Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sem! 134 kam in dieser Eigenschaft aber meist auch mir in dieser — mit den Andersgläubigen zusammen; ancb in den Grollstädlen war die technische Mo״• lichkeit des Zusammentreffens und Zusammenwirkens nicht in dem Malle gegeben wie heiit/iilage. fm Laufe der lel/len vier Jahr/elmte änderte sieh jedoch das liild vielfach und in seinen wesentlich• »len I*linkten• In den Uisillsläillen, in denen sieh mehr und mehr sowohl sehr breite Massen der judenheh als auch neue bedeutende Teile dei ־deutsch• christlichen Oberschicht /usauunenfandcu, ging, mm• mehr ein sichtlicher Aimäheruugspro/efl /tiiiaclisi, wie hervor/uliebcn ist, auf dem < iebiete der w 1 r I Schaft liehe n Tätigkeit vor sich, (las clirisi• liehe Kapital legte sich bereits sogleich nach dem Kriege von 70/71 lind besonders später, als die Wunden, die der grolle Krach von 1873 schlug, einigcrmnlieii verliarrscht waren, in steigendem Malle im Handel und der Industrie fest, weitere Kreise des Wiftsvolkcs kamen in berufen, die bisher von den jüdischen Kaufleiitcn mul Industriellen 11ahc/11 monopolisiert gewesen waren, mit Juden in enge geschäftliche Ite/icliimg. Jüdisches mul Christliehe» lirolikapital begegnete sieb mehr mul mehr in den Aufsiehtsrätcn und Direktionen der in immer stärkerer Zahl aus dem Hoden cmporschiclicmlcn Aktiengesellschaften, in den Mittelbetrieben fanden — was früher selten genug vorgekommeu war Assoziationen zwischen Juden und Christen statt. Derartige soziale Vorgänge sind von viel zu ein• schneidender Natur, als (lall sie nicht auch im pri• v.’itcli, im gesellschaftlichen Leben ihre Wechsel• Wirkling ausgeübl und so das ihrige getan hätten, eine Drücke zwischen den Juden und den Anders• gläubigen zu schlagen. Hinzu kam noch das eine, von dem wir vorhin amleuteten, (lall es einen der Assimilation der Juden zum mindesten ähnlichen Vor• gang darstelle. Im deutschen Volke machten die irreligiösen sowohl wie die kosmopolitischen (ieistesstrünmn* gen Hand in Hand mit dem Anwachsen der uaturalistj• scheii und rationalistischen lileengäiigo in der Literatur weitere Fortschritte. Fs bildete sieh allmidi• lieh bei der oben skizzierten neuen (iriippenhildiiug־ eine in sieb geistig, wenn auch nicht Wirtschaft• lieh vollkommen homogene Schicht, die sieb ans Künstlern, Gelehrten und dem sich in der Rolle des feinsinnigen, freigeistigen tun! vorurteilslosen Mäccnatcntums gefallenden kapitalkräftigen Bürgerhüii ziisnmiuensetzle. Auch die zunehmende Demo, kratisierimg des eigentlichen liberalen liürgcrtiuus, das von der unter rein agitatorischen (iesichts• punkten aus geleiteten Sozialpolitik der extremen Linken nicht iinbeeinflullt geblieben war, spielte eine nicht zu unterschätzende Rolle. Kurz, eine ganze Reihe von Faktoren wirkte zusammen'zu dein Ende, dalt hier eine grobe, zusammenhängende Gruppe entstand, die ־ mit dürren Worten gesagt un Innersten fast vollkommen cutchristiauisieri mul tut• deutsch geworden war. An Stelle des Christentums, das sich in positiver Form in anderen Volkskreisen noch lebend und kräftig erhallen hat, trat derselbe salt• und kraftlose religionslose Zynismus 11ml auch dasselbe Seilwinden der moralischen Kräfte, wie es sich in den Kreisen der rcligions• und tradilimis• losen jüdischen Assimilanten bemerkbar machte. Diese so