Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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*m^*aZ* Seite 53 Nr. 7 Rund• In einer der letzten Nummern der ״Jüd. Ru schau" lindet sich eine Besprechung der Purim• er zäh hinß, welche der Prager ״Har Kochba“ her• »Tus^cgcbcn bat. Das Probehild eine Vor- Stellung von der künstlerischen Ausstattung des Werk• clu.ns. Man kann wohl sagen, dall der Text durchaus auf der Hohe der äußeren Ausstattung steht. Die Erzählung ist naiv und verständlich, die Verse so daß sie dem kindlichen Gedächtnis sieh leicht einprägen. Wir glauben kein besseres Küchlein enin• leiden zu können, das sich zu Purim als Massen• ge»chenk bei Kinderveranstaltungen verwenden ließe. Das Werkelten ist äußerst billig, 50 Pf. 25 Stuck liciert der Jüdische Verlag mit lü M., was einem Rabatt von 20 »״ entspricht. l’nserc Partcibuchhandlung bittet, ihr Aufträge ruht bald zukommen zu lassen. Das Pest ist nicht mehr fern, rechtzeitige Benachrichtigung empfiehlt sich im Interesse der schnellen Lieferung. (icmäß einem Uebcreinkommen mit dem Aktions• Cmnite dir Zionistischen Organisation hat die Bas* ler Lebensversicherungs ־ Gesellschaft zu Basel (Siltweiz) eine ״Jüdische Abteilung" cingc• richtet. Allen denen, die unter Bezugnahme auf unsere Organisation Versicherungen hei der genaim• teil Gesellschaft abschließen, werden erhebliche ein• malige und fortlaufende Vergünstigungen eingcräiimt. Uebcrdies führt die üesellscbaft einen gewissen Pro• Kiitsatz aus dem Erträgnis solcher Abschlüsse an die Zionistische Organisation ab. Nähere Auskünfte wer* den bereitwilligst durch die Subdircktion der Gesell• Schaft, Beilin W., Friedrichstr. 31, oder durch das Zionistische Zcntralburcaii, Berlin W. 13, Sächsische Straße S, erteilt. Wir erwarten von unseren Frctm• den, daß ׳sic bei jeder Gelegenheit, die sich ihnen bietet, aus dieser Einrichtung Nutzen ziehen und sich auch sonst für die ״Jüdische Abteilung" der Basler Lebensversicherungs Gesellschalt einsetzen werden. Agitationsrclscn des Parteisekretärs Beuthen, O.-S. Am 15. Jan. begann Herr Parteisekretär Kurt Rosen bäum seine Tournee durch Obcrselilesien in der hiesigen Ortsgruppe mit einem Vortrag über ״Taufjudentum und Zionismus•‘. Weder die Orthodoxie noch der religiöse Liberalismus hätten sich gegen die üherhandnehmcmle Abkehr der ge• bildeten Bcvülkerungsscbicbt vom Judentum als sichere Sdiut/.wchr erwiesen. Gerade denen, bei welcf ich die Religion als einigendes Baud nicht mehr .1usreiche, sei der Zionismus imstande, neue jüdische Ideale zu schenken. Die gut besuchte Versammlung spendete den anregenden Ausführungen des Redners lebhaften Beifall. Die sich anschließende Diskussion gab Herrn Rosenbaum Gelegenheit, einige irrtümliche Auffassungen über die zionistische Be• wegung zu klären. Kattowitz. Mittwoch, den 21. Januar, sprach Herr Parteisekretär Kurt Roscubauni über ״Der Zionismus und die Mischehe". Er wies zunächst nach, wie die Mischehe in den verschiedenen Län• dern mehr und mehr an Bedeutung gewänne, ging den Gründen für diese Erscheinung nach, um dann im zweiten Teile seines Vortrages, auf die außerordent« liehen Schädigungen einzugehen, welche die Mischehe dem Judentum in sozialer, wirtschaftlicher und ins• besondere in nationaler Hinsicht zufiigt. Die ebenso gediegenen wie fesselnden Ausführungen des Redners fanden den lebhaftesten Beifall des zahlreich erschicnenen Publikums. In der Diskussion gab der Vorsitzende Herr Arnold Wiener wertvolle Beiträge insbesondere zu der Frage, wie sieh das alte Juden* tum zu der Mischehe verhielt. — Im Anschluß an den Vortrag fand unsere diesjährige Generalversammlung statt. In der Diskussion, welche sich an den von dem Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht ansehloß, wurde insbesondere die Notwendigkeit der BeilKl1.il• ttmg ständiger und regelmäßiger Organisationsbeiträge betont. An die anwesenden Frauen richtete l ierr Rappuport den dringenden Appell, nicht nur seihst zu « unseren Versammlungen zu erscheinen,• sondern auch in ihrem Kreise für die Propagierung unserer Idee zu wirken. