Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Seite 557 J Ul* Dl SCH E RUN DSC II A(J ... ln der jüdischen Einwanderung wird mit Aus• tialuue einiger fränkischen titul hessischen Landstriche (die schon früher die gleichen besonderen Verhält• nis^e aufwiesen) eine Abnahme verzeichnet. Unter der einheimischen jüdischen Bevölkerung 11. dl überall die Abwanderung vom I.atAle in die S!!dt, von den kleinen in die grollen Gemeinden Itesonders stark ist diese Bewegung im Osten. I »•0 heftige Konkurrenz der Polen, die zum Teil 1;t nntiscmitischeiu Boykott arbeiten, erselieiut hier;,*< ein wesentlicher Grund; aber auch die Haltung (1־ r Behörden, die in dem dortigen Kampf zwischen I ,־titschtum und Polcntum den Deutschen jüdischen «.Gubens jede Unterstützung versagen, wirkt nach* s ilig. Wenn man sieh hier darauf beruft, daü die . •Ich keine zuverlässig bodenständigen Elemente •ien, so ist «las eben der bekannte Kreisschluß: sie , eiben nur ansässig, weil man ihnen alle Wege, ihr; .hen in jenen Bezirken leidlicher zu gestalten, sperrt; •hrliuudcrte hindurch waren He früher ״boden• •.äiitlig“; erst das Verfahren der Behörden in der ■ .•uerei» Zeit treibt sie von *ihren alten Wohnsitzen. Mit dem Rückgang der kleinen Gemeinden hängt .,ofs engste der Notstand im jüdischen Volks• ■ luilwcsen zusammen. Wenn auch hier und In z.u klein gewordene jüdische Schulkörper , on der Regierung aufgehoben worden sind, so eigen doch anderseits die Behörden neuerdings er• frenliches Interesse an der Aufrcehterhaltnng jüdi• .ehen Religionsunterrichts, Dieser Unterricht ist, wie uns von vielen Seiten gemeldet wird, in der letzten Teil an einer Anzahl höherer Schulen neu eingcfiihrt .*der wesentlich erweitert worden. Auch hat z. B. die Regierung des Fürstentums Lippe-Detmold eine verhältnismäßig beträchtliche Summe zur Unlcrstiit• /mig des Wamlcrnnterricbts bewilligt. Die gemein• schafttichc Errichtung derartiger Stellen kann solchen einander henachbaileii kleinen Gemeinden, «lic ein* zellt weder die erforderliche Schülerzahl noch ein angemessenes Lehrergehalt atifhringen können, zur Lösung ihrer schwierigen Lage gar nicht genug aus Herz gelegt werden. Ferner hat in Breslau die preußische Regierung endlich die Austeilung jüdischer Lehrer an öffentlichen christlich-konfessionellen Volksschulen ztir Erteilung liidisciien Religions• und, wenn• gleich noch mit einer nicht zu billigenden Einsehränkling, auch anderen Unterrichts genehmigt. Außerhalb Berlins Ist das, abgesehen von besonderen Ueber• g.mgsverhältnissen, zum erstenmal erreicht worden. Es ist danach zu hoffen, «lall auch andere Gemeinden bei etwaigen Anträgen in der gleichen Richtung jetzt eher auf Berücksichtigung «hirch «he Regierung rechnen dürfen, (Korrcspondenz.blntl des ,.Verbandes der dctit* selten Juden,“) Die Kommission des I k'iitsclieu M.uulelslags belr. Steuern, Zölle, Außenhandel hat sich unter Bezug• nähme auf Eingaben der Aeltestcu der Kaufmannschaft von Berlin an den Reichskanzler vom 3. Februar und 12, Juli d. Js, dahin ausgesprochen, daß die Reichs* Verwaltung gebeten werde, zusammen mit den Rc• gicrungcn der hauptsächlich beteiligten Staaten auf die Aufhebung der in Rußland für ausländische Staatsluirger jüdischen Glaubens geltenden