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Jüdische Rundschau · 1912-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1912) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 JUEDISCME RUNDSCHAU Seite tll Der Untergang der deutschen Juden Von I)r. H. Hoppe, Könignbcrg. Felix Thcilliabcrs Schrift ״Der Untergang der deutschen Juden״, die eigentlich den Titel ״IX•!• I Untergang der westlichen Juden“ tragen mühte, weil das meiste oder alles, was für die deutschen Juden gilt, auch, wie T h c i I h a b e r betont und hier und da durch Beibringung entsprechender Statistiken naclunweisen sucht, für die Juden anderer west• lieber Länder zu Recht bestellt, ist besonders in den sogenannten liberalen jüdischen Kreisen Deutsch• lands, ich möchte sagen instinktiv, mit großer Skepsis aufgenommen, ja vielfach in ihren Schlußfolgerungen von vornherein abgefeimt worden. Ohne Frage hat dazu die wenig wohlwollende Kritik eines Fach• Statistikers, Dr. Jakob S c g a 118, in der Zeitschrift des Zeritralvcreins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ״Im deutschen Reich“ (1911, 485-499) viel beigetragen. Jn manchem, was Sega II auszusetzen findet, hat er sicherlich recht. T11 e i 111 a b c r hat sich, wie S ega 11 noch weiter in seiner nur aus dem Nach, weis von Unrichtigkeiten bestehenden Besprechung im ״Archiv für Demographie und Statistik der Juden“ (1911, 102—165) zu zeigen sucht, viele Unrichtigkeilen zuschulden kommen lassen. T heil 11 a b 1• r hat, wie cs Leuten, die sich, ohne fachwissensehaftlich ausgebildct zu sein, mit der Statislik zu beschältigeu anfangen, oft geht, nicht überall die genügende Sorgfalt bei der Uebcrnahmc und Nachprüfung der Zahlen walten lassen, weil ihm das Resultat wichtiger war als die Korrektheit der einzelnen Zahl, er hat auch manchmal statistische Daten falsch erklärt oder bei drer Erklärung gewisse Tatsachen nicht beachtet- (z.. B., was ihm S e g a 11 sehr verargt, daß die starke Zunahme der preußischen Juden im Jahrzehnt 1861/70, gegen die die Zunahme der Juden in den folgenden Jahrzehnten ganz gewaltig sinkt, einfach eine Folge der Einverleibung von Schleswig■! lolsteiu und I lannovcr mit seinen Juden war). Das alles beeinträchtigt aber nicht die Haiiptrcsullatc der Schrift mul das Vcr• dienst T h e i 1 h a b e r s, die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf die schweren Gefahren, die den Bestand der westlichen Juden bedrohen, auf die 7״ T. schon anderwärts, z. B. von Ruppin in seinen ״Juden der Gegenwart“ hingewiesen wurde, gerade durch die Masse des beigebrachten statistischen Materials und durch die Schroffheit der aufgestcllten Schluß• folgerungcn gelenkt zu haben, und dieses Verdienst wird ihm auch bleiben, selbst wenn er mit dieser oder jener Behauptung über das Ziel geschossen haben sollte. Den Hauptteil und den Mittelpunkt der Thcil• haberschen Ausführungen bildet der Nachweis, daß die Fruchtbarkeit der deutschen Juden in ständiger um! starker Abnahme begriffen ist. Sega II hat gerade gegen die Beweiskraft der für diesen Satz beigebrach• ten Statistiken den entschiedensten Einspruch erhoben. Dabei wendet sieh S c g a 11 aber nur gegen einen Teil der Beweisführung T heil 11 a b c r s, die sich auf das Verhältnis der Geburtenzahl eines Jahres zur Zahl der In diesem Jahre geschlossenen Ehen als Maß der Fruchtbarkeit stützt. T h e i I h a b c r selbst betont, (S. 5S), daß diese Berechnung nicht ganz korrekt, praktisch aber doch brauchbar sei, während Scg all