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Jüdische Rundschau · 1912-01-26 · Heft 4 (26.1.1912) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 28 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4 erläßt, werden die jüdisch-nationalen Forderungen wie folgt zusammcngcstellt: Allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für alle volljährigen Personen, also auch für die Frauen; Einführung von nationalen Kurien, also auch einer j ü d i 8 c h n a t i o n a 1 c n Kurie; Zucrkcnnuiig eines der jüdischen Bcvölkertings/ahl entsprechenden Prozentsatzes der Mandate. Mit Rücklicht darauf, daß die. ersten zwei prinzipiellen l'orderungcu keine •Aussicht haben, durchzudriitgen, und daß die Reform 200 Mandate vorsehen wird, verlangen die Jüdisch-Nationalen 20 Mandate, die fol־ gendermaßen aufzutcilcn wären: Zwei Vinlinandatc für den Vorsitzenden und den Stellvertreter der zu gründenden Organisation der gali/ischen KuHusgenteinden; 12 Mandate in der städtischen Kurie, und Avar zwei Mandate in Lemberg, je ein Mandat in Krakau, Przcmysl, Stanislau, Tar1H׳,״ol (durch Ahgrcnzting der von Juden hewohnten Gassen) und die Mandate von Tarnow, Brody, Dmhohycz, Koloinc.i, Rzcs/ow tmd Slryj; drei Mandate in «ler allgemeinen städtischen Kurie und die drei UanUelskammermamlatc, Der Aufruf kündigt eine rege Agitation für die aufgcstelltcn Postulat«! unter der jüdischen Bcvöl• kerung an. Ucbcrdics wird die schädliche, umnüiinliehe und den Juden verderbliche Politik der jüdischen Assimilantcn im Landtage einer vernichtenden Kritik unterzogen. Russland Juschkcwitsch'Kraskowski, neben Dubrowin der Hauptarrangeur der Attentate auf Merzen• stein und Jollcs, beschäftigt sich jetzt damit, die /er* fallcne Kampforganisation des Verbandes des rus- .sischcn Volkes wiederum ins Leben zu rufen. Die Zwecke dieser Organisation sind noch allen crinnerlieh — in erster Reihe galten sie der Arrangierung von Mordtaten, um unliebsame Freiheitskämpfer in hinterlistiger Weise aus dem Wege zu räumen, lieber• haupt ist dieser vom finnländischen Gericht zu Ciefängnis verurteilte und nachher vom Zaren begnadigte 'Ehrenmann jetzt sozusagen die Seele aller auf Aussöhnung der einander bekämpfenden, eclitrussischcn Gruppen gerichteten Bestrebungen, und im Hauptr.it des echtrussischen Volksvcrbandcs soll er jetzt mit seinen Aspirationen nach Wiederherstellung der ״Ka• ntorra der Rache“ tonangebend sein, andererseits he• findet sielt der Verband in völligem Niedergänge, die Kassen sind leer uml die Sitzungen seines Generalrats werden nicht einmal besucht. PALATINA-RUNDSCHAU Die jüdische Ackerbaukolonie Daganja (früher nach dem benachbarten arabischen Dorf Um-Djuni genannt, liegt im Jordantalc. Nördlich wird sie vom Jordan bei seinem Austritt aus dem Tiberiassec begrenzt. Die ungefähr 5 km lange und 1 km breite Eodcnilächc eignet sich infolge ihrer gleichmäßig ebenen Gestalt zu intensiver Bewirtschaftung. An einzelnen Stellen erhebt sich der Boden kaum 5 m über di n Wasserspiegel des Jordans, 'so daß er ohne erht bliche Kosten reichlich bewässert werden kann. Im allgemeinen ist der Boden von mittlerer Qualität und leidet zuweilen durch den Kcgcnmangcl — eine in der Jordanscnkung nicht ungewöhnliche Erscheinnng. Anfangs wurde Daganja teilweise von den Arbeitern der jüdischen Farm Kiuucrcth bcwirtschaftt