Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1911)
- Date
- 1911-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 509 I י, ’ 1 * V Nr• 43 JU Li DIS CK 1' U l'l 1):י C i i A U * Volksgestaltuug und inncihalb einer kraftvoll gejflilossciu’n Organisation ihrer Ucbcrzciigiiug /mn Siege verhelfen. lasset nns nicht allein ringen und kämpfen, tretel mit ganzem Herzen in den Dienst unserer Sache! Mit Ziousgrtill Zentral-Uureau der Föderation ״Misrachi". Tין Zu Zollschaiis Vorträgen Wir wollen es uns nicht versagen, auch heute ו וו *eh einmal auf die Bedeutung der /.ollschanschen \'.י träge für zionistische Kreise hinzuweisen. Die h' >senfrage ist ein!,rohlem, an Jen! der Zionismus nvlit nur aus dem Grunde nicht achtlos vorüberg Iien darf, weil irrige Vorstellungen und Rassenhall dt 1t sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus geh,';en haben, sondern weil uns gerade auf Grund .<! aktiver Kassenstudien wichtige Argumente für den /.uiiismtis an die Hand gegeben werden können. Zollschan hat in wissenschaftlicher Kritik des \ •'!liegenden Heweisinaterinls jenen falschen Anschau•!eigen von der Superiorität der arischen, speziell der!manischen und der Inferiorität der semitischen!Cassc, den Hoden entzogen, Anschauungen, weiche; hon so tief in jüdische Kreise ciugedrungen sind, dal! Juden selbst an der eigenen Minderwertigkeit nicht mehr zu zweifeln wagen und nur der einen faulenz. leben, sich den als überlegen anerkannten •rischen Völkern zu assimilieren, um in ihnen auf- /!(gelten. Nur eine Idee von der Gewalt und Tragweite «les Zionismus vermag dieser Tendenz das Gleichgewicht zti halten. Aber jene Tatsache, dal! der Zionismus schon nicht mehr imstande sei, das Schicksal der gesamten Judeuheit zu beeinflussen, führt Zollschan auf eine falsche Argumentation zurück. Erst wenn der Zionismus nicht mehr als eine Reaktion auf den Antisemitismus, mit dem er somit gleichzeitig verschwenden würde, nicht als eine Keaktion auf eine mißglückte Assimilation empfunden wird, sondern als der stärkste Ausdruck jener reinen Idee, die sich in Erkenntnis des Rassenwertes der Juden der Assimilation bewußt verschließt und die sich In der stärksten Bejahung der Kulturfähigkeit der Juden äußert, erst dann wird Hoffnung vorhanden sein, daß die Idee des Zionismus in jene Kreise dringt, die durch tausend Mittel die eigentliche Macht im Judentum in den Händen haben. An der Hand historischen Heweismaterials entwirft Zollschan ein Bild jener Werte, welche die materielle und geistige Kultur der semitischen Rasse verdankt. Der Dissoziationsprozeß aber, der sich in unseren Tagen vollzieht, und der uns von Kuppin und Theilhaber in seinen einzelnen Phrasen scharf gezeichnet ist, ist an der Arbeit, um •den Kulturwert der jüdischen Rasse zu vernichten. Nur eine völlige Regeneration der Rasse, wie sie in einer klaren Argumentation des Zionismus als Programm zu finden sein muß, vermag den Auflösungsprozeß aufzuhallen und den jüdischen Rnsseuwert der Menschheit zu erhalten. Denn ge׳ rade Im kosmopolitischen Sinne wäre cs ein Ver■ brechen, eine so hochgezüchtete Rasse spurlos ver• schwänden zu lassen. Hk näheren Angaben über Ort. Zeit der Vor träge. Preise der Plätze usw. finden unsere Leser im heutigen Inseratenteil. W. R. Der Knabe des Schulzen ״Geht uns heraus des Schulzen Knaben, Den ihr erwürgt! Gebt ihn heraus! Wir wisscn's wohl! Ihr wollt euch laben An seinem Blut zum Fcstcssehmaus!" Und in des Tempels stille Weihe Drang, wie Lawinensturz, ins Tal, Die Schar der Hauern. — Wilde Schreie Erfüllten grauenhaft den Saal! Der Scludz.e eilte zur Empore, Trat hin zu schrecklichem Gericht Und rief zum dichtgedrängten Chore Mit zornerfülltem Angesicht: ״Hat sich in sechsumldrciltig Stunden Per Mörder nicht vor uns bekannt, Habt ihr ihn nicht hcraiisgcfmulcn, Wird eure ganze Brut verbräunt!