Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Uebereinstiimmuig mit dein genannten Vereine vor* Zusehen mul ihn אזוווד kräftigste zu fördern, Die Resolution Ehrlich wird, mit einem Zusatz, a nt rag, der die Ausgestaltung der Nationalvcrcino (ordert, a n g c n o m m e ״. , ,. , Dr. Stein erstattete das Referat über das 1111(1• get und schlägt vor־ 1. Die jälirliclic Pnrleisteticr inklusive Schcckel* Steuer und Distrikts/iiüclilägcn wird mit I Kronen pro Mitglied der westösterrelchisclieu Organisation und pro Jahr festgesetzt. 2. Das /.. K. wird ermiieldigt, mit Uiicksirht aut die bisherigen Verhältnisse und aut die Bedürfnisse der Distrikte und Ortsgruppen, UehergaiigsmalSregcin zu schaffen. 3. Die Vereine werden ermächtigt, den aut sie cnttnilcndcn Gesamtbetrag an Partcistcticni unter ihren Mitgliedern nach eigenem!:rinessen aufziileiten. Das aktive Wahlrecht zum nächsten Parteitag aut ()rund der zu entrichtenden Parteisteuer wird \1uier Berücksichtigung dieser Bestimmungen vom Z. K. festgesetzt. (Angenommen.) Dr, Egon Zweig erstattet das Nationalfouds• referat. Präsident A d o 11 H ö11 m hält ein ausgezeichnetes Pa'ästinarefer.il, Die Anträge beider Referenten werden angc* noiniucn. Der Parteitag wird mit einer Schlußaiisnrachc des Vorsitzenden, unter Absingung der ifatikwali, um 8*/י Uhr abends geschlossen. Suchen Sie die <1 e s i » n 1111 g jedes J 11 d e n , der 111 n e 11 I) e g e!׳ net, / u e r k 11 n (I e n - Sie werden oft genug auf Zionisten Stollen, die den Sdtekel nicht gezahlt haben, weil ihnen bis daliin zufällig niemand mit dem Schekelldock in den Weg gelaufen war. Klären Sie jeder m a n n u n e r nt ü d I i c 11 über den Zionismus auf — es gibt doch Hunderte von Juden, die nicht Zionisten sind, weil sie des (ilauhens sind, der Zionismus bezwecke die Gründung eines jüdischen Königreiches in Palästina. Forschen Sie endlich in den zio• u i s t i s c 11 e n Familie״ nach, ob nicht nur d e r M a 1111, s o 11 d e r n a 11 c 11 d i e F r a 11 11 n d d i e er w a c 11 s e n e n K i 11 der den Sc h ekel gezahlt haben der Schekel ist keine zio• nistische l.egitimaiionskartc für die ganze Familie. Das wären Richtlinien für eine g e d e i I i c 11 e Schekelpropagnmla. ״Der Scli e k c I tu u li n 11 serc St a 1׳ k e werden", pflichte ich Urnen bei, gerade deshalb alur tut es dringend not, dalt jeder Zionist, der sich der Sdickelpiopagamla widmet, von dem Wert des S c h e k e 1 s t ief durchdrungen ist. Mit ZionsgrtiB lltr ergebener I.. I.. Was ist uns der Schekel? Ein offener Drlcf. Köln a. RU., Dezember löll. Sehr geehrter Herr Gesinnungsgenosse! Ich muli Ihrer Auffassung *von der Kedeutimg des Schekels widersprechen, und da leider die Antwort manches anderen Gesinnungsgenossen auf die Frage: ״Was ist uns der Schekel?" in Ihrem Sinne oder ähnlich erfolgen würde, so nutze ich die Gelegenheit gerne, Ihnen meinen Standpunkt auf diesem Wege des genaueren darzulegcn. Wenn Sie davon ausgelten, daII die Organisation in erster Linie durch den Schekel finanziell ge• stärkt werden müsse, so stimme ich Ihnen tiiekh.ilt• los zu, nicht aber, wenn Sie j e d e 1! nicht g c radc a n »i z io 11 i st i s ch gesinnten Juden, der Ihnen auf Ihre Bitte das Lin-Markstück schenkt, für wert Italien, den Schekel zu zahlen! Als Umstand, der für Ihre Auffassung sprechen soll, geben