Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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! Seite 114 Nr. 13! I i 1 I;null Jas flllergröblc nicht, imslnndc ־hui wlmlc, ungerechtfertigten Anforderungen von seiten des Zentralkomilccs cnlgegcn/ulretcri. Jede Art der /iisarn* nientasMing der Lokaikoimtcc* zu einer machtvoilti» Organisation, welche dt•000 13 ״ deutschen Mitgliedern den ilincn gebührenden Einbuß tu der Verwaliung und Leitung der Allinucc sichern konnte, soll zerstört und zerschlagen werden. War in jenen Beschlüssen, zu denen übrigens die deutschen Mitglieder der Zentralkomitees wiederuiti nicht herangezogen worden, die also co ipso illegal sind, gesagt ist, widerspricht überall den Satzungen unil der bisherigen Geschichte der Alliance. 1. Der Ausdruck Bezirks-Komitee in der deutselten Uebersetzuug der Allinnccstaluten ist ungenau. Im französischen Original licillt es ״Comite regional“, und damit ist offenbar jede gröbere, aus mehreren Lokalkomitecs zusammcngeselzlc Organisation, also auch Landcskomitecs, gemeint. Solche Lamlcskomitees sind in der Alliance nicht neu. Holland, Belgien, Ungarn und die Türkei besitzen sie und die Deutsche Konfcrcnzgemciiischaft hat ebenfalls bisher die Funktionen eines solchen Landeskomitees ausgeübt, wenn sic sich auch nicht genau im Ausclilidl an die Satzungen als solches organisiert halte. 2. Oic Auffassung, das ein Hezirkskomitee 1111• abhängi; von den Lokalkomitecs bestehen könne, ist offenbar widersinnig, denn ein Hc/irkskoinitee ist nur denkbar als die Zusammenfassung einer Anzahl von l.okalkomilec*. Selbstverständlich ist ein Zwang liir die einzelnen Lokalkomitecs nicht gegeben, den Bczirkskomitccs beiztdreten, allein die-!eiligen Lokalkomitecs, welche wirklich die Absicht naben, zugunsten des Einflusses der deutschen Mitglieder auf die Leitung der A. I. l>. kräftig cinzii* treten, •verdat einen andern Weg nicht sehen, diesen Einflull gellend zu ,machen, als indem sic sich zu einer gtollcn Organisation, einem Lamieskomitcc, zusammeuHChliellcn. 3. Dali die einzelnen Mitglieder der Alliance bcrechti|t seien, direkt mil dem Zentralkomitee in Verbindung zu treten, ist aus dem Statut nicht zu entnehmen. Dieses spricht lediglich davon, dalt die Lokal- und Bczirkskomitccs dem Zentralkomitee Berichte zu senden und ihm die Milglicdcrhciträgc ahzuführe 1 haben. Allein das Statut schlicht seihstverständlich nicht aus. dah sich die Lokalkomitees vertragsmäßig dahin einigen, zu ihrem Veftreter gegenüber dem Zentralkomitee, sowohl hinsichtlich der Berichlerslalhmg wie der Abführung der Gelder eine gröbere und machtvollere Orgnnisation zu beslclien. Das ist auch in Deutschland immer so gchandhabl worden. Die Lokal-Komitees haben, mit verschwindenden Ausnahmen, nicht mit Paris in Verbindung gestanden, sondern sic haben ausschiieblich mit der Deutschen Konferenzgemein• schaff korrespondiert, haben dieser ihre Beiträge übersandl und sie durch diese «lein Pariser Zentralkomitee zügelte!) lassen. Es ist also geradezu irreführend, wenn behauptet wird, dall durch das Lnudeskoinitce eine Organisation geschaffen werde, die mit allem iin Widerspruch stelle, was bisher in Deutschland in der Angelegenheit der A. I. U. üblich gewesen sei. 4. ebenso irreführend ist die Behauptung, dah die Lokalkomitecs keinerlei Verfügung über die hei ihnen eingehenden Milgliedsbeiträge hatten. Das Zirkular des Zentralkomitees vergibt ganz, den Artikel 18 des Statuts, wonach gerade die Bezirks• und Lokalkoinitccs in Fragen, die sich auf ihren Bezirk und Ort beziehen, selbständig und unter eigener Vvrant* wortlirhkcit zu handeln haben. Zu diesen Fragen müssen in