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Jüdische Rundschau · 1912-03-15 · Heft 11 (15.3.1912) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 11 (15.3.1912)
Date
1912-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ohne Turnhallen, ohne Qeräte, ja selbst ohne Beiträge, wenn man sich durch Wanderfahrten, Spiele im Freien, Schwimmen »1»f Schlittschuhlaufen über die schwerste Zeit hiiiwcghilft. Mit welch׳ unsäglichen Mühen haben die sozialdemokratischen Arbeitertimivereine, die polnischen und tschechischen Sokols Glänzendes für die hinter ihnen stehenden politischen Organisationen geleistet I Die zionistischen Vereine und Ortsgruppen dürfen sich die Möglichkeit, sich die Jugend auf diesem erprobten Wege zu sichern, nicht entgehen lassen. Ihn einzuschlagen, bedarf es keiner Voraussetzung, es sei denn die, da» Turnen und Sport demokratische Dinge sind und soziale Gegensätze nicht vertragen. Das Turnen ist erfunden worden, um die Jugend zu nationalisieren. Es hat seine v o I k s erzieherischen Kräfte in hundertjähriger Halm bewiesen. Für 1ms ist es zunächst ein Mittel znm Zweck, aber ein Mittel, das den Zionismus in des Wortes eigenster BcdeuUmg wehrfähig macht. Erich Burin. Aufruf der Gesellschaft jüd. Äcrzte und Nafurvvisscnschaftlcr für medizinisch-biologische Interessen in Palästina Vor einigen Monaten wurden die ersten Schritte zur Gründung einer Gesellschaft von Acrzicn und Naturwissenschaftlern getan, die ohne irgendwelche politischen Zwecke zu vorfolgen, sich lediglich mit der Erforschung und Hebung der sanitären Verhältnisse in Palästina befassen will. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, in wie klägliehcm Zustande die hygienischen Verhältnisse im Orient im allgemeinen und auch in Palästina sich befinden, und bei der stetigen Entwicklung des Landes und Zunahme der jiidisehen Bevölkerung ist es die Pflicht der jüdischen Aerzte, sich mit dem Studium der Gesuudheits- Verhältnisse zu befassen und zu ihrer Besserung beizutragen. Die Gesellschaft plant im Verein mit den palästinensischen Aerzten die Durchführung von Sanierungsarbeiten (wie die Bekämpfung der Malaria, Schaffung von Einrichtungen von Säugtingsfürsorge und zur Bekämpfung des Trachoms, Ausbildung von Krankenschwestern und Apo* thekern für Palästina usw.), sowie die Schaffung, Erweiterung und Erhaltung von.medi/.inisch-hygienischen Institutionen aller Art. So wird die Gründung einer gröberen medizinischcn Bibliothek, Sammlung von medizinischnaturwissenschaftlichen Publikationen über Palästina, die Mitarbeit an dem von anderer Seite geplanten hygienischen Institut, die Veranstaltung von Fortbildungskursen für die palästiueusiscl.cn Aerzte usw. usw. geplant und schließlieh die Errichtung einer jüdischen medizinischen Akademie in Palästina in Aussicht genommen, die nicht nur für das Land selbst und die jüdische Bevölkerung, sondern für den ganzen Orient von hoher Bedeutung werden kann. Ordentliches Mitglied der Gesellschaft kann jeder jüdische Arzt oder akademisch' gebildete Naturwissenschaftler, der an den Zielen der Ge- Seilschaft Interesse nimmt und einen Mitgliedsbeitiag von jährlich 6 Mk. mindestens (Studicrcmlc 3 Mk.) entrichtet, werden. Als außerordentliches Mitglied kann jeder Freund unserer Bestrebungen beitreten, der dieselben durch Zuwendungen unterstützt. In Anbetracht der eminenten Bedeutung und Wichtigkeit der Zwecke und Ziele der Gesellscliaft gehen wir uns der Uoffmmg hin, daß die jüdischen Aerzte in ihrer Gesamtheit und die übrigen Naturwissenschaftler sowie Freunde unserer Bestrebungen zu tätiger Mitarbeit sieb bereit finden werden. Bei dem regen Interesse, welches schon den Vorarbeiten für das hygienische Institut in Palästiii.