Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 JUED1SCHE RUNDSCHAU bäte 83 : HCBRACISCH! Der hebräische Sprachverein Chowcwc Sephath Ewer in St. Petersburg׳ gibt von Anfang dieses Jahres ab eine Monatsschrift unter dem Titel liassapha (Die Sprache) heraus, die ausschließlich der modernen hebräischen Sprachwissenschaft und den llestrehungen zur Ncubelebung und Weiterbildung der hebräischen Sprache gewidmet sein soll. Die Zeitschrift wird, so schreibt die Neue Jüdische Korrespondenz (Nr. (1), ihr Augenmerk insbesondere der wissenschaftlichen Pflege und Ausgestaltung der Sprache des täglichen Lebens, sowie der Sammlung und Bereicherung der wissenschaftlichen Terminologie und des technischen Sprachguts zmvenden. Sämtliche hebräische Neucrscheinungen sollen ferner in der Zeitschrift vom sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkte besprochen werden, wobei auf die gebräuchlichen Irrtiimer und Verstöße gegen die Sprachgeset/.c namentlich in der modernen Journalistik - hingewiesen werden soll. ♦ Die nationaljüdischen Bestrebungen haben neuerdings auch bei der arabisch sjwcchcmlcn jüdischen Bevölkerung von Nordafrika lebhaften Anklang gefundcu. Besonders unter den Juden in Tunesien gibt sich reges Interesse für die hebräische und jungjüdische Renaissanecbcwegung in allen ihren Bormen kund. In den letzten Jahren sind in der Haupt- Stadt Tunis und in einigen Proviuzstüdteu, wie Beja und andere, zionistische Vereine entstanden, deren Mitglieder auch die moderne hebräische Sprache und Literatur eifrig pflegten. Seit kurzem erscheint nun in Tunis auch eine hebräische Monatsschrift, unter dem Namen ״Hapardes11, die von Herrn Simah Levy heransgegeben wird. Die erste Nummer enthält inter* cssante Mitteilungen über das jüdische Vcrcinslchcn in Tunis. ziomsTisaie ßeuecufic Vom Jüdischen Verlag Die beginnende Priihjahrssaisoii bringt mich neues Leben in die eigentliche Vcrlagstiitigkcit unseres Partei- Verlags, der im Winter sich vorwiegend auf den Büchervertrieb beschränkt hat. Soeben sind zwei hervorragende Werke zur Pnliistinakunde fertiggestellt worden: Davis T r i e t s c h , P a I ä s t i n a 11 a n d b 11 c h (dritte Auflage); Elias Auerbach, Palästina als Juden- 1 a 11 d. Das bekannte Handbuch unseres geschätzten Mitarbeiten« ist eine hervorragende Leistung, die Bleiß und Sachkenntnis hcrvorgchracht bähen. Mit ihren auf den neuesten Stand gebrachten Daten ist sie eine unentbehrliche Ergänzung zu den allgemeinen Reise• führern. Besonders sollte kein Jude und Zionist nach Palästina ohne das handliche Buch reisen. Die Broschüre von Auerbach ist ein Agitationsmittel, wie es uns bis jetzt gefehlt hat. Sie ist die dritte Schrift, die das Zionistische Aktionskomitee im Laufe dieses Jahres heratisbi iitgl. Während L i c h l - h e i in s bekannte Arbeit das P r ״ g r a m 111 d e s Zionismus erläutert und das zionistische Merkbuch von Schachtel eine unvergleichliche Sammlung der Tatsachen über unsere Bewegung bietet, zeigt A urrliac h vor allem, was wir als praktische Politiker im Lande u 1t se re r II o t f 11 u 11 g erreichen können. — 1111 übrigen verweisen wir auf das Inserat des Jüdischen Verlags, das in dieser Nummer erscheint. Der Jüdische Verlag ist im Begriff, sein Bilialnetz niiszubaueii. Vor kurzem hat er mit der J ü <1 i s e 11 e 11 Zeitung, Wien II, Stephaiiiestr. 12, ein Abkommen getroffen, wonach die J. Z. den Alleinvertrieb für die Birma des Jüdischen Verlags im ganzen Gebiet der österreichischen Monarchie, ohne Galizien mul Bukowin.1, übernommen hat. Alle Bestellungen, die aus dem Vertragsgebiet an den Jüdischen Verlag gelangen, werden von ihm seiner Wiener Vcrtricbsstcllc überwiesen. Gruppenverband Oberschtcsicn Sonntag, den 10. März, 3»A׳ Uhr nachmittags pünktlich Ausschuß-Sitzung in Kattowitz. (Savoy-Hotel, Goctzcstr.). T a g e s o r d n ti n g: 1. Mitleilungen. 