Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1912-04-19 · Heft 16 (19.4.1912) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2651763-2651778--08312-2665545
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 136 J U E D t S C 11 E RUNDSCHAU seien. Und wenn liiimlcriinal »achgcwieseii wurde, dnfi Uic gegenwärtige Lage unsere» Volkes Taten heische, daß Uic ücsaiultcmlcn/ der linlwicklung einer weiteren Assimilation entgegenstiebe, daß man uns trotz aller Selbstverleugnung nicht assimilieren wolle — elic Art, in der über unser Sehicksal von den Wirtsvölkern entschieden wird* hatte schon zu sehr auf die Gesinnung unserer Assiinilationsjndcii abgefärbt. Sie wollen ihr Schicksal nicht selbst in die Hand nehmen, sondern warten, gleich dem Schnorrer auf P i I i c h o w s k y א hihi, was ihnen von anderen beschieden wird. Sie hoffen und harren . . . Zweierlei Warte». ״Warten ist keine Schande." Auch den tätigen Menschen zwingen äußere Mächte bisweilen, ein Unternehmen auf/.uschiebeii. Aber der Politiker nutzt Uic Zeit zur Vorbereitung, um die Verwirklichung dann um so vollkommener zu gestalten. Warten ward auch uns Zionisten ge* lehrt, aber Wnrtezcli ist uns stets eine Zeit der Arbeit gewesen. Wir wissen, wieviel zu leisten ist im Lande und am Volke. Wir wissen aber auch, dalt die Not drängt lind dalt deshalb alles daran *gesetzt werden mutt, tim von der Türkei jene Zuge• standnisse zu erlangen, unter denen allein eine ge* deildiche und großzügige Arbeit int Lande unserer Zukunft möglich ist. Alliance Israelite Universelle Die ״N. J. K." ,erhält vom Vorstände der Deutschen Konfereiizgeineinschaft und des Deutschen Landcskomitccs der A. I. U, folgende C r k I ii r 11 u g: Die Herren Oallinger mul Fischer ver* senden mit Unterstützung der von uns entlassenen Heamten an die politischen Tageszeitungen, die jüdische Presse und au die Mitglieder der Alliance direkt eine Flut von Zuschriften, in denen schwere Angriffe auf den Vorstand der D. (נ. (i. und des Laiules-Coinites erhoben werden. Wir beschränken uns demgegenüber auf die Fest* Stellung, dalt alle diese Mitteilungen von der ersten bis zur letzten Zeile unrichtig sind und die Tatsachen entstellt wiedergeben. Unwahr ist insbesondere die Angabe, dalt die I). C, Ci. aufgelöst sei; ein dies* bezüglicher Antrag ist nicht angenommen worden, sondern abgclehnt.!in übrigen leimen wir es ab, uns mit den I lerren auf diesem Wege nuseinanderzusetzen. Wir kämpfen nicht mit den Waffen, die zu führen sielt unsere Gegner bcflcifligvn, und halten die Sache der Alliance für zu hoch, tun sic, durch derartige unsachliche Auseinandersetzungen in den Staub zu ziehen. Der Vorstand der Deutschen Confereuzge* mcinschaft. Der Vorstand des Deutschen Landes-Comites der A. J. U. Palästinensische Stiftungen des Herrn Nathan Strauss In den letzten Wochen bereiste Herr Nathan St rau II aus New York •••■' Hrudcr des früheren Hot* Schalters in Konstantinopel Oskar Straub Palästina und informierte sieh eingehend über die jüdischen Kokons,•itionsbcslrebtmge». Insbesondere wandte er sein Interesse den üesundltcitsverbältnisseii des Landes zu und stellte der unter Leitung des Herrn Aaron* sobn stellenden landwirtschaftlichen Versuchsstation Atlit die Mittel zur Verfügung, um ein ״| leallh.Hmeaii" (Gesundheitsabteiliing) zur