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Jüdische Rundschau · 1911-12-15 · Heft 50 (15.12.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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# l 4Jr ...׳ י ) \ ר j! * 1 mmmJ ilW k*»* * יי• » ך4 S.־׳ ״־ די׳ Lj L*.^7 U ü V. J U Di«; Erhebung der Makkabäer bedeutet den Höhepunkt jenes Konfliktes, der dem nach• exilischeu J udeiitumeinmni erwachsen mußte1 und schon jahrzehntelang vor dem Auftreten des Juda Makkabiius sich hingezogen batte, nämlich des Konflikts zwischen Judentum und Griechentum, der das interessanteste Problem der jüdischen Geschichte jener Epoche bildet. Dieser Konflikt geht zurück bis auf das Jahr 333 vor der christlichen Zeitrechnung, wo Alexander der Große durch die Schlacht bei Psos die Herrschaft über Vorderasien gewann. Bis dahin, und zwar seit dem Jahre 538, da Kyros die Hauptstadt des babylonischen Reiches erobert hatte, waren die Perserkönige die politischcn Oberherren Palästinas gewesen; jetzt wurden es mazedonisch-griechische Herrscher, aber der Systemwechsel war nicht nur ein äußerlicher, sondern von jetzt ab griff die Oberherrschaft auch auf das Gebiet des Kultus und des geistigen Lebens über. Als Alexander Asien eroberte, wollte er keineswegs die orientalische Kultur vernichten, sondern er wollte sie mit griechischem (ieiste durchdringen und dadurch den Grund legen zu einem geistigen Weltbürgertum. Das Produkt dieser Bestrebungen war der sogenannte Hellenisnnis. Und mit dieser Kulturgrößc mußte das Judentum sich jedenfalls einmal auseinandersclzen. Ueber die Gestaltung der Dinge beim ersten Aufeinandertreffen dieser Kulturströimmgen sind wir sehr schwach unterrichtet; erst für die spätere Zeit erwächst uns ausreichende Kunde aus den Geschichtswerken des Zeitalters. Nach Alexanders Tod rangen seine Feldherren und Staatsmänner, die sögenannten Diadochen, in mörderischen Schlnchteu um die Nachfolge im Reiche und zerrissen dasselbe schließlich in eine Reihe größerer und kleinerer Eiuzelstnaten. Zwei der neu entstandenen Sonderreiche wurden maßgebend für die weitere Entwicklung des Judentums, das von Ptolcmaios I. gegründete ägyptische Reich und das von Seleukos I. aus weit gedehnten Ländern zusammengebrachtc syrische Reich, zwischen welchen beiden Palästina, seiner geographischen Lage nach, der natiirliehe Zankapfel werden mußte. Zuerst erlangte das Ptolcmäcrrcich die Oberherrschaft über Judäa, und so blieb es bis' zum Jahre 108. Für das Judentum war das eine Zeit des Friedens, denn die Herrscher mischt.*n sich in die.nationalen Angelegenheiten des jüdisciicn Volkes nicht ein. Die Juden befreundeten sich sogar so mit der herrschenden Macht, daß ■viele von ihnen direkt in deren Land übersiedelten; in ganz Aegypten und in erster Linie in der Hauptstadt Alexandria gab es starke jüdische Kolonien. So wuchs die schon bestehende jüdische Diaspora noch mehr heran, und diese wuchs in das griechische Wesen völlig hinein. Von ihr gingen auch Rückwirkungen auf die Metropole, d. h. auf Palästina aus, so daß auch diese bis zu einem gewissen Grade dem Hellenismus verfiel, griechische Gedanken bis ins innerste Mark des Judentums vordrangen.*) Indessen darf man doch diese Erscheinung nicht für umfangreicher auf fassen, als sie in Wirkiichkeit war. Zwar nahmen viele Juden mit der feineren griechischen Bildung in Kunst und Wissenschaft auch die griechische Weichlichkeit und Genußsucht, sowie die hieraus stammende Leichtfertigkeit in sittlichen Dingen an. Gewissenhafte und nachdenkende Juden hingegen bewunderten den geistigen Reichtum in den Schriften so mancher edein griechischen Weltweisen, namentlich eines Plato und Aristoteles. In dein erwähnten Jahre 198 vor der Christliehen Zeitrechnung sandte Antioches III., beige- *) Vgl. Freudcnthal: Alexander Polyhistor (1875) S. 127—129, I nannt der Grolle, der sechste unter den sclcukidi•' scheu Herrschern Syriens, ein Heer nach Paläsfma, welches an den Quellen des Jordans die Aegypter schlug, so daß infolgedessen Palästina fortab unter syrischer Oberhoheit stand. Anlioches!11. ist derselbe syrische König, der uns aus der Geschichte bekannt ist durch seine l läiidel mit den Römern und durch die im Jahre 19t) gegen diese ־ erlittene Niederlage bei Magnesia. Eine der Hauptbedingungen, welche in dem damals geschlossenen Frieden der Sieger Scipio dein besiegten Antioches auferlegte, war die Zahlung einer großen Kriegsentschädigung. Um die benötigten Summen aufzubringen, mußte der König alle Mittel seines Reiches flüssig machen. So versprach er sich z. B. große Beute von der Plünderung eines Tempels im r V t ו V. f'■ r V - I JCsJSScawci» tlkr*scr;cs» Von E. M. Lilien*)• Osten seines Reiches (Sonnentempel in Elymais), wurde aber dabei erschlagen. Er hinterließ zwei Söhne: der jüngere, Antiochos Epiphanes, war als Geisel nach Rom geliefert