Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 103 etwa 50 -60 Dunani, für eine mit Beihilfe de« jüd. Natiottalfonds zu schaffende Ansicdltmg von '20 jctncnitischen Familien. Jede Jcmcnitenfamilie erhält 3 Dunnm Hoden und ein Wohnhaus, ferner besorgt das Komitee auch für die Jemeniten einen gemeinsamen Brunnen. Die Kosten für die Aiisiedlimg einer Jemenitenfamilic werden auf etwa H00 Fres. veranschlagt. Hiervon zahlen die einzelnen Ansiedler 100—200 Fres. sogleich bar ein, und den Rest iin Laufe von 35 Jahren. Einstweilen sind für diese Arhciterkolonie vorgemerkt: 12 Feldarbeiter, 20 Kcllcrciarheitcr, 17 Handwerker, 8 gewesene Krämer, eine Anzahl Lastträger, zusammen 57 Personen, die sich bereit erklärt haben, zusammen eine Anzahlung von 37 000 Fres. zu leisten. Auch einige Jemeniten Sind bereits vorgemerkt worden. * Von den beiden Arabern, die den jüdischen Feldarbeitcr Jcchcskc! N i s s a n o w vor zwei Jahren ermordeten, wurde einer zu fünfzehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt, während gegen den zweiten, der bei dem Ucbcrfall schwer verwundet worden war, auf Freispruch erkannt wurde. * Im Laufe dieses Winters haben sich zwei Trupps von jemenitischen Einwanderern in Gliedern niedergelassen. Die erste Gruppe bestand aus 26׳ meist alteren Leuten, die zweite Gruppe aus etwa •10 jungereu Personen, die sich sehr gut für die ländliche Arbeit eignen. Sämtliche Ankömmlinge fanden in den Häusern der Kolonisten — einstweilen unentgcltlieh —• Unterkunft. Die Männer verrichten gegen den ortsüblichen Taglohn Feldarbeiten aller Art, und haben sich meist in ihr neues Arbeitsgebiet rasch eingelebt. Von den Frauen finden manche in der Haus- Wirtschaft der Kolonisten Beschäftigung. Die Jemeniten fühlen sich hier sehr wohl. Jüngst wurde bei einer Jemenitenfamilie unter Teilnahme der ganzen Kolonie Hochzeit gefeiert, wobei es sehr fröhlich zuging. ln Daganjah kamen vor kurzem 60 Jemeniten an, die in Haifa gelandet waren. 30 von ihnen wurden vorläufig auf der Farm Kincrcth der Palcstinc Land Development Company untergebracht, während die übrigen in Daganjah blieben und sich größtenteils als Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft nützlich machen. Bis zum Pcssachfcstc bleiben die Jemeniten dort und in Kincrcth, später dürfte ein großer Teil von ihnen in Medschdel angesiedclt werden. Die meisten scheinen sich als Landarbeiter gut zu bewähren. : H6BRA6I5CH ־. Ein Aufruf zwecks Bildung einer Organisation für hebräische Sprache und Kultur in England ist in London in den letzten Tagen veröffentlicht worden Der Aufruf ist von vielen hervorragenden Männern des öffentlichen jüdischen Lebens, wie Ach ad-11 an m, Dr. A. Bü eitler (Rektor des Jews' College), Mr. Herbert B e 111 w ich, Mr. Norman B c n t w i c h , Dr. Samuel D a i c It c s , Pr. S. M. M e i a m c 11, Mr. S. B. Rubens rein, Mr. H. Sacher, Dr, J. M. Salkind und Mr. Leon Simon unterzeichnet. Der Aufruf betont den allmählichen Fortschritt der Assimilation unter den Juden in England und weist darauf hin, daß man nur durch die Schaffung einer hebräischen Organisation die Itcbrätsche Kultur in. England erhalten könne. Die national bewußten Juden in England werden daher ermahnt, sich zusammenzuschlicHcn, um eine hebräische Organisation, wie sie sielt schon in Deutschland mit Erfolg betätigt, zu gründen. Der Schriftführer ist Mr. S. Land nt a 1t 11, und es besteht die Absicht, eine Versammlung eitizuberufen, sobald sielt eine Anzahl Anhänger der Idee gemeldet haben. TURnen s.sport Hamburg. F u ß b a 11 a b t c i I u n g B a r K o c h - ba I gegen Spiel- und S po rt ץ e r c i n i g ״ n g Volks heim 0:4. Das erstemal m Deutschland, daß eine