Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 60 J U EPISCH E RUNDSCHAU Nr. 8 Raum gegeben sein müllte. I>.11111־ wäre die Aussiel• 11mg .־mell der Ausdruck unserer Bestrebung, die Judenlieit und Palästina in immer engere Beziehungen zueinander zu bringen. Ich will nun eine Skizze geben, wie ich mir die Ausstellungen hiernach vorstelle, und ich habe keinen Zweifel, dall, wenn die Landsmannschaften den Plan itn allgemeinen aufgreifen, von allen Seilen wertvolle Anregungen beigesteuert werden, durch die der Plan jmiaer schöner und dadurch auch immer aiissichls* reicher würde. Es dürfte das beste sein, wenn alle, die sich zu der Sache ätillern wollen, dies in unseren Zeitschriften tun, die dazu wohl gern eine spezielle Rubrik!)ergeben würden. / uiiadiel einiges Organisatorische: Es sollte jede Landsmannschaft eine oder mehrere Maiiptatisstellungen veranstalten (je nach der Anzahl und Ik'dcuttnig ihrer jüdischen Zentren z. II. in Deutschland etwa Herlin, Frankfurt a. M. und Pres* lau in Oesterreich etwa Wien, Budapest und Prag) und eine enter mehrere Wanderausstellungen kleineren Umfanges für die kleineren Zentren tnul die kleineren Orte (in Deutschland z. II. Hamburg als ein Zentruni NorilwcsUlcntsehl.imls, Mannheim für Süddeutschland und Schweiz, Königsberg «»der Posen für den Osten in Oesterreich etwa Brünn als ein Zentrum für Böhmen, Mähren, Schlesien event. inkl. Pretillisch-Oherscitlesieu , Lemberg «»der Krakau für (lalizict! usw. usw.). Wir werde» später selten, dall die meisten Aus* stellmigsobjektc gerade hei Organisation vieler gleichzeitiger Ausstellungen so billig und hc«|t1c1u zu he* schaffen sind, dall die Kostenfrage fast verschwindet! Die llauptausstelliiugeii sollten meiner Ansicht nach folgende Abteilungen umfassen: I. Abteilung: Palästina. a) Jüdisches: Produkte der jüdischen Kolonien in Palästina. Handwerks• mul Industrie• Erzeugnisse der Juden Palästinas. Bilder vom Lehen der Juden Palästinas. Sonstige Palästinahihlcr von speziell jüdischem Interesse. Darstellung der Tätigkeit der verschiedenen jii- «tischen Organisationen und Institutionen in Palästina und im Orient überhaupt. Oraplüschc und bildliche Darstellungen des jfidiselten Fortschritts in Palästina. ,,ublikationcu über jüdische Palästina-Angelegenheilen. b) Allgemeines: Undesproduklc Palästinas. Erzeugnisse der einheimischen Industrien mul des Kiinstgcwcrbes. Frachten, Waffen, (ieräte, Typen, Lebensweise mul (iebräuchc der eingeborenen Bevölkerung (in Originalstücken, Abbildungen usw.). Sammlungen und Publikationen des Palestine Es* ploration Fund (London) und ähnlicher Institutiunen. Bildliche Darstellungen und Sammlungen, betreffs Fauna, Flora und Geologie des Landes. Vcgetalionshilder. Xreh.iologiscltes. Jüdische Münzen usw. Palästina-Landkarten. II. Abteilung! Modernes Judentum. a) Literatur: Jüdisches Zeitungswesen (Exemplare aller jiidiselten Zeitungen natürlich nur ״möglichst“ alles es gibt und gab ca. FJUD! -- Vieles event. nur in Reproduktionen), jüdisches Buch* wesen. (»Moderne Hebraica. * Jüdischer Verlag.) Spezial-Ausstellung der ״Jcwisli Encyclopcdia“ (mit photographischen Vorlagen, Farbenlafeln, Originalstiickeu usw.). Ausstellung von Jugendliteratur. Dokumente der jüdischen Bewegung. Kuiigrcümntcrialicu (Literatur, Bilder usw.). b) Kunst: Jüdische Kunstausstellung ־- Malerei uiul Plastik (Originale und Reproduktion von Kunstwerken jüdisschen Interesses). 1. Jüdische Sujets jüdischer Künstler. 