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Jüdische Rundschau · 1911-10-27 · Heft 43 (27.10.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 43 (27.10.1911)
Date
1911-10-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Seite 511 J UEDISCH E RUNDSCHAU sonderen, auf die der Verdacht der Prinzipienlosigkeit und Unniornlität fällt, schweren Schaden leidet? Eine (»nippe jüdischer Advokalursgchilfen des Odcssaer (»crichtsbczirkcs erachtet es deshalb als *ihre Ciewissens• und Staudespflicht, das Komitee zu befragen, vas es zu tun gedenkt, um derartige Erscheinungen innerhalb unseres Standes zu bekämpfen." Der Obmann der Organisation, Herr J. Uro• tlnwsky, erklärte, dal) das Komitee sieh mit dieser t rage bisher nicht befallt habe, dall es aber diese hk lärmig zur Kenntnis nehme und über die Augrlcgenheit ernstlich beraten werde, Advokat Kalmauoviteh, der nach Stolypins Er• i.Mtrdung wegen Verdachts der Mittäterschaft gelangen j .'elzt wurde, ist freigelassen worden. Die Kiewer Juden durften wiederum dies Jahr;.,ine Laubhütten ohne polizeiliche Erlaubnis erriclw mi, und die Erlaubnis wurde überall verweigert, wo!.!.ווו die in Aussicht genommene Laubhütte von der '■ralle aus hätte sehen können. Im Hinblick auf die beabsichtigte Zusammen• Ucrufung der Mitglieder der Odcssaer jüdischen Ge•!!icinde zwecks Wald eines Kronrabhiners (welcher :,osten lange Zeit hindurch von direkt vom Präfekten •.׳mannten Personen ausgefüllt wurde) hat General iohnatclieft angekündigt, daß nur diejenigen Mit- Jieder wahlberechtigt wären, die die Synagogen ״regelmäßig“ besuchen. Turkcstan Bei den Ucbcrfttllcn auf die Juden in Osch U'urkestan) wurden 20 Juden verwundet, darunter 7 I u b c n s g c f ä h r I i c h, Die Schwerverwundeten haben im Militärhospital Aufnahme gefunden. Gegen nie Anstifter und Teilnehmer der Exzesse ist eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Bisher wurden 18 Personen verhaftet. Der vermißte Sartcn• knabe, dessen Verschwinden zu den Unruhen geführt hat, ist übrigens alsbald heil und unversehrt mifgc• funden worden. Rumänien Ein Postbeamter bot kürzlich einem Hukarester Rabbiner ein Buch zum Kauf an, das ein zum Christen• tum übergetretener Jude vor hundert Jahren ver• Öffcntlicht hat. — Der Verfasser war an einer Schule beschäftigt, wurde seiner schlechten Eühruug wegen jedoch entlassen. Aus Rache trat er über und .schrieb jenes Buch, eine häßliche Schmähschrift, die u. a. das Blutmärchen bestätigt. Dies infame Pamphlet wurde in deli I landen der rumäuis :he 11 Antisemiten zur Mordwaffe, Bei jeder Ritualmordanklage holte man es hervor; kurz, die Judenfeinde bezogen ihre stärksten Argumente aus dem Buche eines ehe• maligen Juden. Der Postbeamte, der wahrschein• lieh das einzige noch existierende Exemplar besitzt, ־ hat versucht, es vorteilhaft zu verwerten, indem er den Juden drohte, die gefährliche Schrift neu heraus• zugeben, wenn man sie ihm nicht zu ansehnlichem Preise nbkaufen würde. — Die rumänischen Juden haben jedoch das Anerbieten abgelehnt. Amerika Wie das Wolffsche Telegraphcnbureau unterm 24. Oktober meldet, hat das n a t i o n a I e 11 ii r g e r komitce den Plan gefallt, eine Agitation!m ganzen Lande zugunsten der Abaci a'fun;׳ des Hnndclsvcr• träges mit Rußland einzuleiten, da dieses sch weigert, die Pässe der amerikanischen Juden zu visieren. Massenversammlungen so'len in den grollen Städten abgehalten, lind der