gekennzeichnete Schicht war es, die den assimilatorische Tendenzen verfolgenden feilen des deutschen Judentums die Möglichkeit zuerst hot in einem bisher nicht erreichten Malle, in fremde Kreise?Jüdische Kinder Von RoUnt ßonno Cohn. Oer Cag verblasst. Durch kahle üempclmauern Singt eine Klndcrstlmme schrill ein liled, Gin üled von Sudenlcld — ein Schauem Pon Bank zu Bank, von ßerz 2u ßerzen zieht. Und an des Wossen Kindes Wppen sutigcn Sich lest der?udenklnder müde Bugen. Ous lange üeld, das unser Volk gclr.1gen, Und all der Schmerz, der In dem ületle zitiert Und düs vergeblich heisse Billen, Prägen, Und atl das Weh, das unser ßerz crscltöilcrl *Selm Klang der alten, trüben Sudcnllcder — 'Oer Sudenklndcr Bugen splcgeln’s wider. 31s Soll das Kind eischuf, da sollt es sein Gin Spiegelbild von Uenz und Sonnensdteln. Im Kinderauge strahlt der Sonne Bilde, Oes Kindes üächcln bringt den tienz zurüdc. Buch unsrer Kinder Bugen waren Sonnen — Im langen beiden Ist Ihr Glanz zerfonnen. JUEP1SCHE RUNDSCHAU _ hiiiciuznkoiiunei! mul in ihnen möglichst auch zu ver* schwinden. Erleichtert wurde ein Verwischen der Grenzlinien zwischen jenen mul den Juden dadurch, da» die Möglichkeit der Annäherung durch das Fak• mm der gesellschaftlichen, d. h. hier vor allem sozialen Dchcrlegculicit zahlreicher Gruppen der Aiist'hluf 1 suchenden Juden, die natürlich um so lielter akzeptiert wurden, als matt materiell(• Vor• teile von einer Verbindung mit ihnen eihoffen konnte, vn» vornherein gegeben war. Es waren also, das verdient als Hauptaiigelpmikt (estgehalteii zu wer• den, Kreise, die innerlich sowohl dem (iltrisi! tilimi wie dein Deufsehfum durchaus entfremdet waren, die den Juden als erste ein Eindringen und später eine Vermischung in wcifergclicmlcm Malle ge• staüelcn. Diese Schicht stellt, vom natu malen Stand• puiikt aus Iteti.teiltet, für das I K’iitselituiii sowohl wie auch natürlich in noch stärkerem Malle für das Judentum eine Gefahr dar. Es darf nun unter diesen Umständen nicht w under• mliiiteii, Wenn wir zuweilen in angeblich deutschen Kreisen einem Urteil über die Jiideiiassimiialioii he• gcgneii, das sowohl dein unseren wie dem rein ellü• scheu Empfinden überhaupt diametral entgegengesetzt ist. Es zeigt sieh eben, (lab das eiufaeliste Reinlich• kcilsgefiilil, sowie das Empfinden für Originalität und Erhaltung ries ureigenen Volkscharakters bei vielen Ueutscheu in demselben Malle geschwunden ist, wie hei gewissen Schichten unseres Volkes. Einesteils mag dies atii die durchaus nicht einheitliche /״• saniiuciisetzung des deutschen Volhselemeiitcs und •Gharaklcrs /unick/uführcn sein, zum anderen Ire• deutet diese Strömung zum guten Teile auch das geistige I > a 11 a c r g e s e 11 e n k, der in jene Kreise aufgeiiomiiieiicn jüdischen Assimilanteii. Wir brauchen also auf das Urteil jener deutschen Kreise, die die Judeuassimilation, die laufen mul Mischehen befürworten und beschönigen, nicht allzu grollen Wert zu legen. In den mcislcn Fällen, wenn nicht gerade eine falsch verstandene und angewandte Ihu11anit.it, die den Juden gerne empor/iehen iimchlc, deiariigc Gedanken gehören hat, ist nur die Eni• frcmdimg vorn eigenen Volkstum und die Verständnis• losigheit gegenüber den Forderungen der Zeit daran schuld, dab das Uiteil so schief aiöfälll. Wir werden unbeirrt unseren Weg W’citcrgchcn und wissen, dab