Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tele|1hnn1 Amt Uldand 845. Spretiolundrn D!rmt«K und Donner•!*{ 5—6 Uhr niUimitt•{*. Nummer 11 26. Adar 5672 XVII. Jahrgang Ausweis Schekel: Messingwerk b. Eberswahle 2, - , Er• langen I(», , Varel i. (). 7,—, (ließen 2, , Elbcrfehl 10, , Berlin 3, , Allenslein II, Landcsorganisutlonsbeitrügc: 1. Ortsgruppen: Iialberstadl 10,-, Messingwerk b. Eberswahle <>, , Erlangen 17, -, Varel i. O. II, , Dessau: Selbstbcsteuerung der Ortsgruppe 1 1,50 ר (nachträglich für 1311 eingegangen), 2. E i 11 z e I p e r s o 11 e 11: Dipl.-Ing. Abcles 10,־ , Rechtsanwalt l>r. L. Weinberg 20, , Kaufmann Alfred Horn 10, , Kaufmann Otto Weinberg 5, (siiintlieb Dortmund), Ed, DeutscliUinder, Königsberg i. Pr., 3. , l>r. Falk, Breslau, 5,--, l)r. Rau, Essen-Rtiltr. 10. , Dr. Rudolf Lcs/.vnskv 10,—, Dr. üriineberg, Elberfeld, 10,״ , S. Meicrowitz, Wanne i. W., 5,- Rechtsanwalt Keiler, Sebweiilnitz, 5, , II. Salonion, löcknitz, 5, - , I ran Hermann Meyer, Schwelm, 10,—, Zahnarzt Henry U>131a, Berlin, 10, , Dr. Viktor Peissaköwitsclt, München, 10,—, Ignatz Fürst, ISroslau, 5, , L. reldinami, Bonn, 5,—; aus Allensteiu: l>r. Ohtzki 5, , Frau Dr. Olitzki 5,—, Hermann Ascher 5,- , Jakob Silberstein 5,—, Rechtsanwalt Lcsser 5,-, Frau Sauitiitsrat Kamnitzer 5,—, Julius Lewin 5,־ , ■Rechtsanwalt Wistinetzki 23,—, Max Hirscbheim 5, , Martin Barczinski 5,—. 3. Verschiedene Spenden: Kattowitz 21,10, Freibnrg 1,10. Eingang von! 7. bis 13. Mürz: Schekel: 57, * \V, L a 11 «1 e 8 o r g n n i s a t i o n s In! i t r ä g e: 428,• - M,' . > Gesamteingang: Seit ekel: 18H,~ M., La 11• d e s o r g a n i s a t i o 11 s b e i t r ii g e: 530(),SS M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcreinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank• konto: A. H. Heymann & Co., Berlin, Unter den Linder! 59. Das Judenedikt 111 diesen Tagen haben die preußischen Juden an vielen Orten die hundertste Wiederkehr des Tages gefeiert, an dem sie den Bürgern des Land! s in Hechten und Pflichten formell gleich■ gestellt wurden. Wir Zionisten haben uns an dieser! Festesjuhel nicht beteiligt. Denn wir hetrachten die Judenemanzipation vom Jahre 181*2 als cm historisches Geschehen, das cintrcten mußte■ und damals, wenn überhaupt, so doch nur noch auf kurze Zeit hinausgeschoben werden konnte. Solches Völkerschicksal kann und soll von uns nicht gewertet werden, man muß sich damit abiinden und daraus zu lernen suchen. Diese Anschauung würde auch dann ihre Geltung behalten, wenn die damals verkündete Gleichberechtigung tatsächlich durchgeführt worden und nicht in ihren Anfängen steckengeblieben wäre. Vor allem liegt uns jedes Gefühl dos Dankes, das auf Kommersen und in Festreden jetzt so überschwänglichen Ausdruck gefunden hat, durchaus fern. Demi kluge Männer, wie Stein und H a r d e 11 h e r g, haben doch schließ• lieh nur das Verdienst, «laß sie mit einem gewissen Schein von Freiwilligkeit das taten, was über kurz oder lang — vielleicht unter größeren Erschütterungen des Staatslcbcns geschehen mußte, Die ganze historische Tragweite der Emanzipations t a t s a c h e wird von uns Zionisten, Wie uns scheint, mit besonderer Klarheit erkannt, und auch uns ist der 11. März 1912 ein ״Der ' Zionhnnua cratrebt für das jüdSacho Volle die Schaffung einer üffent• HcI1-recLi21cl1 gesicherten Hehnatlitto