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Jüdische Rundschau · 1912-05-03 · Heft 18 (3.5.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 18 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seile 155 Es ist natürlich, ilalt überall da. wo kein Ver• stämlnis für die mögliche» Schädigungen durch minderwertiges Wasser vorhanden ist, hierdnreh schwere Gefahren tiir die gesamte Vnlkspesuudlieil Iieraidlnschworeu werden können. Diese (ielahren sind denn auch nicht nur in der Theorie vnrhaiulen, sondern bestellen tat>.1eldicl1. Wer auch nur wenige J.ilirc in P.il.islina gewesen ist, kann konstatieren,!fall mit linde dei trockenen Zeit, wo nur schmutziges Wasser in den Zisternen vorhanden ist, iiinner wieder dieselben Krankheiten aultrelen; ebenso dienen diese Zisternen nml Hiimnen da, wo sic nicht sachgemäß behandelt werden, für da־* ganze Land als Brutstätten der Malaria. Man kann sie cinschräukcii dadurch, dalf mau eiu/elne I'.ri nnen in moderner Weise saniert. Hei dein vorherrschenden System der Wasser- Versorgung kann man sich deukrcu, dali von einer!:rollen Ansammlung von Wasser gar nicht die Hede sein kann. Jeder einzelne macht nur gerade eine so grolle Anlage, wie er für den eigenen Bedarf he• nötigt; für gewerbliche Zwecke bleibt kaum etwas übrig, und mm erst recht nichts fiü den wichtigsten Zweck, nämlich für die Kanalisation. Die Kanalisation ist ein fast unbekanntes Ding in l’alästina, Mau sieht /.war im Laufe des Jahres in einigen Städten 20 Bis HO mal das Pflaster aufreiften, und es kommt die Kanalisation /utage. d. 11. schlammige Gänge, die stagnierenden Sclimiil/ führen: aber cs dauert wochenlang, ehe das Hindernis he• hoben ist, und nur selten ist man imstande, sofort zu sehen, an welcher Stelle da! Hindernis sich he• findet. Von Berechnung des Gefälles mul Anlegung richtiger Kanalisationsröhren kann nicht die Heile sein, weil eben die öffentlichen Mittel nicht er• lauheii, eine solche Anlage zu schaffen. Man kann mit Recht sagen, dall diese Art von Kanalisation weit entfernt ist, dem zu entsprechen, was wir in Europa mit diesem Begriff verbinden, und dall sie eine Quelle gefährlicher Erkrankungen bildet. Zum Teil hegt das au der gaii/eu Art, wie im Orient die Straßen angelegt werden. Man muH, wenn man von orientalischen Strallen spricht, ahsehen von unscrin europäischen Straltenhegriff. Es entsprechen, tun ein Bild zu gebrauchen, in Europa die Strallen den Nerven oder Blutgefäßen, im Orient höchstens den Gewcbsspaltcn, in denen die Lymphe zirkuliert. Von einigen wenigen Hauptadern geht ein Gewirr von Gäßchcn aus. Jeder haut, wo es ihm paßt, und wo eine Lücke bleibt, entsteht eine ״Straße". Bei solcher Anlage von Straßen, die durchaus durch Zufall entstanden sind, und nicht durch Bc* rcclumng der Behörden, ist cs selbstverständlich, daß man kein geordnetes Kanalisationsnetz hohen kann. Es gibt nur einige wenige Ausnahmen. Zunächst sind zu neunen die meist städtischen Kolonien, welche die deutschen Kolonisten in den 7» er Jahren angelegt haben. Von solchen deinsehen Kolonien gibt es einige bei Jerusalem, bei Jaffa und Haifa, außerdem noch zwei in der Nähe von Nazareth, Waldhcim und Bethlehem. Sie wissen, dall die Sekte der Templer aus Württemberg