Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1912)
- Date
- 1912-01-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 J UH Dl SCH li RUNDSCHAU Nr. *J der Baukosten als Arbeitslohn den jüdischen Bauleuten zufioß, in welchem angeführten Verhältnis die Lohnarbeit im nahen Pethach-Tikwah den Erfolg be* günstigt hat usw. nsw. Ich möchte gern - von anderer Seite ~ festgestellt sehen, wie Baumkultliren, Gemüsebau, Bannischulbetrieb, Hühnerzucht nsw. nsw. hier ineinamlergreifcn, ferner, wie die Kredit-Arrango• nicnts waren und dergleichen mehr. Auf Gmad eines solchen Materials (wie wir cs übrigens für alle Kolonien haben sollten und hoffentlich bald haben werden) lielSen sich dann Resultate ableilen, die von anderwärts hingst bekannt und beglaubigt sind, und die Niemandem mehr einen Zweifel daran übrig lassen würden, dall Palästina heute schon die Möglichkeit einer vielfach größeren Einwanderung (sogar auf laiuiwirtschaftlicher Basis!) bietet, als heute noch von den Meisten unter uns eingeseheu wird. — •— - ־ - Sitzung des Direktoriums und GencralversainmlungderP.LD.C. ln den am 2$. und 29. Dezember 1911 stattgefundenen Sitzungen der P. L. I). C. erstattete der Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Professor l>r. O, War bürg, einen ausführlichen Bericht über ihre Tätigkeit für die Zeit vom 1. Oktober 1910 bis zum 30. September 1911. 1, Boden kauf. Aus dem Bericht ging hervor, daß cs der P, 1.. D. C. möglich war, 11» »!)gelaufenen Geschäftsjahr mit ihrer Haiiptlätigkcit, das beißt mit dem Bodenkauf, zu beginnen. Es gelang ihr, ein großes friicht• bares Terrain in guter Vcrkchrslagc zu erwerben, für das sie zum grollen Teile auch bereits Käufer gefunden bat. Bei diesem Geschäft wird sich ein ctrachtlicher Gewinn erzielen lassen, der aus teclinischcn Gründen erst im neuen Geschäftsjahr ver• rechnet werden kann. 2. B o d e n k a u f v e r m i tt | u n g. Bei zwei anderen großen Terrains hat die P. L. D. C. den Verkauf an zwei jüdische Privatgesell• schäften vermittelt und dabei eine Kommission von 3254,50 Frs. verdient. 3. Farm Kineret 11. Die Farm Kineroth schließt das Geschäftsjahr mit einem Verlust von 30130,75 Frs. ab, in dem die bereits vorgeuommenen Abschreibungen in Hohe von 12 410.53 Frs. enthalten sind. Als eine der Haupt- Ursachen des empfindlichen Verlustes mul! der Streik angeführt werden, der in der Farm im März, vorigen Jahres ausbrach und zirka drei Wochen gedauert hat. Allerdings sind durch die Arbeit der P. L. I). C. in der Farm Kiuerclli bedeutende Mehrwerte gcschaffen worden, deren Höhe schätzungsweise demnächst fcstgcstcllt werden wird. 4. Die Arbeite r g c.u o s s c n s c h a f I D a g a 11 i a. Die Farin Dagania brachte im Berichtsjahre einen Gewinn von 2064,2$ Frs., wovon vertragsgemäß die Hälfte der Arbeitergenossenschaft als Gewiunbcteiligung und die andere Hälfte der Gesellschaft zu fällt. Der vorjährige Gewinn der Farm in Höbe von 4165,92 Francs, von dem gleichfalls die Hälfte, das beißt 2082,96 Frs., der P. L. D. C. gebärt, konnte erst im Geschäftsjahr 1910/11 verbucht werden. Die Farm Dagania bat somit in den beiden Betriebsjahreii einen Gcwjnn von 6230,20 Frs. erzielt. 