diese nach den Ergebnissen der neuesten LI' —1 . . ..._!»1"■■1*1J" 1!" "לJ..1111■ ■■11» 11 _ , Avvodim hojina I. Awodim hojinaI Sklaven waren wir! ... So sagen wir alljährlich am lieblichen Pessachabeiule, Mit diesen zwei Worten wollen wir die vcrschiodenen Fragen des unschuldvollcn Kindes bcant• Worten. Und wahrlich . . . eine passende, vielsagende Antwort. Awodim hojina! — Hier liegt der letzte Grund so vieler Abnormitäten des jüdischen Lebens. Ein Vorstand der jüdischen Gemeinde führt seine Kinder der herrschenden Konfession zu . . . Ein jüdischer Fabrikbesitzer, der keine Juden nnstcllt... Eine jüdische Schule, in der nichts Jüdisches gelehrt wird ... Ein jüdischer, von Juden gewählter Volks- Vertreter, der sich ״Pole“ nennt . . > Wie schwer sind wiche Erscheinungen zu erklären! Awodim hojinaI “ Das sagt alles. — Die Verfasser der liagadatt, des Sanges von der Freiheit und der Erlösung, kannten auch den verderblichen, unheilbringenden Einfluß der Knecht• scliaft ,, . Sklaven waren wirl — II. Das Sklavcngeschiccht ist nicht ausgestorben, wie *ite, in eigenem Stamme erloschene Geschlechter. Studien namhafter Forscher (II i n d e I a n g , M ombert) wenigstens für kurze Zeiträume von einem oder wenigen Jahren für ziemlich wertlos erklärt. Man kann in der Tat diese Methode der Fruchtbarkcitsbercchming nicht als eine exakte bezeichnen. Segall hat jedoch selbst in seiner Studie über die Entwicklung der Juden in München von 1875—1905 diese Methode, und zwar für die einzelnen aufeinanderfolgenden Jahre, angewandt mul dabei auf die eigentiimliche Zusammensetzung der Münchener jüdischen Bevölkerung hingewiesen. Es ist mir aber uuerfinlieh, wie diese Zusammensetzung die Anwendung der Methode eher gestatten soll. Das Resultat Segall 8 ist eine gewaltige Abnahme der Fruchtbarkeit der Münchener Juden. Thcil habe r hat nun aber in Preußen nicht für die einzelnen aufeinander folgenden Jahre, sondern (S. 55) für Jahrzehnte und nur seit 1895 für Jahrfimfte die Verhältniszahlen berechnet, so daß die Beanstandung Segall s bzw. der von ihm angeführten Autoren nicht mehr recht zutrifft. Und wenn noch für die letzte Zeit Dezennien genommen werden, und ich nach den Angaben im Arch. f. Dem. u. Stat. der Juden (1911, 182 u. 183) die Verhältniszahl der Geburten zur Zahl der Eheschließungen im selben Zeitraum berechne, so ergeben sich mit Hinzuziehung der Theilhabersehen Zahlen bis 1850 jüdische Geburten auf 1 Eheschließung; 1820/30 5,19, 1811/50 5,01, 1876,85 •1,7, 1886/95 3,47, 1896/05 2,82, 1900/00 2,6. Die so berechnete Zahl der Geburten auf 1 Elleschließung oder die Fruchtbarkeit Ist also ganz außerordentlich gesunken, sie war im letzten Jahrzehnt halb so groß als im Jahrzehnt 1820/30. Und wenn auch, was zugegeben wird, die Berechnung gewisse Fehler in sich schließt, so ist doch die abnehmende Tendenz ganz unverkennbar, und das Gesamtresultat der dauernden Abnahme würde auch dann nicht wesentlich geändert werden, wenn, um die Fehler noch etwas zu verkleinern, 20• oder 30jährige Zeitabschnitte zusanmicngcfaßt würden. Uebrigens braucht mau nur seine Augen zu öffnen und sich in dcTMickanntcn Familien nmzuschen und umherzufragen, um zu erkennen, daß die jetzige zum Abschluß der Kiiulerproduktion gelangte Generation der Juden weit weniger Kinder hat als noch die Eltern dieser (leneration hatten, und daß das Zweikimlcrsystem hei den Juden tatsächlich zur Herrschaft gelangt ist und sich immer mt’hr verbreitet. Es dürfte die für das letzte