•! von namhaften jüdischen Aerzten (es haben darunter folgende Herren ihre Mitwirkung zugesichert: Prof, von Ehrlich, Landau, Warburg, v. Wassermann, Proskauer) entgegcngebraclU wo!den ist, darf mau als sicher anuehmeu, daß unsere weiteren Arbeiten Früchte tragen und zur körperlichen und geistigen Gesundung der jüdischen Bevölkerung im Orient führen werden. Für den geu-liüflsftihrcudeu Ausschuß; ׳ Dr, phll. et mctl. C. Plnczowcr, Bcrlin-Tcnipelltof• Die Neuordnung der Berliner Geiiieimicvcrwalieing vor dem licrrcoliaus Wir haben in der vorigen Nummer über den ״(Jeselzeiitwmf, betreffend Vertretung der Berliner Synagogeiigenieiiiile“ berichtet, der dem I Icrreiihatise am Donnerstag voriger Woche zur Beschlußfassung vorlag. Wir haben auch den Wortlaut der Petition wiedergegeben, vermittels deren der ״Neue jüdische Geiiieiudevcrcin“ versuchte, auf die Airgeordneten in einer dem Entwürfe ungünstigen Sinne Einfluß zu nehmen. Aehnliche Sehritte waren gleichzeitig von anderer Seile unternommen worden, und es zeigte sieh, daß das Haus in seiner Melulieit sielt den schwerwiegenden Gründen, die dort gegen den Litt• wttrl angeführt wurden, nicht verschließen konnte. Obwohl der Berichterstatter, Oberbürgermeister K i r s c 11 u c r , die Annahme des Antrages empfahl, wurde er schließlich mit allen gegen fünf Stimme» au eine Kommission verwiesen, aus der er, wenn überhaupt, nur in sehr veränderter Form zttritekkebren dürfte. Geber die Beratungen geht uns noch der fulgettde ausführliche Bericht zu: Plenarsitzung des Preuß. Herrenhauses vom 7. Mürz 1912 Am Miuistcrtiseh: Kommissare. Das Haus ist schwach besetzt. Auf den Tribünen sicht man fast ausschließlich bekannte Vertreter der verschiedenen Richtungen in der Berliner Gemeinde, Auch ihr Syndiktts ist erschienen. Präsident von Wcdel-Picsdorf erteilt Herrn Oberbürgermeister Kirsiimer-Berlin das Wort als Be• rielUetstaller. Oberbürgermeister Kirschncr: Das Gesetz vom Jahre 1 J>77 reicht für die Bedürfnisse der Berliner Synagogengeitieindo nicht mehr aus. Sie schließt einen großen Teil der Berliner Vororte ein und umfaßt 110 00(1 Seelen. Kit seltner gibt dann die Zahlen aus dem Betriebe der Verwaltung, wie sie die Begrün• dttng zu der Vorlage bereits genannt hat. Bei der gioßen Seelenzahl und der Fülle der Geschäfte ist nicht mit Sicherheit zu erwarten, daß sich stets Herren in genügender Zahl finden werden, die die Geschalte der Gemeinde ohne Besoldung führen. Ich hahe als Referent gegen die im Entwurf geforderten Erwcite• יungen in der Vertretung der Berliner Synagogen• gemeinde nichts eitiziiwendett. Die Verhältnisse sind derartig, daß sie die neuen Bestimmungen reehtfertigeu. Die Königliche Staatsregicrimg ist auf den Antrag• der Synagogengcmeiude eingegangen um! hat den Gesetzentwurf vorgclegt. Ich bitte um tut ver• änderte Annahme. Es sind zu dem Entwurf eine Reibe von Petitionen angegangen. Zunächst vom Vorstand der Syn• a g o g e n g e m e i 11 d e i n B fest a tt. Auch dort hat sielt die Zahl der Vorstandsmitglieder auf die Länge der Zeit als zu gering erwiesen. Bresiati hat über 20(10!) Seelen und einen umfangreiche» Verwaittmgs• apnavat, ln Breslau liegt das Bedürfnis nach besoidetcu Vorstandsmitgliedern nicht vor. Der Antrag geht dahin: Bei Synagogengemeindeii mit mehr als 10 000 Seelen soll, unter Wegfall der Stellvertreter, die Zahl der Vorstandsmitglieder