Sie an, daß Leute, die einmal den Schekel — recte: den sog. Sympathieschekcl — gezahlt haben, von selber dazu geführt werden, sich mit dem Zionismus näher zu befassen. In einem von hundert Füllen mag das 7.11• zutreffen. Zu me ist aber handelt es sielt bei Leuten, die weder für noch gegen sind, tun Indiffcr c'n t c, nicht wahr? und diese Juden aus ihrer lethargischen Ruhe zu rütteln, wird die Schekel• quittung allein nicht fertig bekommen. Was züchten Sie nun mit Ihrer freigebigen Vor* teilung von Scliekclquittungen für seltsame Excm* plarc von Zionisten heran! Da trifft man Leute, die einem in aller Gemütsruhe crzälilen, man hätte ihnen zwar den Schekel ״abgeiioinmen", aber Zionisten seien sie gar nicht. Andere wiederum meinen: sie seien zwar keine Zionisten, aber der Zionismus wäre doch eine ganz schöne Sache, weshalb sollten sie dafür nicht auch eine Kleinigkeit geben. — Bedenken Sic, bitte, daß diese ״Zionisten" das Recht haben, sich an den Wahlen zum Kongreß zu beteiligen, daß sie in itspreclien dürfen, wenn cs sieh amt unsere ernstesten und wichtigsten Dinge handelt I Glauben Sic wirklich, daß der Zionismus dadurch gestärkt wird? — Schekel zahlen bedeutet: Kundgeben einer U e b e r z c u g u n g. Gewiß ist es nicht notwendig, jeden Schekel* zalder das Basler Programm beschwören zu lassen oder examinierend iest/ustellen, ob er das zionistische Problem;von Grund auf erfaßt bähe, aber: ein bestimmtes Maß bewußt positiv-jüdischer An* schaumig muß für die Schckelabgabe Vorbedingung sein. Der Schekel will alle diejenigen Juden zu einer festen Kette einen, die den Zionismus als einzige Lösung der Judettfragc anerkennen. Die Stärke dieser Kette beruht auf ihrer Geschlossenheit. Geschlossen• beit aber verlangt bewußtes Sich-einglieUcrn des ein• zelnen. Laue und Wankelmütige lockern die Kette. — Wenn Sie Nichtzionisten zur (itiaii/iellen Stärkung der Organisation hcrniizichcit wollen, so sammeln Sie Spenden! Je mehr und je größere Beträge Sie erhalten, um so besser wird es sein. Gehen Sic aber in diesem Bestreben nicht au die Sciickelsammlimg heran, denn Sic erhöhen durch das Aushäudigcn der Schckclquittung lediglich den Wert einer an sich recht minimalen, allzu bequem erreichbaren Spende! Dem Schekel aber nehmen Sic gleichzeitig seinen Wert! Die gesunde Schckelpropaganda verlangt a n derc Arbeit: Deutschland und der Islam Daß eine starke Türkei im Interesse der Juden liegt, ist ein Standpunkt, den in diesen lllallmi Davis Trietseh wiederholt nachdrücklich aiiseinanderge.sel/t hat. Daß auch Deutschland (und Oesterreich) ihren Vorteil hei einer starken Türkei besser ge• wahrt finden als bei einer verkleinerten lind beraubten, führt er in einer soeben erschienenen Schrill*) an der Hand sehr solider und informativer Unterlagen überzeugend aus. Es ist nicht mehr und nicht weniger als ein deutsch-türkisches Bündnis, das hier vorgeschlagen wird, und durch das Deutschland nicht nur mit dem osm:mischen Reiche, sondern mit der g a n z e n i s I a in i s c 11 e n Welt derart solidarisch würde, daß es eine geradezu u n a 11 g r e i f I) a r e Position inmitten Europas dadurch bekäme. Viel• mehr hätten vom Tage einer solchen Konvention an England Frankreich mul Rußland die schwersten Sorgen, wie sie sich ihren Besitz in den Kcrnläiidcrn des Islam wahren könnten. Für die Türkei würde