wir den normal und gesund empfindenden Teil des deutschen Volkes hei unserer Auffassung der Assi• ntilntioii auf unserer Seife haben. Hans Goslar. Der Untergang der deutschen Juden Zu den Ausführungen Dr. Hoppes in den beiden letzten Nummern unseres!Haltes schreibt uns Herr |)r, Jakob Sega II: Ich muH cs mir leider versagen, an dieser Stelle auf die von I lerru |)r, Hoppe behandelte Frage näher eiiiziigehen, da sonst die Kritiken mul Gegen* kriliken kein Ende nehmen. Aiillcrdcin habe ich in dein soeben erschienenen lieft u der Veröffentlicluiiigen des ihireaus für Statistik der Juden: Die bcriiilicheu lind sozialen Verhältnisse der Juden in Deutschland (Verlag Max Schildberger, Scbilistr. 3) ein ganzes Kapitel dem Bevolkerungsprohlcm ge• widmet. Auf einen Irrtum jedoch, der Herrn Dr. I foppe unterlaufen ist, inoclilc ich mir erlauben, hin• zuweisen. Hoppe meint, ich hätte in meiner Studie Das Kindcrstimmchcn hebt sich weihevoll Und singt von dem, der uns erretten soll. ־־ TTlcssias) Wenn du endlich uns erstehst, Uns endlich von dem alten Iccid erlöst, Dann küs&’ zuerst der SJudcnklndcr Irfder Und gib uns Sonnenschein und Frühling wieder I Literatur zur Geschichte der Juden im Mittelalter besprochen von Dr. Bruno K l r s c U n c r. Die RtftcliHstciicrn der deutsche» Jiulcngoniclndcn von ihren Anfängen bis zur AliUc des 14. Jahr* hundert». Von Dr. Isert Rüsel. Berlin, Verlag von Louis Lamm, 1010. Preis M. 3,50. ' Die vorliegende, auf Anregung des Berliner l listorikers Prof. Tangi entstanden•: Dissertation, die einen Band der ״Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" bildet, stellt das Ergebnis von Untersuchungen dar, die sich mit der Besteuerung der Juden durch das deutsche Reich bis zu den Katastrophenjalircn 1318/0 und der damals eingetretenen Lähmung der Stcucrkraft der ״Kammer• knechte" der deutschen Könige und Kaiser bcschiif■ Nr. 16 über die Entwicklung der Juden in Muttchen von 1873 hi« Iüü3 ebenfalls die an Theilhaber geriigic Methode der I Tuditb.irkeilsmexMing .״!׳gewendet. Dies .•stimmt niebt. Ich habe dort zum erstenmal versucht, aut exakte Weise die I riiclitb.irkcit der jüdisch!. 11 Bevölkerung Muttchens zu eruieren, indem ich die /all! der jährlichen ehrlichen Geburten zu der um mir lim•( Inieteu jäluliehen Zahl der im gch.irlalugen Alter stehenden!iidiselini Ehefrauen ftir eine l.-mge Reihe von Jaluvti in Vviliallitis setzte. Die Tabelle liid.ii( jedoch, wie nh .111 Oft und Stelle ausgefnlirt habe, infolge der eigen.irtigcn /iisainuieiisetzmig üer jiid 11.elien Bevölkerung Mnmlieiis eines ausführliche 11 Koiiiiiient.irs und dar( nicht schlechtweg als Mi»• stab für die f rueldb.irkeit der Juden in DcuHcliliml befrachtet werden. Dr. Sega II. Palästina-Reise-Gesellschaft e.V. in Hamburg An der vom Kgl. Notar Dr. Victor-Hamburg• Wandsbek voigciiomiiiciic» Verlosung in dei (ienei.d• Versammlung am 7 April (I. J. nalmien folgende Mitglieder teil: l.eop. Abraham-Hamburg, Frl. Nanny Auerbach-Berlin, Hermann Appel-Wien, Dipl •lug Charles Abeles-Dortnmml, lljeloussdiorgleldc, Kurl Ifhinunfcld-Berlin, I abrik.mt Bcrnliemicr•( iaüingcii, 11r jur. Ilciiirtnn Badt-Breslau, Advokat I >r. M. liiimncr• Broun, |>r. Cliwo'les Hamburg B.ilir• iifchl, Dr. J. Dohrzyushi-Beiiilieii, Prof. Dr. I )rcyftiss-Sir.iil• Imrg i Eis., Sicgmiiml I emller-Stuttgart. Sg, j