Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1912-03-01 · Heft 9 (1.3.1912) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2651763-2651772--08240-2665467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 70 Schekelsammhmg Einem Beschlüsse der letzten Zentral-Komitee- Sitzung folgend, haben wir uns au «lic Orts- Kruppen und Vertrauensleute mit dem Ersuchen gewandt, die Einsatntnltiug der Sehekel unserer ständig beitragenden Gesinnungsgenossen im Monat Februar durchzufulireu. Von vielen 1>rten ist uns daraufhin die Zusicherung gemacht worden, daß diese Maßnahme mit aller Energie durchgeführt werden werde. Es war uns dal! ein erfreuliches Zeichen dafür, daß unsere vielfachen Hinweise auf die Notwendigkeit einer schnellen Abführung der Schekelbeträge nicht er• folglos geblieben sind. Wir richten nun am Ende des Monats nochmals die dringende Aufforilcrung an alle, die mit der Einsammlung ״der Weitergabe der Gelder betraut sind, die Beträge sofort auf den Weg zu bringen, damit die deutsche Landsmannschaft in der Lage ist, unserer Zentrale die Mittel, die sie zur Durchführung ihrer Arbeiten bedarf und auf deren pünktlichen Eingang sic rechnen muli, zur Verfügung zu stellen. Zionistische Vereinigung für Deutschland Zen tralbu rcau. Die Juden im neuen Reichstag Mehr dem! je sitzen in diesem Reichstage Ahgeordnete jüdischer Abstammung. Es ist reizvoll, diese Herren einmal geschlossen vor/ufiihrcu. Wir wollen sie in drei Gliedern zum Appell antrdcii lassen. 1. Reihe: 7 jüdisrhusraclitisclMiiosabchc Herren. 2. Reihe: (1 religionslose Juden. 3. Reihe: 3 christliche Söhne jüdischer Väter, (Siehe die untenstehende Tabelle.) Im vorigen Reichstage sahen von den beiden ersten Reihen nur je ein Herr, Frank und Stadt•!tagen. Die drei getauften Judenstämmliiige waren auch das vorige Mal schon da, sie haben sich nicht vermehrt, anderseits ist ihr Kamerad Mugdau beim Rennen ums Mandat verunglückt. Dem Reichstag haben bereits früher angehört: Hanse, Wurm, sowie Bernstein, Gradnattcr, Herzfeld. Ganz neue Herren im Hause sind: Cohn, Davidsohn, Haas, Waldstein, sowie Landsberg, Wcill. Die jüdischen Nielitjudcn sind schwer zu finden — das war bei vielen ja auch der Zweck der Ucbuitg. Doch ich glaube alles ״Vollblut“ gefallt zu haben. Wer die deutsche Judenfrage kennt, wird es richtig finden, dal) ich jetzt einige Angaben über die Juden des Reichstags mit ״Selbstverständlich“ be* ginne: Selbstverständlich , sind die Väter aller Juden Kauflcutc. Selbstverständlich sind alle Juden studierte Männer. Selbstverständlich sind fünf von den sieben Juden Rechtsanwälte. Selbstverständlich sind die beiden anderen M«► | iliencn Juden bei der politischen Scliriitstellcrci ge• landet. ...... , Selbstverständlich bähen alle Juden ihren Wulmsitz in Grollstädten. Selbstverständlich wohnen vier, also mehr als die Hälfte, in Berlin, Selbstverständlich wohnte kein Herr in seiner Gelmrtsstadt. . Selbstverständlich sind die Herren m allen 1 allen nach größeren Städten verzogen. Selbstverständlich sind fünf von den sieben Herren in den östlichen Provinzen Preußens gehören. , . , Selbstverständlich ist bei «len Religionslosen und Getauften das Bild ähnlich, jedoch nicht so scharf ausgeprägt. Betrachten wir alle 10 Juden und Jiidcnstämmlinge zusammen, so finden wir alle in Großstädten, unter ihnen 15 Studierte, von denen