allererster Keilte die der Organisation und Erweiterung der Landes- und Lokalorganis.itionen gerechnet werden. Die Behandlung dieser Fragen aber erfordert natürlich Mittel, und insoweit das Landes- «wler Lokalkomitcc solche Mittel für erforderlich hält, inufl cs dieselben aus den ihm z.tigeliendcn Mitgliedsbeitragen oder, sonstigen Oeldeiiigäitgeti cntucimicn. So ist es auclt stets in der Deutschen Konferenzgemeinschaf! gehalten worden, und zwar, wie nicht oft genug betont werden kann, unter ausdrücklicher Billigung i e <1 c 8 f n 11 r e s c t .1» 8 ditre 1t «I a s I* a ri 8 e r Z c n t ra I k o in i t e e. Nie ist ein Pfennig atisgegehcn worden, der nicht variier bereits die Bibigimg des Zentralkomitees gefiimlen hätte. ל. Völlig nus dem Kabinen des Statuts fällt die Drohung des Zentralkomitees, dalt die l.okalkomilces ausgeschlossen werden sollen, wenn sic «lein Landesknmitne beitreten. Wer nus «ler A. I. U. ausgcschlossen werden darf, mtib sielt nach Art. 3 der Satzungen als niclil mehr würdig gezeigt haben, ferner Milglied der Alliance zu bleiben. Wird man in Paris es wagen zu behaupten, dah diejenigen Männer, die das Beste der A. I. U. wollen, nur darum nicht würdig sein sollten, ihr in Zukunft anztigchüren, weil sic der Meinung sind dall die (leider nach Paris nicht direkt, sondern durch den gewählten Vertreter, das Landcskomitec, gesandt werden sollen und nach Mallgabe derjenigen Bestimmungen, welche diese 8.,wählten Vertreter über die Verwendung jener ehler treffen? Wir dürfen es getrost dem Urleil der Mitglieder der A. I. U. überlassen, zu entscheiden, oh die Satzungen des Lnndcskoinitccs sich in Widerspruch mit denen der A. 1. U. gesetzt haben. Wir sind es, welche die bisherige Tradition in der Alliance autrcchterhalten haben und welche den universellen (leist in ihr zu pflegen bestrebt und entschlossen sind. Aber von Paris aus will mau nicht die Universalität, sondern gerade die Zerstückelung Deutschlands in «ine Keilte kleinerer und machtloser Lokalkomitees. Diesen Bestrebungen cnlgcgcnziitrclcn, wird die JUED1SCHE RUNDSCHAU Pflicht jedes Lokalkomitecs und jedes Alliance-Milgliede* sein! Der Vorstand des De 11 »selten Landesk o tu i t c c s «I e r Alliance I s r a e I i t c Universell c. Jnstizr.it Max Fuchs, Vorsitzender, ״Weltbund der Thoratreuen“ Vor'mehreren Jahren trafen sich eine Anzahl orlhodoxer Männer aus Rubi,and und Deutschland in Hontbürg v. d. 1H., tun einen ,,Weltbund der Thoratreuen״ zu begründen; ans der Gründung wurde dainals nichts, und lange Iiörle man nichts mehr von einem solchen Plan. Nach dem letzten Basler Kongreb glaubten nun einige ,Führer der Orthodoxen dieser Frage eingellendere Aufmerksamkeit schenken zu sollen, und int Anschluß an einen Aufruf des Herrn Rabbiners Dr. Golm In Basel »raten eine Anzahl Herren in Frankfurt n, M. zusammen, um diesbezügliche Vorbercitungen für eine gröbere Versammlung zu treffen. Diese Versammlung war bereits für Ende November geplant bis heute hat mau jedoch nichts mehr davon gehört. Man sagt zwar, «lab sich «lic Vorbercitungen etwas länger liinzogcu, als mau erwartete; allein wir glauben, «lab die maßgebenden Herren sich schon jetzt von der groben Schwierigkeil ihres Unternehmens überzeugt haben und deshalb etwas langsamer an die Sache her,״!