i. Dieser Modus stellte sich jedoch als un/wcck- *n »ßig heraus, da die Entfernung zwischen Kimicrcth d Daganja zu groß ist. Zwischen den beiden Gütern liegt der Jordan, der hier zur Winterszeit nicht passicr* b; r ist. Vor zwei Jahren übertrug die Palcstiue L nd Development Company die Ucstclhmg von Dagi.aja einer Gruppe von sechs jüdischen Landarbeitern an Galiläa, die die licwirtsehaftung ganz selbständig, ohne jede administrative Oheraulsieht, durchführen sollte. Dafür wurde den Mitgliedern der Gruppe ein fester Monatslohn gewährt, und außerdem sollten sie zur Hälfte au dem Reingewinn des Gutes partizitieren. Der Versuch gelang sehr gut, obwohl die . At Siedler mit unziihligcn Schwierigkeiten zu kämpfen h.'älfen und einzelne von ihnen an Fieber erkrankten, D:!s erste Uetricbsjahr schloß mit einem Reinertrag von 4000 Frcs. Aus verschiedenen Gründen verließ di 18c erste Gruppe nach einem Jahre den Boden von!)rganja und fand auf «.•inan nnderen gcnusscusclurtt• liehen Out der Palcstiue Land Development Compaay in Galiläa Beschäftigung. An ihre Stelle trat cir.c andere Arbeitergenossenschaft von neun Mitgliedern, die vorher in der Kolonie Chcdcra als Landarbeiter tätig gewesen und schon dort genossenschaftlich organisiert waren, Die zweite Gruppe übernahm die Bewirtschaftung von 1400 Duiuttt unter den gleichen Bedingungen, wie sie ihren Vorgängern zugestanden worden waren. Leider war die Regenmenge im letzten Jahre viel geringer als im vorhergeltenden und auch sonst hatten sich die Lebens- Verhältnisse in der neuen Siedlung gegenüber dem Vor* jahrc nicht gebessert, trotzdem wurde auch int zweiten Bettid»! Jahre ein Reingewinn von über 2500 Frcs. erzielt. Vor kurzem 1:i!1!׳ der Jüdische Nationalfonds daran, Wohnhäuser ihr die Landarbeiter in Daganja zu errichten. Diese Häuser werden in der Nähe des Jordans an einem sehr schön gelegenen Punkt«: der neuen Kolonie gebaut. Durch den Bau der Häuser ist dein I li'tiptühcl, unter «lern die neuen Ansiedler bisher m leiden hatten, abgeholfen uml cs her,teilt mm• mehr die ,V.öglichkcil, die Wirtschaft zu vergrößern. Einstweilen sollen r.oclt weitere vier Ocnosscnschaf* tcr eingestellt und die zu bearbeitende Fläche auf 2000 Dunain ergänzt werden. Für spater ist eine bedeulende Ausdehnung des Betriebes vorgesehen. Die Mitglieder der Genossenschaft Daganja sind voll froher Zuversicht und liegen die feste Ucbcrzcugung, daß die genossenschaftliche Betriebsweise nach Ucber* Windung der ersten Schwierigkeiten, die jedem neuen Unternehmen anh u'tcu, sich glänzend bewähren und die einzige gesunde Basis für «lie künftige Kolonisatiom.utigkeit in i’ai.'isima ahgcbcu wird, « Ein Lkblingsgcdnnke der, vor einigen Jahren verstorhciicu Oberrabiners der Asclikcnasim, Rabbi Samiiel Sa laut, den er selbst nicht mehr fair Ausfültrung bringen konnte, ist nunmehr verwirklicht worden. Auf Initiative einer Anzahl angesehener jüdischer Kaullcutc und des Rabbiners Chaim Berlin wurde nämlich unter dem Namen ״O/ar Hachcssed Keren Schcinucl“ eine Vorschußkasse zur Erinnerung an Rabbi Samuel Salaut begründet, die den Zweck lut, jüdischen Gewerbetreibenden und Klcinkauflcutcn Jerusalems zinsfreie Darlehen zu gewähren. Die Kasse verfügt bis jetzt über ein Kapital ׳von 10000 Francs, das zum großen Teil durch die!Beisteuer von in Amerika lebenden Verehrern Rabbi Samuel