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Jüdische Rundschau · 1911-11-17 · Heft 46 (17.11.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JUEDIiiCHE RUNDSCHAU Seite 547 Nr. 46 gchrift aus seiner Lethargie aiifziiweckai und zu jüdischem Hantlet« anzuspornen. An leitender Stelle *teilt der ״Weckruf eines russischen Juden״, der die Ih-herseliritl trägt; ״Der stille Pogrom": ..Ja, es ist eine Sünde, es ist ein Verbrechen, Jjlt der Westjude sieh gewohnte, nur mit dem Kassen• sclilnssel des Wohltäters^ au den Ostjudeu lieran/u- In im, alter nicht den Schlüssel zu seinem ller/eii {,nt;, dal! er ihn mir von Angesicht /.u Angesicht lieii'ti, alter nicht von Her/, zn Herz, »hilf er nicht in seiiu beleidigte, ruhelose Seele geschaut hat. Später uimial, wenn die Hvgcgiiiing der Seelen staltgefimden luil Mt. aus den Beziehungen /.wischen Ost* * und West• jutli die Herrschaft des• kalten, philautltropiselien Mo• 1m!1:es »»!*geschaltet sein wird, wird der Ostjude «en ttn glücklicheren Bruder nicht nur von seinen [1I!> •ische», sondern auch von seinen seelischen Leiden zu;[Zahlen wissen. Ihr Verhältnis wird siel» intimer jp-•alten, und daun wird das wichtigste /wischen ihnen /n. Sprache kommen, — nicht die plötzliche Kalasi, yhe, sondern die alltägliche, durch ihre Alltäglich* kn, und Stille schreckliche Tragödie des Ostjuden. I he Judenfeinde lieben cs, die jüdische Solidarität me vollkommene hinztistellen. in ihrer Einbildung s fortwährend Kuriere auf dem Wege, um das |! iitmi! Kulllaiuls mit den luden von Berlin und I . •: /u verbinden, um diesen die kleinsten, unwichtigs Nachrichten zu überbriugen. In Wirklichkeit aber 1! 1;t nur die Kunde des Grausamsten und Schreck•;« •tat nach dem Westen. Scheiben müssen klirren, ' ael brechen, l'edcm fliegen, damit die Juden des 1 uns das natürlich'. Recht auf Aufmerksamkeit er- K0RResp0NDenzer1i 1 All Ha11 Kürzlich erschien folgender Brief des -UllUUIl j)r Sehechter vom jüdischen tlicologi• dien Seminar in den ״New York Times'•; ״Ktdlland besitzt keine Presse. Erörterungen mul rklarungen dessen, was die Regierung tut, sind 1111• *ekannt. Jede Opposition wird unterdrückt, ebenso!ede Aeullerung der öffentlichen Meinung, Eisiges Schweigen wie auf dem Gipfel des Montblanc herrscht im ganzen Reiche, unter dem Regime, das einmal mit uen Worten ״Despotismus, gemildert durch Mcu* chelmord" gekennzeichnet wurde. Und dieser Des• notisnuis hat inzwischen die Köpfe der herrschenden Klassen cIkiisu verwirrt, wie ehedem die mibe• schränkte Macht das Hirn einiger der zwö|| Cäsaren. Ein Wahnsinniger spielt mit dem Leben und mit dem Hab und Gut von hundert Millionen Menschen. Heut mich flüstert »las Mädchen der Mutter ihre Klage zu über die Millltandbmg des Bruders, den mau seiner Gesinnung wegen knutetc, und halbtot fortseldeppte in die Verbannung. Und morgen schon .,illt man ihr das Kleid vom Leib und peitscht sie auf öfleiitliehen» Platz zu Tode. Da gibt es keine Untersucluujg und keine Erklärung, da gilt weder Verhör noch Berufung —• gleichmütig und totsebweigsan» herrscht der Wille des Tyrannen, Wo ist Hoffnung auf friedlichen Umschwung? Wer sieht den!,unkt, an dem »ich da ei» liehet ansetzen helfe?'* Das ist der Inhalt einer Rede Wendeil Philips vor den» Phi Beta Kappa des Harvard (.