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. In der Erkenntnis, daß selbst zionistische Kreise viel zu wenig von Palästina wissen, haben wir mit der Einrichtung eines P a 1 ä s t i n a k 11 rsiis he• gönnen, in welchem die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Verhältnisse Palästinas eingehend he• handelt werden sollen. Der erste Abend fand Mittwoch, den 31. Januar, statt. Herr Arnold Wiener sprach in interessanter Weise über die ״Geographie Palästinas". Groli-Strohlitz. Nach langer Zeit kam in 1111• .,/;׳itiicmtK wieder einmal zu 1 ent\ollen Ausführungen des Redners mit vielem n ercsse, das zum Schluß besonders lebhaft wurde, 'י s t,l״!cli die Diskussion die aktuelle türkische Frage angeschnitten wurde. Ratibor. Die Zionistische Ortsgruppe veranstal• tete am 20. Jan. einen Vortragsabend, an dein Partei* Sekretär Rose 11 ha um über ״Die Verbreitung der zionistischen Bewegung und ihre Parteiströnumgen" sprach. Dem sehr beifällig aufgeuonimencn Vortrag folgten einige Beitrittserklärungen neuer Mitglieder. Rylmik. Unsere Zionistische Ortsgruppe konnte Sonnt 1g, den 28. Januar, wieder mal seit langer Pause auf einen wohlgelimgeiien Vortragsabend zurückblicken. Herr Kurl Roscnhaiim sprach vor einer ziemlich stattlichen Zahl von Zuhörern über ״Die Juden der Gegenwart". Er ging von der Drcifus- Affäre aus, streifte die Lage der Juden Englands, Galiziens und Deutschlands, wo er besonders gegen das iiberliaiulnehmende Tauf Judentum zu Felde zog, und berührte auch den jetzt misgchrochcncn Handels* vcrlrags.Konflikt zwischen Amerika und Rußland, Alsdann kam Redner zu dem Schluß, daß das jüdische Volk sich nur auf einem gemeinsamen Territorium rielitig entwickeln könne, und das wäre vor allem hrez Israel. Reicher Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen des Referenten, 11ml nachdem mehrere Uchtlieiiusehe Broschüren abgesetzt wurden, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Glelwitz. Der hiesige Jugendverein, der weder leben noch sterben kann, hat sich trotz seiner stets betonten Neutralität bis jetzt ängstlich dagegen gesträubt, in seinen Veranstaltungen auch den Zionismus zu Worte kommen z.11 lassen. Schließlich mußte er sieh doch das Zugeständnis abringen lassen, einen aufklärendeii Vortrag über die zionistische Bewegung zu veranstalten. Der Vorstand der Ortsgruppe be• nutzte die Gelegenheit der Anwesenheit des Partei• sekretärs, Herrn R os c 11 b n 11 m , und bat ilm um Uchernalmic des Vortrags, was dieser in dankens• werter Weise zusagte. Seine Ausführungen bclian• ‘leiten ״Die Zukunft der Juden", und wußten den Vereinsinitglicdcrn und den erschienenen Gästen in klarer, überzeugender Darstellung ein treffliches Bild der Juden frage mul ihrer Lösung durch den Zionis* mus zu gehen. Eine Diskussion war durch Vereins• beschloß unmöglich gemacht worden, —■ wahrsehein* lieh, um den Eindruck des Vortrags nicht abzu* schwächen. Mitteilungen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Durch einen Brand, der am Tage vor Rosch 11a* sehono ausbracli, ist die kleine niederrheinische Ge* mcindc Rees ihrer Synagoge beraubt worden. Unser dortiger Gesinnungsgenosse, Herr Jacob L. M a r k u s , ist bemüht, durch eine Sammlung die Mittel für einen Neubau zu beschaffen. Hier kann mit Verhältnismäßig geringen Mitteln der Untergang einer Land• gemeinde, die vom Schicksal hart betroffen wurde, verhindert