Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1911-11-03 · Heft 44 (3.11.1911) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 44 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2651711-2651755--08059-2665271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 523 Nr. M!Kitlonnllibcralc Abgeordnete nach langer Zeit soll 0111״ eine recht unzulängliche Sühne (ür Qicllcn• Nidda bedeuten? EnftfaHrf י Am ersten I lalhfeicrtage des eben vortibagegan- ,.cinii Siikkolltfcsles gab Baron Leopold de Rothsiliild. «ie aus London berichtet wird, eine Soiree, hei welcher «auch König Georg mit der Königin erüeliiomn war. Dieser hohen Auszeichnung wird in jfn I ondoner I lolkreisen um so höhere Bedeutung hem ׳ messen, als gewisse Kreise gerne die Hehatip• um.: verbreiteten, daII König Georg kein Freund der Juden sei und die Beziehungen, die zwischen König tdu.ird und den jüdischen Hausern Rothschild und 53s oon bisher bestanden, nicht fortzuselzcn gedenke. Es wird nun behauptet, dall König Georg Gewicht dar• auf lege’, die**: Gerüchte zu zerstreuen, weshalb er vor kurzer Zeit den Chef der Familie Sassoon und jvi 1 denjenigen des I lause» Rothschild mit seinem Hi.■uclte auszeichnetc. H'faien Der König der Belgier hat unseren (iesiiuuings- (,׳!׳.ossen Mr. C.larence J. de Sola, der bisher den!,‘.,•וו*, eines belgischen Vizekonsuls bekleidete, zum Iv. isid des Königreichs Belgien in Ganatla ernannt. \t. de Soda spielt itn öffentlichen jüdischen Lehen t!:1.■das eine bedeutsame Rolle und hat sich uameutlu 11 als Präsident des Canadischen Zionistcnverh..ndes hervorgetan, Tunis Bei der jüngsten Beschielhing von Benghasi durch die Italiener wurden einige Juden englischer Staats• Migehörigkeit, die itn englischen Konsulat Zuflucht c(*sucht hatten, gelötet, andere mehr oder minder schwer verwundet, Ein Telegramm aus Malta besagt ferner, daft die Araber in Benghasi vor dem Bomhardement die Hauser der Juden plünderten. Ae fff/p fen Der Magistrat von Alexandrien bat beschlossen, von nun kn das Rathaus der Stadt Alexandrien am jüdischen Versölmungslag geschlossen zu halten. Der Beschlult gelangte am jüngsten Jom- Kippur bereits zur Ausführung, was unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung grölte Befriedigung hervorrief. Auch die Börse von Alexandrien war am Jom* Kippur streng geschlossen. : HfiBRfiEISCH : Die Möglichkeit, hebräisch zu lernen Heule, hei dem Beginn unserer Kurse soll auch an dieser Stelle noch einmal der Werberuf ertön״׳.׳. Nicht, ü.1l> unsere Kurse (ür Zionisten um־ oiler auch mir wesentlich für sie bestimmt seien. Wir haben ja heul schon viele andere unter diesen Schülern und hollen bestimmt, unsere Bestrebungen immer weiter in diese Kreise, ja seihst unter die zu tragen, die jüdischen Dingen heute noch recht fern stehen. Aber wer nach hebräischem Unterricht ja immer gerufen hat, das waren doch gerade die Zionisten. Und ihnen sei noch einmal gesagt warum wir auf sic gerade rechnen und in welchem Sinn wir ihre Mitarbeit erwarten. Schon der achte Kongrelt halte das Hebräische als offizielle Kongrcflsprache anerkannt; der letzte Kongrelt aber hat auch allen Zweiflern bewiesen, welch eine Rolle und Stellung sich das llchriiischc schon in der zionistischen Organisation erworben hat. Die Schaffung jeder jüdischen Kulturarbeit wird au das Hebräische nn/tikniipfai haben. Und wenn neuer• diugs häufig von der Schaffung neuer jüdischer Werte gesprochen wird, so besitzen wir in dem I lehräischeii bereits den jüdischsten Werl. Die ncuhcbräischo Ui• teralur ist der Schlüssel zum,.Verständnis der moderneu Judciigcschiehte mul der Umwicklung auch 1111• serer Bewegung. Mit dieser Erkenntnis allein ist es aber nicht getan. Die Feststellung dieser Tatsache blcilü blasse Theorie, solange man nicht die Konsequenzen daraus zieht. Im vorigen Winter haben wir damit begonnen, allen, die es wirklich ehrlich wollten, die Möglichkeit zum Erlernen des Hebräischen zu bieten. Der Urüdg hat bewiesen, (lall man bei einigem FleilS und rege!