wieder 12 Juristen sind. Die einzige Ausnahme bildet Bernstein. Er erweckt allerdings einen stark akademischen Eindruck. Ohne je studiert zu haben — er war vor seiner Scliriüstcllerbetätiguiig 12 Jahre Bankbeamter —, finden wir ihn im ״Sozialistischen Akademiker", den jetzigen Monatshefte», sowie im so/ialwisscuschaftliehen Verein an der Universität Berlin an hervor* ragender Stelle, Bernstein fällt auch mit seinem Vater aus der Reihe, «In dieser Lokomotivführer war. Die beiden andere« Väter, die merkwürdigerweise auch keine Kauflcutc sind, haben einen doch immerbin jüdischere» Beruf (Ironie! meine 1. Staatsbürger. Zeitung, du könntest es sonst wieder einmal nicht merken): Arzt und Dr. phil. — dies kann Rabbiner, Privaigek'hrtcr, Schriftsteller, Bankier usw. sein. Von den 13 Ungetauften sind sieben Rechts• auwältc lim! sechs treiben politische Schriftstellern; zwei sind fortschrittlich und elf Sozialdemokraten. Einer der Getauften ist Schriftsteller, die beiden anderen Juristen im Staatsdienst, Alle drei sind zur Ehre der Linken rechts gerichtet. Bei der Sozialdemokratie sind im ganzen sieben Rechtsanwälte. Nur Heine und Liebknecht sind Christen. Zu den fünf Rechtsanwälten jüdischen Ge• bliits kommt sogar noch ein halber hinzu, Stadt- Inigcu, der nach seiner Angabe wegen politischer Betätigung für die Sozialdemokratie atis der Anwaltschaff ausgeschlossen wurde. Daß den fünf Juden «ler Sozialdemokratie sechs aus dem Judentum Ausgcsehk'dcne gegenüberstchen, ist vor allem durch das Verhalten dieser Partei zur christlichen Landeskirche verständlich. Während von «len christlich geborenen Sozialdemokraten sogar bb ' v aus dem Clu;stenttun ausgeschieden sind, haben ״mir“ 55 ״>/״ der Juden ilircr Gemeinschaft den Rücken gekehrt. Einen Vergleich über die Häufigkeit des Stutlhims bei den Juden und den anderen zeigt diese Tabelle: Ks haben studiert im ganzen Reichstag in «ler Soz.־Dem Juden 100 # ״ ״ 100 Juden und Jmlcnstäuunlingc «f l ״/״ ״׳> 91 Von den anderen ״/״ 19־ 17 ״H InUTvssnnt ist, dal) Haas alter Herr u»s K, (; Colin und Lamlsberg Mitglieder der Freien Wis5,^ schaftliclicn Vereinigung und Statlthagen alter A. ן V'er. (Ak.iilemiscbcr Turnverein — scharf antise״^ tisch) ist. Wahrend von allen AbgeonJncten nicht ן)ן, ,!״.;׳ Hälfte (Iw9) gedient haben, ist «lies bei vieren, (>,j,״ Daviihohii, I rank, Haas v«m «len sieben Juden dej ' lall; Haas brachte es sogar bis zum Unkroili/j״ , «ler Land wehr. Von «len drei Getauften diente nur! Seliwabach und brachte cs bis zum Oberleutnant. Alter, Titel und Wahlkreis sind in der Tabelle zur 1 Vervollständigung angegeben. Vor Schluß «lic Bemerkung, daß ich die bio. graphischen Angaben in Kürschners ״Deut■«eher! Reichstag“ benutzt habe, der vor einigen Tagen nru י erschienen ist. \ Fazit: Ein nettes Ein/clbilildien aus dem groll« ' Tableau der deutschen Judgnfragc. S7D, ' Sehr geehrter Herr! Sic haben in einigen jüdischen Blättern «■inen Artikel erscheinen lassen, in «lern Sie sich unter Hinweis auf Bin• Eigenschaft als Vorsteher einer Synagogcn-Gcineiude mit dem ״Komitee zur Wahrung «ler Rechte der kleinen und mittleren Gemeinden“ beschäftigen. Da ich «lic Ehre habe, diesem Komitee anziigehörcn, nehmen Sit־ cs mir wohl nicht übel, wenn ich in folgendem mich meinerseits mit Ihren Auslassungen ein wenig befasse. Der erste Vorwurf, den Sie unserem Komitee zu machen haben, ist der einer mangelnden Legiti. mntion. Es scheint beinahe, als ob der Satz: ״Kol Jisrocl erubim sc böse!