Kongreß soll kurz, mul bündig aufgefordert werden, den I landelsvcrlrag ab zuschaffen. Laut einer Mitteilung, die Im ״Globe“ in L'imlon vor (inigen Tagen erschienen ist, fordert die Regie• rung von Nicaragua die Juden Rußlands wie auch anderer Länder, wo sie verfolgt werden, auf, nach Nicaragua auszuwandern und sich dort als Landwirte nieder/ulas ־.eil. Diese Einladung erfolgt offiziell durch Herrn R. Sosma 11, den Generalkonsul der zeutralamerikanischen Republik in den Ver• einigten Staaten, der selber ein russischer Jude ist und bei der letzten Revolution in Nicaragua eine hervorragende Rolle gespielt hat. Jedem jüdischen Ansiedler werden 110 Morgen!.and versprochen. Im Pille einer größeren jüdische.1 AinictUimg würde die Regierung bereit sein, örtliche Autonomie zu ge• währen. In der Notiz des ״Olobe" wird ferner berichtet, cs verlaute, daß die nicnraguanische Regierung sich mit einer der großen jüdischen Wohltätig• keits Organisationen in Europa in Verbindung setzen wolle, um?ie für die Gründung einer solchen jü• dischcn Ansicdhmg zu interessieren. Diese Nachricht ist mit der Vorsicht aiif/mahmcn, die »ich nach den zahlreichen An$icdlungs*Projcktcn der letzten Jahre dringend empfiehlt. Es wäre gewiß wünschenswert, der jüdischen Massencmigration neue Wege zu erschließen, doch Ist cs mehr als zweifelhaft, ob Nicaragua ein für größere Judenmassen geeignetes Gebiet darstcllt. Das Klima ist dort im wesentlichen tropisch und von den 1 Lilien aus, wo Europäer leben köimlcu, würde* :ich der Absatz der Boden- Produkte, vorwiegend Mais und Kaffee, sehr schwierig gestalten. Türkei Wie wir erfahren, haben Zionisten in Petersburg riiien Brief mit der Unterschrift von tat) jungen Juden aus Warschau erhalten, um ihn dein türkischen Botschafter zu übermitteln. In diesem Briefe bitten die jungen Leute um ihre Zulassung als Freiwillige lut türkinchen Heere. Die Unterzeichner bitten den Botschafter um telegraphische Auskunft über die nötigen Formalitäten. Der Brief wurde der türkischen Botschaft übermittclt. * Wie gemeldet, hat der Gouverneur von Aleppo die Eutsit/uiig des (iroßrabhiners der Stadt wegen Amts• mißbrauehs verlangt. Der Justiz• und der Kultus• timiister haben sieh au das Großrabblnat der Türkei mit einer Aufzählung der Klagen gegen den Großrabbiuer von Aleppo gewandt. Die Haiipibcschwerden gegen ihn sind folgende: Er hat auf Bcschueiduugeu, Heiraten, Begräbnisse mul Kaufverträge zwischen Juden eine ungewöhnlich hohe Steuer gelegt, und die, die die Zahlung verweigerten, durch Drohung mit dem Bann cinge• schüchtert. /Such hat er sielt Entscheidungen über Zivil• und Strafrechlsfälle aiigemaßl, Geldstrafen erhoben und einen Juden 24 Stunden lang im Gefüugnis des Großrahbiuats eingesperrt. Das Groß• rabbiuat hat geantwortet, daß cs prinzipiell die Amis• entsetzung eines Geistlichen ohne Untersuchung ah• leimt. Es hält jedoch den Groltrahhincr wegen der ungesetzlich hohen Steuern für 'schuldig. Zur Untersuchung der anderen Klageptmkte wurden zwei De• legierte nach Aleppo gesandt. * Die Regierung hat wahrscheinlich wegen des Gottesdienstes hi der Armee das Großrabbinat angefragt, worin die Funktionen eines Geistlichen bestehen, oh der Gottesdienst einen oder mehrere Priester erfordere, oh der Geistliche eine besondere Kleidung außerhalb wie innerhalb der Synagoge tragen müsse. — Das Grollrahhiiiat hat in einem Takrir alle zur Aufklärung der Regierung nötigen