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Jüdische Rundschau · 1911-12-15 · Heft 50 (15.12.1911) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 506 Nr. 50 Lebens- und Denkweise gründlich zuwider. Von der innen! Macht des Judentums als Kuihirgiöße hatte ei keine Ahnung. Die jüdischen Assimilanten hatten ebenfalls sehr wellig Sinn für das Wesen ihrer Nationalität. Alles Fremde schien ihnen herrlich und verlockend; altes Eigene abgeschmackt und veraltet. Natürlich konnten sie nur, da sie Antiochcs nahestandeii, ihn in seiner Ueberzcugung bestärken. Neben seiner Ueberzeugung war das entscheidende Moment bei ihm, daß er allezeit recht viel Geld nötig hatte, und deshalb konnte inan mit ücld viel bei ihm ausrichtcn. Darauf halte auch Jason, der Bruder des 1 lohepriesters Onias, als er selbst nach der Hohepriestervviirdc strebte, gebaut. Das war einer der jüdischen üriechlingc. Er baute ein Gymnasium in Jerusalem, am Fülle der Burg, und dein Volke war es ein arger Skandal, daß die pricsterliehe Jugend sich dort nackt sehen ließ. Bald aber fand Jason einen neuen Nebenbuhler in Menclaos, dem Bruder jenes Tempelwächters Simon, der den jernsa- Icmitischen Schatz verraten. Dieser bot dem König noch mehr Geld und brachte es dadurch richtig zur Ernennung zum Hohenpriester. Er trieb es noch wüster als Jason mit der Hellenesicrung Judäas. Das nationale Judentum lag ganz darnieder. Grolle Kämpfe hatte die jüdische Nation vor Jahrhunderten gegen die Assyrier und Baby- Ionier ,ausgefochten, und nach dem Siege dieser letztem, nach der Zerstörung des ersten Tcmpels, schien es, als ob das jüdische Volk ganzlieh unterjocht wäre. Aber der vornehmste Teil des Volkes, trotzdem jede Hoffnung früher schon aufgegeben war (״Abdah tikwatonu“), kehrte doch nach Palästina zurück, und trotz der vielen Regierungen und Völker, denen unser Volk mehr oder weniger unterworfen ward, konnte auf die Dauer dem jüdischen Volke nicht fremder Eiiifluli aufgedrückt werden. Wenn auch Herrscher fremder Stämme die Geschicke des jüdischen Volkes lenkten, das Volk blieb sieh doch treu und verstand es, seine Freiheit unter maiinigfachen Weeliselfüllen zu behaupten und fortzubilden. Die Freiheit des jüdischen Volkes ruhte hauptsächlich in der Thora. Das war das Volksrecht.״) Es war keine Religion im landläufigen Sinne dieses Wortes; es war eine Verfassung für das öffentliche, für das Familien- und das Privatleben. Als Fremde zur Herrschaft gelangt waren, da erhielt diese Verfassung einen gewattigen Stoll, und es ist in der Geschichte der Freiheit kein anderes Beispiel vorhanden wie dieses, dall ein unterjochtes Volk, trotz der ärgsten Bedrückung, sich dennoch seine gehetligten Rechte nicht nur zu erhalten, sondern diese sogar im ulten Geiste fortzubiUlen verstanden und mit der grollten Eifersucht und Zähigkeit dem Einflüsse des Siegers fortgesetzten Widerstand geleistet hat, um schließlich in seinem Lande U11J nach seiner Thora, die auch seine Verfassung enthielt, frei zu leben. Dieses Volk hatte keine Leibeigenschaft oder Hörigkeit, es hatte niemals bevorzugte Klassen. Das Volkstum au und für sich adelte schon; jeder Jude war dem andern gleich. Die Fainilienreinheit war das höchste Ideal des Lebens. Die soziale Gesetzgebung war so gerecht und bis zu einem so holten Grade von der Nächstenliebe durchdrungen, wie ihn die Kultur der Neuzeit bei weitem noch nicht erreicht hat, geschweige denn die alte Kultur der Griechen und der Römer, von denen erstcre in der Kunst und letztere in den Legionen die höchste Begabung ans Licht gefördert hatten. Das sind zwei grolle Gebiete, auf denen die Juden sehr wenig galten, sehr viel von obigen beiden Völkern lernen konnten und auch gelernt hätten, würde nicht die Epoche Alexanders des Grollen, die Epoche der gegenseitigen Belehrung von der traurigen Epoche des Epiphancs, d. 11. •von der