besonderen er• scltwereudcn Bestimmungen hinzuwirken. * Die konservative Fraktion des sllchslsclien Land* tags hat folgenden Antrag eingebracht: ״Das Verbot des bctäubimgsloscn Sclilachlens (Schlichtens) betr״ Antrag Schmidt tmd Genossen. Die Kammer wolle beschließen, «lic Königl. Staats* regicrung zu ersuchen, eine Verordnung zu erlassen, daß auch in Zukunft «ins Schlachten sämtlichen Viehes mit Ausnahme des Federviehes mir nach vorheriger Betäubung durch Kopfschlag (mit [Lotzen* oder Schuß* apparat) stattfimlcn darf.1' Russland Wie \\ n\ cז m 20. N<« v c tu b e r aus Be 10 r s• bürg gemeldet wird, ist General t o I * m a t s c 11 e f f, der S t a d t h a u p t in a n n v o n Odessa, 11111 c 1 Bel ö r d c r u n g z u m G c * II e r a 11 e 11 ♦ n a 111 v e r a b s c h i c d e t w o r d e ». Mit Tolmutschcff scheidet einer der mächtigsten und intramigeutesten Judenfeinde Rußlands aus dem Amte, Es wäre zu begrüßen, wenn dieser Schritt auf die Initiative des neuen Premiers zurückz.nführen wäre und wenn dieses Vorgehen als symptomatisch für den ״neuen Kurs“ zu betrachten wäre. Immerhin muß man zunächst abwarten, durch wen der scheidende Stadtliauptmaim ersetzt wird. Die Ver* muturig ״schlimmer kann's nicht werden“, hat sich für die russischen Juden schon oftmals als trügerisch erwiesen. Italien Erschien cs kürzlich lohnend, offiziös zu behaupten, daß die Juden in Tripolis die italienische Intervention mit Freude begrüßt hätten, so schreiben jetzt die gleichfalls offiziöse Stampa und der Popolo Romano, das Blatt des Herr Giolitti: ״Die Kntriblung Europas über die angeblichen Grausamkeiten der llaliener in Tripolis ist hcrvmgonileu diirrh die Ausstreuungen der Juden, dieser von der Türkei hostoeheiien Gauner, bezahlten Li■;:..er, dieser Abkömmlinge Arons, «lic gleich ihren Vorfahren um das goldene Kalb tanzen, mut durch schmutzige Schwindelgeschäfte, der Türkei eng verbunden sind. Die Juden haben die gesamte ausländische Presse erkauft.“ Der Ton ist dem russischer I fooligans würdig an die Seite zu stellen. * Dem unsinnigen Geschimpfe der italienischen Presse gegen die deutsche Kriegsberiehterstattung ist aueli durch den jüngst erlassenen Protest der dctit• scheu Presse kein Damm gesetzt worden. Bemerkens• wert ist, daß in dieser häßlichen Kampagne neuer• dings eine starke antisemitische Unlcrslrüuumg zu bemerken ist. IX׳r schemenhafte Großrabbiner von Tripolis, den die ״A g e 11 ce St e ph a n i“ ad majorem gloriam popuü roinani erfunden hat, ist mit ein paar wohl• begründeten Dementis so leicht nicht tot/iikriegen. Nach einer offiziellen Italienischen Depesche 11.1t Ge• neral Caneva zur Unterstützung der Armen in Tripolis •von Anfang an Getreide, Reis, Brot und Kleider verteilen lassen. Für die Verteilung unter den Arabern sorgt ein Ausschuß von Notabeln unter dem Vorsitz von I lasstma Pascha, für die Vert e i I u 11 g unter «len Israelit e n ein Ausschuß unter dem Vorsitz, des G r oß r a l>b i 11 er s. ‘lüg• (ich werden ungefähr 5000 Brote verteilt. Bis jetzt wurden 20(10(10 Kilogramm Getreide unter «len Ara• bern und (17 000 Kilogramm unter den Juden verteilt. Sechs große Kessel sind für «lic Zubereitung und Ver• tciluiig von Reis aufgestellt worden. Von den 2000 Baracken, die bcrgestellt