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Jüdische Rundschau · 1912-03-22 · Heft 12 (22.3.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 102 Nr. 12 W 1־ heit zu denken und das Oute ansziiiibcn“, so ehrt ei» solches Bekenntnis bis zu einem Grade sicher, lieh Salomo» Mainton selbst. Ja, ich glaube saßen zu dürfen, dieser Mann, der in so weitere» Worten die Laßt*, in der er sielt befindet, kenn/cieliiiet, darf nicht mit Frottier e tntli t|11an!i ziisammeiigoworfc» werden. Bei aller Unfertigkeil, Unstetigkeit, die seinen Bildungsgang, seine Arbeiten, sein Lehen erfüllte, blich er doch eine ehrliche Kampfnatur, die in den entscheidenden Augenblicken sielt nicht von kleinlichen , Momenten bewegen lief), das eigene Nest zu beschmutzen ünd die Kultur der Väter zu erniedrigen. Er war eben ein begabter Mensch, der den Sinn für das Reale sich nicht batte trübe» lasse». Man sieht ihm darüber auch vieles nach, wie z. B. die Stellung zu seiner Frau und seinem Sohne, die ein Breslauer Rabbiner also kennzeichnet: ״Ein Vagahiuid, der seine Frau auf viele Jahre verlädt, ihr nicht schreibt und kein Gehl schickt.“ Man vergibt, daß er stets von seinen Gönnern verlangt e, daß sie ihm Unterhalt und Beschäftigung verschaff״ fett, die er beliebig wechselte. Frottier hat diese Memoire» wieder aufgelegt, um! da erinnern wir uns seiner als eines Mannes, der vor (> Jahren die Auflösung der Judenlicit propagierte. Wir wollen nicht daran erinnern, daß Frottier nicht von selbst der Anstamispflicht genügte, von dein Amte in einer Vereinigung z.urückztitreleu — er war jitdi* scher Geineiiitlebeainler! der er ExisleiizFcrechtigung nbsprach und deren Fortbestehen er bekämpfte. -Salomo» Maimon war keine besonders produktive Natur, er fiel den Juden seinerzeit ständig mul ge* svaitig zur Last. Aber er batte wenigstens den Austand, sich nicht auf der einen Seite großfüttern zu lassen, auf der anderen dem jüdischen Volke den Lihcnsfadcn abzuschneiden. Seine Versuche, aus der Judenlicit auszutreteii, waren lächerliche Marotten, die er seihst nicht recht ernst nahm, und auf die er nur in einem Augenblick der Not kam. Gewiß, auch er war kein Heiliger! Aber die Logik eines l'romer hätte ihm ein Greuel sein müssen. Ein Mann, der die jüdische Religion verwirft und die jüdische Nation bekämpft, wäre ihm sicherlich eine lächerliche Ersclicintmg gewesen, wenn dieser Manu daraus nicht die selbstverständlichen Konsequenzen gezogen hätte. Und nun wollen wir uns vor Augen halten, daß derseihe Frottier, der gebieterisch die Auflösung der Judenlicit fordert, heute, nachdem er vor <> Jahren seinen anonymen Appell in die Welt gesandt hatte, noch nicht von uns geschieden ist. Warum?? Herr Frottier, der uns doch sonst so genau Rechenschaft über seine Gedanken über das Judentum •gegeben hat, blieb uns diese letzte Erklärung schuldig. Wir müssen, solange wir nicht eines Besseren belehrt sind, anuehnien, daß er noch immer auf eine Stelle im jüdischen Gciueitideleheii rechnet (da er seine Befähigung und seine Anschauungen hierfür für he- sondere geeignet hält), oder daß er glaubt, als jiidischer Schriftsteller ein sicheres Publikum zu he- sitzen. Hält ihm doch Porit/.ky, der in Literatur- V e re insk reisen viel gilt, offensichtlich die Stange. Vielleicht zeigte» auch die Missimiskrcisc nicht das Interesse, das Herr Fronier erwartete. Wir Zionisten haben ein Interesse au dem Tun des Herrn Fronier, weil es ihm Vorbehalten war, zu behaupten, daß die Zionisten ״Kinder und Narren 1 imi“, und daß ״die Anhänger dieser Idee erst durch oiesc Bewegung sich einen mundfaulen Jargon, t