Assimilation, der Vernichtung, dem Ucbcrhnnd* nehmen fremder Sitte abgclöst worden sein. Das Traurige ksun aber, Recht und Gerechtigkeit wichen dem allgemeinen Mißtrauen und der Furcht. Niemals hat Unrecht und Knechtschaft r •? wic Schürer (Qcsch. d. j. Volkes, S. töü) behauptet! Kultusgeictz. , , , , .JU ED IS CHE RUNDSCHAU Pon Arthur Sllbcrflldt. Du aber bist der reinste Töncr, Der alle (taufenspido weiht, Du nahst als seligster Versöhner 3n deinem wcl(׳,mt Weilte n!dcid Und sdicnksf als Krünzer und als Kröner Uns deiner Sonnen Berrüdikclt. Durdiwärme mldt mit deiner-Gnade Und komm aus deinem hohen Haus. 3dt trage dir die Bundeslade 1I1H Ihrem Silberschild uordus, Und geh׳ als Priester deine Pfade Durch Ccmpel, die dein Augenschmaus. 3d1 gebe dir aus rndnem־ Kruge Den lebten Crunk und kcbcnsbadi; 3dt zieh’ In deinem Pligcratgc, Bis meine püfjc schwank und sdtwach Und rausch' dir nadt im Sdtwlngenfluge Wie eine üerdte jaudtzend, jach. 3dt nah' dir rasdter, als. ein Panter י '',. Auf seine Beule stürzt voll Gier. Illein ßerz sdtwlngt stärker, und gespannter Wie eine Engclsharfc dir. . Als Ictjtcr irdischer Gesandter. Küss’ idt dein Sternengoldpanier. ׳ « י 3dt bin dein Knecht, doch du mein König, 3dt Kranker, du die Orzenei, 3d1 kldngearm, du tausendtönig,־ 3dt Birtcnllcd, doch du Sdialmai, Du Adter, ich dein Pflug, dir fröhnlg, Du bist der Horst, dodi idi dein Weih. Du bist der Curm, doch ich dein Cflrmer, Die Steppe du, der Windstoß Ich, Du bist das Uleer, idt dein Bestürmer, 3d! bin dein Strahl, du ßimmelssirkh, 3d1 bin dein Caudicr, da mein Schirmer,, 3n Tiefen sdiwurz und schaucrildi. ‘, * Du bist das Bergwerk, ich dein Schürfer׳ Und Diener deinem Diadem, ׳ Du bist da» Brot, ich dein Bcdürfer, 3dt üausdier, du mein Baalsdiem, Du bist der Wein; doch Idt dein Schlürfer, 3dt Pilger, du 3erusalem. Seraphisdt wollen psalmodieren Dldt Sonnen, selig, uoll Gesang, Vcrzüdtte kerchen tirilieren Dein Wort hodt über Strom und Bang. 3cdweder Con oon HUnsch und Cioren Preist dldt im Subelübersdtwang. so unverschämt und grausam gewaltet wic daniais. Und da begann cs sich mächtig im Lande zu regen. Epiphnnes# grauenhafte ücwalthcrr* schaft hat die Geister entzündet. Das alte Hcbräerblut kochte auf im unbändigen Frcihcitsdränge. Und da erschien ein einfacher Mann aus dem Volke, ein Vertreter jenes Standes, dessen Spitzen der Assimilation und dem Verrat verfallen waren, nämlich des Priesterstandes, der alte Matathiah, als strafender Rachegeist und zertrümmerte mit Gewalt die Ketten der Knecht* schaft! Er rief aus: ״Wehe mir! Warum ward ich geboren, um das Verderben der heiligen Stadt zu sehen? Das Heiligtum ist in den Händen der Fremden und von, ihnen entweiht und ausgeraubt; . Greise und Jünglinge sind durchs Schwert getötet; unser Volk ist zuin Sklaven erniedrigt — wozu sollen wir noch leben?“ — Alles, wovon das Herz des Greises schmerzlich überfüllt war — heiße Liebe, tiefer Gram, lngrimm wider sich selbst, übergewaltiges Selbstbewußtscin — alles raffte er in diesem Titanenruf zusammen. Aber über den Fluten seiner Leidenschaft schwebte der Geist, wachend, ordneud, das Unbändige bändigend. Seine beidenmütigen Söhne mit Juda an der Spitze stritten mit einem so hohen Sinn, und mit so edlem Opfermut für Volksrechte und nationale Unabhängigkeit, daß das Blatt der niakkahäischcn Kämpfe eines der ruhmreichsten nicht nur jn der Geschichte unseres Volkes, sondern auch in ,der Geschichte der ganzen Menschheit bleibt. Auf dem Wege, welchen die Menschheit zu den heutigen Fortschritten der Freiheit genommen, hat das jüdische Volk unzweifelhaft schöne Denk• mäler!unterlassen. Die meisten freiheitlichen Errungenschaften aber hesall die erste Epoche der Makkabäer. Deshalb feiern wir Chanukkal! mit einer so hohen Begeisterung. Wir begreifen nicht, wie jüdische Assimilautcn dies Fest feiern können. Sie müßten es