־trete״. V«>nt, zionistischen Standpunkte aus ist jede Vereinigung im Judentum, weiche in der Liehe zur jüdischen Gesamtheit eines iltrcr Ziele sieht, mir zu begrüben und ganz besonders, wciin eine solche, wie wohl liier nicht anders zu erwarten wäre, ihre Tätigkeit auch auf Palästina erstrecken würde. Allein wir stehen der Gründung dieses ״Weltbundes״ seltr pessimistisch gegenüber. Wohl hat die deutsche Orlho- «loxic in der ״Freien Vereinigung für das orthodoxe Judentum" einen grollen Teil «ler Ocsct/cstrctien Deutschlands tun ihre Fahne geschart; allein wie sieht es innerhalb dieser ftnmmhing ans. D.i gibt cs z. IV eine Stadl, in der zwei orthodoxe Ocineiinlcu existieren; über die llariuoitie daselbst schweigt des Sängers Höflichkeit am besten. Ist daselbst die Tatsache, dall die Schcchitali des einen Rabbiners minderwertig in den Augen des andern isl, eüt Ansporn zur Grütuhmg einer ״Agttdalh"? Und wie sicht es erst an anderen Plätzen, in anderen Ländern aus? In Bayern bekämpfen sielt orthodoxe Freunde mul Gegner «ler Revision «lesr Judenediktes scitärfcr als Neologe und Orthodoxe; In Ungarn gärt es zwischen zwei Richtungen in der Orthodoxie in tutverantwortlichster Weise. Seihst nach England und Amerika hat der Zwist übergegriffen. Haben doch in England jüngst bei zier Einweihung einer orlhodoxon Synagoge einige fromme Engländer die Einladiing ahgclcluit, weil die Gemeinde auf dein ״Treuniuigspriiizip‘' stellt. Und 111m erst die Unterschiede zwischen deutsche, russische, galizische tt, n. Orthodoxe, zwischen sephardisdie mul hassidische! Und wie werden gar die orthodoxen Zionisten von ihren glaubensstarken Antizionisten behandelt! Es ist noch nicht lange 11er, «lall man die Zionisten mit den Titeln Kanaaniter und älutl. von gewisser Seite beehrt hatte, und «lab sogar in Predigten gegen diese ״Unheil bringenden״ Menschen geeifert wurde, ob solche nun gesetzestreu «)der anders sind. Da will man einen ״Weltbund der Tlior.itrencn״ bilden! Wahrlich, es bedarf in den Reihen der Maßgebenden noch viel Selbstzucht, noch viel Wandel, wenn au eine ersprießliche Tätigkeit in dieser Bc- Ziehung gedacht werden kann. Bekanntmachung Am Sonntag, den 7. April, vorm. 11 Uhr, findet im Bureau «les Kgl. Notars Dr. Victor, Hamburg- Wandsbek, Lübecker Str. 2ö, die General-Versammlung der Paiiiatlna-Rcioc-Gcsclischaft statt, in welcher u. a. ev.-die erstmalige Verlosung statt finden wird. Unter Hinweis auf den in Nr. 12 «ler ״Welt" erschienenen Artikel von Dr. Heinrich Loewc ״Sehnsucht nach Zion" und die früheren Ihthliknlionc.il bitten wir «lie Gesiuunng'sgcnossen mininchr umgcitejul ihren Beitritt unter Einsendung des Mit■ gliedsheitrages zu erklären. Bankkonto: M. M. Warhurg ft Co., Hamburg. A. H. Heymann ft Co., Berlin.!י a lii stin a R c i s e-0 c sc 11 s ch a f t, c. V. in Hamburg. I>er gescliäftsfüiircndc Ausschuß. י I. A.: Dr. Cltwolles, Hanibtirg-Bahrcnfeld, Mozartstrnßc 34. Wir glauben, «laß «lies Ziel nur «laini zu erreichen ist, wenn alle llcibsjxwm•, seien sie Rabbiner «*ler |.nie», niisgcschaltct werden, und wenn Männer <111 «lic Spitze treten, welche jiiiMamle sind, Ost und West in Toleranz zu vereinigen. M.inner, welche die atisliiiulischen Juden nicht nur in Theorie und nicht nur in ״Zcdokoh", Mindern in jeder Beziehung in der Praxis als! gleichbedeutend erachten. In keiner Institution «fer Orthodoxie, mag sie eine Schule für Schächter und Kantoren «»«ler etwas anderes sein, «larf von Inländern die Rede sein - ״Kol Israel Chavcrim" muß die Parole sein. Wenn auf der Basis der Toleranz, und der wirklichen Brüder• liehkeit ein Bund zustande zu bringen ist - dann wird iiuclt derselbe von Bestand und segenhringend sein und auch von dm Zionisten fretuligst begrübt werden. A nt i t a i. troLosseii K 111111 r ko 11 f I i k t. Wenn wir Juden nicht eben Juden wären, dann konnten wir mit «ler Stellung, «lie wir int kulturellen l eben unseres Wirtslamles cmiielimei!, wohl zufrieden sein. Das wird von der amlercn Seite in «ler Weise anerkannt, «lab unser Einfluß auf «las geistige Lehen Deutschlands uns Mißgunst und wütenden Hat) einlrägl. Der Jude, dessen seelische Disposition stets nach innerer Einheit strebt, hat aber ein zu feines Gefühl, für das Mißverhältnis zwischen «ler äußeren Würde, die ihn auf kritischem und künstlerisch reproduzieren• dem Posten kleidet, und den! Mangel an Werten, den er nitr in einem ihm kongenialen Kullurkrci« schaffen könnte, als dall er wenn er ehrlich gegen sich ist ~ an diesem Zwiespalt voriibcrgelicn könnte. 