2. Beschaffung des Zentralfonds. 3. Vorbesprechung zum Deutschen Delegicrtcntnge in Posen. •L Die Arbeit im Sommerhalbjnhr. 5. Eventuaüa. Alle oberschlesischen Gesinnungsgenossen sind eingcladcn. DcrVorstand dcsOruppcnverbandsausschttsses. Shareklub der Zionlcilschen Vereinigung für Deutschland Geldsendungen gefi. per Postscheck-Konto Hamburg Nr. 3275, Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona. Briefe erbeten au: O s i a s W a s c 11 i t , Hamburg, Berdinaiidstraße 55, part. rechts. Der SharekluI) der Zionistischen Vereinigung für Deutschland bezweckt die Ermöglichung des Kaufs von Aktien der Jüdischen Koloiiialh.iuk (Jewisli Colo, nial I'iiisB der Anglo Palcsliuc Company und der Palesliiie Land Development Company durch allmidiliehe Einzahlung von kleinen Beträgen. Durch das ganze Judentum geht jetzt ein vcr•־ stärkte!• Rut nach energischerer Tätigkeit im I!eiligen Laude, und für jeden Zionisten darf es neben der Vcrgrölk'iiing des jüdischen Natioualfomls keine drin• geiidere Palästiiiaarheil im gegenwärtigen Momente geben, als die Vermehrung des Kapitals der jüdischen Banken, Die Anglo Palcstine Company könnte unter den jetzigen Umständen eine viel segensreichere Tätigkeit entfalten, wenn sie über mehr Kapital verfügen könnte. Unsere Pflicht ist cs, tunlichst dazu bei/utragen. Es gibt in Deutschland noch unzählige Gesiiinuiigsgeiiossen und Genossinnen, die weder selbst im besitze von zionistischen Aktien sind, noch andere zu der geringen Kapitalanlage von 20 M. veranlaßt haben. Ls gilt eine heiligcTflicht iiaclizubolen, und die Sliarckhihvcrwnltmig erklärt sich gerne bereit, die Gg. dabei in jeder Beziehung zu unterstützen. Der letzte Kongreß in Basel, sowie die letzte Sitzung des Grollen A. C. in Berlin haben allen Gesinnungsgenossen die Unterstützung tler zionisii• sehen Banken und speziell der Palcstine Land Devclopment Company (Parzcllicrungsgescllschaft) dringend ans Herz, gelegt, und die Unterzeichnete Sharekhih- Verwaltung betrachtet es als ihre Pflicht, alle Gcsinmingsgenosscn mul speziell die Leiter der Gruppen• verbände und Vertrauensmänner, sowie die Herren Natioiiallomlskoiumissärc u.'ichdrücklirhst anl obige Beschlüsse unserer obersten Instanzen liiiizuweiscti und sie aut die Institution des Shnrckltihs aufmerksam zu machen. Der Sliarckluh ermöglicht jedem Zionisten die An- Schaffung von Aktien aller zionistischen Institute durch Lieferung von Sharemarken im Werte von M. 0,25 mul AI. 1. , die gegen Vorausbezahlung in verschiedenen Mengen bezogen werden können. Die Einzahlung geschieht kostenlos mittels Zählkarten des Postscheckkontos Hamburg Nr. 3275, Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona. Diese Sharemarken werden au! Sammelkarten aufgeklcht, die vom Share• klul), ebenso wie die Zählkarten, kostenlos gclietert werden. Eine Sammelkarte diiint zum Bezug mehrerer oder verschiedener Aktien. Eine Namensaktie der Jüdischen Kolouialhauk, sowie die P. L. I). C. kostet L 1 >•״ M. 20,50, die der Anglo Palcstine Company C 1.1 -- M. 21.50. Die letzt jährige Dividende der Jüdischen Kolonial- Bank betrug M. 0.50 pro Aktie, die der A. P. C. M. 0.85. Es sei besonders licrvorgehobeu, daß sich die Aktien der zionistischen Institutionen auch zu Geschenkzwecken besonders eignen, und zwar nicht mir die vollbczaldten Aktien, sondern speziell Sainmelkarten mit einer, zwei, drei usw. aufgcklehtcn Sharemarken, da der letztere Modus zum Sparen und Weilersammeln aueifcrl. Es empfiehlt sich, auch au Orten, wo eine Palast inakommissimi besteht, derselben den Vertrieb der Sharemarken sowie den Verkauf voller Aktien zu überlassen, au ,anderen Orlen dagegen einer speziell zu diesem Zwecke gebildeten Kommission von euergischen und eifrigen Gesinnungsgenossen. 