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Jüdische Rundschau · 1911-12-08 · Heft 49 (8.12.1911) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 49 Seite 579 UN!)SCHAU א J U E DISC 11 Lv Mächtckoinhinatioii einer anderen in ilie Schuhe;!(1|־i1־bt, um diese zu verdächtigen und ihre eigenen (}(•schäfte damit zu fordern, lind so koinuit es, ,!,dl wir einmal deutsche Emissäre sein und ein;iinlcrmal den englischen Interessen verpflichtet sein sollen usw. liier ist eine systematische, ganz groll• /neige Aufklärungsarbeit dringend nötig. 111ul dann zum Schluß natürlich die Itenrbeilung ,1, , Judentums selbst. 1 >ic Propaganda muH wieder jti •lärkstem Malte nufgeuommen werden. Die wunder• »(linnen Ansätze einer kulturellen Atheil, die seiner. ,ס! ,zu dem Wort ״Jüdische ,Renaissance" geführt 11-1 uns 80 viele und so bedeutungsvolle Kräfte ge• u -imen haben, unissen wieder energisch aufge• mimen werden. Eine grolle nationale llewegung das ist unsere Aufgabe, unsere lloffimng. Fassen wir zusammenr Wns sind die ׳()rund• 1•;len zionistischer Politik Sie sind nicht revolutionär, sondern evolutionär, II •ht rationalistisch, sondern realistisch, streng •na•!, nal uml streng palästinensisch, llci einer solchen uilhetischen Auffassung des Zionismus und der zio.!•.«tischen Politik gibt es keinen Pint/ für die Sehei• i ing: Hie politisch, hie praktisch, alles muH viel• dir auf einer praktischen, gut durchdachten Arbeit : isiercn, alles muH von einem grollen iinlioiialpoli• ,•dien Oedanken beseelt sein: •der Arbeit für die •Jiaffuug derjenigen Bedingungen, die die nationale i \istenz des jüdischen Volkes ermöglichen und die notwendigen Grundlagen für eine nationale Entwick• ning bilden. In dem Appell tun die Mitarbeiterschaft, mit dem M. Jacobson schloll, fiel besonders die euergische Betonung׳ auf, mit der er ausführte, dal! mir III der möglichst engen Verbindung der Leitung mit den Gliedern der Organisation die Grundlage für ein gedeihliches Wirken liege. Der Vortrag gab ein politisches Programm des modernen Zionismus, von dem allerdings angenommen werden darf, dall es sich mit den Grundsätzen unserer jetzigen Arbeit zum Teil deckt, und von dem wir wünschen, dall es ewiges Allgemeingut der zio• nistischen Bewegung werde. ' Wir hoffen, dall wir, indem wir diesen Darlegungen einen, breiten Raum widmeten, Anlall zu einer Diskussion gegeben haben, die, wie sie immer sei, nur belehrend uml aufklärend wirken kann. 1 Evldilnm^: Von der /ionlstiselien Ortsgruppe Dessau geht uns die folgende Rvöoluiioit /■!, die wir unter Pn.tlavuuig einer uns zu scharf erscheinenden Satzwunlung wiedergegehen: ״Die Dessauer Ortsgruppe legt Verwahsuug ein gegen den Versuch Heu Jfseli.i.s in Nr. ■IS der, ״Jüdischen Rundschau" vom I. Dezember PJII, die׳ Persönlichkeit des Geheimen Kommerzienrat•♦ Scitnciiiltal liciab/iiwimli’cii, eines ,Winnes, der in •IH jähriger rastloser Athe.t im Dienste der Gemeinde iuueiham und aullerhalb derselben hei hoch und uieilr'g sieh hohe Achtung erworben, der die Gc• meaule in schlimmen ’/.eiten ungefährdet durch schwierige Lagen mit fester I la id geführt, für 1111• sere Beziehungen Verständnis gcz׳e gt• lind es da• durch betätigt hat, dall er die Gemeinde •am Ko• loiiisationswerk in Palästina beteiligte." ז •י• Dessau, den U. Dezember ,BMI,, Dr. Aselter, - Dr. Moses, Ehrenvorsitzender. . ... '!. Vorsitzender. Wir gehen dieser Resolution 'mit um so größerer Bereitwilligkeit Raum, als uns auch von anderer schätzenswerter Seite versichert wird, dall die Voraus• Setzungen, von denen der Verfasser des. Artikels übrigens ein Berliner ausgegaugen ist, in diesem Teile nicht zutreffen. (Die Reil.) c ■ן■ ... ״ «IWI'fl Uli ■■!