־oliegc vor einigen 'JO Jahren, uml seine Beinei klingen haben nueli beute Gültigkeit trotz, der Duma, dieser Karikalur eines Parlaments, Wir sind ja klug geworden und rechnen es uns zum Verdienst an, da» die Sicherheit in Rullland wächst. Ereilicl» nicht die Sicherheit des Lehens oder der Person, auch nicht die Gewährleistung freiheitlicher Zustande — aber doch die Sicherheit der Dividende französischer Spekulanten. Gott, Rechtschaffenheit, Justiz, Mitleid mit den Ik-drücktcn, Erciltcitslichc haben für uns alle Geltung verloren in der BetLichtung von Maischen mul Ereignisscr». Wir entdecken Fugenden am rollen Kosacken und schlichen Bündnisse mit dem Tod mul Verträge mit dem Teufel, d. |». Vereinbarungen mit den Russen, die wir, so hoffe ich, doch von Herzen liassen und verabscheuen." Auf einer Protcstversajnmlung gegen den il.ilie• nischen Ratihzug nach Tripolis, die der Briedens• apusteI Stead, einer der eifrigsten Verfechter einer englisch-russischen Entente ei 1 berufen hatte, wies Israel Z a n g w i 11 auf die empörenden Zustande im Zarenreiche hin, und verlas den oben־ mUgctciUcu Brief Dr. Sclicchtcrs. Auf die trefflichen Ausfuhr»(!!- gen Zangwills wagte Stead keine Erwiderung. Was hatte er auch sagen sollen im Hinblick auf die immer erneuten Verfolgungen, denen die Juden in Rußland atisgesd/l sind? [)ni Archii rtl Allc Hoffnungen, tla‘ »>;111 *־>»! den l blvioUlllE neuen Premierminister gesetzt halte, .,weisen sich auf trügerisch, ganz einfach deshalb, »׳eil ihm die Macht fehlt, auch mir das geringste zum ** - ... .1. Juden, uv schon vor 1909 in Sibirien wohnten, «he Eraubnis gegeben wunde, dort m bleiben, hat den liefigsten Protest der echt russischen Leute hervorgeulen. Natürlich hell der Erfolg nicht aul sich warfen: Jcr Gouverneur des Amurdistriktes hat die sofortige Ausweisung der dortigen Juden angeordnet. - * Ucberlaupt werden die Zustände im Moskowiterreiche immer inhaltbarer. Die Reddsbescl1rä־,kuugen mehren!ich. Eine Adresse an den Premierminister. verlangt die »■üllige Ausweisung der Juden aus Dörfern uml kleinen Städten, und «in Gelehrter vom Range Professor Nikolskys scheut sich nicht, dazu seinen Namen zu leihen. -״ Indessen uieliien sich auch die Ucber• griffe der Behörden!,,egci» die jüdische Slatühcvölkc• rm,g. In Kiew, w»» n>t korzlid» zwei junge Jüdinnen von Geheimpolizisten va'gewalligt wurden, haben die nächtlichen I laiissm'lmugci•, Verhaftungen mul Alis• Weisungen einen sohlten Umfang angeiionimen, ,lall unter der jüdischen Bevölkerung nervöse Krankheiten grassieren. Zu gleicher Zeit kommen aus!,ölen Pogroinmelihmgai. In Keltzi stürmten neu vinherufeue Rekruten die Synagoge und die jüdischen Läden. Mehrere Personell wurden schwer verwundet und erst durch das Erscheinen von truppen wurde die Ruhe eiiiigermalleu wiedeilieigeslelll. Ebenso kam es in Kalarasch zn schweren Ausschreitungen. Nur die eilige B lucht der Juden verhinderte groll eres Unglück. Soli man noch weitere Beispiele aus neuester Zeit auhihreii? Der Tenor würde immer der gleiche bleiben. Besonders schmerzlich ist nur, dal} in den lägen des Ministerweclisels liier und da ein B'Qnkchcn lioifiuutg zu glimmen begann. Es wird schnell zer* treten sein. Die herrliche Gabe des jüdischen Optimisiniis, die unserem Volk über so viele Tage des Leidens liinwcggelmlfai hat, ist doch auch eine schmerzensreiche. Wenigstens in Rullland, wo der täppische und brutale Schritt der Reaktion durch die Lande schreitet. «• AUS ALLCR wa־r Deutschland Eine Umfrage au die jüdischen Rekruten wegen der von ihnen gewünschten Vcrpflegungsart findet zurzeit statt. Es wird dabei auf einen kaiserlichen Erlall vom 12. Juni 1882 hingewiesen, welcher besagt, dall es »len Mannschaften