planmäßigen Hekäinpfmig der Malaria und der anderen endemischen Krank* twUsn Palästinas zu schaffen. Zum Letter dieses Bureaus wurde Herr Dr, Wilhelm Brünn in Clicdeiah berufen, wo das Bureau vorläufig stationiert ist. |;s Wird seine Tätigkeit am 1, August dieses Jahres aufnclinieii. Adresse: Hcalth-Burcau of the Jcwish AgrictiUure Experiment Station, Chederah via Jaffa. Herr Nathan Straub hat ferner für die Errich* tung einer groben Volksküche »t» Jerusalem, in der täglich 5IH) Personen gespeist werden sollen, tWO(K) hrauci bei der zionistiHchcn Bank (Anglod'.destine Company) hinterlegt. Zu Kuratoren dieser Stiftung hat er die Herren Dr. J. I.evy, Leiter der Jerusalemer Filiale der Aiiglo-Palcstine Company, Rabbiner J. Horowir/.. und Dr. mcd. M. Wallach ernannt. Aubcrdeiu hat Herr Straub dem Krankenhause Schaarc Zcdeck tu Jerusalem 5000 Frcs. und der dortigen *cphardischcn Gemeinde 2000 Frcs. ge* spendet. 4• AUS ALL6R WfLT!• Ovsfcrrcicft Der im Alter von 87 Jahren verstorbene | lerr Joseph Spitzberger hat sein gesamtes Vermögen im He* trage von 2»/.. Millionen Kronen der israelitischen Kiiltiisgemeinile zur Errichtung eines |< i 11 d e r ■ s ן> j t a I s vermacht. In dem Spital sollen aber Kinder aller Konfessionen Aufnahme finden. Spitzberger hat Zeit seines Lehens in den ärmlichste» Verhältnissen gelebt und ging so schlecht gekleidet, dab auf der Straffe wiederholt Passanten dem ״armen Teufel" Almosen gaben. Ga f feien in der letzten Zeit wird die gnli/iseh-jüdische Bevölkerung durch das öffentliche antisemitische Verhalten von staatlichen LaiidesfmiMiouareii heim• rtihigl. Wohl wußte man auch bisher, dab die Landes*, Staats• lind kommunalen I tmktionare in Galizien ilen Juden nicht besonders hold sied. Dab sie sieh aber in öffentlichen Versammlungen und sogar in der aus öffentlichem Gehle erhaltenen offiziellen Presse mit den niederträchtigsten anti* semitischen Verhetzungen hervorwagen würden, wollte man bisher doch nicht recht aniichincn. Es seien hier blob zwei krasse Fälle aus der jimgsten Zeit erwähnt. Der Laudcsausscliub erhält eine Monats* schrift, welche den ausscliliebliclien Zweck hat, die Spar* und Kreditgenossenschaften des Landes zu pntronisieren. Dieses Blatt hat sich nun allmählich zu einem Organe der gefährlichsten antisemitischen Pro* pngamla entwickelt. Die Juden werden in diesem Blatte ständig als das gefährliche Element im l aude geschildert um! die Bevölkerung gegen sie aufgehct/,1. 111 jedem anderen Lande wäre es unmöglich, dalt in einem offiziellen Organe, das auch von den Steiiergelderu der Juden erhalten wird, gegen rund 88t) (MIO Juden in so gehässiger Weise gehetzt wird. Noch krasser ist der zweite Fall. In der Szieiikiewicz* Schule in Krakau wirkt der polnische Kn1mmm.1l• lehrer S/o/insky. 00 Prozent der Schüler dieser Schule sind Juden, und dieser lleir, dem die Erziehung der galizisehen Juden anverlraut ist, hielt mm in einer öffentlichen Versammlung eine von Beschimpfungen auf die Juden strotzende Rede, die darin gipfelte, dab die Katholiken des Landes alles aufbieten müßten, um zu verhindern, daß Juden der Unterricht christlicher Kinder anvertraut werde. Mau kann sich nun denken, welch schädlichen Ejnflub dieser sonderbare Jugend• bildncr auf die armen jüdischen Kinder übt, denen er Lehrer und Erzieher sein sollte. Sein