Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 51-52 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51/52 Seile 609 Aus tlcn Statuten des Vereins: 7. Der Jahresbeitrag betrüg! I») M. Es stein .]«loch den Mitgliedern frei, ein Vielfaches des Jahres• beilrages zu zahlen, wodurch sie das Hecht zur mehr• fachen Teilnahme au den Verlosungen erwerben. Wer bis zum I. März, eines jeden Jahres seinen Beitrag nicht entrichtet hat, nimmt an der Verlosung Hiebt teil. tj 12. Jährlich, möglichst in den I lalhfeier׳tagen des i'essachfestcs, soll die (iciieralvcrsammliiitg statt• finden. Auf derselben ist auller den anderen Vereins• Geschäften die Verlosung vorzunehmcii. $ 18. Die Ueisebeihilfeit werden in Anteilen von je 5il0 M. unter die Mitglieder verlost. Dasjenige Mitglied, welches durch das Los das Hecht auf die Kcisebeihilfc erworben hat, ist verpflichtet, die Heise nach Palästina spätestens innerhalb 2 Jahren nach der Verlosung zu unternehmen. Im Beliiiidcrmigsfalle kann es sein Hecht auf die Beihilfe an ein anderes Mit• glicii. welches bereits vor der Verlosung Mitglied des Vereins war, übertragen. Anderenfalls fällt der Anteil an den Verein zwecks Vornahme einer neuen Verlosung zurück. Die Ueisebeihilfe wird dem Gewinner vom Vn׳ stände in bar ausgczahlt, nachdem der Qewinner durch Bescheinigung des Palästinaamtes in Jaffa nach• äcwie.sen hat, dall er die Heise unternommen und sich ort zwecks Ausstellung dieser Bescheinigung per• sönlich vorgestellt hat. BT . י Unsere Palästinaarbeit Der P a 1 ä s t i n a I) i s k u s 8 i o n s a b e n d , den der Zionistische Verein W e 8 t B e ז l i n am 13. Dezember veranstaltete, war so interessant und inhaltsreich, dall wir glauben, einer gröberen Oeffeilt• iichkeit ,ausführlicher darüber berichten zu sollen. Das einleitende Referat hielt au dem zum grollen Teil von Palästinensern besuchten Abend Herr Ingenieur N. W i I b u s e 11 e w i t s c h aus I laifa, der der zionistischen Oeffentlichkeit auch als einer der Teilnehmer und Berichterstatter der Uganda-Expedition bekannt ist. Die leitende Idee in den Ausführungen Willmschewitschs war die, dall man bei der kolonisatorischen Arbeit der nächsten Jahre ״ und wohl auch noch längerer Zeiträume -־ als die | l.uipterwerbsqiielle Palästinas die Ausfuhr agrikullureller Produkte zu• gründe zu legen habe; in zweiter Reihe die Er• Zeugung und Ausfuhr der aus diesen Produkten gewonnenen Fabrikate: Wein, Oel, Seife, auch Seiden• und Wollcngewehe, soweit die Rohprodukte im Lande seihst oder den Nachbarhezirken (Libanon) angebaut werden; und scblielllieli h e i m i s e h e 1 u d u s t r i c n jeder Art auf nicht 1 a n d w irtschaft• lieber Grundlage. Was letztere betrifit, so glaubte der ja gerade auf diesem Gebiete überaus kompetente Referent vor der Unterschätzung ebenso wie vor der Ueberschätzung der vorläufigen in• dustriellcn Möglichkeiten im Lande warnen zu sollen. So verkehrt es natürlich wäre, sich auf eine aus• sehliellliche Förderung• der Landwirtschaft festzulcgen, so müsse mau doch bei der Gründung neuer i 11 dustrieller Unternehmungen gröbere Sach• kennt nis und Laudcskcnntnis mul Zurückhaltung verlangen als dies, leider zum grollen Schaden vieler sonst aussichtsreicher junger Industrien, bisher in den meisten Fällen der Fall gewesen sei. Als Grundsatz, habe hierbei zu gelten, dall die Umwicklung der palästinensische» Industrie stets gleichen Schritt zu halten habe mit der Gesamt• cntwickhmg des Landes. Und: Danke, und werden zu Bett gebracht. Die grolle Bescherung ist glücklich vorbei, Und das Mädchen bringt mächtige Platten mit Schlei. ״Es gibt nur ein einfaches Butterbrot heute“, Sagt die Hausfrau cntschukPgend, ״'s is wegen der Leute.