5. K a p i t a 1 s v e r m e h r u 11 g. Das Kapital der P. L. i>. C. hat sich im ahgelaufenen Geschäftsjahr, laut nachfolgcmlcr statistischer Aufstellung, um 1961 £ vermehrt, von denen 66,~ .C auf das Interims-Kreditoren-Koiito verbucht werden mußten, weil die betreffenden Zertifikate erst im Monat Oktober, das heißt schon im neuen Gcschäftsjahr zur Ausfertigung gelangt sind. Da das Verständnis für die Ziele der 1*. L. I). C. sich immer mehr verbreitet, so ist zu hoffen, daß das Ergebnis der Kapitalwcrbung im neuen Geschäftsjahr ein günstigeres sein wird. 6. Aussichten für das neue Geschäftsj a h r. Für das neue Geschäftsjahr sind die Aussichten insofern günstiger, als die P. L l>. G. wegen mehrerer Grundstücke verhandelt, deren Kauf nahe hevorsteht und die teilweise gegen eine Kommission an Privat- Gesellschaften weitergegebeu und teilsvcisc für eigene Rechnung parzelliert werden. Betreffs der Farmen KineretU und Dagania beschloß das Direktorium der P. L. l>, C,, den Vorschlag des Jüdischen Nalioiialfouds wegen Rückgabe beider Güter an den J. N.-F. für die Zwecke der Sicdlungsgenossenscliaft anzunchmc», Die Investitionen der P, L. D. C. in KineretU und Dagania einschließlich des von ihr geschaffenen Mehrwertes durch Besitzergreifung, Inkulturbringuiig des Bodens, sollen von einer Schätzuiißskommissbii, besteheml aus je einem Vertreter der P, L. D. C., des J. N.-F. und der SiedUmgsgeiiossenscliaft, demnächst festgestellt werden. 7־. Wahlen. Da das Direktorium statutengemäß y.urückgctrctcn ist, so nahm die Generalversammlung Neuwahlen vor,־ die folgendes Resultat (in alphabetischer Reihen* folge) ergaben: Normann Bc nt wie 11, London; Dr. M. J. Boden 11 eimer, Köln; Adolf Böh m , Wien; 13. A, (i old borg, Wilna; Bcrtraml Hamburg, Berlin; Dr. Ariimr llantkc, Berlin; Dr. II. G. I I 0 y m a n » , Berlin (stellvertretender Vorsitzender); Dr. Viktor Jakobson, Konstanlinopel (stollveiUeteuüer Vorsitzender); Leopuhl K cß I e r, London; Dr. Arthur Ru pp in, Jaffa (diredor mnnaging); Ing. M. li ss (sch kin. Odessa; Prof. Dr, O. Warh it rg, Berlin (Vorsitzender); Prof. Cb. W e i / m a n n, Manchester. Statistische Aufstellung der verkauften Aktien der P. L. D. C. bi ו /.um iiD.atmo vom 1.10.1010 bis 30.9.1011 Insgesamt Rußland ... * 1757 537 2204 Deutschland . . . 1411 722 2133 Oestericich-Ungarn Westgalizicn . . 91 19 Oslgalizieu . . 123 27 Südgalizicn . . 195 17 Podolien . . , 14 1 Böhmen . . . 127 40 Inneröstcrrcfch . 547 352 1090 Mähren.... 39 15 Schlesien . . . 1 Bukowina . . . 10 1 Süd-Slav. Prov. . 3 10 Ungarn .... 44 14 Rumänien . . , 547 27 574 Holland .... 194 8 202 Belgien .... 94 45 139 Schweiz . . . 48 50 107 England .... 121 39 100 Südafrika .... 50 ■ 1 51 Frankreich . . . 1 1 2 Dänemark . . . 15 2 17 Palästina .... 32 5 37 Amerika .... 66 21 90 Serbien .... 35 — 35 Bulgarien .... 38 38 Italien. 13 — 13 Aegypten .... 10 — 10 Kanada .... 