Appell war übrigens auch überflüssig, weil es ja bekannt ist, dab in den Schulen der inneren Stadt von Krakau, wo die Juden in der Minorität sind, ohnehin ein jüdischer Lehrer keine Anstellung findet. Uuhcgreif* lieh ist cs blob, warum Herr Szoziusky nicht alles daran setzt, in eine jmlcnrcuic Schule versetzt zu werden, anstatt, wie er es tut, schon seit einer Reihe von Jahren diese Schulen mit jüdischer Majorität mit seinen pädagogischen 1 leillchrcn zu beglücken. Jeden* falls aber würden diese öffentlichen Funktionäre solche Ausfälle gegen ihre jüdischen Mitbürger nicht wagen können, wenn sie nicht wüßten, dab sic da* mit der Stimmung in den höheren offiziellen Kreisen Rechnung tragen. finfytand Die Londoner, denen das Fastend lediglich ein geographischer Begriff gewesen ist, können sieh schwer vorstcllen, welchen Markstein das Theater The Tcmplc in der romantische» Geschichte der Judcindadt Whitechapel bedeutet. Auf die Eröffnung*• Vorstellung sind inzwischen andere Aufführungen ge* folgt. Lct/.ilii» wurde mit einem Libretto in jiddischer Sprache Verdis ״Rigolctto'* gegeben. Das Zus.Himiciispiel war abgerundet und temperamentvoll, und die gesanglichen Leistungen waren derart vorziig* lieh, daß nunmehr alle Londoner Zeitungen der jid* dischcti Oper anerkennende Besprechungen zollen. ff uns fand In Dombrowo, Kreis Beudiii, »lern /.eutru der polnischen Bergwerke, Werden die Juden v.m ein schweren Katastrophe betroffen. Sichen luindc jtldinche Inmillen sind plöt/lieh der Ausweis!!! verfallen, weil IXunhrowo eine 1 >01 fg;enu״!m!«• j. Unter denen, die .m gewiesen worden sind, lufmili sich viele, die schon 2!» Kl Jahre in D״l״hrow wohnen. Eine jüdische Deputation begab sich zu Gouverneur nach Pclrikau, um die Erlaub״,s zu weite!en Aufenthalt zu erwirken, allein dieser *sehr bheb ohne jeden Erfolg. Ute Ausweisungen kann den Betroffenen ganz unvermutet, da gegen die Jiuh m Russisch-Polen bis vor kurzem die Beschränkt! LH'״, wie sie in den die Juden aus den Dü!km au schließenden Maigesetzen enthalten sind, n cht am׳ wandt wurden. Ti/Rheri 5*sport Der V. Jüdische Turntag Die Aprilmmiitier der ״Jüdischen I tirnz. ,׳.;,!• ן veröffentlicht das folgende provisorisch Icst|׳,l.;g1c Programm des V. Jüdischen Turutages, der he• kamülich zu Pfingsten dieses Jahres in Berlin •ttfindet. S o n 11 a Ir e n d , den 25. Mai, 8V* Uhr: Begrul.. abend für die Turmlelegicrten. Uhr: S!,/nag der Obniannschaft. Sonntag, den 2(1. Mai, 8 II Uhr: .Vorumier* stunde und Gerätewetlurnen; Vorturnern neu* stunde. 12 2 Uhr: Eröffnung des Ttum,;;v% Wald ries Bureaus, Beliebte ries Ausschüße■•, der Olim.iuiiscliaft, der Tiiriizcituiigs-Rcdaktiiin, so* wie ries Kuratoriums der Georg• Arndt-Stiftung. I 8 Uhr: General* und Spc/iuldchattc, ,Vnr.tg des Ausschusses auf Reorganisation des V.il .m• ries, Refe1.it nber: ״Die Jüdische TTirnoi• cUalt und die jüdische Jugendbewegung". ) Uhr: Festkomma׳!!. Montag, den 27. Mai, Ö I Uhr: I omet/uis,; «Kr Verhandlungen, Referate nber: ״Unsere Auf,!ben im Orient" und ״Turnen und Sport", Anträge, Neuwahlen. I Uhr: oportniccling auf dem \ •!