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Jüdische Rundschau · 1912-04-19 · Heft 16 (19.4.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wiesbaden, 10, , Recht;»- auwalt Alfred bischer, Berlin (2. Quartal), 20, » B. Schragenheint, Messing werk, V-, M. (ioldmaiiit, Chemnitz S, * , (ioltlhaher (1. Quartal), 2,50, brau Dr. (i״l/ (I. Quartal), 2,50, Klebe (I. und 2. Quartal), 2,50. 4. Verschiedene Spenden: Katt.mit/ 11.50. Stettin 10,10. Eingang vom II. bis 17. April: Se 11 ekel: 44, M. L a n d e s 0 r 1׳ an i s a t i »1 n s h e i I 1 ii 1? e: 221, M. Gosnmleingnng: Schekel: 2271, M. Laud e ו.«־ r g a n i s a t i «> n s b e i t r ii g e: 7550,14 M. S p e / i f i k a t i o n der in Nr. 12 ausgewieseneii LaiuU »organisationshvitrüge in Höhe von 154, M. ans I l.'iitihtirn: brl. Veilcheuteid 5, , Dr. bluldschiner 10, , brau Hiildscliincr 10, , l)r. Kalmus Kl, , Iler! Weinberg 25, , l)r. W. Unna 5, , I Ir. W. Viktor 50, , Leopold Landau 10, , Dr. I lalnerii 10, , Dr. Fink 0, , Rechlsaiiwalt David 10, , Nalonioii! ioldstlimidi 2, B e r i c h t i g u 11 ין e 11. 1. Im Ausweis von Nr. 14 soll es statt Ad׳dt Reith, München, Jakob Reith heilten. 2. In Nr. 12 sind 4, M. Stilekel aus Aachen mul _׳, M. Landesbeiträ^e aus Diisseld.iri aas^cwiesen, bis lieilll stall dessen: 4, 1M. Sehekel und I, M. LnudesheilrüKC aus Aachen, 1, M. Schekel und 1, M. Landcshcilraj; aus Düsseldorf. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcreinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Slr.d.e $. Postscheckkonto: Berlin Ü09I, Bank• konto: A. H. Heyntann & Co., Berlin, Unter den Linden 59. ״Titanic“ Soweit Menscl1en׳׳eist und Meiiscliciilur/ billig sind, die ettlsct/.liche Tragödie /.tt erfassen, die sich da auf dem Weltmeer abgespielt hat, Italien wir alle den Tribut der Trauer und de> Mitgefühls gezollt. Cs ist gilt so,' dali die vielen Sitiueilcn, die uns vom Wrack des ״Titanic'* trennen, auch die seelische Einwirkung des Cr* uimisses zu mildern vermögen. Und wenn dieser gewaltige Schlag, der gegen tlas KulturbewiilH* sein der Menschheit geführt wurde, in uns■ Jude n seine, besonderen Ciedankeii ausznlöseii vermag, so bedeutet das keineswegs, dail ein überspanntes jüdische* Empfinden uns den Blick getrübt habe Kn die (.irölk• rein menschlicher Tragik, Haid nach dem Eintreffen der ersten I liobs* po'len, hat man vielfach Trost gesucht in dem tud.ulken, dall .in Tituitcngcschick jenes stol/c Sellin getroffen habe. Ein kiesenopfer sei gebracht worden auf der Bahn des rorlschritls. £>a dürfe inan nicht jammern, sondern müsse Leinen zielten und nach Kriegerart weiter kiimpfeu, damit die Opfer nicht umsonst gefallen seien. Der (jedanke hat etwas bestechend (irolies und Scheines, und mau wird gern zu ihm seine Zuflocht nehmen, wenn er auch für immer Vcrloreues nicht zurückbringen kann. Wenn wir die Verlustlisten durchgehen, die der Draht bis zur Stunde zu melden wulUe, dann ,»ul׳; es attffallen, dali imverhältnismiflSig viele jüdische Namen — teilweise vom besten Klang ״De? ZionismuM cratroht für das j4kl!f;cI1a Volk dlo Schaffung efneröffentllcli-reclsillcli ׳jcrjchcrtca IlcJnislütto 11» I»r.!är/Jisr..