eigentlich in Faste!!, und Trauertage umwamlelii. Weil dies nicht gut möglich ist, bemühen sie sich, diesem Teste eine ganz andere Bedeutung zu geben, seinen natürlichen Charakter zu verwischen und seinen Sinn zu verallgemeinern. Für uns Nationaljmlcn ist Clianukkali das Nationalfest, nicht in kriegerischer, sondern in friedlicher Bedeutung. Es ist der Einweihung des Tempels gewidmet, abci nicht des Tempels der Jason und der Menclaos, sondern dys Tempels der jüdischen Nation mit ihren hebräischen Liedern und Gebeten und ihren national-historischen Erinnerungen. Auch das heutige Clianukkali gehört nicht in die Tempel der modernen Jason und Menelaos, sondern in die jüdischen Synagogen, in die jüdischen Häuser und in die jüdischen -- Herzen. Man nehme doch unsere Makkabäer nicht etwa für ״alle• gorischo“ Figuren, man versuche nicht zu ״deuten'4. Alles Unausgesprochene, ja Uiiaussprcchiiclie, das in der Seele und um die Seele weht, hat in ihnen Antlitz und Gestalt und damit freie selbständige Bewegung gewonnen, die allen begrifflichen Auslegungen Holm• spricht. Die Makkabüerepoehe war ein Aufwärt'•, eine Jugend, ein Aufschwung der Kraft über die irdisehen Niederungen, mit dem Auge gegen die Sonne gerichtet. Das war das denkbar Kühnste und Beflügeltste in der jüdischen Geschichte und das bleibt für ewige Zeilen ein Vorbild fü. alle Wahrhaft - Selbstlosen, (ilaubensvoll - Schwärme• rischen, oder auch Irdiscii-Tapfern, die unsere Scharen zum Siege führen können auf der Arena des Kampfes oder auf dem Arbcitsfcldc de Fricdens •ל die Makkabäer! N. S. Chanukahgedanken Moaus zur jescliuosi: Sieghaft trotzig klingt die alte Melodie durch die Jahrtausende. Wer sie er• (linden? Niemand weiß cs. Mau könnte fast meinen, daß es ein Atann gewesen sei, der mit dem Schwerte ebensogut umziigchcn wußte als mit der Leier, so etwa ein Sänger nach Art der alten germanischen Harden, die Kriegcsrulun und Sieg in ihren Liedern kündend über die Schlachtfelder schritten. Vielleicht war es gar einer der Hasmoniicr selbst, vielleicht ent• stand der Sang auf den Gefilden von Emaus und ßeth Zur. Wenig jüdisch klingt das eben Gesagte, denn ein Kriegsvolk ist Israel nie gewesen und die Tust ain Kampf, wie sie wohl den alten Germanen i״»e• wohnte, hat es nie besessen. Und doch, ich kann mir nicht helfenl Ich habe das. Lied einmal aus vielen Hunderten von Miiimerkehleu gehört. Ich schloß die Augen und da war es Mir, als boiäiulc ich mich auf einem weifen Hlachfelde nach bill iger Schlacht, da war es mir, als rauschten in den L ilien die alten Mnkkahiicrfahncn und ein ganzes Volk r.«;;c seinem Gotte Breis lind Dank ■für errungenen S'eg. Ja, stolz und gewaltig ist die Melodie der < I *• nukahhynme. Sie vereint sich mit dein Inhalt 11.1• monisch zu einem schönen Ganzen. Der Inhalt kün.M von dankbarer Hingebung an den König Israels, d r .aus Not und Erniedrigung sein Vdlk befreit. Trotzig aber sagt die Melodie: Wir Juden waren auch ein• mal Sieger über einen mächtigen Feind und habe׳! ihn niedergerungen. Und noch etwas anderes sagt die Melodie, nämlich: Wir Juden sind noch da, trotz• alledem und alledem, und wir sind noch nicht ge• neigt, abzudnnken. denn wir sind die Nachkommen Mattijahus, der nicht verzagte, als alles umher wankte; wir-sind die Erben Juda Makabis, der durch Not und Drang Israels Ranier zum Sieg führte. Das• selbe sagen auch die Lichter, die alljährlich an un• seren Fenstern brennen. Sie sind nicht nur eine Erinnerung an das Oelwundcr im Tempel, sie sind ein Ersatz für die Freudenfeuer, die einst auf Judiias Bergen brannten, als der Feind nach langem Ringen aus dem Laude geworfen. Was dem Deutschen das Andenken •an die Bc* freiungskriege, das ist uns das Fest, das־ wir feiern, wenn die Winterstürme brausen, ein wahres National* I 11 :! I , j ן I! 1 | » 1 ) i ‘ י

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