eingewaiidcrt ist und nach Palästina ihre Sitten und Gebräuche verpflanzt und damit in• mitten orientalischer Städte wirkliche Oasen geschaffen hat. Dort befindet sich auch ein geordnetes Straflensvstem. Es handelt sich aber überall nur um Siedeluugcn von wenigen hunderten von Men• selten, die es für unnötig gehalten haben, besondere Kanalisatioiisanlagcu zu schaffen. Eine weitere Ausnahme machen die jüdischen Kolonien. Es gibt, abgesehen von den städtischen Jutlenvierteln, etwa HO Hauern-Kolouien, die durch• weg den Eindruck europäischer Dörfer machen, und zum großen Teil mit Wasserleitungen von der nächsten Quelle aus versehen sind. Sie entsprechen ungefähr den Anforderungen, die wir hier an ein größeres Dorf stellen würden. Die jüdischen Kolonien hegen in einer Gruppe um Jaffa, ferner aut dem Wege nach Haifa und im Nonien des Landes, in Galiläa." (Fortsetzung folgt.) Zeitschrift ״Palästina“ Die Zeitschrift ״Palästina", das bereits int IX. Jahrgang stehende Zentralorgan für die jüdischen Palüslinabestrebungcn, ediert soeben ein Doppelheft (März-April), welches dem Jüdischen N a t i 0 ח a I f o n d s aus Anlaß seines K) Jährigen Besinn• des gewidmet ist. Das überaus reichhaltige und mit zahlreichen Illustrationen und Tabellen versehene Heft enthält eine Heilte von Artikeln über den National• fonds und die Fragen der jüdischen Kolonisation P.> lüstütns, A. Böhm (Wien) gibt in einem Artikel über die ״Bedeutung des Jüdischen גא• tionalfonds" eine übersichtliche Zusainmcnstel* hing der bisher vom J, N.-F. geleisteten Tätigkeit, die er nach ihrer Bedeutung würdigt, Hugo S c I! n c 11• tcl (Breslau) erzählt unter dem Titel: ״Ein historischer Rückblick" die Geschichte des J. N.-F. von der ersten Anregung durch Prof. Schapira angefangen. Pr. E. Zweig gibt unter dem Titel: ״Aus der Statistik" eine Ucbcrsicht über die Sammeistclle des J. N.־F, und ihre Resultate, der zwei äußerst instruktive Diagramme beigegeben sind. Dr. Artur Ru pp in (Jaffa) erörtert in einem Auf- *atz ״Die Landarbeiterfrage in Palästina", welche bekanntlich das kardinalste Problem der jüdischen Koloui*,ation darstellt. Er entwickelt ein System, das nach den bisherigen praktischen Erfahrungen geeignet wäre, den besitzlosen ostjüdischcn Proletarier lang- >am zum cigcnwirlscliaftciulen Landwirt aufsteigen zu lassen, wobei natürlich die Mithilfe der nationalen institutionell im Anfang nicht zu entbehren sind. In einem weiteren Aufsatz stellt das von Dr. Ruppin geleitete P a l ä s t i 11 a a m t einen Plan auf, wie der Jüdische Nationalfomls mit anderen Kolonisatious• gcscll:;chaf!en zweckmäßig Zusammenarbeiten kann. Jos eh na Feldman״ hält in einem Artikel über ״Die Ansiedlung der Jemeniten" die Beihilfe des J. N.-F. zu dieser wichtigen Arbeit für dringend nötig. Die Juden, weiche aus Arabien nach Palästina strömen, stellen ein überaus nützliches Element für die -Kolonisation dar, weil sie an Klima und harte Arbeit gewöhnt sind und den Arabern an Genügsamkeit nicht nachstchcn. I)r. Ernst Müller (Wien) schildert in seinem Artikel ״Auf nationalem Borlen" überaus anziehend, welches Bild die Natio. nalfondsfarnt Hcu-Schauicn früher geboten hat lind wie e« jetzt dort aussieht. Dr. CI1 wollen schreibt über die in