Erläute• rungen gegeben, um Mißverständnisse, die daraus entstehen könnten, daß die jüdischen Kultushcamtcn außerhalb dl־r Synagoge keine besondere Tracht tragen, zu vermeiden. * M. Iligard, der Sekretär des Zentralkomitees der A.J.tJ. hat das Schulkomitee in Uskub davon benachrichtigt, daß der Schuldirektor infolge der Feindseligkeiten gegen ihn nach Mouastir versetzt worden ist, ohne ersetzt zu werden. Die Uskuhcr Gemeinde hat sielt an den Groß• rabhiner der Türkei gewandt mit der Bitte, heim Zentralkomitee in Paris einzuschreiten, um diesen außerordentlich schädlichen Konflikt hcizidcgcn. Die jüdische Gemeinde in Bagdad hatte sich darüber beschwert, daß nur 5"״ Juden zu den höheren Schulen des Gouvernements ztigelassen würden. Der Untcrrkhtsininister hat darauf dem Qroßrabhinat mit• geteilt, daß niemals Befehl zu einer derartigen Maß• rcgel gegeben worden sei, uml daß er den Direktor des Erzielumgsweseiis in Bagdad um Aufklärung ersuchen würde. PALfieSTIRA-RUMDSCHAU I )1 r II ü r g e r in e i s t e r v o 11 J c r u א a t e nt, II. II. el Husseini, versendet mit der Bitte um Ver• üffcutüeliimg den folgenden Protest, den die erwählte Körpeiscliaft der Bevölkerung von Palästina an die GculLuädUe und tut die Presse gerichtet haben•. ״Ohne Grund, ohne provoziert zu sein, hat Italien uns den Krieg erklärt, indem es unsere inneren Schwic• rigkeiten uml die internationale politische Lage aus• nutzt ־. Es hemmt den Schwung unserer konstitulio• ließen Entwickelung und stört den Frieden im Orient, dir so notwendig für die politischen mul Wirtschaftliehen Interessen aller Mächte ist, Italien handelt so, um uns brutal ein Stück unseres Reiches zu ent• riißen., Es droht die Integrität unseres Vaterlandes, dessen V e r t e i d i g u 11 g m i t 1111 s e r e m B 1111 w i r g e loht h a b e n. Es verletzt so die h.iügen Rechte jedes Individuums mul jeder Nation und beschimpft durch Proklamicrimg der Suprematie d.r brutalen Gewalt die ganze Menschheit. J.ri salem, die Metropole der Religionen und Pro• phrten, die Wiege des Heils, der Gerechtigkeit und des Rieht־, die allen Herzen teuer ist und allen He• Kenntnissen, welche sich an seine geweihte Ställe flüchten, gastliche Aufnahme gewährt, wendet seine Blicke nach den Oroßmilelilcii uml erlicht seine Stimme vor der sittlich denkenden Menschheit, um ihren Beistand zu erbitten gegen den beispiellosen Willkür• akt Italiens, dem die türkische Nation weder die Ileraiibung noch die Verstümmelung unseres Vaterlandes gestatten wird.“ Diese Protesterklärung ist unterzeichnet von dem Mufti Kamel, dem Uulcriiiufti Aalier, den Ulcmas Mussa, Ohefik und llaldi, von dem griechischen Dele• gierten Avdcros, dem lateinischen Delegierten Danil uml dem armenischen Delcgicilen Walian, ferner von dem Vorsitzenden des jimglurkischcn Komitees Assaf, dem Bürgermeister von Jerusalem Husseini, dem Großrabbiuer Bctito, den Mimizipalrätcn Negib, Namar, Tabcr uml Koloh, dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Handelskammer Waffa und An• tehi, den VcrwaUimgsräten Fehti, Rabali, Farau und Sernfin, dem Vorsitzenden der i s r a e I i tischen Gemeinde Valero, dem Vorsitzenden der Arheitcrgewcrkschaft Kanal, den Generalräten Elgaeliar, Mliemcd, Tabcr, Osman und Nachachibi und dem Rechtsanwalt Negib Ahusstian. Mit Rücksicht auf das Anwachsen der Zahl der Jerusalemer Juden, die Hebräisch als Umgangs• spräche gebrauchen, verlangt die