dinoddrige Manieren uml eine nachlässige Haltimg angewöhnten. Auch ihr einstiger gesunder Menschen- '.erstand hätte durch den Zionismus sehr gelitten Als Geiger gegen die Zionisten die Polizei um Hilfe 1 cf, war es nur erklärlich, Denn ein so verschneitt iter Jude hat cs verlernt, geistige Bewegungen 1 uit deren eigenen Mitteln zu schlagen, mul hat als < iclieimrat nicht den Glauben, daß das jüdische Volk auch selbst denken kann, und seine lute ressen am besten ohne den preußischen Schutzmann wird wahrnehmen. Aber immerhin versuchte Geiger, noch die Idee yu vertreten, wenngleich er auch den Kampf gegen ־ die Idee durch die Verfolgung ihrer Anhänger durch* zulühren glaubte. Fronier blieb es Vorbehalten, im Finne der Antisemiten die Zionisten zu kennzeichnen. Er, der knapp heute vielleicht die reine deutsche Ausspräche kennen gelernt hat, sicher aber in der Zeit .vor Herz! noch selbst Yiddisch gesprochen 11.1t, will beurteilen können, ob etliche damals ein reines Deutsch sprachen, während sie infolge ihres Bekenntnisscs zum Zionismus sich einen mundfaulen Jargon angewöhnt haben, und kommt dazu von einigen ganz unsicheren, ich möchte sogar .sagen erfundenen Fullen seiner Umgebung, die ganze Bewegung zu diskreditieren! Es wäre die nämliche Logik, als wenn wir von Salomo» Maimon und l'romer auf das Ostjudentum schließen würden. Die Ostjude» werden sielt bedanken, wenn man ihnen einen Fronier als Repräsentanten hinstcllcu würde. Trotz allem, ich bedaure Fromcr, wie ich auch die Geschichte des Salomo» Maimon tief ergriffe», gelesen halte. Es sind fahrende Gesellen, die der Heimat beraubt, rastlos und ruhelos die Straßen der JUEDISCHE RUNDSCHAU Welt durchlaufen. Daß sie Schmarotzer «oder Schmäher des eigenen Hintes werden, dafür können sie nicht voll verantwortlich gemacht werden. Wer das Leben des jüdische« Volkes um! die Geschichte des einzelnen betrachtet, wird begreifen könne״, daß die Sucht die letzten Ifaiidcn des Judentums, das an ihnen klebt, abzu.cliiuideu zu grausamen, umtatiirliehen Operationen uml Wunden verführt. Felix A. The i Iha b e r. öT (1 **יT* PwJ SScn פ\־ I)ic ״I ib era I c“ L frgc. I>er jüdisch-liberale Aiitiziouisimis macht bekanntlich in Deutschland seit langem verzweifelte Anstrengungen, den politisch Liberaten — mit denen ilm im Grunde nichts anderes als ein fälschlich angenommenes Etikett verbindet — zu suggerieren, da» der •Zionismus eine Sache sei, die von einem jeden freiheitlich Gesinnten perliorrcsziert werden müsse. Es ist nicht zu leugnen, daß diese schmähliche Fälschung in manchen!•allen nicht erfolglos geblieben ist, und wir werden in unserer Aufklärungsarbeit unaiisgesetzt gegen dieses Truggcbihle ati/.ukätiipfeit haben. Da» das bereits mit einigem Erfolge geschehen ist, soll uns zu erneutem Eifer aiispornen. U. a. veröffentlicht« jüngst die ״Aktion“, Zeitschrift für •freiheitliche Politik und Literatur, herausgegeben von Franz P f e in i e r t, einige Artikel, gezeichnet• Cheskel Z w i, die mit Wärme für die zionistische Sache eintraten. Wir freuen uns, da» dieses Blatt unserer Sache Gerechtigkeit widerfahren lallt, wie wir uns eines jeden anfriciitigen und ehrlichen Freundes aus welchem politiselten Lager immer freuen. Demi der wahre Natiounlisinus ist eine Weltanschauung, die jenseits von politischen Prinzipien wie liberal und kousvivativ steht. Er* wird dein Fortschritt in gleicher Weise dienen können, wie der Erhaltung wertvoller überkoiniiiener Kulturgüter. Und besonders der Ziouismus bat cs immer bewiesen, da» in seinen Reihen für Juden aller religiösen und politischen Richtungen Raum ist. Das wissen