Palästina cinzttfülircnde Bienenzucht, Direktor Auhagen über die Haltung des Milch, viehs usw. Die Niuuincr enthält auch die üblichen reichhaltigen Rubriken: Misccllen, Nachrichtcnscliau, Bueherbesprechungen usw. Eine Reihe wohlgchm• gener Abbildungen unterstütezn den Test auf das wirksamste. Die Zeitschrift, deren Abonnement sich sehr empfiehlt, kostet nur H Kr. (3 M.) pro Jahr. Ihre Adresse ist Wien, IX., Türkcnstraßc 9. AUS ALLCR Wf LT ». Dcutadiland ln der Sitzung lies preußischen Abgeordneten• h.mscs vom '27. April leistete sich der konservative Abgeordnete H n inmcr bei der Besprechung des Hausierhandels die Bemerkung: ״Die unerwünschten galizischtn Juden müßten getroffen werden; das w n 11 s c h e 11 auch viele deutsche Jude n". Wir wissen nicht, wie viele deutsche Juden den I lausicrhamlvl im allgemeinen als einen Wirtschaftlieben Schädling betrachten und ihn bekämpfen zu uiiissui glauben. Daß der ״jüdische Antisemitismus" alur bereits derartige Blüten getrieben haben sollte, wie sie Herr Hammer beobachtet zu haben glaubt,, müßte erst bewiesen werden, Immerhin haben die deutschen Juden allen Grund, durch ihr brüderliches Verhalten gegen ihre östlichen Stammcsgeiiosscn sol* eilen Unstcrslelhuigen wie sie der konservative Herr belichte, ein für allemal auch den Schein der Bercehtigiing zu nehmen. (fnf/arn Vorige Woche fand in Budapest in der Landcskanzlei'der orthodoxen Judenschaft eine Konfennz. in Angelegenheit des geplanten orthodoxen Wcltvcrbandcs ״Aguilas Jisroel" statt. An der Konft renz iiahiucn die Rabbiner Dr, S. Breuer• Frank• furt a. M., R c i c 11 Budapest, Silberstein־ Waitzeii mul der Präsident der Lnmleskanzlei, Adolf Frankl, teil. Dr. Breuer teilte mit, dall das Komitee der ״Agudas Jisroel" die Einberufung einer Grün• dungsvciSammlung nach Katto witz (Oberselilcsien) beschlossen habe und bat die rabbinisclien Führer der orthodoxen Judenschaft Ungarns um deren Anschluß an die Bewegung und tun die Beschickung der Kattowitzer Versammlung. Nach längerer Beratung erklärlen sieh die ungarischen Konferenzteilnehmer mit dem Programm des Verbandes einverstanden und versprachen, die Angelegenheit der demnächst ein• zuberufenden Zvntrnlkomnmsion der orthodoxen Gc• nieiiiileii befürwortend zu unterbreiten. Wenn sich die Zentralkommission für den Anschluß »״*sprechen wird, so werden einige Delegierte au# Ungarn an der Grüiidungsvcrsrnninliiiig in Knttowitz teiliielimcn, PALAeSYlNA-RUNDSCHAU Seit mehrere» Jahren ' bestellt in J e r u 8 a 1 c nt inner dem Namen ״Kchillaih Jakob" eine Vereint• gnng jüdischer junger Leute, die den Zweck hat, für ihre Mitglieder ein ländliches Grundstück fn der Nähe von Jerusalem zu erwerben, tun dort eine neue jüdische Kolonie zu schaffen, die hauptsächlich Oeimisebau und Milchwirtschaft treiben soll, Der Kauf eines geeigneten Terrains in unmittelbarer Nähe Jerusalems ist nun dieser Tage abgeschlossen worden, und die Begründung der Kolonie erscheint damit als gesichert. 17er bekannte amerikanisch-jüdische Philanthrop Nathan St ratiss hat bei seiner jüngsten Anwesenheit in Jerusalem ein größeres Grundstück nächst dem Grabmal Raitels erworben, um darauf späterhin eine Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu errichten. ZJOHISTISCHe ßeV/cGUNG XIII. Dclegicrtentag 26.