In PnirtsUna," Dnnclcr Programm* Tag ernsten Gedenkens. Wir wissen, daß dieses letzte Jahrhundert große Opfer von lins gefordert hat. Während das Ghettojudcntun! bei allem Mangel äußerer Würde wenigstens einen Teil der jüdischen Werte aus dem Stammlande herübergerettet hatte, mußte gar manches au nationaler Eigenart und inneren kulturellen Giitern für Dinge eingetauscht werden, die das Urteil des Tages zu schützen weiß, die aber unserer seelischen Disposition für das Verlorene keinen Ersatz zu leisten vermochten. Schwächliche Klage über das Verlorene liegt uns eben so fern wie überschwenglicher Jubel über «las Gewonnene. Denn wir sehen ein großes Ziel, das nur auf diesem dornenvollen Wege zu erreichen ist. Der Zionismus als politischer - und Kulturfaktor, wie wir ihn heute kennen, ist erst möglich geworden durch den Eintritt der Juden in das europäische Kulturleben. Das große Werk kann nur gelingen, wenn alle die großen Mittel unserer Zeit in seinen Dienst gestellt werden. Freizügigkeit, profanes Wissen uml engere Fühlung mit der Umwelt sind seine äußeren Voraussetzungen. Aber auch für den inneren Juden war cs notwendig, daß wir dieses Jahrhundert mit allen seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, mit dem Wandel der philosophischen und ethischen Anschaumigen durchlebten. Unser Nationaljudentum hat wenig gemein mit dem engen nationalen Egoismus früherer Jahrhunderte. Es ist jener nationale Gemcinsimi, der gerade in den Anfängen des vorigen Jahrhunderts aus dem Universalismus erwachsen ist und durch ihn vcredelt wurde. Der einzige Nationalismus, der mit der universal gerichteten jüdischen Anschau- 1mg überhaupt vereinbar ist. Aber um ihn ganz zu erfassen, mußte der Blick erst einmal weit über die Ghettomauern hinausgerichtet, mußte die harte Schule von Enttäuschungen, die dem Vcrbriiderungstaiimel folgte, bestanden werden. Weder Emanzipation noch Zionismus sind zufällig in die Geschichte ״hineingeschneit“. Wieder Beginn des 19. Jahrhunderts ״reif“ war für die Judenemanzipation, die gcrade damals kommen mußte, so kann das Judentum ain Anfang des zwanzigsten Jahrhun* devts seiner historischeu Aufgabe nur gerecht werden durch seine Arbeit für den Zionismus; So glauben wir dem Wirken der Geschichte doch näher zu sein und ihre Lehren deutlicher zu vernehmen als jene, für die sich die Bedeutung des Judenedikics darin erschöpft, daß die bestehenden Beschränkungen von außen her von uns genommen wurden. Die Befreiung des Einzelnen wollen wir durch die Befreiung unseres alten so lange geknechteten Volkes krönen, der üußc• reu Bürgerfreiheit die Freiheit des inneren Men* sehen, des Juden in uns entgegensetzen. Die Emanzipation ist ein Markstein, nicht Schlußstein der jüdischen Geschichte, der wir einen Fortgang sichern wollen, welcher unserer großen palästinensischen Vergangenheit würdig ist. Jugend-Organisationen Das Wettrennen um die jüdische Jugend wird mit Ueber/cugungskraft allein nicht gewonnen werden. Wer den Gegner schlagen will, muH die bessere Taktik üben, uml wer erfolgreich Jtigemlpropaganda treiben will, muß, bevor er Ideen zündet, für konkrete Dinge zu werben wissen. Jiigciidgruppcn, die lediglich gegründet werden, tun sie in die geistigen Rüststatten des Zionismus zu geleiten, tragen den Todeskeim in sich. Den Betätigungsdrang frisch zu erhalten, ist in ihnen nicht