״ Cacelcr Programm. tlariit enthalten sind. Und es zeigt sielt hier recht sinnfällig, wie groll der Anteil ist, den unser Volk in seinen ״oberen“ Schichten au dem grollen Ringen der Menschheit gegen die feindliehen Mächte der Natur auf fast allen üebielen des (ieistes genommen hat. Wo ihm immer ein Minimum an Freiheit zur Entfaltung seiner grollen Kräfte geboten wird, da greift es freudig ein, um mitvmtmi au dein grollen, allen gemein• sauten Werke der Kultur. Jene Kajütengäste, die nun tief unten iin Meere begraben sind, fielen wie Bequem und tatenlos ihre letzte F'alul auch gewesen sein mag -- im grollen Kampfe. Das wird vielen als Trost gelten können. Aber die Bevölkerung solch eines O/ean״ riesen ist sozial geschichtet. Tief unten ist das Zwischendeck. SO(» Namenlose sollen hier gvhaust and ist den bluten ihren Tod gefunden Italien. Wir können mit einiger Sicherheit annehnKii, dall auch an diesen Verlusten unser Volk seinen Ite-'oiulereu Anteil hat. Ist es doch die;•rolle Stralk•, auf der sich jahraus, jahrein das jüdische Aiiswaiiclcrerelemi liin/icht, der Weg yon der alten zur neuen Welt, wo das Unglück geschah. Wenn auch der l lauptstrom auf direktem Wege von Hamburg ״verschifft“ wird, so hat doch auch Southampton seinen Anteil an der jtiili• scheu Emigration. Sie zogen nicht aus freien Stücken hin• über, sondern sie w,änderten, weil sie mit der (leilk'l des Hungers und der russischen Staats• gewalt hin'iusgepeilscht wurden aus ihren Wohn• sitzen. Sie zogen nicht als Eroberer hinüber, sondern als Flüchtlinge. Morris Rosen fehl hat uns die Rcsigna• tion, die im Herzen eines solchen Elenden im Angesicht des Todes i'latz greift, mit packender Anschaulichkeit geschildert. So teilten beide das gemeinsame Los. ״< )beit“ der jüdische Millionär, der die grollen Möglichkeiten zeigt und ״unten‘* der Zeuge der elenden Wirklichkeit, in der die überwiegende Mehrheit unseres Volkes lebt. Ein Volk und doch zwei Welten auf dem tmtergelicndeii Schiff, I lier ist die grolle Aufgabe, all die gebiui• denen Kräfte unseres Volkes Irei zu legen: Ibis grolle Befreimigsweik, das der Zionisums an• bahnen will. Der erste Schritt ist der, diesen Massen eine grolle Aufgabe zu zeigen. Ein neues Z.iel der Wanderung, dem sie mit starkem Wollen und grollen IMätien zusleuern können. Wenn dann noch Opfer au Menschenleben gebracht weiden müssen, dann werden sie teilhahen an dem grollen Ringen der Menschheit, werden wissen, wofür sie gelebt haben und wofür sie sterben. « * Uns Juden brachten die Nachrichten von der ״Titanic" noch eine besonders schmerzliche Kunde: Eine der angesehensten jüdischen Fa• milieu der Welt ist durch den Tod von Isidor St rau II in Trauer versetzt worden. Der Ver• sUirbette ist ein Bruder Oscar Strauii', des ehe• maligen amerikanischen llaudelsministers und Botschafters in Konstanlinopcl, sowie des bt•• kannten Philanthropen Nathan Strauli, der erst ganz kürzlich Palästina besuchte und dort attller* ordentlich freigebige Stiftungen zugunsten des Kolonisationswerkcs gemacht hat. Assimilation Auch eine Studie über ״J u 11 c n t a u f c 11'*. Der Zionismus bekämpft die endgültige Assi• milatioii der Juden .111 ihre WirisvOlker auf das Schärfste, insbesondere ihre spezifischen IiKlru• mente, die Mischehe mul die Taufe. Ein gr-dler Teil der gebildeten Deutschen, die in politischen oder wirtschaftlichen Meiiimigskämplen oft mit Verve die deutsdin.itionalen Interessen vertreten, steht diesem