werden. Wir verweisen auf den Aufruf, den die Gemeinde in mehreren Nummern der ״Jiidischcn Rundschau" erlassen hat, und bitten unsere Freunde recht herzlich, uns Beträge zur Weitergabe an die zuständige Stelle zu übermitteln. ÄUSi-ßeN ößM'eJMDEEä *crem Städtchen der Zionismus wieder Worte, dessen Interpret Herr Parteisekretär Rosen• bäum war. Die Versammlung war gut worden ׳und die Anwesenden folgten den tempern■ Köln. Das Präsidium der Deutschen Konferenz Gemeinschaft ersucht uns um Weitergabe der fol gemlcii Feststellungen: 111 verschiedenen Blättern erläßt Herr Rabbiner Dr. Frank •Köln ein Inserat, wonach seit lült) in Köln ein Lokalkomitce der AI liance Israelite Universelle bestehe. Diese Angabe ist unrichtig. Nach Mitteilung in Heft 2, Jahrg. BJ1I7 von ״Ost und West", Seite Ml, hatte sich wohl 1107 ן in Köln ein Lokalkomitee ״gebildet", welches vorläuiig aus sieben dort genannten Herren bestand, ״her dieses Komitee ist weder für 1007, noch für ein folgendes Jahr von den Mitgliedern der A. I. U. in Köln gewählt oder bestätigt worden. Nach §8 15 und 17 der allgemeinen Satzungen der A. I. U. müssen die Lokalkomitecs von den Mitgliedern am Orte in einer Generalversammlung, und zwar jedes Jahr von neuem, gewählt werden. Es ist aber bereits festgestellt worden, daß in Köln seit mehr als 20 Jahren niemals eine Versammlung der Alliance-Mitglieder stattgefunden hat oder eiiihenifcn worden •ist. Dem• gemäß hat bisher in Köln auch kein satzimgsgcmiißes, gültiges Lokalkomitce bestanden. Nachdem die Kölner Mitglieder in einer Versammlung am 23. Januar unter ausdrücklicher Ausschaltung des Herrn Dr. Frank, den Satzungen gemäß ein Lokalkomitce, bestehend aus den Herren Rechtsanwalt Dr. Apfel, Dr. Albersheim, J. Dülken, Hermann Sternau, Max Gold re ich gewählt haben, ist nur dieses *Komitee als Vertreterin der Kölner Mitglieder der A. I. U. anzusclicn. Weder Herr Dr. Frank, noch das von ihm allein ernannte, nicht mehr im Amt be* Bildliche 1007 er Komitee sind berechtigt, sich als Lokalkomitce Köln zu bezeichnen, Mitgiicderbciträgc cinziizielicn, Versammlungen cinzuberufcn oder sonstige Handlungen für die Mitglieder der A. I. U. in Köln vorzimehmen. Nur die von Herrn Hermann St cm au, Mozartstr. 171״ Köln, ausgestellten Bei* tragsquittungen sind gültig, und nur diejenigen Mitglieder erhalten die Zeitschrift ״Ost und West", deren Adressen dem snt/ungsgunäli gewählten Lokalkomitcc Köln bekaiinlgcgcbci! werden. Berlin. Anläßlich der Kümpfe im Deutsch• Israelitischen Gemeinde-Bund is| die Aufmerksamkeit auch wieder auf das Imme Mosaikhild der verscliiedenen Wahlrechte in den verschiedenen jüdischen Gemeinden Deutschlands hingelenkt worden. Es hat sich gezeigt, daß man im allgemeinen von einer fortschrittlichen, wirklich modernen Form des Wahlrechts fast durchgängig weil entfernt ist, ganz abgesehen davon, daß eine Reihe von Gemeinden noch völlig reaktionäre Wahlrechte haben. Der Berliner neue Jüdische Gemeindeverein hat nun schon niiliilllieh des Berliner RepräsentanteioWahlkamnfes die Forderung des Proportional-Wahlrcclitcs erhoben, und wird, wie in einer der letzten Versammlungen der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt I)r.