Salants aufgebracht worden ist. Dem leitenden Komitee der neuen Anstalt gehören namhafte Persotten aus ollen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Jerusalems on, u. a. ist auch Direktor Ephraim Cohen vom Lehrerseminar des Hilfsvcrcins Mitglied des Komitees. Die Eröffnungsfeier der Darlelmskassc fand am vierten Chanukahtage im Hause des Rabbiners Chaim Berlin statt. Man verspricht sich von der Tätigkeit dieser neuen sozialen Wohlfahrtsanstalt eine belebende Wirkung auf den Kleinhandcl und das kleinere Gewerbe in Jerusalem, deren Entwicklung bisher vielfach durch die Schwierigkeit der Geldbeschaffung und die desolaten Kreditverhält• uissc gehemmt war. * Als eine Abordnung des Winzersyndikats in R!schon-Lez.ion vor kurzer Zeit In Paris hei Baron Edmund Rothschild versprach, um «len Betrag von 400 000!•'res. nls erste Teilzahlung eines!seinerzeit gewährten Darlehens. von 2 Milliol nen Francs zu überbringen, sagte Baron Rothschild den Mitgliedern der Deputation, nachdem sic ihn über die gegenwärtige Lage der palästinensischen Kolonien eingehend informiert hatten: ״Ich bitte Sie, meinen Brüdern in den Kolonien meine herzlichsten Grüße zu übermitteln. Mögen die jüdischen Kolonisten dem palästinensischen Boden Liebe uml Treue bewahren und mögen sie ihrer Pflichten gegen das ottomanisclic Reich stets eingedenk sein. Wenn die Bestrebungen der Kolonisten zur Erlangung Wirtschädlicher Unabhängigkeit sich auch weiterhin, wie ich hoffe, als erfolgreich erweisen werden, will auch ich mich der Förderung rationeller kolonisatorischer Tätigkeit in Palästina nicht entziehen. Ammeistcn freut cs mich, daß die Kolonisten allmählich den jüdisch-deutschen Jargon, die Sprache dcsOolus.gcgcnd ichcbräisehe Sprache unserer Väter vertäusehen.“ — Baron Rothschild traf schließlich mit den Vertretern der Winzcrgenosscnscliaft ein Arrangcment, wonach diese den Restbetrag der obenerwähnten Schuld im Laufe von 110 Jahren, d. 11. in Jahresraten von ca. 151)00 Frcs., zu amortisieren hat. *r .<! ׳ , m» ־ ׳ 0 י } . U W eeneiwDew Berlin. Dem Hcrrenhause Ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Vertretung der Berliner jüdischen Gemeinde, zugegangen. Danach soll die Zahl der Vtirstaudsmilglicilcr der Berliner Gemeinde durch die Satzung dieser Gemeinde nul die Höchst/,1111 von 15, lie Zahl «ler Repräsentanten auf die llöchslz.ihl Von 15 festgesetzt werden können. Audi kann die Satzung bestimme״, daß die Vorstandsmitglieder bis zu einem Drittel ihrer Gesamtzahl gegen Besoldung angcstellt werden. In der Begründung dieser Vorlage’ wird darauf Iiingewiescu, «laß die Höchstzahl von 7 VortUaiulsmitglicdern, die durch die bisherige Gesetzgebting der preußischen Synagogen-Oeinciiulen gestattet war, und die Bestimmung, daß die Mitglieder ihr Amt unentgeltlich zu verwalten haben, «ler Berliner Svnagogen-üeincinde die außerordentlich umfassende Verwaltung fast unmöglich machen. Deshalb hat die Berliner ovipgogen-üetucimle beantragt, ihr durch Gesetz, die 'Erhöhung der Zahl der Vorstandsmitglieder zu ermöglichen. AUS MAl־‘iDU״ß׳ALT0r1A1 Erklärung Bei der Wahl zum Delcgicrtenkollegiuin dci Ocuuch-israelitischen Syiiigogenvcrbandc« in Haint-urg sind Wahlzettel verteilt worden, auf denen ich als Kandidat genannt bin. Ich habe aber weder irgendeiner Person meine Einwilligung zur Aufstellung meiner Kandidatur gegeben, noch war ich überhaupt wählbar. Ich hätte meine Einwilligung auch nicht gegeben, wenn ich darum ersucht worden wäre. Hamburg, den 14, Dezember 1911, I)r. Tannenwald. 