Fußballmannschaft die jüdischen Farben gegen eine fremde Elf vertrat Trotz tapferer (icgen- Vvdtr, gelang es den Bar Kochbarer» nicht, cm bcsscres Resultat zu erzielen. Die Ucbcrlcgcnlieit Volks• lteints bestand in der besseren Kombination. Bar Kochba spielte flink, doch merkte man, daß die Mann• schaft noch nicht lange trainiert. Auch werden einige Um- und NeueinsteiUingen notwendig scm. Das Spiel war fair und zwang den Schiedsrichter sehe» cmzuschreiten. Nächsten Sonntag ist wieder Irainmg der ersten gegen die zweite Mannschaft, weitere Wetupiclterminc werden noch bekannt gegeben. Der V. Jüdische Turntng findet vom 20.—28. Mai (Pfingsten) 1912 in Berlin statt. Mit der Tagung wird ein jüdisches Sportfest verbunden sein. , /;;־«• . .f ־/ר; r וי > •י i:\y7 Owv1.0* ,«■׳ ti U«u.w wOU3 ׳ I! U A״i1a;!0»1arel׳.:c;1 des Pr.rlciselcretars Lauraliüttc. Int Anschluß an einen Vortrag des Herrn Parteisekretärs Kurt Rosenbaum über ״D i e Zukunft d c r J u d c n“ fand eine lebhafte Auscin• anderset/.ung über verschiedene Fragen des Zionismus statt. Vier neue Mitglieder schlossen sich der Organisation an, ebenso wurde für den Nationalfonds eine Sammlung veranstaltet. '* Cosel. Herr Parteisekretär Kurt Rosenbaum sprach hier über ״D i e Juden der G e g c tt w a r t". Im Anschluß an den Vortrag stellten einige der anwesenden Herren verschiedene Fragen, die Herr Rosenbaum eingehend beantwortete. 12 der anwesenden Herren wurden für das Abonnement der ״Jüdisclien Rundschau“ gewonnen. Die Gründung einer Ortsgruppe dürfte somit in die Wege geleitet sein. zws'dm eeMemöera Berlin. In der Naciit zum Sonntag ist in die Synagoge Bctii Zion in der Briinncnstr. 33 ein Einbrueh verübt worden, bei dem den Dieben mehrere wertvolle Gegenstände in die Hände fielen. Die Diebe erbeuteten u. a. ein 30 ein breites und hohes Thora-Schild aus massivem Silber mit vergoldeter Krone und zwei an den Seiten angebrachten Löwen, zwei 80 cm holte silberne Leuchter, zwei kleine Hände aus demselben Metall zum Vor/oigen der Gesetzes• rolle und eine silberne Sammelbüchse. Die Diebe, zwei etwa 20 Jahre alte Burschen, wurden von einer Hausbewohnerin bemerkt, doch blichen sie unbeheiligt. Berlin. Den 100. Jahrestag der Emanzipation der preußischen Juden beging die jüdische Ge• me in de zu Berlin am Sonntag, den 10. März, durch eine besondere Feier in der Neuen Synagoge (Oranienburger Straße), ln dem überfüllten Gotteshause ׳ bemerkte man unter den Ehrengästen den Polizeipräsidenten v. Jagow, Bürgermeister Dr. Reickc, Stadtrat Düring, den stell vertretenden Stadtverordneten- Vorsteher Geh. Justizrat Cassel mit einer Reihe von Stadtverordneten, svic Barth, Dr. Levy, Loeser u. a., Oberbürgermeister Dominicus und Stadtrat Kalz- Schöneberg; auch die städtischen Vertretungen von Chnriottcnburg, Lichtenberg und Neukölln batten Ab- Ordnungen entsandt. Orgelsnicl und der Gesang ״Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Hccrschaaren“ leitete die Feier ein. Alsdann wies Rabbiner Dr. Weiße in seiner Festpredigt auf die Bedeutung des Emaiizipatiouscdikts vom 11. März 1812 hin, das Friedrich Wilhelm III. Infolge des Wirkens eines Wilhelm v, Humboldt, Hardenberg und Stein erlassen hatte. Nach dem Gesänge der Engel aus Mendelssohns ״Elias“ schilderte der Gemcindeältestc Justizrat Breslauer die Einwirkung des Edikts vom 11. März 1812. Mit dem Gebet für Kaiser und Reich ״«״I fiep! Gesang des ״Flallclujah“ schloß die Feier. — Aut Vi lAlll'JCkMIMff flftc jtWItVnlu»♦♦ n rt tn n i'n Standes wurde das auf dem Friedltof in der Schönhauser Allee befindliche Grab David Fricdläuders, der 1812 Aeltester der Judenschaft war und sielt tun die Errichtung der Emanzipation besondere