• mältiger Teilnahme an den Kursen sich schon in kurzer Zeit recht schöne Kenntnisse erwerben kann. Methode, Lehrmittel und Lehrkräfte sind von uns so gewählt, dall sie den Vorkennluissen und Anforderungen der hiesigen luden entsprechen. Ein anderes ist die vollständige neherrselmng der Literatur und Sprache in Wort und Schrift, ־ ein anderes das Verständnis für den grammatischen Aufbau und die wichtigsten soracliliehen Erscheinungen und die Fällig• keil, eie praktisch in Unterhaltung und Lektüre zu verwerten. Zur Erreichung beider Ziele werden wir imsern Besuchern je nach ihren Vorkeuutuisseii in den paar Winterabenden, die wir von ihnen als Opler verlangen, verhelfen. Die Kurse finden im Westen jeden Dienstag ״heml JUED1SCHE ft IJ N D 3 CIIA U von 1/s0-10 in der I*). Gemeinde׳.chule Dleibtren• .stratte'l't, mul im Zenüuni der Stadt jeden Sonntag vormittag von 1,;!Ul I in der höheren Mädchenschule Monbijiuiplatz tü statt. Die Organisation für liebrl’i: che Bprnchc 111141 Kultur Ortsgruppe Berlin. * Organisation für licbräiacho Sprache und Kultur Ortsgruppe Berlin Die von unserer Organisation eingerichteten Kurse haben begonnen. Sie finden zu folgenden Zeiten statt: Lehr st iitte W. (ibarhitlenhuig, Dlcibtrcu• stralle :)<), nahe Savignyplatz, Geineiudesclttde. Dienstag abends 1 •ü '10 Uhr. L e 11 r s t ä t t e (;. Berlin C. 2/ Moiibijouplatz 10, Höhere Mädchenschule, Sonntags vormittags u,12- 1 Uiir.!)er Eintritt in die Kurse kann mich jetzt ohne Nachteil für die Teilnehmer wie für uns staltlimleii. Wir wiederholen daher noch einmal die dringende Auf• ford.!rinig, sieb, wenn irgcmlmögliclt, au unseren Kursen zu beteiligen. 111 der Svptembcriuunmer des ״Zionist" findet sitli folgende Anregung: ״Fs ist Sille, dall wohl• haltende Juden ihren Kindern Erzieherinnen geben, die eine andere Sprache als die heimische sprechen, und den Kindern neben der Kenntnis der eigeiu•!! Sprache die einer andern, fremden, verschaffen Milieu. Fs wäre sehr wohl möglich, dall man an Stelle dieser Uouvcr• uaiiien aus Frankreich, England usw. hebräische Fr• zielieriimen setzt, wo doch schon heiitziilage so viele junge Mädchen in Palästina eine ausscluielilich lu•• maische Erziehung empfangen, die sie zu einem solchen Erziehuiigsamt befähigt. Das würde der gesannen Judcnheit nur nutzen." PALAeSTINA-RUNDSCHAU Auf Veranlassung des Herrn S. I). I.evontin, Direktors der Anglo-Palestine Company, fand in der seph,irdischen Synagoge in Jaffa ״KeliiHalli Jakob" am Er. Oktober d. J. ein Hittgotteulieust (ür das Wohlergehen des Sultans und den günstigen Ausgang lies türkisch-italienischen Krieges stall. Der Kommandant der Jatlaer Garnison, l/.zet II c y , der Kaimakam, die Mitglieder des Komilees ״Einheit und loi!schrill" und die Spitzen der Jaffaer Gesellschaft wohnten der Veranstaltung hei. Gliaelinm Simon hielt eine hebräische, f)r, Moyal eine arabischi• und Herr Abravaya eine türkische Ansprache. Obnrahhiucr Kuk richtete an die Versammelten den Appell, die vaterländischen Interessen auch durch Beiträge zu den Kosten der Landesverteidigung zu fördern. Hierauf wurden in feierlicher Weis!