die hier vorgcschlagenc Lösung der Orient wirren den s o f o r t i g e 11 e r f o I g r e i e 11 e n Abschluß aller s c 11 w e b e 11 d c 11 Dinge bedeuten und einen Mncht/mvacbs, der es ihr ertauben würde, sogar über Persien und (trotz allem) auch über Marokko eine Art ״Protektorat" aus• zusprecheii. Italien würde sich sofort aus Tripolitnnicn zurück• ziehen müssen und würde — bei einem Verbleiben im Dreibund — anderweitig (und zwar besser) ent• schädigt werden können. Rußland müßte schleunigst seine Truppen aus Persien zurückzichcn und Frank• reich würde kaum den Mut haben, gegen das zu ungeahnter Bedeutung gelangte Wort des Kalifen seine Marokko-Politik heizubciialten. England könnte froh sein, wenn es nicht sofort Aegypten verlöre (samt dem Suez-Kanal und der Sicherung seines Seeweges nach Indien usw. usw.) Man sieht, es ist in der Tat eine weltpolitische Studie, die hier geboten wird. Mehrere Kartenskizzen und sehr übersichtlich gearbeitete Tabellen erleich• tern das Verständnis der behandelten Fragen auch für diejenigen Leser, denen diese Dinge sonst weniger geläufig sind. Der bodenständige Jude Wie merkwürdig, daß man im Judentum immer wieder auf dieselben sich l.111;:st als erfolglos erwiesen habenden Mittel zurückgreift. Bei der Octteralver* Sammlung des Vereins Israelitischer Lehrer im ehe• maligen Herzogtum Nassau wurde in der Diskussion wiederum das alte Thema von der Notwendigkeit der Beschäftigung der Juden mit der Landwirtschaft aufgegnfkn. Der Abschluß alter sozialpolitischen Tätigkeit der Juden müsse die Gründung einer Bodenerwerbsgcuossensdiaft sein, damit auch Lust und Liebe zur Bodenkultur unter den Volksgenossen geweckt werde. ״Nur hierdurch wird der Jude bodenständig und überwindet die Antipathie der christlichen Be’• vülkcrtmg." Wie bedauerlich, daß in einem Verein jüdischer Lehrer die Einsichtslosigkeit in die wirtschaftliche und soziale Struktur der deutschen Juden noch so gering ist, daß sie im Ernst glauben, cs wäre tnöglieh, einen erheblichen Teil der deutschen Jttdcnhcit zur Landwirtschaft zurüekzuführen. Theilhaber hat *) ״Dcutnchlr.nd und der Islam“, eine weit• politische Studie von Davis Trietseh. (112 Seiten mit zahlreichen Tabellen und vier Kartenskizzen. Preis 1 M.) Orient-Verlag, Berlin,. in seinem Budic vom ״Untergang der deutschen Juden" deutlich nacligcwicsen - י was tttait übrigens früher, nur nicht mit so statistischer Deutlichkeit, wußte ---, daß die jüdischen Landgemeinden immer mehr veröden. Man wird diese Erscheinung auch unschwer hei uns in der Schweiz konstatieren können. Nun ist es gänzlich ausgeschlossen, daß eine Bode״, crwcrbsgciiosseiisdiaft die Juden Deutschlands etwa der l.amlwittseliafl Zufuhren konnte, schon deshalb •lieht, weil die Mehrheit der deutschen Juden es niclit nötig hat, sich einer in heutiger Zeit nicht über• mäßig lukrativen Beschäftigung hiii/ngcbcti. Gesetz« aber, das wäre möglich. Wie naiv, davon eine Uebcrwünlimg der Antipathie der christlichen Landbevölkerung zu erwarten. In Hess ir.ibien, wo einige Tausend jüdische Bauern existieren, ist die russische Baiicriibcvölkcruug den Juden auf dem Lande keineswegs günstiger gesinnt, als denen in der Stadt. 