2 — 2 Zusammen £ 5030 1004 7000 Außerdem hu Besitze des J. 14. F. Gründer- und gewöhnliche Aktien in Höhe von £ 4500 , Zusammen £ 12100 «■AUS ALLGR WfLT ־־ ftussfand Die 8. Generalversammlung des Odessaer Palästinakomitccs findet, wie bereits gemeldet, vom 14. bis 1$. Februar statt. Zur Beratung stehen die verschiedensten wirtschaftlichen und kulturellen Fragen der Palästinaarbeit. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: Eröffnungsrede des Vorsitzenden M. Ussischkin. — Debatte über den Tätigkcitsbcricht des Komitees. — Institut für Agrarkredit in Palästina. Referent: Dr. J. :Buch mit. — Gc- Seilschaften lind Bodcuiiistitutc für Bodeukaut in Palästina. Referent: B. G o 1 d b c r g. — GärieusTarTtc. Referent: Agronom A. Sussmann. — Onmd/.iigc der Kultur- und Erziehungsarbeit in Palästina. Rcferenten: Dr. Josef Klausner und M. Scheink i n. — Organisation des Informationsdienstes. Rcfereut: Dr. M. Glücksohn. — Organisation der Propagandatätigkeit. Referent: Ch. Grün borg. — Diskussion über die Referate, — Die Koloiiisalionstätigkeit in der Türkei, in Syrien und Palästina und die politischen und bürgerlichen Rechte der Ansiedler. Referent Vorbehalten. — Beschlußfassung über die vorgesehlagcncn Resolutionen und Neuwahl des Komitees. 4 Die publizistische Judenhetze und die Verbreitung von PogromhronchUren haben .solche Dimensionen angenommen, daß ihre Gefahren unverkennbar sind. Fs ist darum kein Wunder, daß die lioeliangescliene russische Zeitschrift ״Rußkoje Bogatstwo“ in ihrem let/Acn Monatsheft de» gegen die Juden gcrichteten Kämpfen zwei Spczialaufsätze über ״Die Konterrevolution und die Juden“ und über die Ritual, immlhcsclmldigimg widmet. Der letzte dieser Auf. sät/e gewinnt uoeh deswegen an Interesse, weil sein Verfasser der Dichter Koroleuko ist. Es ist al>cr wahrlich kein akademisches Interesse an geschichtlicheu Feststellungen, das Koroleuko zu seinen umfangreichen und tiefgründigen Studien auf einem so eigenartigen Gebiet Veranlaßt hat, es ist eben'die Erkenntnis, daß das Pogromgiit von neuem epidänisch zu wirken beginnt. Die Rilualmordbcscfiuldigmig prägt sich am leichtesten dem Hirn des abergläubischen und unwissenden Mannes ein und lichtet darin gefährliche Verheerungen an, so daß unwillkürlich eine Pogromatmosphärc entsteht. Dem sucht mm Koroleuko mit seiner ganzen Ueberzeugimgskraft cntgcgeuv.utrclcu. Nach wenigen Monaten müssen die Wahlen zur vierteil I>11111:1 vorgemmiiuen werden, lind das Cieliciiniiis des zu),ünitigeii Wahlresultats regt die Par. tcieii und Personen schon jetzt zu einer erhöhten Tätigkeit an. Die Reaktionäre hegen zwar keine großen Befürchtungen, da sie sieh auf den Waldmodus verlassen, der bekanntlich den 116(103 Grollagrariern die ganze Macht im russische» Staat überliefert hat. Andererseits sind sie aber in ihren verschiedenen Nuancen (vom ״echten“ Rnssentmn bis zum Oktohrislmus) die einzigen politischen Partcieii, die sieh uneingeschränkter Freilich crlreiien. Warum sollten sie also nicht wenigstens den Versuch machen, den Schein zu wahren und ihre Leistungen in Rcclicnscjiaflsbericliten corain puhlico zu rechtfertigen? Gefährlich sind diese Versammlungen nicht, da mir die Ikapicrnen eingeladcn werden. Namentlich die Oktobristen lieben eine Diskussion mit Nichtgesinmingsgviiosscn nicht und sprechen nur vor