“ Und alle Juden fasten, beten Aus angsterfülltem Herzensgrund, Daß Gottes Macht in Todesnöten Sich tue durch ein Wunder kund! Doch Tag um Tag und Stund' um Stunde Vergingen, und kein Wunder war — Zum Holzbau strömte aus der Runde Die haßerfüllte ChristenscharI Der Schekel. Den zionistischen Gruppenleiten! mul VciIr.iiieiisIcuU•» in Deutschland sind in diesen Tagen die Schckclbloiks für das Jahr 5072 übersandt worden. Sci1ckcls;:111t1.1ung ist für uns die Orgauisatiousarheit an sich, die primitive Voraussetziing aller zionistischen Aktion und datier eine verläßliche Probe auf die innere Kraft und die Leistungsfähigkeit der Bewegung. Es verlohnt sich daher, den Beginn eines neuen Abschnittes in dieser Arbeit mit ein paar eindringlichen mul anfnuiuternden Worten ciirzuleiun, zumal unser neues Orgauisatious- Statut ja auch auf diesem Gebiete neue Bcstimmungen enthält. — Einen möglichst großen Einfluß auf den Kongreß cingcräumt zu erhalten, das ist das unmittelbare zionistisch-materielle Ziel aller Schekelarheit für die Landsmannschaft und für die Grlsgruppe; nud wenn wir bei unserer heutigen Iletrachtung dieses Moment ein wenig in den Vordergrund rücken, so geschieht das, weil wir sicher sind, daß die ideelle Bedeutung dieser Steuer und Zählung einem jeden Zionisten gegenwärtig ist. I Iahen ‘wir doch schon in den ersten Anfängen unserer Geschichte als erstes unter den Völkern erkannt, wie wichtig es für eine jede Gemeinschaft ist, sieli genau und zahlenmäßig über die Kräfte, die ihr für ihre Aktion zur Verfügung stehen, zu orientieren; und unsere Sehekclsnnimhiug greift auf eine Tradition der Volkszählung zurück, die zu Moses Zeiten ihren Anfang nimmt. Wir haben es also durchaus nicht nötig, unsere Freunde darauf zu verweisen, daß die Erkenutnis vom Werte statistischer Erhebungen in unserer Zeit Gemeingut aller Gebildeten geworden ist. Wie in so vielen Prägen, können wir and( liier angesichts der modernsten Entwicklungen auf das Beispiel unseres alten palästinensischen Juden tums oder gar auf das der Wüstenwanderung verweisen. - Zwei neue Bestimmungen von grund legender Betleutuiig enthält unser Statut, die für die Sehekelsammhing in Frage kommen: Zunächst die, daß nur die Zahl der an das A. C, abgelieferten Schekel bei der Einteilung der Wahlkreise in Frage kommen. Diese Vorschrift hat für uns wenig aktuelle Ile dcutung. Denn gerade die deutsche Landsmannschaft hat von jeher ihre Ehre darein gesetzt, die Schekel betrage miverkür/t abzuführen. Weit wichtiger ist die zweite Bestimmung, die besagt, daß die Schekelsumme beider Jahre von Kongreß zu Kongreß für die Maudatsziffer maßgebend sein soll. Bisher bot zwar der Kongreß, wenn er vor der Türe stand, dein Säumigen einen bedeutsamen Stimulus zur Zahlung seiner Steuer. Im kongrelilosen Jahre jedoch blich der Eingang häufig um mehr als 25״״ hinter dem des vorhergehenden zurück. Das muß nun anders wc*:den, wenn unsere Landsmannschaft nicht ins I lint.rlreffen geraten mul auf dom XL Kongreß stärker oder auch mir ebenso stark, wie auf dem letzten vertreten sein soll. Wir war 11 c 11 e i n c n j e d c n e i n z eIn cn unserer V e r t r a u c n sIcu t e d r i n g I i c h 81, die Tragweite d er neue n, B e s t i in m u n g zu 11 n t c r s c h ä t z e n. Oie Struktur unserer Organisation bedingt cs, daß die Schekelquittungen durch mehrere Hände gehen müssen, bcvor sie ihrer Bestimmung gerecht werden. Sie dürfen deshalb auf ihrer Wanderung weder heim Gruppenleiter, noch heim einzelnen Schekelsammler länger denn unbedingt nötig unbenutzt lagern. Nicht nur Und als der Sonne letztes Scheinen Das Kreuz, des Kirchtums r»gefacht, Da brach der Schulze mit den Seinen Zum Tempel auf. - Dort düst'rc Nacht I Er drang mit grellen Fackeln ein —־ Es tobt das Volk voll Rachegier — Um Stricke, Waffen dort und hier Ergoß sich bluiigroter Schein. — ״Die Frist ist um! Wer ist der Mörder!“ Begann des Sclml/cii Donnerwort; Und Stille rings; nur Schluchzen,‘Weinen Stahl sich im Saale heimlich fort! Da tönte fest und langsam schwer Von einem Juden, arm und alt, Ein lauter Ruf: ״Ich biu'sl Seht her! Ein Mörder! Nehmt mich in Gewalt!" Kanin war des Greises Wort zu Ende, Erhob sich j.iii ein Stiiimigehratis — Man band ihm rasch die schwachen Hände Und führte ihn zum Markt hinaus I l lell leckten schmerzenshcille Flammen An hohem Stamme sich empor, Und glühend stürzte er zusammen!