möglich, weil es nichts zu betätigen gibt, wenigstens nichts im Sinne eines jungen Mannes, der ein helles Auge und einen offenen Kopf hat und den Willen, etwas zu leisten. Tragt der gesunden, jugendlichen Lust, den raschen, persönlichen Erfolg zu greifen, Rechnung, dann habt Ihr das Mittel, mit dem Ihr die Jugend gewinnt und bei der Fahne haltet! Das Mittel, das gerade jetzt den nationalen deutschen Kreisen den allumfassenden, imposanten Bund ״Jungdeutschland" organisiert: Turnen und Sport. Jene Jugendbewegung, die bis vor kurzem die schönste Hoffnung unseres offiziellen Judentums bildete, konnte sieh nicht entwickeln, weil sie ihren Gliedern nichts zu bieten vermochte als — Dis- Missionen. Das mag bei der assimilatorischen Tenden/, jener Kreise immerhin verständlich sein; womit sollten sie ihren jungen Leuten auch schließlich kommen! Jede einigermaßen positive Beschäftigung hätte sie ja auf den Weg der gehallten ״Renaissance“ geführt. Hc:!:! t:״r. •.!".יי ::,.:eh auf .,.:ג nistischer Seite in dieser einen Beziehung kaum anders verfahren wurde und daß sich die Arbeit meistens in den Spuren der Knffeehatiszionisten bewegte, jener Spezies, an der man vergebens die innere Wandlung, die der Zionismus erwecken sollte, fcstzuslcllcn sucht, geschweige irgendeine körperliche Regeneration. Erst neuerdings hat die ״Histadruth“ durch ihre tapfere Agitation für die hebräische Sprache einen neuen Pfad beschritten. Es gibt eine nationale Jugendorganisation, an die man aber bei der öffentlichen Diskussion der Frage oft nicht gedacht hat. Die ״Jüdische Turner- Schaft" ist die einzige Organisation, die ihre Arbeit nach national-jüdischen u n d erzieherischen Grund- Sätzen regelt und daher berufen ist, d i c jüdische Jugendorganisation zu werden.*) Es ist das Verdienst von Dr. Julius Moses. Mannheim, schon vor Jahren hierauf hiiigcwiesen zu haben. Die jüdischen Turn• vereine lieben als erste das hygienisch-pädagogische Moment in ihr Programm aiifgenommen und erfüllen zugleich mit der körperlichen Ertüchtigung Aufgaben, die man andern irgendwie gearteten Jugendvereiiien nicht zumessen kann. Die zionistische Bewegung kann daher in den nationaljüdischen Turnvereinen, die seit mehr als zwölf Jahren die jüdische Renaissance am sichtbarsten und greifbarsten zeigen, das trefflichste Werkzeug für die Jugendpropaganda finden. Vom Lager der andern führt nur ein schmaler Steg iu das uusetge, wud diesen Steg bilden die gut nationalen, aber durch «las Turnen neutral gestellten Turn- und Sportvereine. Junge Leute in «len jetzigen Zeitläuften für Leibes• Übungen zu interessieren, ist nicht schwer. Der Turn• verein ist dann oft das erste jüdische Milien, dem sie sich im Leben nähern, und es mag kein Zufall sein, «lall aus «ler jüdischen Turnbewegung die treuesten Zionisten hervorgegangen sind. Die Gründung von Turnvereinen überall dort, wo noch kein zionistisches Leben pulsiert, empfiehlt sich schon aus praktischen Gründen. Ein einzelner Gc• sinmmgsgcnossc, der in seinem Ort auf sich angcwiesen ist, zionistische Organisation nicht treiben kann «'der darf, und nur ein Dutzend junger Leute um sich zu scharen weiß, vermag in kurzem eine zttver• lässige Truppe heranzubilden, die ihre Begeisterung für das erkannte Ideal fortpflauzt, das ist möglich, *) Vcrgl. Zionismus und jüdische Turnbewegung von Fritz Michel, Nr. 7. ,