einem geladenen Publikum, das gewöhnlich kritiklos die oktobristischcn Ausführungen liiniiiiiiint. Mangels anderer positiven Leistlingen bat so eine Säule des Oktobrismus, der linksoMobristische Abgeordnete Knmenski seine Jikateriuoslawcr Wähler damit unterhallen,!laß die dritte Duma ungemein ,,arbeitsfähig14 sei, da sie bereits 168(1 Gesetzesprojektc durehberaten habe. Fine imponierende Zahl! Kanienski hütete sich aber, ein Inhaltsverzeichnis der neuen Gese't/c zu geben, da dann auch jeder Nichtcingcweihle die ganze Wertlosigkeit der Diiinaleistungeii hätte einsehen müssen. Fs stellt sich näinlicli heraus, daß nur 23 der von der dritten Duma geschaffenen Gesetze nennenswert und fast alle reaktionär sind. Kanada . ln den nächsten Tagen wird der neue General• gouvcrnciir von Kanada, Herzog von Counaught, seinen neuen Posten beziehen. Aus diesem Anlässe werden auch die jüdischen Kolonisten in Kanada eine Deputation zum Empfange des Vizekönigs entsenden und ihm eine I luldigungsadressc überreichen. Diese Adresse, die in hebräischer Sprache abgefaßt ist, wird nicht auf Pergament, sondern auf einem Wcizcnkurn geschrieben werden. Das soll gleichzeitig der Ausdruck der Freude der jüdischen Kolonisten darüber sein, daß sie wieder sich dein Ackerbau widmen können. Diese eigenartige Adresse enthält dreihundert hebräische Buchstaben und kann durch ein Mikroskop leicht gelesen werden. Der Schreiber der Adresse ist der jüdische Kolonist Abraham Schächter, der vor wenigen Jahren ans Rußland eingewundert ist lind in der Provinz Alberta eine Farm besitzt. Eine ähnliche Adresse wurde seinerzeil Sir Moses Montefiore überreicht. PALAeSTINA-RUNDSCHAU Apfelsinenkultur in Pallistlna. Es sind uiigefahr •10 Jahre her, daß die Eigentümer von Apfelsinengärten in Jaffa angcfangcn haben, die Frucht in größerem Maßstahe zu kultivieren. Der Ertrag steigt von Jahr zu Jahr, so daß die Anlagen ständig erweitert werden konnten. Wo früher einzelne Gärten 3000—000׳•.׳ Bäume enthielten, findet mau heute Kulturcu von 15 000 —20 000 Bäumen. Das Entstehen derartig großer Unternehmungen hatte natürlich auf die kleinen Pflanzungen eine nachteilige Wirkung; denn, wenn einst eine Kiste Apfelsinen 6—S Fr. am Orte selbst einbrachtc, sind heule nur noch 3—1 Fr. zu cr/iclcii. Der Besitzer eines Gartens, der 2000 Kisten Apfelsinen liefert, die Kiste zu 4 Fr., muß hei einer Einnahme von 8000 Fr. mit etwa 4000 Fr. Unkosten rechnen. Große Kulturen dagegen, die 20000 Kisten abwerfen, weisen hei einer Einnahme von $0 000 Fr. nur etwa 15 000 Fr. Unkosten auf. Die Zukunft gehört also auch hier dem GroBunter* nC.huicr.י (Allgeiu. Deutsche Kolonialwarcn-Ztg.) »-««***־יי» WPBeZALeL: Hauptversammlung Mittwoch, 24. Januar 1912, 8«/» Uhr präzise, im Sitzungssaal des Zionistischen Zentralbureaus, Sächsische Sir. 8. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über das verflossene Geschäfts* jahr. 2. Entlastung des Ausschusses. 3. Wahl des Vorstandes, Ausschusses und der Rcvlsoren. Genehmigung der behufs Eintragung in das Verclnsregistcr geänderten Satzung. 4. Geschäftliches. 5. Evcntiialin. Vorstand und Ausschuß des ״Bczalcl".