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Jüdische Rundschau · 1911-12-22 · Heft 51-52 (22.12.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 51-52 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 608 Nr. 51/52 JUEDISCH E RUNDSCHAU dazu scheint mir keine Veranlassung vorhanden. Man vergesse nicht, dal) die kulturelle I löchsteiitfullung erst mit der Befreiung der Massen von wirtschnll־ lieber Not möglich sein wird und dal) daher auch die kulturelle Seite mit dieser weiteren Lösung in Zusammenhang stellt. Ein Ueberblick über die bisherigen Leistungen und die zukünftigen Möglichkeiten des Zionismus schlicht das Buch. Kupp in ist in dieser zweiten Auflage Zionist geworden. Er begründet das mit der veränderten Orientierung des Zionismus. Wer selbst Zionist ist und die beiden Auflagen vergleicht, sieht aber, daß das nicht, oder nicht allein richtig ist. Die Aciulerung liegt nicht nur beim Zionismus, sondern hauptsächlich beim Verfasser. Er hat das gegenwärtige Judentum tiefer durchdacht und verarbeitet. Das zeigt sieh in der folgerichtigen Anlage des Buches, welche die Wiedergabe einer geschlossenen, cinheit• liehen Anschauung ist. Und dieses tiefere Eindringen hat ihn mit derselben Notwendigkeit zum Zionismus geführt, die, wie wir wissen, alle zu Zionisten machen wird, welche die Frage des Judentums ganz verstanden haben und bejahend beantworten wollen. So bietet das Buch iu seiner neuen Gestalt mehr, als es früher war: es legt seinem Leser nicht nur die Rätsel des jüdischen Lebens in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit vor, es weist ihm auch einen Weg, sic zu lösen. Die Mädclienfarni in Kineretli Frau Rechtsanwalt Lcszynsky, die Vorsitzende des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, stellt uns den folgenden inlercssantcn Bericht zur Verfügung: Kineretli, 2b. Oktober 1011. Werte Frau Rechtsanwalt! Es wurde mir vom Palistinaamt mitgcteilt, dab Sie einen Bericht über die Resultate unserer' Arbeit in Kineretli haben wollen. Ich will gerne das zusammenfassen, worüber ich in meinen früheren Berichten Ihnen schon geschrieben habe. Wir liatleu die Aufgabe, erwachsene jüdische Mädchen, die eine Neigung zum Dorflehcn haben, die im Milieu unserer Kolonisten mul Agrararbviter lebet! und wirken wollten, für diese Arbeit aiis/u bilden. Nun waren alter gerade die Fächer, die in der Landwirtschaft der Frau gehören, bis jetzt ganz vernachlässigt v/orden. Unsere Kolonisten haben sieh bis jetzt in Galiläa weder mit Gemüsebau, noch mit Geflügelzucht, Milchwirtschaft «Hier Planlation beschäfiigt. Wir, die Juden, haben hier im Lande, besonders in (ialiläa, fast keine, Erfahrung aul diesem 'Gebiete. Wir müssen zuerst die zum Gedeihen der Pflanzen und des Geflügels nötigen Bedingungen herausfinden und seltalfen und die Bedingungen dt s arabischen Marktes kennen lernen. Wir müssen somi, mit unserer rein erzieherischen Aufgabe noch eine, nämlich die Entwicklung der obengenannten Fächer, verbinden. Es sind ja leider beide Aufgaben solche״ Art, dal! ilire Resultate nur langsam sielt merke :1 lassen. Außerdem fanden wir in Kineretli weder, guten Garteuhoden, noch ciugcortlncte ttml ohne Störungen funktionierende Bewässerungsanlagen. Der Hoden wird erst im Laufe einiger Jahre durch das beständige Bearbeiten zu gutem üarlenbotlen. Die IUwässorungsanh gen wurden erst jetzt beendigt. Wir hatten somit v.ele Schwierigkeiten bei unserer Arbeit. Wir werden mit denselben Schwierigkeilen noch im näehslen Jahre und wahrscheinlich noch ein paar Dagegen das Firmenschild lautet noch so: Jacob SiIhe r man u , Leder eit gros. Seit Wochen schon, komm' ich zu ihnen heraus, Ist Frau Mally Silbermann niemals zu Haus, Und das neue Mädchen (zum Januar zieht's) Sagt: ״Gnä׳ Frau macht Wcihnachtscinküufc bei Tietz.