Jahrzehnt herausgercchnetc Zahl von 2,6 Kindern pro Ehe durchschnittlich den tatsächlichen Verhält• nisscu ungefähr entsprechen, T h c i 1 h a b c r hat sich aber nicht, wie man nach der Kritik S c g a 11 s amiehmeii sollte, mit der angegebenen Methode der Frucht• barkcitshcrcchnung heguiigt, vielmehr bildet diese nur einen kleinen Teil seiner Beweisführung, die sich im wesentlichen auf die gewaltige Abnahme der Ge• burtenzalil stützt. Diese hat nicht nur im Verhältnis zur Zahl der Juden, sondern auch absolut trotz nicht unbeträchtlicher Zunahme der jüdischen Bcvälkcrung dauernd und bedeutend ahgenommen. Man braucht ja nur zu beachten, daß in Preußen auf 1000 Juden 1822/10 35,46, 1905/08 aber nur 17,45 also noch nicht die Hälfte, Gehurten Jaunen, oder gar das Jahr IS17, wo nach Heinrich Löwe (A. Stat. Dem. Jud,, 1911, 47) in 9 östlichen Rcgieruugsbezirken mit % der jüdischen Bevölkerung Preußens auf 24 Juden 1 Geburt oder auf 1000 42 Gehurten kamen, und das Jahr 1908, wo diese Zahl auf 17,01 gesunken war, zu vergleichen. Wenn sich mich bei der christlichen Bevölkerung aller Länder das gleiche Phänomen der Geburtenabnahme be* Die Sklaven hängen ׳zäh am Lehen, haben eine wunderbare Lebenskraft. Unkraut vergeht nicht. Sklaven waren wir! Und heute? . . . Der I lerr der Freiheit wollte sein Volk frei behalten . . . ״Es soll in Israel keine ewigen Sklaven geben.“ Wollte aber der Sklave das Haus seines Herrn nicht verlassen, so wurde er zu Schniul und Spott an den Ohren an den Türpfosten des Hauses seines Herrn angeuagelt . . . Ein geborener Sklave 1 Wieviel Ohren müßte man an die Pforte des Golus festnagcln, folgten wir noch jetzt dieser alten Sittel III. Die Kinder Israels kamen von den Ufern des Mains und Rheins nach dem Lande Albions. Jahrzehnte vergingen. Sie handelten mit Wechseln, Eisen, Zimt und Gold — und wurden Briten. Spricht man ihnen von einem jüdischen Volke, vom Lande Israels, so sagen die Leute: Briten sind wir und kennen kein anderes Volk. Wir unterscheiden uns von unseren Mitbürgern nur dadurch, daß unser Gotteshaus Synagoge heißt und gewöhnlich leer ist, während das ihrige Cliurch heißt und jeden Sonntag überfüllt ist. Briten sind wir und — Finanzlcutc. Und auch das Obcrrabbinat behandeln wir ״kaufmännisch“, wie eine Aktiengesellschaft; wer 'mehr Ocld zahlt, mehr Aktien besitzt, ist jmlürlidt auch im Besitz von ebensoviel Stimmen. oharlitcn läßt, so doch. bei weitem nicht in dem Maße als bei den Juden. Bei der christlichen Be• völkertmg Preußens z. B. ist die Zahl seit 1822/40 nur von 40,01 auf 35,4 gesunken. Die Geburten• häufigkeit ist jetzt bei der jüdischen Bevölkerung Preußens halb so groß als bei der christlichen, während sie noch vor 50 Jahren nur unu 5 p. m. kleiner war. Ohne Frage ist diese allenthalben zu beobnch• temle Geburtenabnahme oder Abnahme der ehelichen Fruchtbarkeit, z. T. eine Folge des Hinaufrückcns des ileiratsalters, zum größeren Teil aber der zu• nehmenden Verbreitung der absichtlichen Kinderbeschrünkung, Erscheinungen, die hei den Juden nur in verstärktem Maße aufireten. Bei der Besprechung des starken Rückgangs der Geburten in der jüdischen Bevölkerung Hessens wird in den Mitteilungen der Großherz. Hess. Zentralstelle f. d. Landesstatistik (zit. A. Dem. u. Stat. Jud. 1911, 17) direkt hervorgehoben, daß der Wert der Statistik der Juden besonders darin liege, ״daß sich bei der jüdischen Bevölkerung die die Bewegung der Bevölkerung beeinflussenden Zeitvcrhältnisse viel rascher be* merkbar machen als bei der Gesaintbcvölke-, rung (z. B, Entwicklung des Zweikindersystems) und daß daher die Juden gewissermaßen das Barometer für die übrige Bevölkerung sind und Zustände schon jetzt zeitigen, die hei jenen erst in der Zukunft zu erwarten sind.