Verdienste erworben hatte, geschmückt, Berlin. Während des letzten Gemeinde-Wahlkantpfes wurde von seiten der Kandidaten des N e 11 e n I ü d i s c h e n G c tu e i n d e v e r c i n s wiederholt m Wahlversammlungen hervorgehoben, daß die Mündclpfleße in der Berliner jüdischen Gemcinde stark notleide, daß eine Reihe jüdischer Kinder, namentlich unehelicher Kinder, ungeeignete, zum Teil christliche Vormünder erhalte, daß die religiöse Er- Ziehung der Kinder schwer leide usw. Die wiederim!te Forderung nach Besserung der Verhältnisse, die unter anderem von den Flcrren Sally K i r s eh s t c i n, Rechtsanwalt Dr. Klee, Dr. Witkowski, Dr. Z w i r n unzählige Male erhoben worden ist, scheint jetzt anerkannt zu werden. Wie uns mitgeteilt wird, beabsichtigt die jüdische Gemeinde, nunmehr eine Cjcncralvorimiiulsciialt für uneheliche Kinder und Fürsorgez.öglingc cin/.uiiclttcii, und die Berliner Logen wollen eine Vorcinigiutg als ״Zentrale für jüdische Miimlclpflege“ bilden, die einerseits die Staats- und Gemeindehehörden bei der Auswahl der Vormünder und Pfleger unterstützen, andererseits der Samntelstelle, die die jüdische Gemeinde errichten will, Pfleger zur Verfügung stellen will. Es soll im Anschlull daran versucht werden, in Fällen, in denen sich Adoptionen empfehlen, mit Hilfe von über ganz. Deutschland anztiknüpt'eiideu Verbindungen Adoptionsstelleii ausfindig zu machen. Es ist höchst erfredlich, daß diese Anregung des Neuen Jüdischen Gcmeiiideverciits, wie so manche andere Forderung־, die er im W.dilkampl erhoben hat, nunmehr der Realisaiion entgcgeiizttgchcii scheint. Berlin. Austritte aus dem Judentum! Kapellmeister Gustav Woititz, gen. Wanda, 1 homasitisstraße 16, Mechaniker Manfred Keins, Boxhagen- Ruinmelsbtirg, Sonntagstr. 26. — Opernsängeri״ Frl. Margaretite Loewgnstanim, Hobenstaufenstr. 1«. — Kaufmann Max Colin, Wilhehnstr. 12S. — Fabrikbe• silzer Jean Gitttsmniiii, Invalidensir. 120. — Kauf• mann Heinz. •Guttsmann, Invalidonstr. 120. — Rentier Ernst Heymann, Schöneborg, Eandshutcr Str. 12. — Kaufmann Ludwig Blaschkc, Wilmersdorf, Mccklcn- Imtßisehe Str, 88. -־ Fräulein Hedwig Oppenheim, Charioiteiibttrg, Sehlüterstr. 61. — Frau Letmlc Schwa• hach geh. Keyzer, Wilhclmsjtlatz 7. — Kaufmann Gustav Ncirath, Schöneberg, Mot/str. 88. — Fraulein Stefanie Gutmann, Charlotteiiburg, Kantstr. 32. — Ingenieur Direktor Edmund Rumpler, Charlotten• bürg, Mommsenstr. 10. — Frau Berta Flesch geb, Josephtis Jitta, Wilmersdorf, Kaiscrallec 200. — Ton- Künstler Carl Flesch für seine minderjährigen Kinder: Johanna Willielniittc, Karl Franz, und Fritz Johann Flesch, Wilmersdorf, Kaiscrallec '200. — Frau Klara Bramson geb. Mayer, Wilmersdorf, Kurfürstendamm 171/172. — Fräulein Anna Lilienfeld, Chnriottcnburg, Pcstalozzistr. 6. — Kaufmann Ernst Popper, Char* fottenburg, Kantstr. Hl. — Fräulein Magdalette Schicsinger, Wilmersdorf, Signtaringcr Str. 113. — Fräulein Else Rosener, Charlotteiiburg, Bleibtrcustr. 10/11. Kassel. Durch eine Entscheidung des Kultusministen* ist die Stadt gezwungen worden, die hier bestellende israelitische Volks- und Religionsschule als Volksschulen im Sinne des Gesetzes anzuerkennen und einen Beitrag zu ihrer Unterhaltung zu leisten. Düsseldorf. Hier fand im vorigen Monat eine wohlgelungcnc Bczakl-Ausstellung statt, .die von einem allgemeinen Komitee veranstaltet war. Der Verkauf ergab einschließlich des Erlöses von Struck!