“ Und geh׳ ich am Kinderzimmer vorbei, Erhebt sich da drinnen ein großes Geschrei. Hans, Joachim, Hilde und Annemarie Springen auf und stürzen zur Jalousie Und verdunkeln das Zimmer, und in den Ecken Versuchen s*c irgend etwas zu verstecken, Und die alte Großmutter Silbcrmaim Sicht das blasse Anncmaricchcn an Und sagt, das Kind tu׳ ihr Sorge bereiten: ״Es macht nebbich Wcihnuchtshnndarbcitcn!“ Dann überhört sie' zum hundertsten Mal! Hans-Joachim den schwierigen Weilmachtschoral: ״Aber, Achim, du weißt doch, das nächste •ist: Du lieber, frommer, heil'ger Christ!“ Nun ist die Wcihnachtsbescherung nah, Die Großeltern Silbermann sind schon da, Und außerdem lud man wie immer ein Mallyg Schwester und Schwager, den Rechtsanwalt, .. ״ Stein, Und zu mir sagte Jack, weil das alter Brauch: ״Dich erwarten wir selbstverständlich auch!“ Doch außerdem gibt's eine Sensation, . Denn Mally erwartet den Baron, Jahre später zu rechnen hahen. Das sind aber Scltwierigkeiien, mit denen wir überall zu rechnen hätten, wo wir auch augefangen hätten. Wir sind ja hier Pioniere auf Schritt und Tritt. Niemand hat etwas für uns vorbereitet, wir müssen alles selbst mit vieler Miilie schaffen. Wegen 41er obengenannten Schwierigkeiten hatten wir int Sommer ein verhältnismäßig-kleines Gemüsefehl; wir hatten Gurken, Tomaten mul Eierfrüchte. Seitdem die Mädchen in Kineretli sind, haben sie selbstverständlich allein das Gemüsefeld bearbeitet. Die Mädchen haben auch die Oliveiib.iuiuse'itile gepflegt, die Däumchen veredelt, beschnitten, den Boden zwischen den Bäumchen gelockert tisw., auch eine ganz kleine Limonen- und Pfcffcrhäuuichcnschulc ge• pflegt. Seit ein paar Monaten, seitdem wir eine Wasserleitung im Hofe haben, hahen wir auch hier iH'iin I lause eine kleine, alter sehr nette Schule von verschiedenen Zicrbätmicn angelegt. Die Mädchen beschäftigen sielt auch ein wenig mit Konservierung. Wir haben einen Teil der Gurken, Tomaten und Eierfrüchte (Aubergines) eingemacht (gesäuert), die Eierfrüchte haben wir auch teilweise getrocknet. Das Eimnaelien der. Gemüse ist gut gelungen: dieselben werden sehr gern gekauft. Ich halte es für wichtig, daß die Kolonisten- und Arbeiter- (rau nicht mir den Gemüsebau treibe, sondern es auch versteht, das Gemüse für eine Saison, wo es nicht leicht zu hallen ist, aufztibewahren. Abwechselnd war eines der Mädchen immer im Hofe, besorgte das Geflügel und die Kühe. Manche der Mädchen ,mußten das Melken der Külte erst leritett. Die Mädchen waren auch abwechselnd alle fast die ganze Zeit in der Arbeilerbriiche beschäftigt. Sie haben auch für die Arbeiter genäht und geflickt. Die Tage, an denen die Mädchen in der Arbeiterkticlie oder mit Nähen beschäftigt waren, wurden ihnen von der Farm gänzlich abgerechnet, da sie in diesen Tagen von den Arbeitern, für die sie gekocht, oder auf Bestellung genäht hatten, einen Lolin von 2 Frs, täglich erhielten. Die Mädchen waschen ihre Wäsche selbst. Am liebsten arbeiten sie auf dem Ueuüisefclde und in der Baumschule. In der Küche arbeiten sie ungern, sie betrachten es als eine sehr unangenehme Pflicht, die sie erfüllen müssen, wenn sie hier bleiben wollen, obwohl sie in der Küche den höchsten Lohn, nämlich ölt Frs. per Monat bekommen. (Sonst verdienen die Mädchen hier 1 10׳jt) Frs. per Monat.) Das Arbeiten iu Kineielli