werden, sind bereits 500 verteil). In der Stadt wurde der sanitäre und hygienische Dienst organisiert und ein bakteriu* logisch-chemisches Laboratorium eingerichtet. Die Straßenbeleuchtung, Straßenreiiiigmig und die Kebriehtabfulir wurden geregelt, das Zivilgericht ge• bildet und der Nutardienst wiederbergestellt. Die bei der letzten Ueberschwcimming schwer beschädigte Wasserleitung von Uuiueliaiia wird wieder in Stand gesetzt. Türkei I )as G r o ß r a b b i 11 a t d e r T ü r k e i hat an die Juden Kimstantiimpels folgendes Rundschreiben ergehen lassen: Werter Herr GlaubensgenosseI Sie werden wissen, daß In allen Ländern eine Organisation zugunsten der Verwundeten und Kranken bestellt, die im Kriege!.eben und Gesundheit ein• setzten: Das Rote Kreuz. Dieselben Tendenzen verfolgt in der Türkei die Gesellschaft llilal Almier (Roter Halbmond), Dies patriotische Werk wurde reorganisiert unter dem erhnbenen Protektorat seiner Majestät des Sultans. Ehrenpräsident ist augenblicklich seine Kaiserliche Hoheit «1er Kronprinz. Die Reorganisation des l lilal Alimer bietet unseren Glaubensgenossen, die stets in unerschütterlicher Treue zum ottomanisclien Reiche standen, die Gelegenheit, einen neuen Beweis für ihre patriotische Gesinnung dadurch zu geben, daß sie «fieser Gesellschaft als Mitglied bcilrctcn. Durch das kleine Opfer eines geringen Jahres• beitrag« können viele Leiden, viele Schmerzen geinil* ilerl werden; zahlreiche Vaterlandsverteidigcr, unsere eigenen Söhne, die vor dem Feinde stehen, werden uns erhalten bleiben. Im Vertrauen auf Ihr Gefühl gebe ich mich der Hoffnung hin, daß Sie diesem notwendigen und menschenfreundlichen Werke ihre Unterstützung leihen werden. Ich bitte Sie also, mir ihre Beitrittserklärung ziisemleu zu wollen, die ich schleunigst dem Komitee übermitteln und Urnen darüber offiziell «!uitticrcii werde. Mit den heißesten Wünschen für das Wohl und das Glück unseres geliebten Vaterlandes verbinde ich meinen ergebensten Gruß. Konstantinopcl, 11. Nov. P)H. Das Großrabbinat der Türkei Hahn Naluiiu. Auf eine Regierungsverordnung hin wird den jüdischen Soldaten im türkischen Heer Urlaub an jüdischen Feiertagen nur für den Festtag selbst, nicht für den Vorabend bewilligt, Obwohl das Großrabbinat der Türkei darauf hinwics, daß die jüdischen Feiertage genau wie die muhammednnischcn am Abend des Tages vorher beginnen, blieb die türkische Regierung bei ihrem Beschhill. Das Großrabbinat bat sich jetzt mit einem Takrir an das Kriegsministcrium gewandt, um endlich eine günstige Entscheidung herbeizuführen. r;:LPic5TlNA-RUMDSCHfiU In Haifa kommt cs zu fnrfgesel/len Schlägereien /wischen «km Schillern der jüdischen und christlichen Lehranstalten. I ct/kro schleudern sogar häufig Steine nach den Fenstern der jüdischen Schule, ohne daß von den Schulleitern eiiigcschnllcn wird. Es scheint, daß man sinh in Haifa die Erziehung zu christlicher Sauftmut besonders angelegen sein läßt, Immer neue jüdische Turnvereine werden in Palä* stina eröffnel. Besonders die letzte Gründung in Jcriisak'in macht glänzende Fortschritte und hat sich schnell die Sympathie der Jugend errungen. Audi Haifa und Saffetl stehen nicht hinter Jerusalem zurück. Der Makk.ihi in Saffed besonders erfreut sich der Unter- Stützung