“ Sk reicht ihren rundlichen Arm dein Baron, Da erschallt aufs neue der Flurklingel Ton: ״Das wird endlich das ״letzte Abendmahl“ sein!“ Doch das Mädchen führt Vetter Max Aronsohn rein, — In dem Augenblick, als man zu Tische geht! Guten Abend! leb wollte mal sehn wie cs stellt!1' Alle Gäste ergreift’* wie ein eisiger Schreck, Sie sehn den Baron an und sein! wieder weg. Allein — auf der Tafel harrt dampfend der Fisch — Man kann nicht gut anders und lädt ihn zu Tisch, Doch Jack zieht geärgert die Stirne kraus Und sagt: ״Wenn er mauschelt, dann schmeill׳ ich ilm raus!“ Und man setzt sicli mul redet vom Aerztekongrcli, Von den Wahlen, vom letzten Skandalprozcfl, Und die Hausfrau erzählt dem kaii’mleu Baron Vom Talent seiner Nachbarin, Fräulein von . . . ״Sie spielt gradezu phänomenal vom Blatt!“ Der Baron sagt gar nichts und ilit sich satt. Jacks Eltern verhalten sich mäuschenstill, Und der Grollvater flüstert mir wenn er was will. Der Baron nimmt noch einmal getrüffelte Pute Und gießt sich ein neues Glas Wein in die Schnute, Da beginnt - 0 Entsetzen! — Max Arousohn: ״Sie sind doch gewiß Offizier, Herr Baxou, JUEDfSCi.1* KU H!>SCJ־IAU וי ס® or! 1. י» r* ־־. , c* •v Ist cs jetzt für Sic, Ihr Abonnement auf die J-* 4 11 f f• f, * * ׳■־״ ‘י f 4!-י־. יד a1 , »״% i 44 zu erneuern!. ISediaieii Sie sich des der vorigen Nummer beiliegenden Post- HCheckfonmilars zur Einsendung des Ile• träges von r/.k. 1,50 Quartal 1012. für das QSQBhliiiLj ijfCrA4*>«*'u 1'N;!> *! נ י י ‘ ’ r! ' •rnm-4 31! 13 <41«» *j*■! *•••״* »»ו * Dall aber eine fast unglaublich rasch sich stei• gcrmlc allgemeine Entwicklung des Landes stall• finde, bewies der Referent mit einer grollen An• zahl von liochsl interessanten Daten, besonders auch bezüglich der Steigerung des Bodenwertes innerhalb kür/ester Frist. Im gleichen Maße steigt die Ausfuhr. Bedauerlich sei nur, daß wir Juden nicht in ge• inigcmlciii Malle und vor allem nicht mit genügender Voraussicht an diesem Aufschwünge teiluähmen, sou* dein es trotz, der reichen Mittel des Barons und später des Zionismus (welcher in seinem N.*F. eine Ein• 11al1mc(|t,ellc von ca. Million Frcs. jährlich Italic, was ungefähr den wirklich nutzbringend angelegten RotliscliiUlsclieii Mitteln entsprechen dürfte) es in 30 Jahren noch nicht weiter als zum Besitze von ca. I 2 ״/״ des anbaufähigen Areals gebracht hätten. Der Redner plädierte dringend für ein wesentlich beschleunigteres Tempo der zionistischen Arbeit in Palästina, wenn nicht die dortigen Juden alles Vcr* trauen zu dem guten Willen der Zionisten verlieren sollten. Für eine erfolgreiche Tätigkeit halte er eine gründliehe Beeinflussung des ansässigen arabischen Eie* mentes durch eine Art jüdischer Kulturm iss io 11 für höchst wünschenswert; schon um dem unheilvollen antijiulischeii Wirken der vielen Christliehen Missionen eiitgegeiizmvirkcii. Es ist eine Erfalmuig, dall die wenigen Araber, die schon bisher jüdische Schulen besucht haben, den Juden sehr freundlich gegemiberstehen; •also: jüdiselikulturellc Durchdringung des Landes, für die als Programm, das alles andere in sieh schließt — alle Sympathien im Orient und sicher auch viele Gehler im Westen zu liahen sein werden. ״Dies ist," so schloß der Redner seinen mehr als eitistündigen höchst be• merkenswerten Vortrag, ״meine Meinung■, und es ist auch die Meinung der besten Leute in Palästina.