י «—ווו Jüdisches Vereinsliederbuch Zum C11 a n 11 k a h f e st c seien die Vereine auf das ״Jüdische Vcreinsllcderbuch" bingewiesen, das sich auch in seiner neuen, vielfach erweiterten Auf• Inge als überaus brauchbar erwiesen hat. Es ist sehr zu wünschen, dall an Hand des reichhaltigen Liedermaterials, das da geboten wird, das häufig recht abweclislungsarme gesangliche Repertoire in unseren geselligen Kreisen eine Erweiterung erfahre, Dazu wird auch das neuerdings erschienene Notcuhcft das seine beitragen. Die veriiiiltnismiiitig billigen Bezugs• bedingungen sind dem Inserat in der uicswöchigen Ausgabe der ״Jüdischen Rundschau" zu entnehmen. UM■ feTOLOssen ־v> Business. Ilerzl hat einmal die Organisation den Beweis des Vernünftigen in einer llewegung genannt. Wenn dem so ist, dann mutt mit den Fortschritten der Organisation im Zionismus auch der vernünftigen Betrachtung von Parleidingeii der Weg gebahnt werden. Besonders in wirtschaftlichen Dingen, wo der Vernunft noch stets die Alleinherr• schalt gebührte. Wer Augen hat zu selten, der wird nicht verkennen, dall sicli auch hier manches ge• bessert hat, dall ״her manche Erkenntnis noch ihrer praktischen Verwirklichung harrt, Was T11 c i 111 a b e r vor einigen Wochen an dieser Stelle ausgeführt hat, behandelt eine Seite des Problems. Wie man die wirtschaftlichen Instinkte und Bedürfnisse in den Dienst unserer Sache stellen kann, um moralische Probe• rungeit bei der Masse unseres Volkes ' zu machen. Die Kehrseite tragt die Frage, wie die wirtschaftliche Kraft --׳- vulgär Kaufkraft unserer einmal organi• sierten Zionisten unserer Sache nutzbar ,zu machen sei. Wir hrauchcn nur daran z.u erinnern, was da von anderen Parteien geleistet wird, um zu zeigen, wie he• schämend wenig von unserer Seile auf diesem Gebiete geschieht. Da Italien wir unseren ״Jüdischen Verlag". Ein jeder von uns hat schon seine Freude au den schönen Büchern gehabt, deren wertvoller Inhalt uns da für wenig Geld in würdigem Gewände geboten wurde. Aber - hat man ihm diese Gaben gedankt, wie es schon allein die P a r t e i d i s 7. i p I i 11 geboten hätte? Mat mau sieh immer und iihcr.111 dem Vertriebe und der Propaganda seiner Werke mit dem Nachdruck gewidmet, wie es das P n r t c i in tc resse erfordert? Ist man sielt immer bcwullt geblichen, dall eine Vernachlässigung des Partei־ Verlages eine Schädigung der Partei selbst he• deutete? Ein jeder sollte sieh da kurz vor der gaben• Da die Toilette der Tante wohl doch noch etwas dauern würde, entschloß ich mich, die kostbare Zeit damit auszufülicn, tun zunächst etwas näheres über die Art und Weise dieser Versicherungsanstalt zu erfahren. Ich bat de» Onkel also, zunächst mir in kurzen Worten z.u erzählen, wie er liier die Zeit im grollen und ganzen verbringt. Wie du sichst, begann er, sind die Leute liier im allgcnwmen Fiühaufsteher. Die meisten der Peu• sionärc haben ihren Garten, in dem sie sieb von morgens bis abends auflialtcn und mit dem sie sich beschäftigen, auch wir haben den unserigeu und suchen ihn gewöhnlich gleich nach dem Priilt• stiiek auf. Ist das Weller sehr heill, so fahren wir mit einem Hotelauto an den Strand des Meeres, wo seitens der Gesellschaft ein sauberes und freund• Helios Seebad angelegt ist, oder wir gehen auf die , Berge, wo wir prachtvolle Spaziergänge mit Herrliehen Aussichten haben. Das Klima ist so mild, und die Luft so rein, daß wir