׳ verschiedene Psalmen, sowie spezielle Gebete fiir die Wohlfahrt des Heeres und aller Bürger des ottomaniseheu Reiches vorgetragen. Die Oeffnung der heiligen Linie vollzog der Konunamlaiit der Garnison. Dieser sprach zum Sclilull der jüdischen (iemeimle den Dank der Heeresverwaltung aus und hob die musterhafte vaterländische Gesinnung hervor, die die ottomauisclie Judcnlicii zu allen Zeiten bekundet hat. Er ermahnte die Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse zum gegenseitigen Frieden und zur Aufrecliterhallmig der öffentlichen Rulle in diesen bewegten Zeitkäufen. aomsriscHe oev/cGurie Gruppen verband Rhelnland.Wcstfalen Am 22׳. Oktober fand in Köln die Tagung des Rheinisch Westfälischen Grappcnvcrbandcs statt. Mehr als rd> Delegierte aus den Orten Aachen, Barmen, Bonn, Köln, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Fiberfehl, Eschweiler, Essen, Homburg, Montjoic, Neuenahr 11ml Schwelm waren erschienen, Nach den Beprülhmgsunsprachcn des Vorsitzenden mul des Herrn David Wolfsohn wurde der Bericht über das verflossene Geschäftsjahr erstattet, aus dem hervorging, dall der Verband siel) in stetiger Entwicklung befindet, zurzeit III Orstgriippcu und 5 Sclukel/nliler• gruppen umfaftt und in einer Reihe von Orten Ver• Iratirnsleide besitzt. Nach einem überaus instruktiven Referat des Herr» Kurt Blumen fehl, de״ die Z. V. f. I), dankenswerterweise entsandt halle, irnil zwei Be• 1׳eitlen der I lei reu I) r. Gr (i 11 e l> erg - Elberfeld und Julius Kaufmann (Eschweiler) über ״Agi• tatioiiNinclhodcn" wurde m die Diskussion eilige• trclen,;חן der sieh vornehmlich die Herren Wolff. söhn, Dr. Bodcnhcimcr und Bliimcnfeld beteiligten. Die Debatte ergab, dall in der Versammlung über alle wichtige Fragen der Organisation und Agitation volle Einigkeit herrschte. Die Leitung des Verbandes wurde wiederum einem ArhcitskouiUee mit dem Sitz in Köln übertragen; alle den Gruppen Vorstand hetr. Zu• schriflcn sind au den Vorsitzenden, Rfdr. Dr. Albert K r 11 ui e r, zu richten. Am Abend des gleichen Tages sprach Herr B I u m e 11 f e I d in einer gut besuchten Versamiuhuig über ,,Assimilation und Zionismus", Den mit grollein Beifall nufgciiommciicn lichtvollen Darlegungen des Kcdiici׳• folgte eine lebhafte Diskussion, Ul der neuen anderen Herr Munk den Standpunkt der Orthodoxie pcpciiüöcr dem Zionismus vertr.1t. Von zionistischer Seite sprachen Har Dr. Uodaiheimer und Herr Dr. Goldherp-Neuenahr. Als Erfolg des Abends konnte die Ortsgruppe Köln die Anmeldung von 3 neuen Mit• gliedern verzeichnen. RUNDSCHAU D£R PR655G ffazt'/lruh, Wtrrsvhau Das Blatt hat den Ergebnissen des X. Zionisten• koiiprcsscs eine Sondernummer gewidmet, aus deren reichem luhall die folgende״ Ausführungen Davis Irietsclis zur Emigrationsfrage wiedergegebeu seien: , , ״ . . . Unbefriedigt bin ich von der Haltung des Kongresses in 11er l:nnj!rationsfm1׳e. Herr WoHfsonn, der in seiner Eröffnungsrede ihre erstmalige Behänd• taug aut einem Kongresse aiikundiglc, fugte gleich hinzu, tlnlv sie eigentlich nicht zu unserer Arbeit g e 11 ö r e. I)er Kongrelt sagte nichts dagegen. Audi nicht auf die Referate der Herren Knt/unelsolui und Atolzkin. die sieh in der I lauptsaclie auf den gleichen Standpunkt stellten. Als ich dann gegenüber dieser 1111 z io 111 s 11 א c 11 all jüdischen Auffassung die zionistische zur Geltung zu bringen suchte, wurden erst vom I ra• siilimu mul aus der Mitte des Kongresses heraus aber• lei Störungen versucht. Damit wurde eine gelingend grolle Anzahl von naiven Genossen