2. Jüdische Sujets nicht jüdischer Künstler (/. B. Reitibramhs Jmleubilderi). 'J. Nicht jüdisches von Juden, jüdische Mnsikalien (ähnlich gegliedert wie ״Kunst“). Jüdisches Kunstgewerbe. 1. Synagogalc Kunst. 2. Buchkunst (Illustration, Schriftproben, Einbände usw. z. B. Hagada von Serajcwo und zahlreiches andere). J. Jüdische Gold- und Siihcrschiniede-Arbcite» usw. ussv.). d) Jüdische Wissenschaft: Statistik und Demographie (Literatur, Graphische Darstellungen, Typen und Bilder vom Leben der Juden aller Länder) tisw. usw, d) Die jüdischen Organisationen, ihre Aufgaben und Leistungen. c־) Die jüdische Emigration, f) Porlr.iis moderner Juden. III. Abteilung! Anteil der Juden an der modernen Kulturentwicklung. a) Porträtgalerie von hervorragenden Gelehrten, Künstlern, literalen, Handelsherren, Technikern, Politikern, Staatsmännern usw. jüdischen Stammes. b) Leistlingen der Juden auf allen Gebieten, soweit darstellbar. c) Graphische Ucbcrsiclit über Schul- und Univcrsitaisbesuch der Juden in den verschiedenen Län- «lern usw. d) Der Einflnh der jüdischen Ideen und der jüdisehen Täligkeil auf das gesamte Menschhcilsleben. Vieles «lürfte noch fehlen. Vielleicht manches Wichtige. Aber «I vm Eindruck wird sich schon nach dieser Uchcrsiclit niemand entziehen können, dall wir Juden der Welt und ״sogar“ uns selbst etwas zu zeigen haben! - auch in einer Ausstellung. Bleiheu noch Fragen des Arrangements. Auf die Notwendigkeit eines Ausstclhmgskomitces in Palästina ist bereits hingewiesen worden. Ein solches Komitee ist leicht ziisnmmenstclle». Es ist aber auch in Europa eine gemeinsame Zentrale nötig mul Uuterzenlraleu in den ein/.cluen Ländern. Wenn die Sache sofort in die Hand genommen wird, so können wir sehr bald schon wissen, woran wir sind. Die Ortsgruppen sollten ihre ünippcnvcrb.indc, diese wjiiler die l.aiidsiuaiiiiscliafteii von ihren Wünsehen verständigen, und die letzteren s«»)lten sich mit dein zu bildenden europäischen Komitee ins Einvcrnehmen setzen. Der erste Schrill ilmfle sein, dall jeder, den die Sache iuteressieit, versuchen muH, andere ebenfalls zu interessieren mul einen Oarauticfoiuls aiif/uhriugcn, «ler die finanzielle Unterlage dieser (wie so vieler anderer) Ausstellungen zu bilden hätte. Daim wäre den höheren Instanzen mit/uteileit, wieviel nach Ab• zng der lokalen Spesen (für Rätmiliclikeilen, Personal usw. die Aufsicht wiirde wohl aus der Mitgliedschaft jeder Ortsgruppe gestellt werden) für die Veranstalttmg verfügbar bleibt. Hiernach kann das Zen- Iralkoinike seine Leistungen bemessen. Die Bildung «les OnruutitfmuN wird wesentlich dadurch erleichtert, «lall viele Ortsgruppen *nnneherlei von den Aiisstelhiugsiuatcrialieu für sich erwerben dürften (sei es als Eigentum «ler Ortsgruppen, sei es als Verkaufs- oder VerlosiingsobjckK• für spätere Gelegeiiheiten). Aulicrdcm aber niiilUc auf jeder «ler Ausstellungen ein flotter Verkauf von Palästinaprodtikteil, Andenken, Bildern, Publikationen tisw. stattfinden. Eventuell wären die Eintrittskarten gegen kleine Einkäufe zu verrechnen oder könnten zur Teilnähme an einer Verlosung von Ausstcllungsgcgciw ständen berechtigen. Ist die Beteiligung eine nur eiiiigennallen geimgc-udc, so lassen sich leicht Einrichtungen treffen, mittels deren jeder solchen Veranstaltung ein sofortiger, direkter Uebersehull sicher erscheint. Die geplante Ausstelluugsorganisation würde die Eigentümlichkeit haben, dall sie selbst das meiste an Ausstellungsobjekten zu stellen