alten Leute uns tatsächlich einen gesünderen und angenehmeren Auf• enthalt auf der ganzen Welt nicht wünschen können. Alitlags sind wir alle pünktlich im Speisesaal, wo man je nach Wahl die Speisen nach der reichhaltigen Speiscnkartc zu sich nimmt, und halten nachher unsere Mittagsruhe. Nachmittags beschäftigt sich jeder nach seinen Neigungen und abends findet im Vortragssaal, im Theater oder im Koiizertsnal regelmäßig eine gediegene Unterhaltung statt. Die Kräfte werden entweder von der Gesellschaft engagiert oder der eine oder andere unserer Pensionsbrüder und Schwestern erfreut uns durch seine Kenntnisse oder Talente. Da wir in unser» Mauern Gelehrte und Künstler von großem Ruf beherbergen, sind solche Abende höchst genußreich und von höchstem Interesse. Um II) Uhr ist Schhill und alles geht auf die Zimmer. So vergeht ein Tag nach dem andern und diese Lehens• weise erhält uns gesund, frisch und munter, so daß wir unser Alter nicht spüren und dabei stets durch tägliche Berichte, durch Zeitschriften und Vorträge mit der grollen Außenwelt im steten, regen Konnex bleiben. Oft machen wir in größeren oder kleineren Gruppen Auslliige in die nähere oder weitere Um• gchimg, wo uns in den so malerischen Tälern, oft inmitten alter jüdischer Ruinen, interessante Vorträge aus der ruhmvollen alten jüdischen Vergangenheit gehalten werden. Ich bat ihn nun, mir etwas Näheres über die Haus• orduung, Verwaltung oder dergleichen zu erzählen, und er war gerade dabei, mir auch diese Frage zu beantworten, ais die liebe Tante Pauiiiie in ent• zückender Morgentoilette auf dem Plan erschien und mich in gleich herzlicher Weise wie der Onkel bc• grüßte. Ich mußte ihr sofort das neueste aus der alten I Icimat berichten, und sic freute sich außer־ ordentlich, fast ausschließlich angenehmes z.u hören, 80 daß wir alle sehr vergnügt eine mit schweren Teppichen belegte Glashalle durchschritten und in den Park gelaugten, wo uns ein reichlich gedeckter Frühstückstisch erwartete. An kleinen Tischen unter schattigen Eukulyptus* hämi. 'ii uml brcithlättrigen Palmen saßen schon die Pensionäre, i!) fröhlichem Geplauder beim Morgen* imhiß, undwährend auch ich mit meinem Frühstück beschäftigt war, führ der. Onkel fort! (* t frohen (ihanukahzeit noch einmal Rechenschaft geben und - womöglich einiges nachliolen. — Da sei auch auf die Sortimeiitsableilung des Verlages verwiesen, die sieb noch recht weit ausbauen ließe, wenn unsere Gesinnungsgenossen der lieben Gewöhn• beit entsagen wollten, ihren Bedarf ״im Vorbeigehen" zu decken. Die Organisation des Buchhandels und unscie geregelten postalischen Verhältnisse leisten Ge• währ dafür, daß der Bezug * auch «111־er nicht* jüdischen Bücher durch unseren gut geleiteten Parteiverlag keinerlei Unhecpieinlielikeileii und niemals eine iiemuiiswerU• Verzögerung mit sich bringen kann. Unserer Sache aber wird dadurch ein recht Schützens• werter Dienst geleistet. Man hat lins Juden ׳seit je «las Volk des Buches genannt und auch heute sind wir bei Juden wie Nichtjuilcn ־־׳־. als ״bücherkaufendes Publikum", geschätzt, sollte es da nicht möglich sein, daß die jüdischste Bewegung sich dieses starke Bedürfnis zu einer festen finanziellen Stütze ihres idealen Strebens gestaltet? * Der Mann ist Jude. Man soll uns die Schadenfreude gönnen, wenn der Zweck einer Juden* taufe vorbeigelingt. Denn sie ist ehrlich. Wenn jemand seine heida! Söhne taufen läßt und in alten Tagen noch selber zu Kreuze kriecht mit dem aus* gesprochenen Zweck, Vater von zwei Saniläts• Offizieren zu werden, uml die ganze