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Jüdische Rundschau · 1912-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 110 Nr. 13 ' Gibt cs eine deutschjüdische Wahlverwandtschaft? Von Dt. 0 rii n c b c rg- Elberfeld. Ein dichtgefülltcr, eleganter Saal. Ein Bück l>c• lehrt uns, dall cs sich um das gutsituierte, hildimgsbeflissene Logeupublikuin der westdeutschen Indii• striestadt handelt. Am Rednerpult Herr Professor Pr. Goldsicin-Damstadt, der prächtige, uuverkeuubar jüdische Gelehrte mit seiner gewissenhaften, fast möchte mau sagen jüdisch-gewissenhaften Gelelirsamkeit und seiner unverkennbaren, jüdischen Beredsamkeit. In selbstbewußter Spannung liarrcn Männer und Frauen des Momentes, wo der Redner das Lob der deutschen Juden singen wird, denn cs ist eine Stunde ungetrübten Genusses für sic alle angesichts all der Zurücksetzung und Feindseligkeit, die man als selbstverständlich hinzunehmen siel! gewohnt hat. Pas deutsche Geistesleben und die Juden. Mau erinnert sich, daß Herr Professor Dr. Goldstein auf dem letzten Vcrbandstngc des Verbandes der deutschen Juden sich mit demselben Problem beschäftigte. Von der Tatsache, daß die Leistungen hcrvorcngemlcr Juden ihren bereichernden und befruchtenden LinfJuD auf die deutsche Kultur ausgeübt haben, ausgehend, zeigt der Redner den hohen Wert, den wir in jüdischem Schaffen für deutsches Geistesleben zu erblicken haben. Kein Einsichtiger wird dagegen etwas cinzuwenden haben, wenn die Juden in Deutschland kein Mittel unversucht lassen, uin aus der Frejheit, die man ihnen vor hundert Jahren, sei cs aus welchen Gri .den auch immer, gab, aus dieser papierneu eine windichc Freiheit aus Fleisch und Blut zu machen. Und der deutsch-germanischen Mitwelt von Zeit zu Zeit in Erinnerung zu rufen, welche Verdienste die geschmähten und gejagten Juden sich doch schließlieh um Deutschland erwarben, ist zweifellos einer der Versuche, die man zu diesem Behufc anstelle!! kann.. Ob man sich mehr oder weniger von diesen Versuchen verspricht, steht in Zusammenhang mit dem Grade von Optimismus, über den man!׳erlügt. Vom rein ajwiogctischcn Gesichtspunkt aus hat eine solche Erörterung also immerhin ihre Berechtigung. Herr Professor Goldstein Jiat siel» indessen ein weiteres Ziel gesteckt. Er versucht nämlich in den angedeuteten Gedankengängen nachzuweisen, daß eine Wahlverwandtschaft zwischen jüdischem und dcutschein Geiste besteht. Seine Argumentierung ist die folgende: Er führt die geistige Tat des jüdischen Volkes an, z. B, die Bibel, spricht von dem Liullufi, den sic au! das deutsche Volk gewann mul schließt aus diesem Linfluß auf die Verwandtschaft, die bestehen muß zwischen dem Geist, der die Bibel durchzieht und dem, der im deutschen Volke lebt. Dieser Auffassung können wir »uis aus mehreren Gründen nicht anschließen. Ganz abgesehen zunächst davon, daß die Bibel ihre Kraftstrahlungen auf alte Kulturvölker ausübte, muß man die eine Tatsache im Auge behalten, daß geniale Schöpfungen ihre Wirkung auf andere Völker durch das Gigantische ihrer Grölte wirken, ganz unabhängig davon, oh tlic Gesetze der Wahl- Verwandtschaft dabei wirksam sind oder nicht. Diese Tatsache macht zugleich die Einwirkung auf so viele verschieden geartete Nationen plausibel, zu deren Erklärung gerade wegen dieser Verschiedenheit der Begriff der Wahlverwandtschaft nicht ausreicht; diese Tatsache allein berechtigt uns, von einer Internationaß tat des Geisteslebens zu sprechen, und in ihr Pessßchklänge. הד