1) i e S 11 a r e k I u b V c r w a 1111 n g. AUS DeN öeM€IMD€W Berlin. Der Gedenktag der preußischen Judeneman/.ipatlon wird in der Reiciishaupstadt von vcrseiiiedenen Körperschaften festlich begangen werden. Die jüdische Gemeinde veranstaltet am Sonntag, den 10. März, mittags 12 Uhr, üi der Neuen Synagoge, Oranienburger Str. 30, einen Bestgottesdieust, — Am Montag, den 11. März, veranstaltet die Zionistische Ortsgruppe eine Oeficntlicho Versammlung, in der I lerr Arnold W i e 11 e r - Kattowitz über ״D i e 11 i s t orische Bedeutung der Judcncntaiuip a t i o n“ sprechen wird. — Der Zentralvercin Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens begeht den Tag durch einen B e s t k 0 in in e rs , der in Krolls Etablissement am Dienstag, den 12. März, >/a0 Uhr, seinen Anfang nimmt. Die Bcslredc hält Herr Justizrat Eugen B u c 11 s. Berlin. Der Verein ״Jüdische Lesehalle und Bibliothek״, Oranienburger Sir. 5$, hielt am 21. Behruar unter zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder die diesjälirige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende I lerr I)r. Max Gins h c r g eröffuele die Vcr- Sammlung mit einer längeren, wirkungsvollen Anspräche, in der er etwa folgendes austuhrtc: Das verflossene Jahr hat auch au seinem Teile gezeigt, dnb unsere Leitmotive die rechten waren, und daß wir sie aut guten Wegen in das jüdische Leben hineingetragen haben - durch Belehrung über unsere Vcr- . gangcnlieit, Einführung in die Kenntnis unserer Literatur, Erziehung zur persönlichen Anteilnahme an den Schicksalen unserer Gemeinschaft, an dem rastlosen Streben, das Judentum auch in der Zukunft kraftvoll - zu erhallen. Bür die Erfüllung dieser sittlichen Bordertmgen wirkt unser Institut mit wachsendem Erfolge. Die Bücherbestände unserer Bibliothek haben iin Berichtsjahre, insbesondere dank den hochherzigen Zuwendungen des I) e 111 s c 11 -1 s r a e 1 i t i s c 11 e n G e in e i 11 d e h 1111 d e s mul des Herrn Gchcimrat Prot. Geiger, eine Bereicherung um 700 Bünde erhallen und umfassen jetzt im ganzen etwa 8000 Bände, von denen im Berichtsjahre ungefähr 50 ס/יי atisgcliehcii wurden, ln den Lesciätinien liegen sländig 8h jüdische Zeitungen mul Zeitschriften in den vcrschiedensten Sprachen aus, die andauernd in reichem Maße benutzt werden. So konnte im verflossenen Jahre eine Besiiclierziffer von 31 J3(> Personell festgestellt werden. Durch unsere Einrichtungen suchen wir die Liehe zum Judentum zu erhalten und zu kräftigen und jüdisches Wissen in weilen Kreisen zu verbreiten, denn die Kenntnis des Judentums ist die Voraussetzung für seine innere Weiterentwicklung und seine sittliche Stärke! An diese mit lebhaftem Beifall aufgeiiouiitienen Ausführungen knüpfte sich eine leblialte Diskussion an, in der manche fruchtbare Anregung für die weitere Ausgestaltung der Vcreinstätigkeit gegeben wurde. Daraut erstattete der. ׳ Schatzmeister Herr Baus Levy den Kassenbericht, der in Einnahmen und Ausgaben mit etwa 8000 M. .