Spekulation schlagt dann fehl, so ist das gewiß tragisch, es entbehrt aber nicht der grotesken Komik. Oder wenn man ־ die schönen Ansätze einer Entwicklung sicht, die die Täuflinge zu einer geschlossenen Ku9te wider Willen werden läßt, von Juden wie Nichljuden mißachtet und wie so gewissermaßen eine Inzucht der (Iharakterloseii ungebahnt wird, so mag das eine an sieli ernste Erscheinung sein. Uns stimmt es heiter. —■Herr Sanilätsrat Mugdan hat sich in die versehiedensten Ehrenämter bineintaufeti lassen und wettert mm vorsichtshalber mehr denn irgend ein Berufener gegen den ״inneren Feind" (gemeint ist nicht die charakterlose Kriecherei). Hat auch sein christliches. Empfinden bereits mit Nachdruck betont und doch .... Im ״Pan" glossiert Heinrich Manu den muuuclir heimgeschickten Reichstag und kommt da auch auf diesen tapferen Streiter gegen links zu sprechen: ..Aber die Wollust, positiv und erhaltend zu sein, macht ihm Kongestionen, er weiß nichts mehr. Und der Mann ist Jude. Sein Lehen ist sicher nicht vergangen, ohne daß er die Feindseligkeit des christlich geschminkten Feudal• Staates erfahren hat. Wenn er den Kopf wenden wollte, auf wie viele Blicke würde er dort rechts treffen, worin nicht freche Geringschätzung läge? Gleichviel, er sieht nicht hin, und für einen Augen• blick ist auch er ein Herr, ein Machthaber, der zum Volk vom Pferd herab spricht (bevor cs ihn wieder abwirft) und hinter sieli Edelleute und Priester hat." Das ist bitter! Der Mann ist Jude! Trotz alledem. Für uns nicht schmeichelhaft und für ihn äußerst ärgerlich. Verlorene Liebesmüh’! Wir wollen da alle elegischen Betrachtungen unterdrücken. ״Pan" lacht dazu und wir wollen herzhaft mitlachen! יי Der blinde Passagier. Seitdem Exzellenz De r 11 b 11 r g der deutsche!) Kolonialpolitik neue Wege wies, ist man bestrebt, die Bevölkerung unserer über* seeiselien Besitzung in allmählicher Schulung zur ״Sehr wertvoll in unserem Hause sind die ärztliche Ueberwaclmng lind unsere hygienischen Einrichtun• gen. Die Wannen und die Schwimmbäder sind hier ganz, vorzüglich, was in unserm heißen Klima von großer Wichtigkeit ist. Im Park befinden sich eine Menge verschiedener Turnapparate, wo wir nach iirzt• lieber Anleitung turnen müssen, außerdem stehen Reit• pferdc tmd Reitesel zu unserer Verfügung, was auch außerordentlich zur Erhaltung unserer Körperfrische beiträgt. Sämtliche Küchen der Gesellschalt sind natürlich streng koscher, Gottesdienst findet in zwei Syna* gogen, in welchen beide Riten zur Geltung kommen, regelmäßig statt. Der Vollständigkeit halber will ich auch erwähnen, dall für Diabetiker eine besondere Küche eingerichtet Word .,n ist, Nim war mir schon lange eine Frage auf der Zunge, die ich immer schon stellen wollte, und die ich als die wichtigste mir bis auf zuletzt aufgespart hatte. Ich bat den Onkel, mir in kurzen Worten auseinander/uset/cn, wie liier die Unterschiede ge* macht werden, zwischen Pensionären, die mit einer hohen Versicherung, und die mit einer niedrigen Ver* Sicherung cingetreten sind, äußerlich hatte ich bis jetzt bei Herren uml Damen keinen Unterschied be• merkt. ״Nicht« ist einfacher als die Beantwortung dieser Frage," erwiderte er. ״Jeder Pensionär, der ja mit seinem Eintritt auch gleich, Gesellschafter wird, er• Hält sein RcutciibonbiKii hn Verhältnis zu seiner Ein• Inge, denn bares Geld gibt cs bei uns nicht. Qlbt er viele Bons aus, so nimmt er sich z, B, ein besonders schönes Zimmer, mietet er sich «inen besonder! großen

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