׳ Klee, mitteilte, jetzt wiederum in eine systematische Propaganda für diesen Gedanken eintrelcn. Es ist eine Ungeheuerlichkeit, daß in Berlin, wo für eine Liste drei Fünftel, für die andere Liste zwei Fünftel der Gesamtstimmen abgegeben worden sind, die letztere Liste und damit das historisch gerichtete Element, keine Vertretung erhalten hat. Auch in anderen Orten rührt man sich in diesem Sinne. In München hat Herr Kommerzienrat Fränxel eine vorzügliche Broschüre geschrieben, die sich mit dem Proportional- Wahlrecht in den jüdischen Gemeinden befallt, in Posen hat Herr Rechtsanwalt Dr. K o 11 e n s c 11 e r in diesem Sinne gewirkt, es ist ihm aber von liberaler Seite cntgegeiigchalteii worden, daß das Propor* tioiial-Wahlrecht eine viel zu ungeklärte Materie sei, als daß die jüdischen Gemeinden damit den Anfang machen könnten. Dieser Behauptung gegenüber sei atil eine Zusammenstellung lüngewiesen, die wir Herrn Dr. med. Z loci st i, Berlin, verdanken. Danach ist der Proporz bereits in einer Reihe von Schweizer Kantonen cingeführt, in Belgien, Finnland und Schweden findet er Anwendung, und wird, wenn auch in etwas beschränkterem Umfange, in Dänemark und Norwegen angewandt. Für die französische Kammer steht seine Einführung in Aussicht. In Deutschland besteht das proportionale Wahlrecht be* reits fakultativ für die Waiden zu den Gewerbegcrichtcn, obligatorisch für die Kaufmannsgcrichtc. Württemberg wählt 23 von seinen ')3 Abgeordneten nach dem Proporz; Hamburg, das übrigens ein be• sonders reaktionäres jüdisches (icmciiulewahlrecht Hat, wann ilen gromcii ich seiner mirgerscliallsmitglicder nach dem Verhältiiisw.ihlrceht. Für Korn• miiiialwahlcii besteht der Proporz bereits in Oldenbürg, Württemberg, Baden, Bayern. Es kann dem* nach füglich von einem Sprung ins Dunkle nicht mehr gesprochen werden, mul es scheint ja in der Tat, als ob die Stimmung fiir die Einführung etwas günstiger wird. Anläßlich der Neuhcratuiig der Sta• tuten für den deutsch-israelitischen Gemeinddnind hat der Syndikus der Berliner jüdischen Gemeinde, Herr Justizrat L i l i e n t h a I, wenn auch unverbindlich, und nur für seine Person, sich sehr warm für das ProportionnlAVahlreclit als Gemeimlewalilrecht ausgesprochen, und auf Antrag des Repräsentanten W. Löwcnthal ist von der Berliner Reprü־cntany. eine Kommission eingesetzt worden׳, die dies׳: Fragen prüfen soll. Das Referat hat Herr Justizr.it Colin. Leider läßt sich nicht leugnen, daß die Arbeiten dieser Kommission recht langsam vonstatten gehen, man wartet eigentlich schon seit Monaten auf ein Ergebnis. Wie dem auch sei, es handelt sich liier 11m eine so absolut gerechte Sache, daß auch die radikal-liberale Majorität in unseren Groiigeiueimlcn sich auf die Dauer der modernen Entwicklung nicht wird entziehen können. B. WaUlmichelbach i. Odenwald. Im ganzen liicsigen Amtsgeriehlsbe/iik mit seinen 17 größeren und kleineren Ortschaften ist kein Israelit mehr ansässig. Die letzte Jüdin hat sieh - nadulcin sie getauft war -- mit einem Christen verheiratet mul ist nun auch von hiet wegge/.ogen. Die Tatsache, daß in einem so weiten Bezirk kein einziger Israelit an• sässig ist, dürfte in deutschen Landen kaum mehr Vorkommen. Posen. Am kommenden Sonntag, den 18. d. Mts., findet in Posen ein großer Ostdeutscher Bezirkst n g der ״F r e i c 11 Vereinigung für die Interessen d c s o r t h o d o x e 11 Judentums" statt, zu dem eine starke Beteiligung aus der Pro■ vinz Posen und den Nachbargebicten erwartet wird, ln der Hauptversammlung, die nachmittags um V/J Uhr in den ״Reichshallen" (früher I lauptrestauraut der ostdeutschen Ausstellung) tagen wird, hält nach einer Begrüßungsansprache des Stellvertretern den Vorsitzenden der ״Freien Vereinigung", Herr Jakob R o 8 e n 11 c i m Frankfurt a. M., mul einem Bericht über die Tätigkeit der Vereinigung, erstattet durch den Generalsekretär Dr. de Haas, Herr Rabbincr Dr. M u 11 k Berlin einen Vortrag über: ״Die Fortdauer des überlieferten Judentums im Wechsel des Zeitgeistes" und Herr Morilz A. Loch-Berlin über: ״Die religiösen Bedürfnisse des deutschen Osten s". Für abends 8 Uhr ist ein Bankett im Hotel Mylius vorgesehen. Mitglicder der ״Freien Vereinigung", sowie Freunde und Interessenten (Damen und Herren) sind zu der Veranstaltung eiugcladen. Anmeldungen nimmt *