׳!!)schließt, lind hob besonders hervor, daß die Verwaltung des Instituts mit größter Sparsamkeit zu Werke gehen mußte und seihst für die wichtigsten Ausgaben, wie Neuanschaffungen von Büchern und Zeitungen, nur sehr bescheidene Mittel zur Verfügung hatte. Um so mehr gebührt der Dank des Vereins den hochherzigen Spendern, die ihn durch Zuwendungen und Subventionen unterstützen. Insbesondere dankte der Schatzmeister im Namen des Vorstandes mit warmen Worten der Güiiiierin des Vereins, Brau Franziska Ginsberg, die fiir die Lesehalle, wie alljährlich, auch im vorigen Jahre einen namhaften Betrag gestiftet hat. Nach der per Akklamation erfolgten Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder ergrill Herr Dr. Zlocisti das Wort, um im Namen der Versammlung den Herren Dr. üinsberg und Beuas Levy für ihre hingebungsvolle und vorbildliche Wirksamkeit zu danken, deren Verdienst cs vor allein ist, daß tlie ״Jüdische Lesehalle und Bibliothek“ das geworden ist, was sie heute darstellt: eine der segensreichsten jüdischen Institutionen in der Metropole mul im Reiche. Freilassing (Bayern). Die hiesigen Vereinigten Feigen-Knficc-Bnhriken preisen ihr Fabrikat durch eine PropagandacrzähUing an, in der die Gestalt eines widerlich mauschelnden Juden, der einen Araber in häßlicher Weise zu übcrvorteilen sucht, init besonderer antisemitischer Sorgfalt gezeichnet wird. Wir glauben diese Publikation recht zu verstehen, wenn wir annehmen, daß sie andeutcu will, daß der Firma jüdiseiie Abnehmer nicht erwünscht seien. Bad Kissingcn. Verein Israelitisches Kurhospiz, Bad Kissingcn. U111 e rs 1111 zu n gsg c - suche sind bis zum 1. April d. J. cinzurcichcn. Acrztlichcs Attest und Vcrmogenszeugnis sind heizufiigen. Nach dem 1. April ciiilatilcndc Gesuche finden keine Berücksichtigung. Gncscn. Die Zahl tler jüdischen Schulkinder nimmt hier ständig ab; vor etwa 2(1 Jahren unterrichteten an der jüdischen Schule drei Lehrer über 130 Kinder; zurzeit besuchen nur 211 Kinder die Schule, an tler jetzt ein Lehrer wirkt. Posen. Die Freie Vereinigung für die Intercxscn des orthodoxen Judentums hielt Sonntag in Posen anläßlich ihres ,Zöjälirigcn Bestehens unter dein Vorsitz, des praktischen Arztes Dr. nied. Calvary einen von etwa 300 Personell besuchten Ostdeutschen Bezirkstag ab. Der Vorsitzende eröffuete den Bezirkslag, indem er besonders dem in der Versammlung anwesenden Ehrenpräsidenten, Rabbiner .Dr. Beilehen• leid, :iir seine erfolgreichen Bestrebungen um die BOrdenmg der Intcicsseu des orthodoxen Judentums dankte. Bankier l.ocwy aus Ruwitseh forderte zum Bcsthaltcii an 11er überlieferten Orthodoxie mit, erinnertc daran, daß von 21 Rnhhiuatcn der Provinz Posen noch 20 an dir Orthodoxie festhalten und daß von 112 Synagogen unserer Provinz 100 orthodox sind. Die orthodoxen Juden hätten, obwohl cs ihnen manchmal schlecht gelohnt worden wäre, die Bahne des Deutschtums in der Provinz Posen Iioeligelialten und würden es auch fernerhin tun. Die Versammlung stimmte stehend in das zum Schluß ausgebraditc Kaiserhoch ein. Sie gab auch iltre Zustimmung zur Abscndting des Uegriißiiiigstclcgramins an den Kaiser; Bald darauf ging ein Antworltelegrainin des Kaisers ein. Jakob Rosenlteini aus Erankturt a. M. betonte, daß das gcsclzcstreiic Judentum eine Kulturmaclit sei, dessen Organisation, die ,,Breie Vereinigung'1, veranlaßt durch tlie Nöte des Judentums, sielt zur Aufgalie gemacht habe. Daran schloß sich der Tätigkeitshcridit der Breien Vereinigung in den Jahren 1010,1011׳ des Generalsekretärs Dr. de Maas-Posen. Nach einer Pause folgte ein Vortrag des Rabbiners Dr. Munk-Her'iin über ״Die Bortdatier des überlieferten Judentums im Wechsel des Zeitgeistes“. Die Vcr- Sammlung beschloß, den Vortrag im Druck herauszugeben. Den letzten Vortrag hielt dann M. A. Loeb-Bcrlin über ״Die relegiüseu Bedürfnisse des deutsche!! Ostens“. Abends fand von 8 Uhr ah im Hotel Mylius ein Bestessen statt, an dem über 180 Personen teilnahmcn.