«• platz ries Bar Kochba-Bcrliil in Sclmt/endoif. Dienstag , den 28. Mai: Gemeinsame Turnfahn in den Sprecwald.!VOM HILF5V6R6IM Am Sonntag, den 1 I. April, fand m dem neu er* rielileleu Heim der Berliner Ingen die zehnte <1e• neralversaminluiig ries Hilfsvereins der DeiitMlnn Juden unter zahlreicher Beteiligung Berliner und aus• wartiger Mitglieder statt. Der Vorsitzende des Ihii's- Vereins, Herr Dr. James Simon, erstattete einen Be• rieht über rlie Tätigkeit im Jahre 1011. Er führte einleitend aus, »laß rlie diesjährige (iem1.1l• Versammlung einen Markstein in der Entwicklung ries I lilfsvereius bedeute, denn sie schließe eine /«11t»• jährige mühevolle und wohl auch erfolgreiche Ta״■:* keit ah. Es sei doppelt erfrvuln 11, auch heute fest* stellen zu können, daß die L'nlw itl.ltmg des IUlis• Vereins weiter aufwärts gehe. Die Mitglicder/ahl ist auf 25 01M) gestiegen Uw Emu.ihmeii beliefen sich auf 'tJ5(MMt Mark, denen Aiisgalten in I lohe von 2(>I0'M) Mark fnr das russise.ic llilfswcrk und von 21» WH) Mark für das Sclml* Werk des Vereins im Orient gegemibersteheti. Die Ausgaben übersteigen also die Einnahmen betr.vln• lieb; der Mehraufwand mußte vom Kapital des V. reins beslrilleu werden. Auf die Arbeit des I lilfsvereius in den einzeln׳ n Ländern eingehend, führte Dr. Simon n. a, aus: In der Türkei hat der llilfsve'ein bei dun großen Blande in K.mslantinupcl im Juli vorigen!.ihres tatkräftig eingegriffeii; er bat bisher 'J0 < 00 Francs überwiesen mul lur die geplante weitere ll is• aktiou, die durch Bau von gediegenen Häusern uml die Gründung einer Eeihkasse dauernde Bessirimg der Verhältnisse bringen soll, sind evtl, noch Mittel nötig. Die Schulen des I lilfsvereius in Konstantin pcl wie in Saloniki gedeihen bestens. Das ausgedehnte Scliiilwcrk des Vereins Im Orient, insbesondere in Palästina, hat eine bcdeiituiigsc Hc Ausgestaltung durch Einführung des Ha ml* I v r t i g k c i1t s 11 n t e r r i e 111 s erhalten. Gcraih tnf den Orient ist die Heranbildung von tüchtigen 11 ״d• werkein, an denen es fehlt, und die gut bc.ihlt werden, von besonderem Werte. Der I lilfsc < o 111 unterhält und Milnenlioiiieit zurzeit au 5(1 IliUlu,׳, - und I:r/iel1nngsa11stalten aller Art, die von etwa '0 Schülern besucht werden. Der Redner spricht im <׳r dein Beil.1l) der Versammlung dem Leiter de pi* lastinensiselHii Seludwvrks, der jetzt auf eine 25jalm :»* Wirksamkeit •zuniekblickt, Herrn Direktor Epht.mii (- o 11in , seine besondere Anerkennung aus. Schlimmer und seliliinnier gestalten sieh die Verhältnisse der Juden 21» Rußland. I s ist das System der russischen Regier.mg, sie in jeder Weise iiicdcr/iih.illcn und iticdcr/udutc■K*»•■ Der Gesetzentwurf zur Abschaffung des Aiisicdhm > rayous, der eine Besserung der traurigen Lage der russischen Juden inaugurieien winde, ist nicht z״r \ ciah.sihiedung gelangt und w ird wohl kaum 11» ח ans der Komiinssi>״, der er überw iesen ist, w i.*• keinen. Eine Anzahl Städte Mild zu Dörfern eiki.B worden, in denen der Aufenthalt den Jude» ver*׳ ,' ist, mir um die Ausweisung der Jude» zu erm״ liehen. In allen!eilen RtiBlamls werden Ausweisung, u ui giößtem Maßstabe mul in rigorosester Form voll• zogen. Die Zahl derjenigen, deren Leiden zur Kenntnis tler ()effentliiiikeit kamen, beträgt allein mehr als lö(»00. In Wirklichkeit wird diese Zahl noch weil überschritten. Ebenso wie man sie im Wohnrecht beschränkt, sucht man ihnen die B 11 d u n g s m ö g I i c 11 k c i t c 11 zu verschließen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.