worden, der ältere, Seleukos V., Philopater, folgte 187 v. Chr. dem Vater auf den Thron. Unter dem Erbe, welches Seleukos von seinem Vater übernahm, befand sich vor allem 'auch noch die große Zahlmigs- Verpflichtung gegenüber den Römern. Um ihr nachzukominen, trieb Seleukos Geld auf,' wie und wo er nur konnte, so auch auf Kosten der Juden. Es war die Schuld der jüdischen Assimilanten jener Zeit, den König auf die reichen Schätze des Tempels zu Jerusalem aufmerksam gemacht zu haben. Die Assimilantcn, die seit jeher auf den Schein sehr viel zu geben pflegten und ein Paradejudeutum förderten, damit es den Leuten imponiere, hatten immer sehr viel mit dem Tempel zu tun und sorgten dafür, das Priestertum unter ihren Einfluß zu stellen. ' *) Der Künstler hat dem Jüdischen Turnverein Bar Kochb.1, Berlin, die Originalradierung für seine Makknbnerfeier am 21. Dezember 1911 freundlichst zur Verfügung gestellt. Es sei auch an dieser Stelle auf das Fest hingewiesen, tun dessen Vorbereitung sich die besten Kräfte der Berliner jüdischen Künstlerschuft verdient gemacht haben. | Ein Tcmpelwächter namens Simon, welcher in 1 Streit mit dem Hohenpriester Onias Hl. geraten war, verriet dem König die ergiebige Goldipielle. Selenkos schickte schleunigst den Feldhcrni lleliodoros, welcher den Tempel plünderte und dabei die Gefühle des jüdischen Volkes aufs tiefste verletzte. Die Wut des Volkes bat sich mit der Zeit verdichtet zu der Erzählung jenes wunderbaren göttlichen Strafgerichts über Heliodar, welches wir im zweiten Buch der Makkabiier, Kapitel 3, aufgezeiclmet finden. Palästina bot das Bild einerseits so anhaltender, unermüdlicher und unerbittlicher Grausamkeit des Tyrannen, anderseits so unbegrenzter Aufopferung des Volkes mul so zäher Ausdauer,.wie sie nirgern! und niemals in der Geschichte ihresgleichen haben. Die Geschichte des jüdischen Martyriums umfaßte schon damals viele Geschlechter und ך־ eine Unzahl Opfer. Blutige Szenen spielten j sich auf allen Gebieten des Landes ab. Das i Makkabiierbucli enthält nur einige kleine Züge j dieses ungeheuren Bildes, einige vereinzelte | Vorgänge aus der Zeit <ler Antiochiscben Ver- l folgung. | im Jahre 175 kam Seleukos IV, durch die i Hand eines Mörders um. Der Feldherr Heliodoros machte sich Hoffnung, seihst die Herrscliaft erringen zu können, wurde aber daran gehindert durch den legitimen Thronfolger Antiochos IV., Epiphanes. Dieser nämlich war aus der Gciselstelhmg in Rom befreit worden durch Austausch gegen seinen Neffen Deine- 1 trios, den Sohn des Königs Seleukos IV., mul hielt sich zu dieser Zeit in Athen auf. Vom Tode des Bruders hörend kam er jetzt nach Asien und bestieg den Thron. Dieser Antiochos (״ha Rascha — der Bösewiehl“) ist für das jüdische Volk höchst verhängnisvoll geworden, denn er führte den Ausoiiianderset/imgspro/eß zwischen den beiden Kulturriehtimgcu zu einer akuten Schärfe. Der Zusammenstoß ließ sich nicht länger auflialteii. Epiphanes war ein Mann voll seltsamer Widersprüche in seinem Charakter. Der berühmte griechische Geschiehtsschreibcr Polybios schildert diesen Charakter sehr eindringlich; er erzählt, wie der König in den Werkstätten der Goldmul Silberschmicde licrumzulaufeii pflegte und durch sein Geschwätz über deren Arbeit sieh den Anstrich eines Sachverständigen zu geben suchte, wie er ebenso mit den niedersten Schichten seines Volkes v.ie auch mit Frei»- den vertraulichen Verkehr pflog, wie er, wenn die öffentlichen Bäder am dichtesten hesetzt waren, selbst dorthin baden ging, als Geschenk kostbare Salben über den Kopf eines soeben neu erworbenen Freundes ausscliiitten ließ und sich am Ausglitschen der hinziilaufcnden anderen Badegäste auf dem schlüpfrig gewordenen Fußboden erfreute, wie er an Sclnnauscreien üppiger Jünglinge tcilnalun, nachdem er sieh in festlichem Zuge ־mit Flötenspielern, Fackelträgem usw. au den Ort des Festes begehen hatte usw. Zuweilen lief er in der Toga auf das Forum und ahmte den in Rom beobachteten Stinimenbcttel nach; aber ebenso saß er ernst zu Gericht und betätigte einen löblichen Eifer, strenge Gerechtigkeit zu üben. Man kann das Benehmen des Antioches etwa bezeichnen als eine gewisse romantische Flegelhaftigkeit. Zu deren Erzeugung mag seine römische Erziehung viel beigetragen haben; dort hatte er republikanisehe Neigungen bis zur Pöbelliaftigkeit eiligesogen, und doch lauerte auch in ihm jederzeit der grausame Despot. Polybios sagt, mau habe nie recht gewußt, ob man ihn für einen einfachen und schlichten Mann oder für einen Wahnsinnigen halten solle. Jedenfalls erglühte Antiochos von einer enthusiastischen Begeisterung für alles Griechische: er wollte nicht nur selbst als Grieche leben, sondern auch alle andern griechisch leben machen. Folgerichtig waren ihm die Juden mit.ihrer so stark abgesonderten i

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