“ ־ Als erster Diskussionsredner meldete sieb der Vorsitzende des Engeren Aetions-Comites, Prof. I)r. Ott״ Warb 11 rg. Er dankte einleitend dem Redner für seine überaus trefflichen Darlegungen, deren’Grau• in-Grau-Malerei durchaus nicht schade, wenn sie, wie es hier der Fall sei, zu einer umso energischeren Tätigkeit aii/.usporneii beabsichtige. Der einzige Punkt, in dem er mit Wilbuseliewitseli nicht übercinstinime, sei dessen Schätzung der zionistischen Tätigkeit in Palästina, an die er doch einen anderen Maßstah gelegt wissen möchte. Nicht die Zahl der erkauften Quadratiiielcr, sondern die Produktion auf diesen müsse man vergleichen, wolle man zu dem richtigen Schützlings- Verhältnis kommen. Es könne nicht übersehen werden, Vielleicht keimen Sie einen Herrn I Inuptmann Holz, Ein sehr feiner Herr, und gar nicht stolz!“ Vetter Jack sieht verzweifelt zur Decke hinauf, Und die Hausfrau hebt eilig die Tafel auf, Das Fräulein von . . . öffnet den Flügel von Kaps, Für die Herren gibt's mm Zigaretten und Schnaps, Vater Silbermaim nickt eine Weile im Eckchen, Vetter Arousohn schüttelt am Baume die Glöckchen Und klopft dem laufenden Pferd an die Knie. Und dreht sich herum und sagt: ״Heißt ’ne Mezic!“ Alle Blicke fliegen entsetzt zum Baron. Da erschallt aufs neue der Flurklingel Ton. Und Mallys Herzenswunsch wird erfüllt: Es ist endlich das Leoiiardo'schc Bild. Man steht herum, tauscht Meinungen aus Und lobt den Geschmack der Frau vom Haus. Herr Stein sagt und tritt bewundernd zurück: ״Der Rahmen allein ist ein wertvolles Stück.“ Vor Freude und Stolz, ist Frau Mally ganz weg Und sagt: ״Mir ist nichts zu teuer für Jack!“ Und dabei lächelt sie hin zum Baron. Da kommt wieder das Unheil von Arousohn: ״So,“ meint er, ״saßen wir auch hier bei Tisch, Und hei uns gab es auch Freitagabendfisch; Auf dem Bild auch genau wie bei Silbermanns ist Unter lauter Juden ein einziger Christ. Nur eines haben wir hier im Kaum Vor׳ denen voraus: ־ den Weilinachtshauni,“ Danach ergreift er seinen Chapeau Und empfiehlt sich schnell und geräuschlos, ••־ -׳ Tableau. daß sich dem Laiulerw( rbe jetzt Schwierigkeiten ent• gcgcnstcilcu, deren Ueherwiiiduug wir allerdings für die Zukunft erhoffen. Es sei auch nicht zu be• fürchten, daß die Steigerung der Üodenwcrte uns bei s|>a1eren Kaufen bindern würde, denn im großen und ganzen (d. h. abgesehen von AusnahimdäTTed) werde für Lund nie mehr gezahlt als es wirklich Werl sei, Drei I Luiptsorgen sind es, die ■uns in bezug auf die Landwirtschaft heule zu beschäftigen haben: Der Ersatz der arabischen Arbeitskräfte durch Juden, dann, speziell von II. Auhagen in letzter Zeit wieder betont, die Heranbildung eines geeigneten laudwirt• sehaftliclieu Nachwuchses, und schließlich die Er• Ziehung der jüdischen I rauen zur Landwirtschaft. -־ Ls dürfe doch niemals verkannt werden, daß, während Rothschild eigentlich mir viel Land augekauft und wenige Kolonisten eingesetzt, während die Chnlukuh Jerusalem lediglich mit jüdischen Bettlern bevölkert habe, wir Zionisten Menschen hiniiliergeliraclit haben, die dort ihre Haut zu Markte tragen, die aus eigener Initiative und mit eigener Willenskraft die Schwierig* keilen einer anfänglichen Kolonisation zu überwinden gesonnen sind. Auf die kulturellen Forderungen Wil* buschewitsehs übergebend, hob auch hier Herr Prof. Warburg die ־־ direkten und indirekten — Verdienste des Zionismus hervor. Be/alcl, Technikum und üytnnasiunt in Jerusalem, Haifa und Jaffa seien ohne das vom Zionismus