jüdischen Glaubens wegen ihrer evciit. sonst gewohnte» rituellen Kost ficizustellen ist, ob sie durch die allgemeine Maimsehafts- Küche verpflegt Kein wollen, oder ob sie wünschen, für ihre Verpflegung seihst zu sorge». I» lel/lercm Balie würde ihnen der Verpflegtingsgcld/.iischull, der sonst direkt in die Menagekasse flieht, bei jedem Lölmungseinpfang ausgczahlt werden. Wohl alle jüdisehen Soldaten lassen sich d»trch die Mannschafts• l liehen verpflegen, da die rituelle Selbstbeköstigung ihnen zuviel Kosten verursachen würde und auch mit Rücksicht auf »liu dienstlichen Verhältnisse nicht immer möglich wäre. Der erwähnte Erlall spricht sich ferner dahin aus, dall im Kriege oder im Lager, also auch während der Manöver eine solche Vcrgünstiguiig nicht stallfimlet, die jüdischen Soldaten vielmehr gezwungen sind, an der, allgemeinen Mann• schaftsvcrpflcgiing leil/.miclunen. Aut die Brotvcrpllegimg hat der Erlalt keinen Einflulf. Das Kommillbmt wird allen Soldaten, auch den jüdischen, geliefert, es sei denn, dalt ihnen infolge ärztlicher Begutachtung anstelle des Brotes zur Beschaffung leid»• tereu Brotes das Brotgeld gezahlt Wird. Nach den Reiclistagsahgcorduelen l)r. Müller- M e i 11 i n g e u und Gröber iiat sich uimim-hr auch Herr Landgcrlelitsdirektor Dr. Heinze in einer Zuschrift an »len Herausgeber der ״Politischen Beiträge" über die Aussichten des Schächtniitraßc» Gröber in dritter Lesung geäufSert. Herr Abgeordneter Ilcinzc schreibt: Berlin NW. 7, Reichstag, 2J. 10. H. Hochverehrter Ilcrrl Verzeihen Sie zunächst die späte Antwort. Es ist noch ungewiß, ob die Strafgeset/uovellc zur dritten Lesung kommt und verabschiedet wer- »len wird. Kommt es dazu, so wird wahrscheinlich der juristisch unl1altt>arc Scliiichtpara* graph — Antrag Gröber — beseitigt werden. Ich erblicke darin aber keine Gefahr für das orthodoxe Judentum, dessen religiöse Gebräuche auch ich nach Möglichkeit schonen möchte. In vorzüglicher Hochachtung gez. Dr. Hcinzc, M. d. R. Oesterreich Wie die Partciblätter berichten, hat das Ziouistische Zentralkomitee in Lemberg beschlossen, an• läßlich der Neuwahlen in den Reichsrat in Droho* bycz und Zloczow keine zionislischen Kandida• turen aufzustellen. /tus stand Auf das Drängen der Duma auf Ausschluß der Juden aus der russischen Armee hin, hat der Kriegs• minister Erhebungen in dieser Richtung angeordnet. Man darf das Erscheinen von Ausnalttncvcrfügungcn daher In nächster Zeit erwarten. t In der Nowoja Wremja veröffentlichte kürzlich M. A. Stolypfn, der Bruder des ermordeten Premierministen;, einen äußerst judenfeimllithen Artikel, der um ein so größeres Aufseiten hervorrief, als der Verfasser zu Lebzeiten des Bruders einen zlcuilicli phylosemitiscliei» Standpunkt vertreten und 1, 2. sogar Proteslversainmlungen gegen die Pogroms veran• :•Iahet hat. Er schreibt: ״Es ist endlich Zeit für die Ein• « sielit, daß die Juden infolge ihrer Rasscuiiistinklv so b.iar sind aller Menschlichkeit, daß man sic nicht länger zu den Maischen rechnen so'fle. Wir müssen * die Tatsache, daß sic* existieren, von rein wissen• "?