-28. Mal (Pfingsten) 1912 In Posen, ״Rclchshallen“, Herderstraße Tagesordnung« M o n t a g, den 27. M a i. Vorinittngssitzung. a) Geschäftsbericht: Erstattet vom Vorsitzenden R.-A. Dr. Artur Hantkc. b) Finanz-Bericht: Dr. Hans Heymann. c) Begrüßung durch das engere Aktions-Komitee. d) Begrüßungsansprachen der zionistischen und nationaljüdischen Organisationen in Posen. e) Wahl des Präsidiums. f) Unsere Pnlästinnjiolilik: Referent Leo Motzkin. g) Erziehung zum Zionismus: Kurt Bluincnfcld. Nacliinittagssitzimg. a) Debatte über die Berichte und das Referat ״Er- Ziehung zum Zionismus". b) Debatte über das Palästina-Referat. Dienstag, den 28. Mai. Vormittagssitzung. a) Unsere Nationalfondsarbcit: Referent Dr. Max Sichel. b) Spezialdebatte über Jugendpropaganda. c) Anträge des Zentralkomitees. Naclimittagssitzung, a) Abänderung der Statuten: Referent Dr. Juliut Becker. b) Wald des Zentralkomitees und der Revisoren. c) Wald der deutschen Mitglieder des Zentralkomitee• der zionistischen Gesamtorganisation. d) Feststellung des Etats für das Geschäftsjahr 1912. Diejenigen Ortsgruppen, die ihren finanziellen Verpflichtungen gegen die Landsmannschaft (Ab* führung von M. '3.— pro Mitglied) nachgckommcn sind, werden nunmehr aufgdordert, die Wahlen zum Dclegicrtentage vorztuielimcn. Es sei auf die folgenden Paragraphen unseres Statuts verwiesen: .ד 8 Das Wahlrecht zum Delegiertentag ist abhängig von der Zahlung des Laiulcsbeitrags. Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten. Onsgruppen von mehr als 50 Mitgliedern zwei Delegierte. Ortsgruppen von mehr als 100 einen Delegierten für jedes angefangene weitere Hundert. 8 s. Die Mitglieder des Zentralkomitees haben Sitz und Stimme auf dem Dclegicrtentag. § 9. Das passive Wahlrecht zum Dclegicrtentag beginnt mit Vollendung des 21. Lebensjahres. 7 •8 1«• Jeder Delegierte verfügt nur über eine Stimme. Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden. Die säumigen Gruppen seien nochmals dringendst ermahnt, die Landesbeiträge unverzüglich abzusenden, um ihren Mitgliedern das Wahlrecht zu wahren. Tribünenkarten Für Gaste werden numerierte Tribüncnkarten zum Preise von 50 Pf. ausgcgcbeii; diese bcrechtigen zur Teilnahme an allen Sitzungen. AuswHrtige Gäste wollen diese bis zum, 12. Mai bei dem Unterzeichneten Vorsilzeiulctt der Vcrkchrskommis• sion unter Einsendung־ von 00 Pf. (inkl. Porto) bcstellen. Gäste aus Posen können die Karten bei Pleßucr, Papiergeschäft am Alten Markt und im Auto* niatenrestaurant M. FI a t a u, Berliner Sir. 6, beziehen. Zugverbin Ab Berlin: 9,42 2.22'7,42 Breslau: 7,34 11,27 4,211 8,12 ,Stettins 6,10 0,48 2,43 7,47 Danzig: 0,10 4.28 Königsberg: 7,27» 2,37 3,89 *} U*bor Dlruchnu düngen: An Posen: 1,51 6,50 21.60 0,60 1,47 6,64 12,07 10,40 2,46 0,28 11,47 2,64 11,10 2,54! 11,10 1,68 Für die Delegicrtentagung sind im Rcsidcnzhotci und im Hotel Friedriclishof Zimmer zum ermäßigten Preis von 2,50 M. bis 4 M. reserviert. Die geehrten Delegierten und Gäste wollen sich mit ihren event. Wünschen und Anfragen an die unten bezeichnet« Adresse wenden. Die Verkehrskominission. Abraham Gutmann, Posen, Allcrhciligcnstr. 3.

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