jüdische Liberale genau so gut wie jüdische Konservative, aber die Aniizionisten aller Schattierungen suchen es zu leugnen, weil — ihnen eben zugkräftigere Argumente nicht zur Verfügtmg stehen. «: AUS A LLGR WGIT fine/ fand Wie uns aus London berichtet wird, verleben die Juden von Siidwales jetzt Tage voller Unruhe und Schrecken, Das Zentrum der Streikbewegung sind die valesischcn Kohlenfelder, dieselben Städte, in denen im vorigen Sommer die grollen Ausschreitmigen gegen die Juden stattgefunden. Der Board of Deputies in London hat daher auch bei der Rcgierung die nötigen Schritte unternommen, damit sie den Ausbruch neuer Feindseligkeiten gegen die Juden rechtzeitig hintanhalte, da gewisse Symptome dafür bestehen, da» dieselben Hetzer, welche im vorigen Sommer die Angriffe auf die Juden in Szene gesetzt haben, diese unruhige Zeit dazu benützen möchten, um die Vorgänge von damals in vielleicht verstärktcrcin Maße zur Wiederholung zu bringen. Bukowina Der hek:ו mite Chassidiui-Rabbi in Czortkow, Israel F ri e d m a 1111, trägt sieh schon lange mit dem Gedanken, eine Versammlung galizischer und Bukowinacr Rabbiner ciii/tibcrufe». Vor zwei Jahren richtete er in dieser Angelegenheit ein Rundschreiben au zahlreiche Rabbiner der beiden Krouläruler. Nunmehr soll der Plan feste Gestalt gewinnen. Am P). d. M. (I. Nissan) findet in Czcrnowitz eine vertr.nükhe Vorkonferenz stab, au der eine Anzahl Rabbiner und Laien teihiehnien wird. Auf dieser Vorkonferenz, sollen positive Beschlüsse wegen des Zeitpunktes und der Tagesordnung der geplanten allgemeinen Rabbincrversammhtng gefaßt werden. Hauptsächlich wird sich die Rabbincrvcrsamtnlung mit der Hebung der wirtschaftlichen Lage der gaiizischen Judenlicit und mit der Organisation der religiösen Einrichtungen zu befassen haben. In weiten Kreisen des Landes gibt sicli für das Zustandekommen der Versammlung lebhaftes Interesse kund. Uiif/, ff, Auf Anregung des Präsidenten der jüdischen KuUuHgemcmde m Szahadk'a, Dr. Adolf Klein, fand am .0. d.M. 111 Budapest eine La nd e 8 ko n f e r 0 11 */. der jüdischen K u 11 u Kg e 111 e 111 d c 11 statt ■m der Über f.OD Delogierte der Kullusgcmcinden des undes teiinahmeii, Die Konferenz halte den Zweck die Frage zu erörtern, auf welche Weise eine ei»! heitliche Autonomie der in drei Lager gespaltenen jüdischen KuiUisgeuieinden (orthodoxe, neologe uml Stal11s1|U0.(jc1nciud1.׳r1) erzielt werden könnte, lg wurde eine Resolution angenommen, der zufolge!:•uh im Laufe dieses Jahres ein I.aiidiskongre» der jsijj. fdien Gemeinden aller Riclttiuigen anlierufe» v.er• den soll, der die Aufgabe haben wird, den I riid.n?wischen den verschiedenen jüdischen Parteien im ungarischen Judentum wicderhcrzustelleii, damit ׳k-r jüdischen Glaubensgemeinschaft die ihr im Sinne ,!er Gesetze gebührende Autonomie auf einheitlicher i;,!sis gesichert werden könne. — Die Einhcitshcstrcbuiigcn, deren Worlführcrin die Landeskonferenz war, \ür. den übrigens von der Laiulesvertretung der orilm. doxen Kiiitusgemeinden (orlli. Landcsknn/Iei) ui(• schieden bekämpft. Diese strebt eine separate Auionomie der orthodoxen Gemeinden an und will von einer organisatorischen Gemeinschaft irgend weich.״ Art mit den fortschrittlich (liberal) gesinnten ׳.!,•. inciuden nichts wissen. Bisher hat es die ungarische Regierung vermieden, in dieser Streitfrage Stell,mg zu nehmen. Von ihr allein hängt es aber ab, ob ,!״: ungarische Judenlicit nach dem Muster der' cbn«. iiciien Konfessionell eine autonome Verfassung uh.