-— Zum Himmel qualmte schwarzer Florl wieviel Sehekel cüigehcii, sondern auch ׳wie schnell das Inkasso vor sieh geht soll uns ein ׳rüfslein sein für unser organisatorisches Können. Die wöchentlichen Ausweise am Kopfe unserer ״Jü- (tischen Rundschau" unterbreiten den Fortgang der Sammlung unserer zionistischen Ocffcntlichkcit, und es bedenke jeder, wie viel das Beispiel, hier im guten oder schlechte» Sinne wirke» kann. Welche Bedcutung die Sehekclpropaganda bei ständiger intensiver Durchführung für unsere gesamte Arheit gewiniieu kann,.liegt auf der Hand. ״Ukaliquid fiat" sagt der Lateiner. ,Damit irgend etwas geschieht," Eine zionistische Arheit, und wäre es auch nur die, eine deutsche Reichsmark in einen jüdischen Schekel zu verwandeln, regt immer eine neue an. Gewiß werden viele bei der geringen pekuniären Leistung, die im Schekel von ihnen verlangt wird, die Wichtigkeit der pünktlichen Zahlung für den einzelnen unterschätzen. Und in der Tat, nicht jeder ist dazu disponiert, die Wahrheit des einfachen Satzes ״Viele Wenig machen ein Viel" bis zur letzten Konsequenz zu erfassen. Aber liier ist das finanzielle ״Wenig" nur das Sinnbild für ein ideelles ״Viel". Für das Bekenntnis zu unserem alten Volke und für den Willen, ihm eine Zukunft zu schaffen. Reaktion. Unsere Leser finden beute an entsprechender Stelle zwei Nachrichten, die einen jeden, dein das Wohl de; Judentums und seiner Orgatiisahonen am Herzen liegt, mit tiefem Hcdaucn erfüllen werden. Der Ausgang der Pariser CcntralcomiK- Sitzung der ״A. J. U." und der der Beratungen in der Statutenkoininission des ״D. J. G. B." mit seinen schweren Gefahren für den Bestand des Gemeindeblindes, In beiden Fällen bedingt durch ein Vorgehen, das — wenn auch sat/ungsfeimllich sich streng an die Normen des formalen satzungsgemäßen Rechtes hält; de facto aber ein Mißbrauch der Gewalt, der es moralisch als kleinen Staatsstreich qualifiziert. Die Herren, weiche die Verantwortung für diese Vorfälle zu tragen bereit sind, scheinen dann, wenn cs sich um Interessen der jüdischen Gemeinschaft handelt, einen sehr breiten Rucken zu haben. Wir beneiden sic nicht um ihre beiden Pyrrhussiege, die sich wie durch einen Zufall auf den Zeitraum weniger Tage zu- . sammeudriingen. Das nahe zeit'iche Zusammentreffen ln hier Ereignisse an s:ch ist gewiß kein zufälliges. Denn beide sind sie symptomatisch für die innere Lage im Ges.amtjudenUim: Oxenstjernas gerade bei uns so lange bewährter Satz kommt ins Wanken. Miscra plebs laßt sich nicht mehr so leicht •mit Unverstand und Mangel au gutem jüdischen Willen ״regieren". Die ״Regierenden" werden nervös und deshalb ungerecht und Imitat. Das ist die Zc.l, da Staatsstreichgelöste noch immer gediehen. Da geht denn vieles in Trümmer. Aber aus den Trümmern steigt etwas empor, dessen ideeller Wert sieh an dem Zerstörten nicht nies ich läßt: Ein fester jüdischer Wille und eine neue Zeit, Wir Zionisten werden aber beim Anbruch dieser Zeit des Fortschritts bekennen dürfen, daß wir unsere Pflicht getan. Der Papst in Jerusalem. Nach einer Zeitungsnachricht soll ein römischer Kardinal folgendes geäußert haben: ״Geht die Türkei jetzt in Stücke, dann wird der Fnpst das Heilige Lund mit dem Titel König von Jerusalem für sich bcan- Sprüchen, Erreicht er dieses Ziel, so würde er allen Ansprüchen auf die Herrschaft über Rom entsagen," Tags drauf drängt durch der Menge Schwarm Sich mühevoll ein alter Hirt, Des Schulzen Knaben auf dem Arm, Der sich im weiten Feld verirrt; Zum Sehulzciihntis kommt er gehampelt — Mein Gott, wer hätte das gedacht! — Wie’s mit den Händchen lustig strampelt, Mit ros'gcu Bäckchen glücklich lacht! Jakob Knoller. ii. Misceneri!: Vor vier Monaten hat die hebräische Tageszeitung ״Heed H a s ui a 11“ in Wilna ihr Erscheinen plötzlieh eingestellt. Wie uns mm aus Wilna mitgcteill wird, erscheint das Blatt demnächst wieder unter seinem iirsprtitigliclieu Namen ״Ha8man". Die Redaktion besteht aus den Herren B. K a t z, S. L. Ci tron, J. A. Trivus und Dr. Rablnsohn, die auch früher dem Redaktionskollegium des ״llccd llnsman" nugehürle». - Auch das Jerusalemer hebrä- Ische Tngblntt ״II!1 o r" erscheint nach kurzer Unterhrcchung wieder unter der vorigen Redaktion von B c n J e h u d a junior,