicher Beweis dafür. * Share-Club der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Hamburg• Ferdinandstr. 55. 1. Die Herren Ortsgruppcnvorstiindu und Ver• traucnsmiinner werden dringend gebeten, die Zir* kularc des Share-Clubs zu beantworten. 2. Herren oder Damen, die die Aktien der jiteii. selten Kolonialbank der ״Anglo-Palestiiie Cnn1|1auy" und ״Palestine Land Development Co." durch Voll- oder Teilzahlungen erwerben möchten, wollen ihre Adressen unverzüglich angebcu. 3. Ebenso Herren oder Damen, die die Marken des Sliarc-Clubs in ihrem Bckanntenxreisc verkaufen können und wollen. 4. Einzahlungen für Rechnung des Share-Clubs geschehen kostenlos durch das Postscheckkonto der