hat all diesen Mädchen sehr , gilt getan, Sie Italien es alle gelernt, einen (ieiniisegai len an/ulegen, ein Bäumchen zu pflegen, vor einer Kuh keine Angst zu halten, sie zu pflegen und ruhig und geschickt zu ’melken. Sie haben fiir all diese Arbeit so viel l iebe und Interesse, dall sie cs kaum versäumen werden, einen Gemüsegarten für den Selhsthedai 1' anzulegeii, oder eine Kult zu pflegen, falls sie es nötig haben werden. interessant war es mir, zuztihöreii, wie die Mädchen, die während der Ferientage einen Spaziergang nach Judäa gemacht haben, mir über die Art Uno Weise, wie in Judäa im Gemüsebau und in den Baumschulen gearbeitet wird, erzählt haben. Nie habe ich so viel Interesse und Aufmerksamkeit für die Natur und die Kultur der Pflanzen bei einem jüdischen Mädchen gesehen. Ich hoffe, dieser Winter wird den Mädchen sehr zugute kommen. Wir werden ein geordnetes und mannigfaltigeres Gemüsefeld haben. Wir werden dahin streben, es möglichst sauber und musterhaft zu bearbeiten. Unsere Baumschule wird auch viel größer werden. Im Winter ist der Arbeitstag viel kleiner, die Zahl der freien Abendstunden viel größer, deshalb habe ich jetzt einen nbcmllielieu tlico* ictischeii l filtert׳iclit cingeführi. Dreimal in der Woche halte ich vor den Mädchen eine Vorlesung Der sie im Sommer bis Basel gebracht Und der neulich Visite bei ihnen gemacht. *Er ist nämlich ganz fremd in Berlin ,und allein, Drum lud hh ihn mit zur Bescherung ein." Und als passende Nachbarin für den Baron Die Klavierlehrerill, ein Fräulein von . ... ., Wie mir Mally versichert im Flüsterton: ״Offizierstochter! sehr destiiiguierte PersonI“ — Die Tische sind schon fertig bereitet, Die Weihnachtsgeschenke drauf ausgebreitet, Und vom Tannenhauin leuchtet der Märchcnschimmcr Der elektrischen Glühbirnen traulich durchs Zimmer. Nur Mally is1 41er Verzweiflung nah, Ihre (iahe für Jack ist mich immer nicht da. ״Es ist nämlich ein Meisterwerk“, sagt sie, ״Von da Vincis Abendmahl eine Kopie.“ Da schrillt laut durch das Haus der Entreeklingcl Ton: Schweigen. Spannung. Es ist der Baron! Nachdem im Salon mau sieh eilig gruppiert, Wird ein sehlott'riges Männchen hereiugefültrt, Mit Monokel im Auge mul Jammerfigur Und 'ner semmelblonden Sardelleufrisur. Die Hausfrau springt auf: ,,Nein, wie reizend von . Ihnen!“ Und alles begrüßt ihn mit strahlenden Mienen Und beobachtet atemlos und gespannt, Wie er Mally küßt auf die fleischige Hand: ״Er halt’ ihr so gerne - äh — Blumen gebracht, ן Aber die Läden - äh hätten schon zugemacht.“ (Ich seh' auf die Uhr. zwei Minuten vor Acht!) über die Natur der Pflaiizenwesen und dreimal in der Woche wird den Mädchen Unterricht im Zu• schneiden erteilt. Am Samstag machen wir Spazier* gängc in die Umgebung, 111a11eh1n.il besuchen wir die arabischen Garten, um womöglich etwas von ihnen zu leinen. Im Sommer war es der großen I lit/c wegen nicht möglich. Wir haben jetzt m der Farm ein großes, schönes und sehr bequemes Zimmer. Ich werde diesen Winter bis 10 Mädchen beschäftigen, von denen b einen Zuschuß vom Fraueiivcrbaiul erhalten, 2 arbeiten auf Rechnung der Arbeiterküche timt 2 aut Rechnung der Baumschule, deren Aus• läge gänzlich von der Farm gedeckt werden. In den Regentagen werden die Mädchen nähen. Wir werden somit diesen Winter etwas günstigere Bedingungen haben wie im letzten Sommer. Dennoch werden uns noch immer Störungen und Schwierigkeilen auf unserem Wege begegnen. Aller so eine Arbeit wie die Mädchen farm läßt sieh doch nie mit kleinen Mitteln auf einmal gut ciiiordncu. Iloffentlieh kommen