rc״|. brrg-Evthkuhnen, Dr. »ml. I.. Franck• Altona, Muu• li.mi I reidberg-Kibartv, I rl. Erna Hecker-Hamlnirg, Dr. Hllldsclmוcו•l Limburg, Dr Hanlke-Berlin, Adolf I leid.m lh iitm, Simon (lolilberg-Eydlkiiliiieu, Abraham J (ioldberg-1 vdlkiiliiien, Josef I! Goldhcrg-Ewlt• kühlten, Johanna Gnldhcrg-EvdtKiiluicM, Ifassia Grütgard-Wirhallcii, Sei). A. Kah.m.Rapp.iport-EwIt• kühnen, Dr. Kaliiius-Hambnrg, Leopold L.indan-Ham• hing, Frau Helene I.aml.iti-Hamburg, Leo l.elhnaiin• Hamburg, Rudolph Librowit/.•! loltcusal/u, Emil II Lippsladt-I lainluirg, Ignafz Laimn-Mtiuclieii, R -A. I.tidim-Dt. I'vI.hi, Jonnv Lissaiicr• Hamburg, Dr. I.ichtig-I lainluirg, Apotheker Dr. Jul. Leuinskj.CI1.1r• lotteiiluirg, I ielitlieim-HcrIi», Th. Lcvy-Ilerlin, \lfred MuBer-Kattowitz, R.-A. Siegnmml Mayer II und 11.111, Bonn, Willi und Meta Noth111ann-Gr.־Strel1l1tz, Prof. I •r. Ornstein-Groiiningen, Hermann Pcrlstcin-M.irburg, Kurt kusciihaum-Berlin, Dr, Sandler-Breslau, l>r Slratill-Muiielien, Ingenieur Max Singer-Brun», Efr. Sudarski-Wii ballen, Elr. SchnttenstciinMariampol, Dr. Stahl-Tarnowitz, Julius Simon-Mannheim, Dr Tanneii• wald-l lainluirg, Daniel Tren-Esseii (Ruhr). Dr. Wil• li.un Unnn-I famlmrg, Harry Unna-Altona, Dr. Wein• stein-Astrachan, Dr. Wmirüz-Df. Eylau, Dr. Weigert• Hamburg, Bert Weiltberg•! Limburg, Max Wollsteiner* Berlin, f)’r. Weinberg-Dortmmul, Dr. Wnschit/dlam• bürg, l-'rl. JtiUlicn Wolff-Hamburg, O, Zirnäir.- Lübeck. Der Gewinn fiel auf Br. S 1 a h I T a r• II o w i t z. Den Mitgliedern wird das notarielle Protokoll in Abschrift sobald nach Ausfertigung /.״gesandt werden. <lesiimtmgsgeiiosscn! Nur eine Ve'losimg kumi• teil wir diesmal vornehmen. Au Ihnen liegt es, daII wir in der nächsten Verlosung eine recht gi •bc Zahl Juden nach Palästina schicken können. Jeder Ugcu. Der erste Abschnitt behandelt die ReichssUmm der deutschen Jmleiigeineinden von der Einiulirung, etwa unter Friedrich l. (2. Hälfte des t2׳. Jaluhnn• deits), und Festlegung (Friedrich II.) bis /.um A1׳s* gang des Interregnums. In diese Periode fallt ihr Ucbcrgaiig des Besteueniugsreehtcs vom Reich auf ein/elite Eaudeslierrcn, geistliclie und weltliche, sowie auch auf die ־ dank der stanfisebeu Begiinsiigun— Politik wirtschaftlich mächtig aiifhhihcnileu Sud"'• Msdnon wird Entwickelung (zum Teil enorme S!eigerung), Eiuzielumgsweise und Verwaltung der ordeu!• liehen ReieJisstcnern ־ vor allem der gewöhnlichen oder Jaliressleiier - namentlich in Suddcutsclu.uid von der Thronbesteigung des ״armen Grafen" Rudolf von I faltsbui'g (1273) Ins zur Mitte des I I. ..* derls geschildert. Dabei muiite, wegen der Lücken• haftigkeil des Materials, auf den sozial wie wirtsch.ut• lieh gcxvill sehr iuleressanicit Vergleich der Rei jmlen- und Reichsstädtestcucrn leider ver/.icäi«׳• werden. Als hemerkenswert mag daran erinnert wer• den, da» Immobilien abgabenfrei waren, wenn >iv auch, zum Beispiel in Eticdherg, von xvoldhaheu.Un Juden freiwillig besteuert wurden. Dieser Abschnitt ist reich an interessanten Details mittelalterlicher Ver• waltuiigsteclmik, die auf beträchtlicher Hübe gestanden haben muH. Das dritte Kapitel ist der oft rigorncu (die bekannte Gefangenschaft des Rabbi Meir ״<•׳ Rothenburg!) Handhabung der .־uillerordendiih.•» Besteuerung gewidmet, wie sie sielt vom Ende Ic» 13. bis zur Mitte des II. Jahrhunderts dHrsieät.