• selten und Lilienschen Radierungen und Fcdcrzcich• nttngen, sowie der Spitzen eine Summe von rund 100(1 M. Die Ausstellung währte nur 14 Tage, was allgemein als zu kurz empfunden wurde. Während der Ausstellung fand ein öffentlicher Vortrag über den Bczalel von Frau Bertha Epstein aus Duisbürg statt. Erfreulich ist, daß wir dem Bczalel 30—35 neue Mitglieder gewonnen haben. Chemnitz. Am 5. d. M. sprach vor einem zahlreich erschienen jüdischen und christlichen Publikum 11־ errProf. Som hart über ״DieZukunft der Juden“. Ueber den Vortrag selbst, der im wesentlichen des Redners Buch mit dem gleichen Titel entsprach, ist wohl nicht nötig, hier zu berichten, dagegen lohnt es sich, einige Begleiterscheinungen zu erwähnen. Als es durch Plakate und Inserate bekannt wurde, daß S. liier sprechen würde, begann die zuerst woltl vom ״Zcntralvcrciii deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ aufgebrachte Legende ihre Wirkung zu entfalten, daß 0. Antisemit sei und man zu dem Vortrag nicht gehen dürfe. Deshalb ist es auch für weitere Kreise von Wert, das Bekenntnis S.'s über sein Ver* hältiiis zum Antisemitismus kennen zu lernen. Wir geben liier einige Worte S.’s über diesen Punkt nach dem Stenogramm eines Zuhörers wieder: ״ . . . Ich hatte gesagt, die Juden seien unser Schicksal, Wenn man Unglück und Schicksal gleich setzt, kann man alles machen. Ich habe im Gegenteil gesagt, die Juden sind unser Glück.“ .Der politische Antisemitismus hat sielt überlebt, weil er kein Ziel mehr bat.“ ,, . . . Wenn man einen Menschen, der das Vorhandensein einer völkischen Gruppe, einer jüdisclien Eigenart aimimmt, der der Meinung ist, daß das Zusammenleben der Juden mit den übrigen Völkern ein Problem darstellt, wenn man den, der das bekennt, einen Antisemiten nennt, dann bin ich cs; dann ist aber der nationalgesinnte Jude mich ein Antisemit.“ für kann *die i'll Menschheit einen nur ein Tor leugnen.“ lK)lten',fWeri,,‘crtVstA1* Nach diesem Bekenntnis darf man wohl annchmcn, daß der Sombart gemachte Vorwurf des Antisemiüs- 111ns erledigt ist. Schließlich iiberwug doch der Wunsch, den bekannten und, wie wir besonders hetonen wollen, auch als Redner vortrefflichen Vortragenden zu hören, und wir sahen einet! großen Teil derjenigen, die ursprünglich zum Vortrag nicht kommen wollten, doch im Saale. Die Tatsache, daß über Juden öffentlich gesprochen werden sollte, hatte unsere Antisemiten ans Lieht gelockt, und am Eingang zum Versammlungslokal ließen sie die bckannten Flugblätter des ״I lammcrhundes“ verteilen. Ist dieser Vorgang auch gewiß nicht erfreulich, so vermögen wir doch nicht ehizuschen, was diese Flugbläticr uns bei gebildeten und denkfühigen Menschen — und auf deren Urteil allein geben wir doclt etwas -*־ schaden können, so widerlich ist «lerer! Ton. Den Vorwurf, der lins gemacht wurde, daß diese Flugblattverteilung der ־!״'hielt der lüisen (zm onistischen) Tat“ sei, nehmen wir daher ruhig auf uns und werden fortialtren, für unsere Idee zu arbeiten. 1V־t lüct gehörte Ausspruch, daß S, in zionistischem Sinne spreche, weil er von Zionisten bezahlt würde, fällt auf seinen Urheber zurück. Noch ein Wort über die Press e. Alle vier hiesigen Blätter waren durch Berichterstatter vertreten und ließen Berichte über den Vortrag erscheinen. Am verständigsten, aus• fiiliilichstcn und mit einem leisen Untertoii von Wohl• wollen berichtete das konservative Blatt; hedentnngs• los waren die Referate der beiden anderen bürgerlichen Zeitungen; nur das sozialdemokratische Blatt konnte es sich nicht versagen, seinen Bericht mit verdrehenden tntil spöttischen Bemerkungen über den Redner und den Zionismus zu verzieren, wobei man als selbst• verständlich wohl kaum zu erwähnen braucht, daß der Referent ein seit einem Jahre ..ausgetretener“ Gespräciisgcgenstand gemacht, und sind unsere Gegner uns auch ferner nicht freundlich gesinnt, so fangen doclt schlecht Unterrichtete an, über den Zionismus verständlicher zu denken als bisher. .