wir einmal, wenn auch langsnm vorwärtsselireiteud, zum gewünschten Ideal. Es gehört dazu Geduld und Ausdauer, besonders wenn wir int heiligen Land zu arbeiten wünschen. Mit!testen Grüßen I focbachtungsvoll C11 a n a M a i s c I. Palästina-Reise-Gesellscliaft In der letzten Sitzung des A, C. hat Herr Prof. W a r b u rg auf die Wichtigkeit zionistischer Palästina• reisen hingewiesen. Die Palästina-Reisegesellschaft in Hamburg erläßt gerade jetzt folgenden Aufruf: Gesinnungsgenossen I Nicht mit einer Bitte, mit einem Geschenk komtuen wir beute zu Euch. Nicht jedem ist es vergönnt, im Land unserer yälcr zu wohnen. So sollt Ihr wenigstens als Reisende beute kennen lernen, was dereinst, so hoffen wir, die bleibende Stätte unseres Volkes sein wird. Als Kundschafter gleichsam senden wir Euch vor• aus. Den Boden der Heimat sollt Ihr mit Euren Füßen berühren, um Kraft zum Harren, zum Kampf und Sieg daraus zu ziehen. Der heitere Himmel, der sieb gleich einem weit gebreiteten, schimmernden Zelt über Ercz Israel spannt, das sonnenhelle Land, das von den Geschicken, dem Lehen und Sterben unserer Väter Widerhall(, das Werk der Brüder, die als Pioniere des Kampfes um das Erbe Judas das Brachland bebauten und es von Milch und Honig fließen machten, die Uralten Städte aul den Höhen, die Gräber unserer großen Toten 111 den Sieiiiklüften, der ewige Geist Israels, der über seinen ITurcn mul Wassern schwebt, sie alle warten Eurer und verheißen Euch das Glücksgefühl der l leiiiikehreuden. Zuversicht und Willen sind viel; wer d״• lebendige Anschauung dazu gewinnt, ist tmver>vundbar. Unsere Palastiiia-Rciegessellscliaft, e. V., in Ham• bürg (Adr. für Zusehriffen Dr. A. Clnvoües, Hamburg• Bahrcufehl, Mnznrtstrnllc )1) gibt Euch die Möglichkei1, um den jährlichen Mitgliedsbcitrag von 10 M. nach Erez Israel zu reisen und wiederkelireml dem Gedanken der Erneuerung des jüdischen Volkes neue Freunde zu werben. Tretet unserer Gesellschaft bei! Der Zionismus wird es Euch danken! Palästina-Reise•(icsellsehaft, e. V., in Hamburg. R.-A. Dr. Bruno Tn n!1 e n w a I d , Vorsitzender: Dr. A. Ghwollcs, Leopold Landau. Die Partei!!),älter werden um Abdruck ersticht. Dann stellt mau die übrigen (Liste ihm vor, Und er dienert wie ein geknicktes Rohr, Und da 1mm unmöglich doch den Baron Bekaimtmachen kann mit Fräulein Colin, Nennt Mälly ans!,111־ meines Namens ihm Mein minder belastendes Pseudonym. Nim setzt sich das Fräulein und spielt: Stille Nacht! Und die Kinder werden hereingebrachl, Dann gleich einer Henne mit ihren Küken — Kommt die Köchin mit den drei Domestiken, Und zum Schluß erscheint mit Otto und Süsel Der Portier und duftet wie immer nach Fusel. Nun gebt alles in seinem gewohnten Gang: Mau nimmt seine Gaben in Empfang, Der Junge das Luftschiff, das laufende Pferd Und Annemarie den elektrischen Herd, Vetter Jack kriegt zur Auswahl drei Ellzimmergongs Und die Hausfrau von Friedländer Perlcnboutons, Hans-Joachim singt seinen Weihnaehtselioral, Das Portierskind ruft zweimal den ersten Vokal, Das Fräulein spielt: Fröhliche WeihnachtszeitI Die Köchin prüft kritisch den Stoff zu dem Kleid, Und Luise sagt leise zur Jungfer: Marie Hätte wieder viel mehr bekommen als sie, Obgleich auch fiir die, die am Ersten gellt. Ein reich beladener Tisch dastellt. Das Hausmädchen küßt Frau Mally die Hand, Der Baron grinst sie an und murmelt: ״Charmant!“ Und - ״daß er nicht völlig leer ausgeh׳“ — Kriegt er zwei Kistchcn Upmun und Henry Clay, Dann sagen die Kinder gute Nacht ...

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