Ver/weifhmgskampf der tirsprimglidi und anständig empfindenden Teile der Judeiihei! gegen die moral iiisanitv immer weiterer Kreise ihrer Volksgenossen, die sich durch den mit frivoler Selbstverständlichkeit .msgefiilirten Akt des Ueherlritts charakterisiert, ziemlich verständnislos mul zum Teil sogar hindernd gegenüber. Fs brauchten nicht erst Sombarts ״Judentaufen" zu erscheinen, um uns zu zeigen, dall ge- 1:1(11• hier m den Kreisen von (lelehrlen mul Kirnst• lein, deren Namen sonst ge will in ihrem Fachkreise einen guten Klang halten mögen, das Kapitel der ,,Juden unter uns" noch nicht in dem Malte durch• dacht ist, als dall man den aus jenen Kreisen staut• metidcn Rezepten zur Lösung der Jmleufrage mehr ab icin liter.iiische und knluirhist.!rische Bedeutung bcunessen durfte. I ur denjenigen, der die Assimil.itionsvorgänge ui der deutschen Judenlicit genau verfolgt und dem hier aueh die Stellungnahme der deutschen Intclli• genz. nanirgcmäli weitgehendes Interesse bietet, dürfte es verlohnen, einmal den Ursachen naehziigehen, die dazu!Uhren, dall d i e kräftige Reaktion der deutsch• fühlenden Kreise gegen die Uebcrhamhialiiiic der Mischehen und der Uehcrtrittc jüdischer Streber* seelen, so wie sie hei einer normalen Verfassung des Organismus des deutschen Volkes theoretisch unbedingt sieh hätte emstcllcii nnissen, nur in der relativ schwächlichen und zwechuiidienlichcn f orm des heutigen Antisemitismus zum Ausdruck kommt. Eines der I bmptgriim'.e für die mangelnde Wider• stamlsfäliigkeil der breiten Massen des deutschen Volkes gcgenulter den aiifnahimlieisdicnden Ihr• sonen und Familien, die vom Judentume ahgehröckclt sind, scheint mir in dem Umstande zu liegen, daß im deutschen Volke gegenwärtig ein der jüdischen Assimilation nicht unähnlicher, ihr vielfach adaeijuat wirkender Vorgang sich abspielt, naturgemäß hei einem I1(1dc11ständ1gen und seßhaften 110 Millionen- Volke in anderer Art und Weise, als bei der kleinen, fast schon zerriebenen jüdischen Minorität. Im deiilscheii Volke ti.imlich hat sich äugensclieinlich in den letzten J.dueii die Klassifizierung, die Scheidung der einzelnen gesellschaftlichen und sozialen Schichten in verstärktem Malle vollzogen. Nicht in der Art etwa, wie es in den aber und (»Iler Jahren des vorigen Jahrhunderts der Fall war, solldem in etwas anderer Weise, gewissermaßen durch Verwischung der Scheidelinien hier und durch Auf• riclitmig neuer (ireiizplahle dort, durch Verschuldztuig verschiedener bisher nicht einheitlicher Kreise zu neuen selbständigen (iruppcu und durch Spaltung bisher gleichartiger, nunmehr aber nach verschie• denen Richtungen tendierender Kreise. Auf diese soziale und gesellschaftliche Neugruppicrung scheint mir vor allein die zeitlich mit ihr Hand in Hand gegangene Umformung der wirtschaftlichen Struktur Dciitschl;iiids, seine allmähliche Umwandlung vom überwiegenden Agrarstaat zum Industriestaate von bedeutendem Einfluß gewesen zu sein. Noch vor ca. 40 10 Jahren saßen sowohl die Juden als auch die Deutschen in prozentual weit stärkerem Malle als heute auf dem flachen Laude. Die Berührung»• punkto gesellschaftlicher wie geschäftlicher Natur waren weit geringere als heute; der Jude auf dem flachen Laude war hauptsächlich Kommissionär und

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