> scliaftliclian Standpunkte betrachten, um uns die Mög• liehkeit zu verschaffen, dem Hebe! hciz.nkuiumcn. Man müßte unter »lein Volke die Ansicht verbreiten, dall di»* Juden nur ihrem Aeullerii nach Maische» sind, , mit daieu niemand verkehren sollte. Man kann die, ׳ Juden studieren, wie mau wilde Tiere studiert, aber warn man von ihnen auch mir mit Hall, sprechen wollte, würde inan sich mit ihnen auf gleiche Slute stellen." Dies schmähliche Machwerk, das selbst die er* bittertc Trauer Stolypins über den Tod seines Bruders nicht entschuldigen kann, hat einige der bedeutend• sten russischen Schriftsteller, wie Mcrcskowskj, Filo• sofow, Gippius uml SoJufjewa auf der» Plan gerufen, die sich in einer Erklärung gegen die ״unchristliche" Haltung Stolypins wenden. ״Für einen Mann," schreiben sie, ״der sein Vaterland wie ein Mensch, nicht wie eine Bestie licht, müßte cs eigentlich selbstverständlich sein, daß die Juden, wie jedes andere Volk Freiheit, Achtung und Bruderliebe verdienen. Stolvpiu hat in seinem Artikel nichts als die Ehre RtiBlands besudelt!" Türkei Das GroHrabbin.it hat an die Vorsteher und Vor• stelicririuen aller jüdischen Schulen ein Rundschreiben gesandt mit der Aufforderung, unter den Schülern ihrer Anstalten eine Sammlung zugunsten der Familien der in Tripolis kämpfenden Soldaten sowie der Auswanderer aus »lieser Provinz zu veranstaltai. Die Sinn mcu, die fast täglich auf dem Groß• rahhiiiat zur Unterstützung der Opfer des Krieges einlaufa», haben schon eine recht beträchtliche Höhe erreicht. Ohne Quellenangabe finden wir in einem jüdisehen Blatt die folgende Nachricht, die wir unter allem Vorbehalt wicdergeben: ״Es scheint, daß Italien auch plant, die Küsten von Palästina zu besetzen. Die Folgen wären für »las L.iud und seine Bewohner, besonders in »len Hafenstädten Jaffa, Haifa, außer• ordentlich schlimm. Die Türkei sandte bereits über 15 000 Soldaten nach Palästina." Eine arabische Zeitung wendet sich an die Juden belmfs Unterstützung der Türkei in ihrer Abwehr gegen Italien. Sie erinnert daran, daß die Juden in der Türkei stets ein Asyl gefunden haben, wenn sie in andcrai Ländern verfolgt wurden. Wie man vcrnimmt, war die Expedition nach Tripolis sdton vor einigen Jahren geplant. Der erste, der sich dagegen aiiflclintc, war Luigi Luz/atti, der Ministerpräsident. Man erinnert sich, daß die IVmis• sion 1 u nttii »lama's überraschen.1 kam für ganz Europa Jetzt will mau darauf hinweisen, dall Luzalti ging, weil er »lai gefährlichen Spaziergang nach Afrika nicht wagen wollte, Amerika ln New York verlangte ein Christ (V), namens Ruhen Walter l.cvy die Acndcrung seines Namens, da er wegen desselben oft für ein׳*n Juden gehalten werde. Das Gericht wies das Verlangen mit folgender Begründung ab*. ״Die Väter der amerikanischen Na• tion haben »liese für alle ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens gegründet uml mit der Stattgclnmg eines solchen Begehrens würde eine Situation aner• kam»!, die niemals cintretcn darf." Brasilien Die ״landwirtschaftliche Ausstellung der süd• amerikanischen Republiken" in Brasilien bedeutete für die ״jüdische Ackerb.mgcsellschaft" einen vollen Erfolg. Die jüdischen Landwirte erhielten eine große Zahl von Diplomen und Medaillen, so daß »!er Ackcrhaumiiiister »1er argentinischen Republiken die Ackerbaiigesellschaft beglückwünschte. IX*r Minister gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die jüdischen Kolonisten der übrigen landbauenden Be• völkerung zum Beispiel dienen mögen. Auch auf der landwirtschaftlichen Ausstellung in Buenos Aires tru• gen die Juüai verschiedene Preise davon. HSBRACISCH IX*r Zionistischen Vereinigung Transvaal teilt die Transvaalcr Universität offiziell mit, daß sie He• briiiscli als lebende europäische Sprache anerkenne und demnach jeder seine Examina in hebräjscltcr Sprache absolvieren könne,

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