1/SftSINS.־! RUNDSCHAU Berliner Vcreinskalcnder Sor nabend, den 27. Januar: ׳ Vercinzur Pflege hebräisch erMutik. Konzert. Verein jüdischer Studierender: Vor* tragsabend. Sonntag, den 28. Januar: Jüdischer Turnverein Bar Kocbba: Schauturnen der Jugcndabtcilungcn. Jüdisch-nationale Frauenvercinigung: Vortrag Schcmarja Levin. Montag, den 29. Januar: Berliner Zionistische Vereinigung. Moses Hcß-Qcdcnkfeicr. Donnerstag, den 1. Februar: Jüdisch •nationale Frauenvercini• gung. Chamischa assar Frühlingsfest. Sonntag, den 11. Februar: Jüdischer Turnverein Bar Kochba: Schauturnen der II. Frauenabteilung. Montag, den 19. Februar: B. Z. V.; Vorlesung Dr. Richard Huldschincr. Sonnabend, den 6. März: P u r 1 m f e i c r der B. Z. V. Berlin. Um Kollisionen mit ähnlichen Voran• stalUmgen befreundeter Organisationen zu vermei• den, weisen wir schon jetzt darauf hin, daß die Berliner Zionistische Vereinigung für den 6. Marz eine Purim-Feier (Ball usw.) plant. Wir bitten, hiervon Kenntnis zu nehmen. Berlin. In der jüdisch-nationalen Frauenvercinigung spricht am Sonntag, 28. Januar, nachmittags 5 Uhr, im Klub der Landwirte, Dcssaucrstr, 14, Herr Dr. Schcmarja Lcvin über ״Jüdische Erzieliungsproblcmc in West-Europa“. Dieser Vortrag ist der letzte des Vortragszyklus über Dichtung, Kunst und Erziehung. Berlin. Von Anfang Februar bis Ende März findet in Berlin eine Ausstellung statt. ״Die Frau in Haus und Beruf." Verbunden mit dieser Aus- Stellung findet vom 27, Februar bis 2. März ein Kongrell statt. Mitglieder der Jüdisch•natio* n a I c n F r .1 u e n v e r v i n i g u n g e r 11 a 11 c n T«: i 1- 11 c 11 m c rka r t e ״ zu den Veranstaltungen zum Preise von 3 M. (Sonst 5 M.) Die Ka/tcn werden auf deiiNamcnlautcnd ausgegeben, und sind Anmeldungen bis Mittwoch, den 31. Januar, an Frau Erna Fürst, Aschaffcnburgerstr. 19, zu richten. Berlin. Die Chnmiscli.ih assar-Fcicr der Jüdisch* nationalen Frauenvereinigung findet am Donners,ag, den 1. Februar, im großen Saale des Tiergartenhofcs, atu Bahnhof Tiergarten, statt. Eintrittskarten ä 1,50 M, sind zu haben bei Herrn Louis Lamm, Buchhandlung, Neue Frictlriehslr. 61413, Herrn H. Zieliuski, ZigareUcngtschidt, Rankcstr, 13, im Kaulhaus des Westens, im Warenhaus Hermann Tictz, Leipzigerstraße. und AIcx.111dcrpl.1tz und au der Abendkasse. Beginn 9 Uhr. Aus den« Programm erwähnen wir u. a.: Heitere Vorträge mit Gesang uml Tan/.; lebende Bilder, gestellt von «len Herren Hermann Struck und Joseph Budko; Tombola mit Beiträgen bekannter jüdischer Künstler; Herrenspende usw. . Berlin. Am 19. Februar wird Herr Dr. Richard Hulschincr, Hamburg, in einer Veranstaltung der B. Z. V., im Augusta-Viktoria-Saal, Lutherstr. 31/32 (gegenüber d. Eispalast), aus seinen ״Biblischen Novellen“ vorlesen. — Es wirdein Eintrittsgeld von 50 Pf. erhoben werden. Berlin. Der Jüdische Turnverein ״Bar Kochba“ veranstaltet ant 28. Januar, nachmittags 3»/a Uhr, pünktlich, in der Turnhalle des Dorotheenstädtischcn Gymnasiums, Georgcnstraßc, Ecke Prinz Louis Fer* dinand-Straßc (direkt am Bahnhof Friedrichstraße), ein Schauturnen der Jugcndabtcilungcn (1. und 2. Ju•

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