גדיא üangsam ziehen hin die haute, Wie aus weher Ferne kommend, Und ergießen polier Wehmut Sich ln mitlnachts dunkle Stille — fleh, CUad Gadjot Um zwei Susi Hat der Vater cs erstanden. Sdion zu Ende Ist der Scder, Und die ülchtcr brennen matter, Und die Kinder In der Runde Ricken halbpcrsdiloss'ncn Auges — Elch, Cltad Gadjof Von der Ka(je־ Wurde es zum Frafj genommen. Gtwas abseits sl($t die Hl 11 Iler, bausdict still und traumuerlorcn Dem Gesang des e1ntags«Prlnzen In dem welken hinncnklltcl — ■ Hdt, Chad Gadjol Bund und Ka(jc Bis zum Todcscngei buhlen. J U F. m S C i i E_R UN DSC H A U Mit der heuinren Nummer besohl iesst die «JUi:D;8CI:i1; RUNDSCHAU״ dar, erste Quartal ihrer, XVII. Ja'ii-anges. Wir richten .m unsere Abonnenten die dringende!litte, den Betrag• von "'. •'/ 1ך ■׳ ־! ‘ I ».. .0 . .ptu»׳ v/ für die Monate April-Juni zu entrichten und damit die verhältnismässig• hohen Nachnahmegebühren, die sonst entstehen, zu sparen. Die Oi Isgruppen und Vereine, die unser Blatt im Sammclbczuge abonnieren,wollen uns sofort־ Veränderungen im Abonnentenstande mittcilen, damit Verzögerungen in der Zustellung unseres Blattes ♦vermieden werden. Adressen, an die wir Probenummern mit einiger Aussicht auf Erfolg vorsenden können, sind uns in diesen Tagen besonders' willkommen. Die rege Diskussion, welche die Fragen, die den Deutschen Delegiertentag bcschuftigen werden, in unseren Spalten auslösen, sowie die Fragen des Gcmeindebundes, die sich bekanntlich immer mehr zuspitzen, dürften die dauernde Lektüre unseres Blattes gcrade im kommenden Quartal einen -jeden zionistisch Interessierten unentbchrlich machen. ״JütcliFcZio Hisnicbcliat!“ Verlag und Redaktion Berlin W 15 :::,.1.״;aJncho Sfr. 8 erblicken wir den tiiieniießlicheii Wert nationaler KuUurlcistungcn. Eine noch so große Fülle von Einzelerscheinungen kann uns die I lypolhcsc der deutsch-jüdischen Wahl• Verwandtschaft nicht .iimchmbarer niaehcn. Einem Stahl, einem Marx, einem handle steht ein Gambdta, ein Luzntto und ein lUacon •field gegenüber, und jikiisehe Interpreten nationaler Musiker und Dichter weist jedes Land in I!11111• t!;nl l iiüc auf. Selbst zugegeben, daß tlic Zahl solcher Kulturträger in Deutschland eine ,größere ist ah; in anderen Kulturländern, so beweist auch das nichts für eine Wahlverwandtschaft. Eine Fülle von Momenten spricht dabei mit, so der Anteil der Juden an der OosamthcWilkcnuig, die Breite der BcrührtttigNiTiche zwischen den Juden und ihrer Umgebung, wirtschaftliche und sozialpolitische Vcrhältnissc »ts\v.!langsam zieht die ITklodIo hin, Wie aus fernen Sphären kommend. And es wandeln tausend Bilder Durdt des Gintugs-Prinzen Seele — Hdt, Ghad Gadjof Leiden muljt* es, Dodt es folote die Vergeltung. Schweren Schrittes geh! das Schicksal Durch die Zellen und die Volker. Was für iobgciischwcfcs Wirken Soldt ein kleines 7.k!;kin bringet, Das erstanden um zwei Suslf — Adi, Chad Gadjo — Sudas Sinnbild( .. Berlin. 30501 hin. הא להסא עניא Dies Ist des Gfends Brot, Das unsere Puter afjen, Die ln itsgypteus Hot Des bebens schier uerga^en. Unserer Ansicht nach ist durch dieses rein addierende Verfahren nichts anderes bewiesen, als daß das deutsche Geistesleben von dem Wirken jüdischer Kopfe .stark bceiunußt worden ist. Nicht bcwiesen!viril dagegen, ob die Ursache des Eüifitisses fine Wahlverwandtschaft ist oder die den Juden in hohem Maße eigene Fähigkeit, sich heterogenen Vcrhältuissc'ii eng anziisclimiegen, sich ihnen cinzupassen. Die