“ Nun ist ja ztizugebcn, daß auf die Geburtenzahl noch andere Ursachen herabdrückeml wirken, z. ü. eine starke Abwanderung jüngerer Personen, wie sie bei den Juden in den 80er Jahren stattgefumlen hat (im letzten Jahrzehnt hat aber keine bedeutende Auswanderung deutscher Juden mehr stattgefunden, ohne daß die Geburtenabnahme geringer geworden wäre). Andererseits hat andauernd eine nicht unbeträchtliche Einwanderung von jüdischen Ausländern stattgefumlen, die mit Ausnahme der Pogromjahre vorzugsweise den jüngeren zeiigungskräftigen Altersstufen angchörtcn mul, da die Geburtenzahl bzw. die Fruchtbarkeit in den Familien der ausländischen Juden noch wesentlich höher ist (auf 1000 Juden kamen in Ungarn 1881/85 30,81, 1906/00 28,39, in Rumänien 1871/75 46,53, 1901/05 32,62, 1910 29,33, in Rußland 1903 29,35 A. Stat. Dem. Jud. 1912, 16; 1910, 91; 1911, 41), so wird die I lerahminderiiiig der Geburtenzahl Infolge etwaiger Auswanderung jüngerer Eie• mente dadurch mehr als reichlich ausgeglichen. U11fraglich würde die jüdische Geburtenhäufigkeit und die Fruchtbarkeit hei den deutschen Juden noch ge• ringer Ausfallen, wenn sic nicht durch den fortwähren• den Zuzug ausländischer Juden mit ihrem reichen Kindersegen verstärkt würde. Wenn Segall in seiner neuesten Publikation: Stand der jüdischen Bevöikcrung in Deutschland auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910, II. Bayern (A. Stat. Jud. 1912, 13) meint, daß die zahlreichen Kindcrtaufcn in Bayern und in Preußen mit daran schuld seien, ״daß die absolute Zahl der jüdischen Geburten so heruntergeht“, so ist das ein Irrtum. Segall bedenkt nicht oder scheint nicht zu wissen, dail mich die Kinder von Juden, die bald nach der Gehurt auf Wunsch der Eltern getauft werden, worüber übrigens mindestcus 1 bis mehrere Wochen vergehen, bei der Anmeldung der Geburt auf dem Standesamt nach der Religion der Eltern als jüdische Kinder eingetragen werden und als solche in die Statistik kommen. (Schluß folgt.) Als Briten kämpfen wir natürlich gegen alles ״Fremde", besonders gegen fremde Juden und fremde Rcverends. IV. Die Sklaven sind!dieselben, an den Ufern der Themse und an der Seine. Dort lebten einst große Juden, stark in der Liebe zu ihrem Volke und in ihrem Glauben. Und sie gründeten eine Gesellschaft und schrieben auf ilircn Schild: alle Juden sind Brüder. Die Juden von damals starben, einige sind schwach und alt geworden. Sklaven bemächtigten sich ihrer Fahne — und sie gründeten für Juden französ i s c h c Schulen. Zwei Seelen wohnen in ihrer Brust: Sie 6ind für Wahlen und Proporz *— in der französischen Politik. Im Bereiche ihrer Macht aber schaffen sic die Wahlen ab und — kooptieren... denn auch die Römer sei. Andenkens bähen schon kooptiert. Progressive Franzosen und reaktionäre Juden. Viel• leicht auch schlechte Franzosen, denn gerade diese haben den altjiiilisdicii Grundsatz: Gleichheit, wieder proklamiert. Awodim hojinaI Diese Antwort soll alles erklären. Sic soll uns nber auch an die altjüdischc Sitte der Sklavcnannagelung ,wieder erinnern. Dem allröniischcn Minliag soll ein jüdischer cntgcgcntretcn. Je mehr Sklaven festgenagelt werden, desto weniger und machtloser

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