Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 16 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 135 p,1l,istina־Reisende isl von großer Bedeutung für 1111• scie Arbeit. Es sollte daher müglleh sei», von jeder limiislischeii Ortsgruppe alljährlich wenigstens eine» naelt Frezdsrael zu schicken, die in einer grollen Reisegesellschaft vereinigt, dem Laude und unseren Pionieren unsere Grüße übermitteln und von unserer $1 imsucht nach Zimt erzählen und uns nach ihrer Rückkehr sagen, was bereits getan ist und wieviel >!!1 •־׳ noch für das jüdische Volk und für das jüdische I ,!׳ul getan werden muß. 1' a I ä s t i n a R e i s e (i e s e 11 s c h a f t e. V. Der geschäftsführende Ausschuli. I. A.: Dr. C 11 w olles Hninburg-Bahrcnfeld, Mo/artstraße it. Für die Leitung*) Last drei viertel Jahre sind seil Einsetzung der 1.1׳•neu Leitung der zionistischen Organisation durch den N. Kongreß verflossen, so dall man heule schon nagen kann, ob sich das neue Regime bewährt hat. Soweit die politische Arbeit in Präge komm!, ist durch die Wahl von Herrn Dr. J a cidts o 11 ins Lagere Actions-Comite ein regerer Kontakt /.wischen Konstantinopel und dem Sit/, der Leitung, Berlin, 11 rgeslellt worden, Dr. Jacobson, der sich persönlich der grollen Mühe unterzieht, mehrmals für einige Wochen nach Berlin /.u kommen, ist dadurch in die I age versetzt worden, einerseits die Leitung stets ausreichend und gründlich /11 informieren, anderer• »eits eine volle Ucbercinstimiming in den Ansichten der leitenden Persönlichkeiten als Richtschnur für die pnlitiscise Arbeit her/.ustellen. Die P a I ä s 1111 a a rh e i t, nach wie vor Prof. Warburgs besonderer Fürsorge anvertraut, ist (legen• stand liebevollsten Interesses; auch die Kulturarbeit liat frische Impulse erhalten und wird nach den An• iragen von Dr. Levin eifrigst unterstützt. Viel sichtbarer für die grolle Oeffcntlielikeit sind naturgemäß die Leistungen des Engeren Actious• (ätmites auf dem Gebiete der Organisation und der Propaganda. Zunächst gibt das E. A. C. allen Zionisten ein Beispiel eifrigster und musterhaftester Pflichtcrfüllung. Zahllos sind die Sitzungen, welche es ah• hält, und die Leiter der Ressorts sind unermüdlich in ihrer Tätigkeit. Diese aber spielt sieh nicht bloß in den Bureaus ab, sondern sic belebt unaufhörlich die ganze Weltorganisation. Durch regelmäßige Be• richte, welche sämtlichen Mitgliedern der ein/einen Komitees zugeben, werden die Hibreiiden ZioniMcn fortwährend über den Gang der Arbeiten am Laufenj den erhalten mul kommen in lebendigen Kontakt mit der Zentrale. Die Leitung hat auch eine klare Vorstellung darüber, wie die Organisationen erfolg• reich arbeiten können. Sie verlangt die Einrichtung von Parteis.kretariaten nach deutschem Muster mul es zeigt sich überall, daß diese Methode die allein rieh• tige ist. Die Ressortleiter begnügen sich jedoch nicht damit, zu fordern, sondern sic sind bemüht, durch persönliches Eingreifen überall nach dem Rechten /u sehen und die Organisationen vorw ärts zu bringen. •) In iinseieui Wiener Brmlcrorgaii linden wir ihn voistehcnden Artikel, der uns einen interessanten L.'berbück über die bisherige Arbeit unserer neuen /! uistHcheu Leitung zu geben scheint. Insbesondere den Appell an die Optcrfrewligkeit der Zionisten möchten wir recht nachdrücklich auch auf unsere «h utschen Verhältnisse angewandt wissen. (D. Red.) Huven׳ essen isl uns mich die streng, objektive und I erfolgreiche Intelveiitiou des Mitglieds des E. A, O. Gg. Dr. lla ulke und des