“ Ihnen unbekannt sei. Wäre er Ihnen bekannt. ״<־ ‘würden Sie wissen, «laß kraft dieses Satzes jciter Jude niebt nur berechtigt, sondern sogar vcr. pflichtet ist, da ciit/ugrcifcn, wo Interessen der jüdischen Allgemeinheit gefährdet sind. Freilich scheint Ihnen, sehr geehrter Herr, von einer Gefährdung jüdischer Interesse״ nichts bekannt zu sein. 111 «lern klassischen Deutsch, das Ihren ganzen Ausführungen eignet, schreiben Sie wörtlich: ״Nun frage ich zunächst: Ist unser Recht als kleine und mittlere Gemeinde bedroht? Und wer tut das?“ Sic fahren «I.11111 noch fort: ״Der üeincintiebumi ist doel» eine Vereinigting von Gemeinden zur gemeinschaftlichen Be* arbeitung «ler Verwaltung«-, Erziehungs- und Wohltiitigkcitsfrageii. So lese ich es im Statut. Wo ist da eine Gelegenheit zur Vergewaltigung? Und wann ist so etwas geschehen «Hier versucht worden?“ Danach muß man aimcltmcn, daß Ihnen die inner• politische Geschichte der deutschen Judenbeit in den letzten Jahren gänzlich unbekannt geblieben ist. Sie Offener Brief an Herrn Synagogenvorsteher Landshut, Neumark (Westpr.) Reih Name } Vorname W* V StmU• t.'urpo•; i Titel Beruf j Beruf des! W 0 h n s i t z j giöll <■ um ration Vaters Juden jud. Cohn Oskar 2־4 Jura F. W. V. Dr. Kechtsanw, Kaufmann Berlin israel. Davidsohn Georg 3SI l’hilo.s. __ — Schriftsteller Kaufmann Berlin jUn, Frank Ludwig;17 Jura l)r. Kcchtsu'iw. Kaufmann Mannheim israel. Haas Ludwig 3(5! Jura K. C. Dr.! Kechtsanw. Kaufmann Karlsruhe jüd. Haase Hugo •IW Jura j — J — Kechtsanw. Kaufmann Berlin Israel. W&ldstcin David Felix 47 Jura j! tll-iliznt BodiU.uuvttU 1 jusitzrai ״״(l Xolac Kaufauuu Altona mon. Wurm l'.wiauuiA &4 Chemie j — | — Schriftsteller Kaufmann Berlin Religionslose konfls. Bernstein Eduard 03! — i i —;Schriftsteller! Lokomotivf. Bcrlin-Schöncb. ko 1111!;. Gradnaucr Georg 45 l'hilos. — J Dr. SchriftstellcrKaufcnann('?) Dresden konlV, HcrzfcJd; Joseph 60 Jura | _ j Dr.! Kechtsanw. Kaufmann Berlin konfl... religl:, Landsberg Stadthagen Otto Arthur 4:i 64 Jura Jura j F.W.V. ן a7t.v: j — ן Kechtsanw, | ־״־ ■Schriftsteller Arzt Dr. phil. Magdeburg Berlin 1 ,» Wcill Georges 30 Jura < . —__^ ״T «Uinili, (; 1)r• iSchriftstellerj Kaufmann Strassburg Getaufte evanj;. Arendt ן Otto 67 j Jura I s.c. *——-———־•*• ■־ - - -,. Dr.!Schriftsteller. Kaufmann Berlin evanj;. Schifter Eugen i Jura 1 « aנ! Ol»or• Vorw,l t! Richter״c10r..n ..—י—»! «)* ■י— ן ( Kaufmann j Kaufmann Berlin •Wilmsdf. Berlin evang Schwabach Felix 6(5 1 Jura - 1׳ I lU'g.• ׳Stfiatiliofkirtlor 1 Hat , ß, U. Geburtsort l׳a r t «• i W a h 1 k r v i s Ort Nr «lutü'iitntt (Ncltl״*inn) Gnt'sen NoiiiiMiwoior __(ג1י»»»>___ Freiburg i. B. Allenstcin Ci neuen Breslau •Sozial((. Nordhausen;137 SoziaUI. G1 ünberg 211 •Soziahl. .Mannheim; 33.5 Fortschr. Karlsruhe 1334 Soziahl. , Königsberg Stadt; 3 Fortschr. i| Schleswig |143י Sozial«!,;i Gera! 375 Berlin Magdob urg Neuss Kykuik Berlin Strassbnrg Soziahl. Breslau. West 02 Soziahl. Drcs«len־Altstadt 2WÖ Soziald. Rostock 852־ SozialU. Magdeburg ”124 Soziald. Niederbarnim ' 42 Soziald, Metz ”35)0 Berlin Koichsp. j Breslau Natl. j Sondershausen Natl. } Mansfeld 133 Neubaldcnslebcu 125 Memel 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.