nach den Gemeinde• Satzungen auf 10, die der Repräsentanten auf 25 er• höbt werden können. Diese Petition deckt sielt im we! entliehen mit dem Anti.ig des llemi ()[)erhnrgernteisteis Bender• Breslau. Ich glaube, daß wir den Wünschen dieses Antrages entsprechen können. Neben der Petition aus Breslau liegen weitere Petitionen aus den Vororten Berlins, des jiidi• sehen Brudervcreins Neukölln (Rixdorf), des Vereins zur Vertretung der jüdischen Interessen ('. It a r• I o 1 t e 11 b 11 r g s, des Vereins zur Erltal In 11 g d e s 11 b e 1־ I i e i e r t e 11 J tt d e n 111 m s und des N e tt c n j ü d i s e 11 e tt G e tu e i u d e v e r e i!1 e s vor. S i e h a b e 11 a Ile die s e I h e T e 11 d e 11 z. Die Vorlage der Regierung möge an eine Kommission zur Durchberatuug verwiese» werden, da die Gesichtspunkte in den Petitionen drigend der II e r ii e k s i c 111 i• gttng bedürften. Es wird;msgvführt: Die Besinn• immgen, wonach Vorstandsmitglieder besoldet werden können, sind abzulebnen. Das ist den T r a tl i t i •> n e 11 der jüdischen Gemeinde vollstnndi״ zuwider. Es werden sich immer ausreichend Mio gheder finden, die bereit sind, ohne Besold uug den Vorsleherpostcn zu übernehmen. Eine Vcr״rö(k* 1t1״g der Z,1111 der Vorstandsmitglieder würde die Uchclslandc nur verstärken. Das W ah I v e r f a h r e 11 11 a t z u U e b e I. standen ge fuhrt, wird in den Petitionen weitet aiisgefithit. tu der jüdischen Gemeinde gibt es zwei U 1 c 111 tm g e n; eine, die am Alten hängt, eine k » n servative, und eine, die modernen Anschauungen /mgaugluh ist, eine liberale. Bei den letzten \\ alt len wurden für die liberale Liste 5200־ Stimmen fnr die konservative 3<M) Stimmen abgegeben. Die konservative Richtung bedeutet eine starke Minder• heil und ist nicht 111 aiisreieliemler Weise vertrete» Ls sollen Wahlkreise gebildet werden, in dencr gewählt wird, ho viel Wahlkreis e wie z 1, w a h I e n de M i t g I j e tl e r. Weitere Anträge wollen die jüdische Synagogen, gemeinde Groß-Berlins z e r s c h I a g e 11 in vu’iNt;״,. dig selbständige Syn.igogcnbcziikc, die sieh zu einer ücsaiiitgcniciiulc vereinigen. Ich }:che zu, daß die Petitionen der Prüfung wert sind. Dazu ist liier .dar nicht die pas. sende Veranlassung. Ls bandelt sich hjcr nicht um eine organische Umgestaltung der hyn. agogeiigeineimle Groß• Berlin, sondern lediglich daunn, den a 11 g e 111> I i ek i i c 11 e u Notstand zu lasej. tigeu. Statt einer beschränkten Anzahl von Vorstands• uiitglicdcrii, sollen einige weitete /.»gelassen, und es soll gestaltet werden, eine Reibe von Vorstamlsmit. gliedern zu besolden. Ls kommt darauf an, daß das augenblickliche p r a k t i s c h c B e d ii r f n 1 $ he friedigt wird. Ls liegt jetzt kein Aula» vor zu einer o r g ,111 i s e 11 c 11 U ui g e s t a 1111 n g der Berliner Synagogengemcindc. Will man die frage im Sinne tler Petenten erledigen, daun ist das keine kleine Arbeit. Die Acmlcriuig in Walilhcziikc, Syiiagogcnbezirkc, schafft einfach neue Verhält! 11 i s s e. Idi stelle anheim, oh es nicht richtig sein wurde, die Petitionen der Königlichen Staatsregier u 11 g als M a t e r i a I zu überweisen, damit die Materie aufs neue geprüft wird. Es ist 1»<>g. lieh, dal) I) e a c 111 e 11 s w e r t e V o r s c 11 i ä g e z u e i 11 c 111 11 e u e 11 Gesetz e 111 w 11 r f v o r I i e g c n. ich weiß, daß von amlcra׳ Seite der Antrag aut Ucberwcisimg au eine Kommission gestellt wird. Ich glaube, dall die -Materie kurzerhand nicht wird er• ledigt werden können, ich bitte daher um unver• ändert