Parteisekretärs Gg, Blumen fehl am llrtimier Zioiiistentag, die Reise des letzteren durch Oesterreich, die Anwesenheit Dr. hcviiis in mehreren Orten und jene von Gg. Sukolow in Galizien. I >ie* Früchte dieser Arbeit zeigen sich in einer Hebung der Arbeitsfreude und namentlich der Zuversicht der Zionisten allüberall. Endlich fühlen wir 1ms als Glieder eines grollen, lebendigen Ganzen und spüren einen lilutkreis, der vom Zentrum ausgeht, und die Glieder der Organisation belebt. Auf item Gebiete der Propaganda entfaltet das E. A. (;. eine umfassende Tätigkeit. Hierher gehören «lie schon erwähnten Reisen, ferner die Neugestaltung des jüdischen Verlages, der endlich als Zentrale der PropagaiidaniiKcl aiisgestaitet wird. Die Herausgabe zweier neuer, wertvoller Agitntimisbrosehüren, Licht• heims ״Programm des Zionismus*‘ und Auerbachs ״Palästina als Jmlenlaiul'*, ferner die Uehernalime der neuesten Auflagen von Schachtel* Merkbuch und Trielschs Palästinahaiullmcli zeigen, daß der Verlag für die Propaganda «las Möglichste leistet. Die erhöhte Arbeit des E. A. C. würde auch he• trächtlich erhöhte Mittel erfordern, wenn nicht durch strengste Sparsamkeit seitens der Leitung dafür gesorgt werden würde, dall sie trotzdem mit einer Auslagen• Ziffer, die nicht höher ist, als in früheren Jahren, diese Arbeit zustande brachte. Diese Summe — es sind fiir alle Zweige der Arbeit zusammen nicht mehr als Mt) übt) M. ־ zustande zu bringen, ist eine Ehren- Pflicht der Organisation, der «lie Leitung ihre beste Kraft widmet. Und dies wirtl nicht schwer sein, wenn «lie Schckelzahl vermehrt und für den Zentral• fomls eifrig gesammelt werden wird. Westösterreich bat einen guten Anlauf zu den Saininhii’gcn ge• mmnncii, aber die Schekelsainmlung stockt und bis zur z'.ust.iiulebriiigung der 18000 K. für den Zentraffonds, die unsere Organisation der Leitung zugesichert hat, ist auch noch ein weiter Weg. Es gilt, alle Kräfte an• ztispauneii. Die Leitung tut ihre Pflicht, und mehr als «las, es ist nun an «len Landsmannschaften, die ihre zu tun! broLossen \s Drei Bilder. Wer heute noch z.weifelt, ob es eine eigentlich jüdische Kunst gebe, «ler sollte an drei Bildern unserer ersten jüdischen Künstler nicht achtlos vonibeigclic», «lenen •hei einer hcinerkens-' werten äußeren Aeluiliclikeit des jüdischen Sujets auch das gemeinsam ist, «lad sie das Jiuleutum so tief zu erfassen suchen, wie dies eben mir einem Juden möglich ist. Jozcf Israels’ ״Ein Sohn des alten Vidkes" wird von manchem Kenner seines Lehenswerkes als die beste Schöpfung des Meisters angesprochen. Ein elender, verhärmter jüdischer Trödler, hinter dessen Stirn man dennoch tiefes Grübeln über den Sinn des Lebens vermuten darf, soll' mit leiser, herber Ironie erinnern an den Gegensatz, von einst und jetzt, der großen schöpferischen Vergangenheit und «lern Krä'iierdasein im Amsterdamer Ghetto. Ganz ähnlich ist «ler Vorwurf des zweiten Bildes. Hermann Struck hat in seinem Monumental• gemäldc ״Der alte Jude“, welches im Aprilheft der Zeitschrift ״Ost und West“ in schöner Wiedergabe erschienen ist, das jüdische Elend und den Mann, «ler es standhaft zu tragen weiß, mit packender Wucht vor «len Beschauer gestellt. Die stumme Anklage, «lie «lieses Bild gegen die Kiilmrliige der Menschheit zu erheben scheint, ist noch eindringlicher wie die mehr auf «leu 'Ion «los Vorwurfs gestimmte Sprache des Israels'scheii Bildes. P i I i ch «> ws k y s Bild ״Soll er warten“ erregt Mitleid. Ein verängstigter Schnorrer antichambriert wohl im Hause