ז• haupt — ruf einheitlicher oder dualistischer Grund, läge - erhalten wird. Große Neigung, den Juden dieses Zugeständnis zu machen, scheint hei der Re• gierung nicht vorhanden zu sein, vielmehr hiclel ihr die Haltung der orthodoxen Landesvcrtretimg ollenbar den erwünschten Vorwand, den Juden das »nun gesetzlich /!!stehende Recht zu versagen. Amerika Ucber einen interessanten Fall wird aus New York berichtet: Mit vielen anderen Emigranten kam dieser Tage im Landtingsliafen von New York ein armer Kindcrlchrcr aus Rußland an. Da «r kein Bargeld vor/cigen konnte uml auch sonsi keinen Aus weis filier seine Existenzbedingungen in der Neuen Welt erbringen konnte, wurde er als mittelloset Ein- Wanderer zur R ii c k s c 11 i c k u 11 g verurteilt. Der Manu war ganz unglücklich über dieses tr, urige Verhängnis; er hatte seinen Beruf in der allen Heimat aiifgcgchcn und nun sollte er ziel- und heimatlos die elien erst ühcrslaiidcuc Seereise noch einmal an• treten. Die im I lafcu anwesenden Vertreter jüdischer Organisationen nahmen sich des Armen an und wollten für ihn eine Appellation nach Washington einreicUen. Es war gerade Samstag mittags. Das Schiff ■'׳ml bereit zur Rückfahrt. Da entwickelte sieh zwischen dem Eiiiwnndcriingshcamtcn und dem Juden folgende.: Gespräch: Beamter: ״Untersehivihcu Sie diese Ap* pellatio», daun sollen Sie bis zum Eimreffeii der Autwort auch hier zunickhehaltcn werden.“ Emigrant: ״Ich schreibe heute nicht, dr, wir heule Sabbat halfen.’' Beamter: ״Dann müssen Sie eben das Schiff besteigen und gleich die Rückreise antreten.“ Emigrant: ״S.» ziehe ich es vor, lieber zurück ins heimatlose Elend zu gehen, als den heiligen Sabbat zu entweihen.״ Sprach’s und schickte sich an, das Schiff zu besteigen, Die Beamten, ergriffen von diesem Heroismus vks armen, bedrückt 111 Mannes, riefen ihn aber /tuurk und brachten ihn vor den allgefiüclitctc», unebi!!• liehen Oberkoniiiiissar Williams, dem sie die Begib,•11• heit erzählten. ,,Eine solche Heldentat,“ sagte »1er Kommissar ״verdient die buchste Achtung. Wir w <11,11 den Mann, der so tief in seinem Glauben wurzUi und diesem so grolle Opfer zu bringen vermag, notii nicht ziirüekscliicken, sondern uns unsererseits 1׳».׳ci1 einmal in seinem Interesse bemühen." Als die Sacke in New York bekannt wurde, legte sich auch d r ״Sabbatverein" ins Mittel, und cs fand sich bald ein Betverein, der den Emigranten als Kiiitusbeamteii .:1• stellte. Daraufhin wurde ihm nach einigen Tagen der Eintritt ins Land gestattet. PALAeSTINA-RUMDSCHAU Die Kommission, die vom jüdischen PaVäsu**a• komitee in Odessa beauftragt worden war, ein,«!,lau für die Schaffung einer Lamlarbeitcrkoloim in der Nachbarschaft von Pcthaeh-Tikwah zu entwer.. 1, hat ihre Arbeiten soeben beendet. Die Kominis-'i iti schlägt vor, auf dem Grundstück der neuen Kolonie achtzig aschkcnnsische Arbeiter anzusicdcln, vort de:.ca jeder sieben Dunam?.»gewiesen erhält. Das Kom.nv baut jedem Ansiedler ein Wohnhaus nebst Stall und hißt für die Kolonisten einen gemeinsamen Bruiin.•״ bohren. Die Ges.uiitkostc» für jeden Ansiedler hc• laufen sich auf Fällt) Frcs. Von diesem Betrage ha!', n die einzelnen Kolonisten 5011-1500 F'rc*. sogleich eia• zuzahleii, während der Rest im Verlaufe von 30 Jahren ratenweise abgc/nhlt werden soll. Mit der Abzahlung beginnen die Kolonisten im Jahre 1015. Jeder An- Siedler verpflichtet sich, seine Parzelle seihst zu he* stellen, und falls die Verwendung von Hilfskräften notwendig sein sollte, nur jüdische Arbeitskräfte zu beschäftigen. Aiillerdeiu bestimmt das Odessaer Palästina• komitee einen Teil der in Rede stellenden Bodcnfläche, : . I h! 1! 1 i I!.! I * > t. 1! * t

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