e Annahme mit dem Zusatzantrag B e 11 d e r und um U e h e r w e i s u 11 g der P e t i. 11 o n e 11 n 11 die St a a t s r e g i c r u 11 g als M a t e r i a I. Abgeordneter v. Sydow (kuns.): Die Petitionen sind erst im letzten Moment eingetroffen. Ihr Inhalt ist zum Teil sehr schwerwiegend. Es scheint so, als ob die s eil w eren Miß stau de in der Berliner Sy»agoge11gn»ci11tl0 durch den Entwurf nicht beh o b e n , sondern v e r g r ö II e r t werden. Es handelt sich doch liier 1.11 eine große Minorität. Wir halten eine Kommissioiisberatung für notwendig. Um so in ehr, als w i r w i s s e 11, d n ß d i c A r beit sehr groß ist. ich beantrage Uebervveisung an die Kouiniinialkomniission. Abgeordneter Gral v. Oppersdorf (neue f'raktimi): Ich kann mich den Ausführungen des Vorrcilneis nur ansehließeu. Zu dem Gesetzentwurf, der das höbe Haus beschäftigt, will ich kurz bemerke», (Iah die Minorität der konservativen Israeliten in der Gemeinde so groß ist, daß sie sich unter den jetzigen Verhältnissen in einer Gewissensnot befinden, wie ans Schriftstücken, aus der!,resse licrvorgeht. Wenn diese Gewissensnot beseitigt werden soll, muß man /»geben, daß die Gewissensnot nicht beseitigt werden kann dadurch, daß man den g r o ß e o grillt 0 11 Tisch um ein paar Platten verlungert. Ich beantrage Ucberwcisimg an die J us t i z. k om in i s s i o 11, die sich doch auch — nach meiner Erinnerung — 1S7(> mit diesem Gesetz be• schädigt hat. Präsident v. Wedel: Das Haus ist bei einer einmaligen Beschlußfassung jederzeit in der Lage, den Entwurf an die K omi ssion zu verweisen. Grat v. Oppersdorf ist mit der Ueherwcisung au die K o in m u 11 a I k o m m i s s j o n einverstanden. Es ko in in t zur A b s t i m in 11 n g. Gegen 5 Stirn m e n , darunter Oberbiirgermeister Kirschncr, geht der Entwurf an die K o m m u 11 n I k o m in i s s i o n. Die Tribünen leeren sieh, während das Haus an die Beratudg des Punktes 1 der Tagesordnung geht. « AUS ALLCR W6LT ״ In einer der letztem Nummern der ״Times“ ist eine von Mr. L. Alex a 11 der, Präsident des Jewish Board of Depnties, und Mr. Claude G. Montefiore, Präsident der Anglo-Jewish Association. Unterzeichnete Erklärung abgcdruckt, in der gegen das Vorgehen der russischen Behörden gegen jüdische Reisende aus England Protest erhoben wird. U. a. heißt es in dieser Zuschrift: In der Regel werden diu Passe englischer Juden, die nach Rußland reisen wollen, überhaupt nicht visiert, geschieht dies aber dennoch, so werden die Inhaber solcher Pässe in Rußland verschiedenen unerträglichen Beschränkungen unterworfen, Dies alles widerspricht offenkundig den Bestimmungen des englisch-russischen I iandelsver• trags vom 12. Januar ltSVJ. Die Unterzeichner der Erklärung beziehen sich auf einen Artikel der ״Times“ zum amerikanisch-russische» PaßUnflikt, in dem ge• sagt wurde, diese Streitfrage ,,berühre glücklicherweise l.uglaml nicht.“ Demgegenüber wird in der Protesterklärung nachdrücklich ltervorgelioheu, daß die Angelegenheit allerdings unglückliciieiweise auch Engl,uni berühre. Die Art, wie die russische Regierung mit englischen Staatsbürgern jüdischen Bekuintnisscs ttsuzuspditgcn wage, sei eine Herattsfordcrung Englands. ,,Darum sind wir der Meinung, daß die Regierung Sr. Majestät verpflichtet ist, uns aus diesem Zustand der Rechtlosigkeit zu befreien.“ — Die Erklärung wird in politischen Kreisen lebhaft besprachen und bat auch in Rußland Eindruck ge* ״.acht. Dies kann inan ani besten aus einem Hetz-

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