Polizeibehörde• daß die in Jmlenvierteln diensttuenden Polizisten Kenntnis in dieser Sprache haben. Soeben ist das Kaiserliche Berat erschienen, durch das die Wahl des ehemaligen Oroßrabbiners von Rliodus, Rabbi Mose France, zum Cltachambaschi von Jerusalem, bestätigt wurde. * Man gibt sieb vielfach der Hoffnung hin, daß der neue Oroßrabbiner die bestellenden Zwistigkeiten innerhalb der jcrusale• mitischcn Gemeinde beseitigen wird. * Die im Jahre ISOG von sephardischen Juden aus Bulgarien gegründete Kolonie Artuf (hebräischer Name: Har־Tow) an der Bahnlinie Jaffa-Jerusalem I entwickelt sich seiir gut. Der früher kommunistisch bewirtschaftete Boden ist jetzt aufgeteilt, und die Streitigkeiten mit den in Bulgarien zurückgcb'iebcncn Genossen sind endgültig geschlichtet. Vor kurzem versammelte Jieli die Jugend, der Kolonie, um über die geistige Hebung der Bewohnerschaft Rat zu pflegen. Es soll eine Bibliothek und Lesehalle, ferner ein Kursus zur Pflege der hebräischen Sprache und Literatur eingerichtet werden. Auch die von dem Odcssaer Komitee der Chowcwc-Zion subventionierte Volksschule soll einer gründlichen^Reorganisation unterzogen werden. Demnächst wird Herr J. L. Goldberg aus Wilna, der ein größeres Out in Arluf besitzt, die Kolonie besuchen. Die Kolonisten rüsten sieh, diesem verdienten Patästinafrctmd, der dieser Tage das Jubiläum seiner 40 jährigen öffent• liehen Tätigkeit beging, einen festlichen Empfang^ zu bereiten. Zum Direktor der Volksschule in Chedcra wurde der bekannte Pädagoge und hebräische Schrift• Steller Israel Beikind bestellt. Herr Betkind wird hier die Herausgabe seiner populärwissenschaftlichen Monatsschrift für die Kunde Palästinas ״Hammeir“ forlsct/en. Mit der jüngsten Lieferung des im 0. Langen• s c 11 c i d sehen Verlag in Berlin erscheinenden Thesaurus Io t i 11 s II e h rn i» a t i s von Elicscr Be 11• leb 11 da liegt der dritte Band dieses großaiigelcgtai Werkes abgeschlossen vor. Derselbe reicht lvs zum Artikel ״Ohara da“. Zur Feier dieses leierarischen Ereignisses versammelten sich im Hause des Autors in Jerusalem eine Anzahl jüdischer Gelehrter und Schriftsteller, die Herrn Bcn*Jeh1ula zu den Fortschritlen des bedeutsamen Werkes beglück• wünschten. Es waren aus diesem Anlässe auch zahl• reiche Glückwunschtelegramme eingelaufen. Das regelmäßige Erscheinen der weiteren Lieferungen des Wörterbuchs kann als gesichert gelten. 210msT1$cHe Bewegung Die Zusammenstellung der im Zeitraum vom 1. lamiar bis '10. September 1011 eingelaufaien Natioualfomlspemleu (Welt, Nr. 42) und ihr Ver• gleich mit demselben Zeitraum des vorigen Jahres läßt uns erfreulicherweise wieder einen guten Fort• schritt erkennen. Beliefen sich die N. F.•Einnahmen iui Jahre 1010 auf 270 761,50 Mk., so können wir im Jahre 1011 den Betrag von 450807,00 Mk. aus• weisen. Das Mehr beträgt a'so 5t 146 5t Mk., gewiß eine achtbare Summe. Allerdings sind nicht alles Länder an diesem Erfolge gleichmäßig beteiligt. Aus den bekannten Schwierigkeiten, die die N.-F.-Propagamla in Rußland /!.fiimlen hat, leitet sich die ziemlich beträchtliche Ahnahme der N. F.״Erträgc in diesem Lande her. Bis auf einige, wenige andere Länder ist aber der Erfolg des N.-F. allenthalben im Aufstieg begriffen, obwohl in den letzten Monaten die Ein• laufe etwas zurückgcgatigcn sind; ein Resultat, das der Kongreß und sein glänzender Verlauf eigentlich

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