liiillc und «lall die eigentlichen Aussteller (/. B. die Palästina-Weingescll• schäften, «ler ״Be/aliT' und ähnliche Institute, sowie «lie Verleger von Publikationen) den verhältnism.ilSig geringere» Teil beisteilen würden. Aber die Malerialicn «ler Organisation Bilder, Rcproduklinnen, kartographische und sonstige Darstellungen werden schon bei einer ganz kleinen Anzahl von licrzustellemlen Exemplaren nur noch ganz, minimale Kosten verursachen. Eine ITauptschwicrigkelt der grölk'ten Atisslellim• gen wird es sein, möglichst viele tatsächlich 0 Ausstellungsobjekte zusammen zu bekommen, da ein allzu grobes Ueherwicgeu «ler Bildermaterialieit usw. zu IntchtttäUig wirken könnte. Zwar hat eine Gemäldcausstellimg vor ihrem vollständig illustrierten Katalog ״och unendlich viel voraus, und selbst eine Ausstellung, die mir aus Reproduktionen und graplüschen Darstellungen bestände, hätte noch immer v«1r einem aus diesen Materialien Z11sa111me11j׳estel!len Buche den grollen Vorzug, dall das ״ausgestellte“ Buclini.uerial ganz anders ״gelesen'• wird als das gedruckte. - Abgesehen hiervon aber müssen wir trachten, so viel als־ möglich ״lebendiges" Material zu bekommen, und «las dürfte uns aullcr den PalästinapnKluktcn -״ die reichlich vertreten sein werden, uml den oben aufgestellten ״Gegenständen4' ־- durch leihweise Beschaffung jüdisch-interessanter Gegenstände nicht r!wer fallen. Alle Ausstellungen ■ gröllcre und kleinste — sollen mit l. i di t h i I »I e r v o r I r ä g «1, verbunden sein, und an D r 11 c k s .1 e 11 e 11 p r o p a g a 11 d a inforuwniver Art sollte nicht gespart werden. Kleine Broschüren, die inhaltlich mul aiillcrlich ansprecheiul hcrgestdlt sind, würden bei billigem Verkaufspreise auch reichlich ihre Kosku decken. Alle diese und ausführliche Publikationen über Palästina «liirften zusammen mit den Ausstellungen der Propaganda einen neuen, kräftigen Anstoll geben, der allen jüdischen Bestrebungen vorwärts helfen winl. Die Krankheiten Palästinas Am lö. Februar hielt (i e h e i in rat A 11 g u s t v, W a s s e r tu a 1111 int I lörsaal der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums einen Vortrag über da-» W e s 1 11 «I e r i 11 P .11.1 > t i 11 a e 11 d e 111 i s c h e n Krankheiten und ihre Bekämpfung. Palästina, so führte er einleitend aus, sei einem jeden «Itireh die Bibel bekannt, uml ziehe ferner durch die modernen jmliseheii Kolomsatioushcstrchimgcii «he Aulmerksaiiikeit des Hygienikers auf sieh. Die Vor* bedingtmg einer erfolgreichen Ansiedlmtg von Euro• päcru im Orient ist der Sciichciischut/ der Ansiedler, welche das wertvollste Gut einer jeden Kolonisation darslcllcn. Die moderne Bekämpfung ansteckender Krankheilen basiert aut unserer Kcuuliii-, von ihrer Spezilizitat. Jede liilcktioiiskr.iiikltcil, wie Tuberkulose, Pest, M.1laria, Syphilis, ist, so verschieden sie auch 1111 Einzel• fall in ihrem Verlaut sein mag, allein «lurcli ihren spezifischen Erreger charakterisiert, der nur hei der ihm zugehörigen Krankheit vorkommt. Die Grund• läge für die Bekämpfung einer jeden ansteckenden Krankheit ist demnach die Ermittelung «les s p e / i I i s e h e 11 Erregers aus «len Körperfliissjg. keilen «ler Erkrankten, «he durch die Methoden Roben * Kochs, «les Begründers «Irr modernen Bakteriologie, in «len meisten Fallen 1111 bakteriologischen Laim• ratorinin tuöglicli ist. Das Ideal «ler nioilerueii Seiu'licutherapic ist «11« Verabreichung eines Mittels, welches sieh speziell gegen