eines Reichen, der sich die Freuden der Tafel oder «lie Abwicklung eines gcwinnbriiigcii• «!ci! (ieschaftes dnrcli «tic Klagen des armen, gehetzten Stammesbruders nicht stören läßt. Vielleicht soll in Minuten oder Stunden über sein Lebensschicksal ent• schieden werden. Er wartet geduldig und kann auch nicht einen Finger rühren, um cs zu beeinflussen. Er ist nicht «ler heroische Dulder, «len uns Struck so lebenswahr gezeichnet hat, sondern der passive Mensch, «ler längst verzichtet bat, sieb sein Schicksal selbst zu formen. ״S«1ll er warten,•' «fas ist «(je Art, in der auch die große Juden frage beute noch von Nichtjuden und leider auch von vielen Juden ab• getan wird. Vom Milfsvorci n. Als Dr. Paul N a t h a 11, «len hochverdienten Geschäftsführer jlcs ״Hilfsvcreins der Deutschen Juden“, in «lein rastlosen Bemühen, das Schicksal unserer leülemlni russischen Brüder zu bessern, sein Weg zum Grafen Witte mul dem verstorbenen Ministerpräsidenten Stolypin führte, da wurde ihm auf die bange Frage, was von der Regierung z.11111 Schutze der bedrängten russischen Juden geschehen wäre, «lic Antwort: ״Lassen Sie uns mir Zeit; die russische Jmlcufragc wird auch einmal gelöst wcr«lcn." Diese Antwort, mit der sechs Millionen Juden, die in geistiger und materieller Hin• sieht am Verhungere» sind, abgespeist werden sollten, ist die vcrhlühinte -־ oder gar diplomatischc? — Form liir das ״Soll er warten••, mit dem jcilcr erste beste Schnorrer auf die Folter der Ungewißheit gespannt wird. Aber der ״I lilfsverein“ bat es rechtzeitig erkannt, «lall die russische Jiulcnheit keine Zeit hat zu warten und hat das großzügige Hilfswerk geschaffen, das den Namen des deutschen Judentums wieder zu Ehren gebracht hat unter den Juden aller Länder. Er hat «len Wundernden Linderung ihres Leidens verschafft, soweit es Menschenkräfle vermochten, und gleich• zeitig weise Vorarbeit geleistet in dem Lande, das über kurz, oder laug dazu bestimmt sein wird, größere Jmlcnmasscn auf/imelimen, wenn Amerika seine gast* lieben Tore gänzlich geschlossen haben wird, (ieraile weil unser großes nationales Befreiungswerk nur in einem Kampfe «ler Anschauungen wird durehgeset/.t werden können, in dem wir auch nicht um ein Jota zu weichen gewillt sind, freut cs uns, «lall hier ein Verein geschallen wurde, der einzig und allein dem I lilfswerke dient und so Leute zusamincnführt, die in anderen jüdischen Fragen eine Welt der An• schaumigen trennt. Heute, wo der t lilfsverein auf ein zehnjähriges Bestehen zunickblicken kann, sei mit dem Wunsche für ein ferneres Gedeihen unsere uuverholene Genugtuung ausgedrückt darüber, daß wir uns in den verflossenen Jahren so oft auf dein Felde der Arbeit für unser jüdisches Volk mit ihm treffen konnten. Assimilation. ״Warten“ war auch der Weisbeit letzter Sehlull, wenn den Festrednern «ler Eman• zipatiousfeiern in Deutschland entgegengchalteo wurde, «lall wir von der staatlichen und gesellscliaft• liehen Gleichberechtigung noch sehr weit entfernt Einige Exkurse und in Urei Anhängen Tabellen der Jihresstcuern der einzelnen Gemeinden sowie der Verleihungen, Verpfändungen und Anweisungen von Jahressteuern, endlich sieben Urkunden im Urtext sind der gründlichen und dankenswerten Abhandlung beigefügt. Bic jüdischen Friedhöfe ln Kclegshabcr, Butten• wiesen und Binswangen. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in der ehemaligen Markgrafschaft Burgau von Louis Lamm. Berlin 1012, Verlag von Louis Lamm. Preis M. 1,50. Seinen verschiedenen monographischen Schriften über «lie Geschichte der Juden, speziell in Süddeutsch• Luid (Das Memorbiich von But'.cnwiesen — Zur Ge• schichte der Juden in Lauingen; vgl. auch z. T.: Oitsgcschichte von Buttenwiesen)’ fügt Lamm in der vorliegenden Studie eine neue,• nicht uninteressante Lmzelbcsclireibung hinzu, die den' ersten Band einer breit angelegten Sammlung von Arbeiten ״Zur Geschichte der Juden im bayerischen Schwaben“ dar• stellt und zugleich ein Beitrag zur Lage der Juden •״ der ehemaligen Markgrafschaft Burgau ist. Auf Grund der Akten aus dem Besitz, der einzelnen i!nli• sehen Gemeinden und des• behördlichen Materials wird — unter guten Quellenangaben — Entstellung und Entwicklung der im Buchtitel genannten jihli• sehen Friedhöfe geschildert, deren Genesis auf die durch den dreißigjährigen Krieg und seine Folgen hcraufhcschworcncn hygienischen und lokalen Ver• hültnissc /.!!rückgeführt wird. Tragisch ist, wieviel Zank, Kampf, Protestiererei und Prozcssicrerci um die Stätten der Ruhe und des Friedens entbrennen konnte! Dem Werkehen sind eine Reihe Anhänge beigeliigt, die urkundliche Todesfallstatistikcn, Patente, einen Kaufvertrag und ähnliches Material wortgetreu wiedergeben. Erfreulicher noch als die gewiß beachtenswerte Stoffbcrcichcrung, die die jüdische Geschichte in einem (wenn auch winzig kleinen) Teilchen durch die vor• hegende Arbeit erfährt, ist die moralische Bereicherimg, die das Judentum gewinnt in der Tatsache, daß heute noch ein im täglichen Erwerb tätiger Kaufmann Lust und Muße findet zu eingehenden — und gewiß nicht immer glatten — Spezialstudien, für die er uneingeschränkt ah ״Kenner“ gelten darf. Herr Lamm kündigt übrigens bereits die Herausgabe weiterer Partieu seiner Untersuchungen an, denen man mit Auf• mcrksauikeit cntgcgcusehcn darf. Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. Max GrunwaUl, Rabbiner der isr. Knltnsgemcinde in Wien. 12. Jahrgang (1000), I.— I. lieft; Li. Jahrgang (1010), 1.—4. Heft und 14. Jahrgang (1011) 1. Heit (Hefte 20-87 der ganzen Reihe). Wie die früheren Nummern der ״Milteiluiigcn“ (Besprechung einiger vorangegangener siehe J. R. vom 12. November 1000), so bieten auch die vorliegenden alnvechsclungsreiclien Hefte durch ihre Thesntiricrung sonst leicht vergessener aller und neuer jüdischer Volkslitcratnr, namentlich Lieder, durch die Beschreibung z. T. längst verschollener religiöser und nationaler Bräuche, durch ihre wertvollen Beiträge zu Details von Geschichte und Sprache der Juden unschätzbare Beihilfen zum Verständnis unserer Vergangenheit, die ja, besonders im Osten, in tausend• fachcr Beziehung in die Gegenwart hincinvcrwobcn ist. Die ״Mitteilungen“, denen nur stets eine so umsichtige Leitung, so vorzügliche Mitarbeiter, vor allem aber weiteste Verbreitung gerade auch in Laienkreisen (Reklame, Reklame!) zu wünschen ist, dürfen in ihrer folkloristischen Bedeutung nicht unterschätzt werden!. Die orientalische Sammlung der königlichen Bibliothek hat kürzlich eine wertvolle Bereiche• rung zu verzeichnen gehabt. Nachdem vor längerer Zeit «las bisher einzig bekannte Exemplar eines ״DanUliedcs zur glücklichen Zurückkunft Seiner Majestät des KlhiigH von Preußen« angcstinimt von der jüdischen Gemeinde in Berlin, 171V auf buch• hämllerisilieiii Wege erworben wurde, ist die köuigliehe־ Bibliothek nunmehr in den Besitz, eines Uni• kums aus der Frühzoit des hebräischen Druckes in Deutschland gekommen. Größere Druckwerke in hebräischen Lettern aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts sind überaus selten.