1111 Gegenteil: die größeren Erfolge des jfi• disclicii Bauern, beruhend auf einer rationelleren An• Wendung laiiclwirlscli.dllieher Methoden, reizen den I laß iles russischen Miiseliiks. Wenn mm auch «las in Deutschland nicht der Fall sein durfte, so ist doch sicher, daß das Eindringen der Juden in die Land• Wirtschaft Deutschlands in vielen Gegenden und den meisten Kreisen einen wahren Sturm der Eiitruslimg hcrvorrttfeii würde. Ein solches Mittel konnte inan vor einigen Jahr• zehnten in Vorschlag bringen, als man noch der festen Uchcr/ctigtmg war, daß die wirtschaftliche und soziale Lage der westeuropäischen Juden sich dauernd bessere. Heute aber, wo das Gegenteil einwaudfrei n.uligewiescii ist, sollte man nicht mehr mit derartigen Mittelchen kommen, die auf bloße Ueherwiiultmg der Antipathie irgendwelcher Bevöb kcrmtgsschichlcn gerichtet sind. Der Jude überwindet die Antipathie der christlichen Bevölkerungskreise am besten, wenn er sich stolz und frei zu seinem Volke bekenn( und die alte Sklaveumoral des Sich-nicht• erkenucn-gebeus etuigültig zum alten Eisen wirft. (Dr. Pink us im ״Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz".) ג• AUS ALLCR W6LT ״ Deutsch fand Im Frühling des vorigen Jahres -- am 21. April — wurde in der ״Krcuzzeitimg" leise iimJ schüchtern angedeiitct, die konservative Partei könnte vielleicht aus dem Tivoliprograrnm das Bekenntnis zum z\ntisemitismus streichen. Die Absicht, die jüdischen Wälder und besonders auch die wohlhabenden, zu Geldspenden geneigten Kreise des Judentums für die konservative Partei zu gewinnen, ging aus diesen Acußerungcn klar hervor. Aber die von so prak* tischen Gedanken erzeugte pliilosemitische Regung der ״Kreuzzeitung" hielt nicht lange an, und sehr bald erhob sich auch gegen die Anregung, das Pro• grantm in jenem Punkt zu ändern, von mehreren konservativen Seiten entschiedener Widerspruch. In dem neuen ״Handbuch der dcutsch-kon* s c r v a t i v e 11 Partei, vierte, unbearbeitete und vermehrte Auflage, bearbeitet und herausgegeben vom I lauptvcrcin der Deutschkonservativen, abgeschlossen am 22. November P)H," kann inan jetzt folgendes lesen: ״Der Vorschlag, den Satz des konservativen Programms: ״Wir treten entgegen dem zersetzen• den, insbesondere entsittlichenden Einfluß des Judentums," - zeitgemäß zu ändern, da beute die zersetzende Wirksamkeit mehr von so/ialdemo• kratischcr und atheistischer Seite ausgeht, wird wohl vorläufig wenig Beifall finden. Gerade in den zuletzt genannten Bewegungen finden wir das Judentum stark vertreten, das sieh noch immer als ,,Ferment der Dekomposition" erweist (Momni* sen). So wird ein Stück Antisemitismus 11 och I a 11 g e zur konservativen Weltanschauung gehören müssen.“ Wem daran gelegen ist, Unklarheiten aus dem politischen Leben entfernt zu sehen, der wird sich dieser eindeutigen Erklärung freuen und sich danach richten. Süd west- Afrika Eine Petition, betreffend die Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Religionsgemeinschaften des Schutzgebietes Südwestafrika haben die cvan• gelische Kircbcugenteindc, die katholische Gemeinde und der jüdische Verein in L ii d c r i t z bucht gemeinschaftlich an den Reichstag und Bundesrat gerichtet. Es wird darin um Schaffung von Normativbcstimmungen über die Verleihung der Rechtsfähigkeit an Religionsgcmeimien sämtlicher Glaubensbekenntnisse innerhalb des deutschen Schutz• gebictcs sowie um Verleihung des Besteuerung»• rechtes an die Religionsgcmeimien gebeten.