den Erreger wendet, wie des Salvar>ans gegen «lie Erreger «ler Syphilis, «les Rückfallfiehers,!, T auch «ler Malaria, deren souveränes Bekänipluiigs. mittel aller immer noch «las (;hinin ist, ferner «len zahlreiiheu Heilsera, «lie gegen Diphtherie, Genickstarre uml amlete Krankheiten Anwendung finden. Auch die Lehre v«»n der Vorbeugung, «ler Pro• phylaxe ansteckender Krankln-ilcu hat «lurcli die moderne Kenntnis v«»n tlen I ehensbediiigmigen der Krankheitserreger eine cntschiedeiu• Wandlung ertahreii. Wahrend man froher läufig tülschlich «lie Luft, «len Erdboden, «len Strallcustaub als Träger «ler lufeklioiiscrrcger ansali, so weil! man jetzt, «Iah «lie eigentliche Krauklieilstpiclle «ler Mensch selbst ist, und zwar in <l«׳n allermeisten Fällen «ler an einer lntckthiiiskrankheit leiilcnde Mensch. Nur bei einigen Krankheiten, z. B. bei der Genick starre, geht der Erreger auch aut Personen 1111er, «lie sich in ,der Umgebung eines Kranken aulhalten, ohne sie selbst krank zu iii.icheti. Der Weg, «len «ler Kraiikliciiscri eger nach Verlassen «les kranken Menschen durelizmiiachcn hat, ehe er sieh in einem neuen Opter ansiedeln kann, ist für die verschiedenen Krankheiten verschieden, uml zuweilen sehr kompliziert. So kann z. B. eine lieber- Iragtmg von Malaria mir dann zustande kommen, wenn «lie im tolgiiiikii .mtgeliilirien Bedingungen alle erfüllt sind. Es muH ein malariakrarikcr Mensch da sein. Eine A11«*plielcs, ein iiiuikeiialmliehes Tier, imiil yon «lein Blut saugen; die M.dariaerrigcr, «he dadurch in den l eih des Insekts geraten sind, machen eine Entwicklung «lurcli, wandern in «he Speicheldrüsen des I ieres über; sticht «lieses Insekt nun einen gesunden Menschen, so ist die letzte Bedingung für eine Neuerkraukting gegeben. Die Prophylaxe hat die Aufgabe, «lie fatale Kette dieser Umstände an irgendeiner Stelle zu iliuchbrcche». Bei «ler Malaria könnte man also daran «lenken, alle Anophcicsartcn, welche Matariacrrcgcr übertragen, aiiszurotten, etwa durch Begleiten ihrer Brutstätten mit Petroleum, v. Wassermann lm!t diese Methode für aussichtslos. Auch der Schutz \«>r dem Stieb «ler Anopheles, «lie erst nach Sonnenuntergang aus. schwärmt, «Itireh Moskitonetze, führt nicht zu völliger Ausrottung «ler Krankheit. Die einzige zum Ziele führende Methode, «lie «Itireh Robert Koch ausgcarbeitet uml praktisch dnrcligcfüliri wurde, z. B. auf «k׳r nritmischei! Insel an «ler isirischen Kiistc, beruht aut zweierlei: Die Feststellung aller Erkranktingsfallc «lurcli systematische Dtireliiiiitersuchnng «ler ganzen Bevölkerung und scharfe Kontrolle «ler Zuwainlcrnilen, uml zweitens aut der «ibligatorisehen Behandlung durch kostenlos verabreichtes Chinin. ... lüuch Anwendung «ler moilcrucii Mittel «ler spezifischen Diagnostik uml Therapie wird es auch inoglieh sein, «ler in Palästina einheimischen Seuchen, der M a laria, des M a 11 a f i e h e r s und der U e ni c k s t a 1 r e י ileren Erreger im Projektionsbild vorgeführt wurden, Herr zu wvrtlcn. Die Ausfühnuigen «les Vortragcmlen gipfeln in der Forderung, m I alastma ein bakteriologisch gut ausgerüstetes h y g 1 e m s c 11 c s Institut zu errichten. Man wird, indem man «las Land von Krankheit reinigt, gleichzeitig auch das jüdische Ansehen hei «ler übrigen Bevölkerung festigen; denn ״alle Konfessionen tmd Nalioiieit siinl dankbar für «las Geschenk «ler Gesund-!, .* v c zGümrcr dankten dem Vortragenden für «lie belehrenden Ausführungen «lurcli reichen Beifall.