der einflußreichsten Kreise der Stadt, * Schon wieder müssen wir über die Ermordung eines Juden in Palästina berichten. Die Tat geschah auf der Straße von Jaffa nach Pctaclt-Tikwali. Es stellte sidi heraus, «laß der Tote von Arabern niedergeschossen mul um 100 türkische C baren Geldes beraubt worden ist. * Mit «lern I. Marehesdiwan beginnt in den Jaitaer jüdischen Sehulen «las neue Schuljahr. In diesem Jahre wur«lc «ler Unterricht in «Im meisten Schulen durch eine öffentliche Feier eingelcitet. Im liebräis c h 1• n G y in 11 a s i u in wurde die 7. Klasse eröffnet. Die Gcsanil/ah! «ler Schiller «k*s Gymnasiums beträgt zurzeit etwa 300. Die hebräische Mittelsiiiuk ״Ta eilk e in«» n i“ zählt PM>, die T a I in u «I T 11 o r a 110, die Volksschule des I lilfsVereins und «lic Alliance* Schule je HO Schüler. Die Tachkemoni-Schulc hat neue Lokalitäten im Stadtviertel ״Newell Zedek“ ge* mietet und in «ler Person «les Herrn Haus, früheren Leiters «ler Jaffaer jüdischen Bibliothek, eine neue Lehrkraft engagiert. i)er neugewähtte Cluieh.nubasclu von Jaffa, Rabbi Bcu/ion Üsiel, stattete einige Tage nach seinem Amtsantritt «lern hebräischen Gym* nasium, «ler Tadtkeiiumischule und der Talmud-Thora längere Besuche ab. 9 Mau mehlet «ler ״N. J. K.“: Die öffentliche Bibliothek und Lesehalle in P e 111 a c 1! •T i k w a h , «tie aus Mangel an Mitteln vor einiger Zeit geschlossen werden mußte, wird «Icmnächst wieder eröffnet. Die Bibliothek wir«l nunmehr den Namen «les kürzlich verstorbenen Vizedirektors der Anglo-Patcstine Company, E. Saphir, tragen. Zum Bihli«>thckar ist Herr Jcchiel Cohen, vormals Leiter der jüdischen Bibliothek in Haifa, bestellt worden. ♦ Die Sesamernte ist in diesem Jahre in Ekron Insumlers gut ausgefallen. Von liier werden jetzt täglich etwa zwanzig Fuhren Sesam nach Jaffa ver* lailen. Mau schätzt die diesjährige Gesanilausfuhr unserer Kolonie auf mehr als tausend Säcke von 70 SO Pfund. Die Sesamproilukthm in Ekron wächst von Jahr zu Jahr und gestaltet sich immer lohnender. Demnächst wiril in der Jerusalem benachbarten jüdischen Kolonie Moza eine neue Seifen- und OI i v e n ö I f a l> r i k unter dem Namen ״Hcrmon“ eröffnet werden. Besitzer «ler Fabrik ist «ler Chemiker Kliinker. Als Geschäftsführer fungiert Herr Barudt Streit aus Pethach-Tikwa h. 9 Vor kurzem erwarb ein jüdischer Arzt, Herr Dr. Auerbach aus R o w n o (Rußland), ein größeres Grundstiiek in der Nähe von Tel-Awiw, auf dem er eine Heilstätte für Lungenkranke errichten will. Die Jaf* faer Behörden verhalten sich dem Plan gegenüber sehr wohlwollend und haben das Konzessionsgesuch Dr. Auerbachs bei der Zentralregierung wärmstens empfohlen. IlOMISTISCHe BCV/eGUMG Gruppenverband Oberschteslen Sonntag, den 26. N«>vembcr er., im Kaiserhof zu B c u 111 c n O.-S. VI. Ober schlesisch er Zionistentag. Nachmittag 3'/! Uhr: Interne Sitzung. Tagesordnung: 1. Bericht der Onippeiiverbandslcitung (Referent: R.-A. Dr. Weißmann). 2. Berichte der Orlsgruppcnleiter. 3. Vortrag v«m Herrn Rechtsanwalt Dr. KI e c B e r I i n: ״l> i c n 11 g c m c i n c Lage d e r z i o n i 81 i s c 11 c 11 B c vv c g u n g“, Diskussion zu allen Punkten 11 er Tagesordnung. Abends 8צ/י Uhr: O c f f c 1111 i c 11 c Versammlung Redner: Rechtsanwalt Dr. Klee. ' m 9