erregte Interesse für Palästina nicht zu denken und Zionisten seien es stets in erster Reihe gewesen, die sich tun die Schaffung dieser wie vieler anderen kulturellen Institute verdient gemacht haben. ' Ferner dürfe bei der Bewertung zionistischer Ar* beit nicht übersehen werden, dall der Zionismus, aus maimigfacheii grundverschiedenen Tendenzen, darunter auch denen der Chowewe Zion, hervorgcgaiigcn, eine historische S y n t h c s e s c i, die sich jetzt erst nach sehr sc 11 wcrcn Kämpfen vollz 0 g e n hat. Obwohl wir erst seit drei Jahren eigent* lieh in Palästina arbeiten, sind nach der Herrn Prof. Warburg soeben /!!gegangenen letzten Nationalfondsaufsicllnng, von den 2(11(10(10 M. des Nationalfonds bereits 1 7<M (MIO M. in Palästina investiert, so daß die Rcstsumme von nur 852 000 M. beinahe an der Grenze des statutengemäß nicht investierbaren Viertels angelnngt sei. Allerdings sei bei dieser Aufstellung Oelbaumspemle und ähnliches, woiür die statutarische Dreivierlei-Besebränkimg nicht gelte, miteingerecltnet. Andererseits seien wieder große Kapitalien des Jewisli Colonial Trust bei der Anglo-Palestinc Compauy im Lande selbst angelegt, so dall man wohl kaum noch mit Recht von der Zurückhaltung zionistischcr Mittel von Palästina sprechen könnte. ״Unsere Stärke beruht darin," so schloß Prof. War• bürg seine ebenfalls mit großem Beifall nufgcnonimcuett Ausführungen, ״daß die Juden, die im Lande Israel ihr Lehen wirklich finden können, von dort auch nicht wieder abwandern. Wir selbst wollen , daher nicht kolonisieren, wir wollen nur die | Möglichkeit geben, daß Juden dort leben können, durch Erziehung zu Kolonisten und - zur türkischen Staatsbürgerschaft.“ Herr Trietseh brachte ebenfalls ein weit• gehendes Einverständnis mit den Ausführungen des Referenten zum Ausdruck. Freilich hätte er gerade in diesem Falle ein stärkeres Eintreten für die industrielle Kolonisation erwartet. Wilbuschewitschs Zurückhat• hing sei offenbar auf seinen ״großimlustriellen“ Stand* I punkt /urückzuiühren, der ihn verhindere, ״die großen Chanukah Es war einmal nun ja, cs war einmal ein zuj friedenes Volk in einem Lande, von dem es sogar heißt, daß darin Milch und iionig floß. Da kamen Eroberer und jagten es fort nach heldenmütiger Gegenwehr. Und das Volk zog hinaus, in die weite und kalte Welt hinaus, jammernd und frierend -• der ewige Jude. Noch war kein Gras über die Geschichte, wollte sagen über die Trümmerstätte go wachsen, als der l kbw.vtUvw vim: iwmevmbare Sehnsucht nach der verlorenen Scholle spürte, eine Selm• sucht, die überging auf Kinder und Kiiuleskinüer, in viele, viele Geschlechter. Und der Jude kam an viele Haustüren; manche blieb ihm für immer verschlossen, anderswo wieder öffnete ein mürrischer Pförtner und ließ den Unglücklichen ein für recht kurze Zeit. Weiter ging’s, immer weiter. Doch dürft ihr beileibe nicht glauben, daß er einsam wnnderte, im Gegenteil, er besaß sogar zwei Reisegefährten: vor ihm her zog Fama, hinter ihm der Judenhaß.. Generationen verwelkten, ihren Fluch, den Fluch der Heimatlosigkeit und Zerstreuung, auf eine späte Nachkommenseliaft vererbend, vererbend auch die beiden hartnäckigen Gefährten, den Antisemitismus und Frau Fama. Und die Welt war um fast zwei Jahrtausende älter geworden, vielleicht ״. Ivilisiertcr“, jedenfalls aber nicht besser. Noch weinte Hahd mul weint über ihre Kinder, die zerstreuten. Da stand unfein Kämpfer in Juda, ein Prophet der Tat, und er sammelte seine Brüder um das blau-wcille Banner und wollte den