soweit bceui- Bullt, dall schlicltlidi der Antrag auf Schaffung eines zionistische 11 E m i g r a t i o 11 s a nt t e s keine Annahme seitens des Kongresses fand. Wer's im Protokoll lesen wird, wird staunen. Wenn nicht in einigen Wochen, so in einigen Jahren. Aber sdilielllicli kann der Kongrelt die neue l.eitung nicht hindern, aufzugreifen, was ihm bc* s n n d e r s d a c s unter II e r 111 u n g a » i « ■ e ui a n g e I n d e n Mittel geschah zu hesclihelten nicht tunlich schien. Interessant aber ist cs, dall ein zehnter Zionistenkongrell sieh auf den Stand• punkt stellen konnte, die Emigr.rtiousfrage sei eigentlieh nicht seine Sache. Eis handle sieh hanplsa׳,lieh um Mitarbeit au der Oigaiiisation der Zerstreuung. Ein Emigratioiisamt sei ein zu neues Ihcina. Die Mittel dafür zu beschaffen, sei ein fragliches Begumen. Alles das in der absoluten llimpt• frage des Zionismus! Schon auf dem Kongrelt konnte ich tlnrlegcn, wie 110111־ nicht der traurige Z1ist.mil Palästinas, sondern d er des j ti d i s e 11 eit Volkes ׳ms in der /iouistischc״ Organisation /usammengeführt hat. Der Werdegang des Zionismus ist doch der, dall zunächst eine J 1111 e 1111 o t erkannt wurde. Lösung so sagte schon vor Jahrzehnten Nar* I even liegt m der A 11 s w a n d e r u n g. Frage oh Zerstieiuuig oder Sammlung, wird von nationalen Juden im Sinne der Sa mm- 1 n g , von den konsequent* n a t i <> n a I c n 1 Sinne der e i n e 11 Konzentration in Palästina 11 re isse )ie eil Nach Zurückhgtmg aller dieser Gedankengänge st Italien wir die Möglichkeit eines Zionismus, her noch der zehnte Kongrelt konnte die Idee, die 111 und seine neun Vorgänger /usammengeführt alte, in ihrem alles a 11 d e r e w eit über* a g e n d!11׳ II a 11 p t i 1111 a 11 tot a I v e r k e 1t n e n, ml sich der Mitarbeit an prä/ionistisclien und nftcr־ onistischai in beiden Fallen aber 1111• und anti• onisliscben Lösungen zimeigcit ... Die Ursache der Haltung des Kongresses ist ziem• eh klar. Es ist die g r 0 11 z c n I o s e Unkenntnis on den Möglichkeiten Palästinas, und ie Ignorierung der jüdischen Möglichkeiten in crbindimg mit der Entwickelung des türkischen > r i e 111 s. Der Zionismus ist d ie Losung der Judcitfragc, die olk und Land wieder zusanuuenbriiigen will. Diese ösung kann in Angriff genommen werden durch rbeit am L a n d e und durch Arbeit am ץ o 1 k c. in Zionismus, der sieh seihst versteht, wird von e i d e 11 A r b c i t s f e I d 1׳ r n a 11 s bemüht sein, eine programmatische Lösung in die hilfreiche Tal Frankfurter Isroc/U, Faniih'vnhfaff Unser trelflieh geleitetes Frankfurter Brtiderorgan beurteilt die Lage innerhalb der Alliance wie folgt: ״ . . . Demi so blind ist wohl niemand mein, nicht cin/iiseheu, dall die D11 r e 11 f ü 11 r u 11 g des K ס o p t a t i o 11 s p r i 11 z i p es di e ווו o r a I i s c h e und faktische V c r 11 i c 11 f »t 111» der A 11 i 11 n c c bedeutet. Dam weder wird die Alliance dann eine Alliance universelle sein, noch eine Alliance israelitc, ja nicht einmal eine Alliance wird sie dann liberliaupl sein, es sei den t, dall man den Klub von l<) Pariser Herren, die in jüdischen Dingen mir so viel wissen, dall man den Anordnungen Salomou Reiuachs und Jacques Bigarts unbedingt folgen muß, noch mit dem Namen einer Alliance belegen will. Daft die einzelnen Mitglieder überhaupt, die deutschen insbesondere, in diesem Falle nicht mehr das geringste Interesse daran haben, einen solchen Klub finanziell zu stützen, leuchtet woltl ohne weiteres ein."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.