80 erleiden u׳ir immer wieder das Schicksal, um solcher Dinge willen beneidet zu werden, deren wir seihst nicht froh werden können. Diese Tragik wird heute bereits von vielen gcbildeten und aufgeklärten Juden empfunden. Sehen aber ist das Problem in öffentlicher Diskussion so mutig und ohne Scheu vor «ler letzten Konsequenz attgcpack» worden, wie es Moritz G o I d s t c i n im ersten Märzlich des ״Kunstwart״ in seinem Artikel ״De tt t sch - j ü «I i s clt c r Parnaß" getan hat. Die Arbeit reiht sielt — wohl unabsichtlich zeit• lieh den zahlreichen festlich gestimmten Abh.indlungen ein, die sich mit der Zentenarfeier «les Judenediktes befaßten, und wir glauben, «laß diesem wahr• hnftigcu Bekenntnis gerade in diesen lägen eine besondere Berechtigung zukain. Wir finden bei (1 oldst ein größtenteils (iedankengimge, die uio längst vertrant sind, aber die Art, in der sie hier vorgetragen werden, verdient Ii*-ncl1t1111pj nicht mir wegen der Stelle, an der «lie Arbeit erschienen ist. Für uns ist sie eine von jenen Bestätigungen, die einem jeden, der neue Wege ciiischlägt, bisweilen notttin und ihn um so sicherer und zielgewisser aus• schreiten lassen. Was uns Hcr/I vor fünfzehn Jahren lehrte und was wir seitdem verfochten haben, haben in neuerer Zeit immer wieder selbständige Denker und ehrliche Juden verkündet. Es ist der Sieg des aufrechten jüdischen Gedankens, den wir jetzt erleben. Am Kopfe «les Artikels stellt eine Notiz, in «ler sich «lie Redaktion der Zeitschrift gegen Vorwürfe, die ihr aus der Veröffentlichung gemacht werden konnten, snlviert und in «ler sie eine Diskussion über die Fragen anregt. Auch an dm Schluß ist noch ein• mal eine solche Verwahrung gesetzt. Das ist gewiß beschämend für ־ uns Juden. Aber «lic Erfahntii• gen, die Somhart auf seinem Ausflug«־ in das heikle Gebiet der Jtulenfrage machen mußte, mahnen gewiß /tir Vorsicht. (loldstcin rechtfertigt sich zunächst am Eingang seiner Ausführungen, weil er diese eigentlich inner• jüdischen Probleme־ vor «len allgemeinen Leserkreis «les ״Kiiustwart" zu bringen gezwungen ist. Fr he- «lauert mit Recht, «laß es keine eigentlich jüdische, öffentliche Meinung gibt. Speziell «lie Kreise, an «lic er sich richtet, werden von «ler jüdischen Pros»« ־' nicht erreich», so «laß 111 r «len, «ler «lort gehört wer• «len will, nur die Flucht in die allgcineiue ()effentlich• keit und Presse vciblcibt. Demi es nt u b einin.it eine offene Aussprache über diese Dinge herbei* geführt werden. h ine K 111t «I g e h u n g. Etwa zweihundert ang« «ebene «leutsclie Gelehrte, Geistliche, Dichter uinl Politiker haben in einer Erklärung gegen «len Ritual• mordwalni, der neuerdings wie«ler in Rußland seine Orgien feiert, Stellung genommen. Es wäre gewiß nicht recht, einen solchen f rötest, «1er nur «1er Wahr• heit wiUcn und im Namen der Menschlichkeit er• hoben wird, allein nach «ler Wirkung, die von ihm zu erhoffen ist, zu werten, üb jene Gesellschaft! die in Rußland ־ und auch in Deutschland mid anderen Ländern den Glauben an den jüdischen Rilualmoal schürt, durch diese Kundgebung irgend• wie beeinflußt werden wird, kann fraglich erscheinen; ו. I 1 V , 1 * * I f י ‘ ( I ♦ « ״