Tatsache des jüdischen Einflusses auf a 11 e Nationen scheint uns mehr für das letztere zu!:()reellen. Einer Konsequenz sei hier ferner gedacht, die 111,ui aus der Goldstcinsclicn Hypothese, ihre Riehtigkeit vorausgesetzt, zu ziehen hätte. Sind die dcutschon Juden ihrer Umgebung nämlich wirklich Waldverwandt und schaffet! sie aus diesem Grunde den Deutschen kongeniale Gcislcswerle, so spricht m,!n damit den Juden der übrigen Kulturländer diese Faltig, keit ab. 1111 Interesse der Mcnschlichkcitskultur, iii! Interesse aller dieser außerhalb Deutschlands woluihaften Juden müßtcii die Anhänger der Wal1!vcr!!׳an itscliaftshypotliese nunmehr eine Aktion cinlcltcn mit dem Ziel, möglichst viel Juden in Deutschland terrilorial zu vereinigen. Nun, die Gefahr einer solchen Massciiimmigratiou ist nicht allzu groll. Es finden sich nämlich in aller Herren Länder Kräfte, von denen jede zu beweisen versucht, daß für die Juden des betreffenden Lamlis dasselbe gilt, was von den deutschen Juden behauptet wird. So sehen wir »ms fast über Nacht mit einer stattlichen Zahl angesehener Völker verwandt, mir daß die Betonung dieser Verwandtschaft immer einseitig von den Juden ausgeht, während der angesehaierc neue Verwandte meist weniger Wert auf die Betonung des VcrwamltscliaftsVerhältnisses legt. Anpassung also heißt die Parole für alle die Juden, die in der Diaspora zur Geltung kommen wollen. Bei diesem Prozeß der Anpassung nun geht potentielle Energie verloren; genau wie beim physi• knlischcri Vorgang wird nicht die Gesamtmenge der potentiellen Scclciiencrgie in Kulturleistung Hingewandelt, sondern es wird wie dort ein Teil zur Ucber* Windung der Rcibuiigsuiderstäiidc benutzt, und dieser Ausfall stellt die lleuummgei» dar, unter denen 1msere Schaffenden leiden. Dieser Koeffizient kann sogar derartig wachsen, daß viele unserer Besten an diesem Zwiespalt zwischen Semitismus lind Germanen• tum zugrunde gehen. Und gerade diese Gescheiterten, die naturgemäß in den Bilanzen unserer Emanzipalionsfeiern nicht in die Erscheinung treten, sollten Uns iiaclideiiklich stimmen. Und wie selinierzlich ist es, wenn wir seln־n müssen, welche Tragik lur das jüdische Volk gerade in der Anteilnahme seiner Sohne all dem Geistesleben der Völker liegt. Sie, die den jüdischen Namen hätten groß machen können, verloren ihn Zusammenhang mit der sogenspendenden Mutier Judentum, der sic doch ihr Bestes verdankten. Sollen wir wirklich nicht angesichts aller dieser Opfer, die wir gebracht haben, im Andenken an einen Börne, Heine, Marx, Jellinck und alle die anderen, 11er Frage aller Fragen unser ganzes Denken und Sinnen widmen: Wie ei halten wir uns und der Welt diesen Slninin, der so edle Reiser hervorbrachte? W i r kennen das Mittel. W i r sammeln jüdische Kräfte im eigenen Land für die Zukunft des eigenen Volks. Den Wißen zur klaren Einsicht in ihre Lage, das ist es, was wir der deutschen Judcnheit zur Säkularfeier ihrer Emanzipation wünschen. »—■ I . .. ...... I— Drum, wer auch fragen mag Das Vudcnweh Im Herzen, Brcdte an diesem Tag mit uns das Brot der Sdtmerzenl Und wer noch hollen mag: 6״ln Glfldt lolgf einst dem Leide 1" Crlnlte an diesem Cag Den Kelch der Hoifnungsircudel Denn, wenn In Golufhland Heul unsre bieder klingen, Gs wird des Gw'gcn Hand Uns doch zur Heimat bringen. Und mag noch manches Uahr Des Golulhs Knechtschaft neuern: Gs kommt ein Cag, da wir ״Pcssadt Icossld" feiern, Sheskel Zu).

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