Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1911)
- Date
- 1911-10-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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N• 41 J U 1• DI S CIill U א D SCHAU Seite 487 ״jemals die Lebensbedürfnisse der Gesamtheit vor $jCh. Und immer war er mir der Hittsteller, der Fürspreclier, der Aus״ut/.er von persönlichen Beziehungen uml Verbindungen, niemals der sachliche Anwalt, der legitimierte Jiiteressenvcrtrcter. Er stellte nur sieh, ״jemals die Ciesamtheit vor, und lieft daher im anderen ״jemals das Gefühl aufkommen, einem heachtens• «erten Gegettpail gegenüber zu stehen. So war es bis jetzt. Aber wenn wir nicht wollen, jlalt das Elend unserer Brüder sich verewige, wenn «jr nicht selber in Elend und Knechlselialt zurück־ kehret» wollen, daun müssen wir die Methode andern ״ml keinen Augenblick langer dürlen wir damit zögern. ()je /eit ist ernst und drängt. Das Nächste, das geschehen m 1t II,; j t die Einberufung eines grollen i n 1 e r t e r r i t o r i c 11 c n j ü d i s c h e n K o n g r e s s e י , gewidmet der Krage der r u s s i jrlicn und rumänischen Juden. Wer ihn cinhernfvn soll? Eine Schar jüdischer Männer, deren Namen in der jüdischen und uichtjüdischcn Welt Verirauen erweckt. Wie er ziisamniengesetzl sein $0!i Mit weitgehendster Berüeksiehligung aller (irujipen und Richtungen der Jmlenheit, so (lall er den möglichst wahren Ausdruck ihres Willens und Stnheiis darstelle. An welche bestimmten Aufgaben er lierautreten soll? Auch darauf ist die Antwort 11• u;ist einfach. Vor allem muH dieser Kongrell die Behandlung, di• den Juden in Rullland und Rumänien zuteil wird, autoritativ und feierlich Uukumeuticreii. Die Welt sull das Entsetzliche, das sich dort abspiclt, erfahren, s״ll cs erfahren in seiner ganzen Tragik, nicht ver• nlli.igt und bagatellisiert, und nicht die Berichter• staitung einzelner soll sie hören, sondern den Auf• schrei, die Anklage, die f.osimg einer beleidigten Gesamtheit, eines entschlossenen Volkes. Das wird etwas anderes sein, als der!,rötest zufälliger Ver• Sammlungen und einzelner Korporationen, wird über• li.mpl kein Protest sein, kein Protest in Worten, höchstens ein Protest der sinnfälligen Erscheinung, - das Höchste, was auf dem Gebieter der Kmull;•.׳himg geleistet werden kann. Man denke nicht zu gering von einer solchen Kundgebung. Sie wird sicherlich ihre Wirkung nicht urfehlen, wenigstens insofern nicht, als sie die Auf• inerksamkeit und das Interesse der Welt erregen und damit diese über den toten Punkt der (ileiehgiiltig• keit herüberbringeu wird. Und das ist auch etwas, — allerdings nur dann, wenn mich gegenständliche Arbeit geleistet wird, wenn auch tatsächliche Voraussetzungen iiir eine Aemlerung der gefährlichen Situation ge. schaffen werden. Doch gerade diese Voraussetzungen soll der Kon. grell ja auch schaffen. Soll er und kann er, — zum grollten Teil nicht direkt, sondern indirekt, indem er die ölfentlieh diskutablen Kragen im Plenum dis. kutiert, die anderen an die Kommissionen abgibt und dann das da und dort gewonnene Beratungs• und Re• solutionsmaterial einem von ihm zu wählenden Organe zur Ausführung überweist. Wie dieses Organ, diese ständige. Gesehäftsleituug organisiert sein soll, — das ist eine Krage, die der Kongrell zu beantworten hat und wird sieh nach dem Ausmall der Ansprüche, die man an sie stellen wird, und nach dem Umfange und der Mannigfaltigkeit der Geschäfte richten, die ihr obliegen werden. Sollte der Kongrell den Kreis seiner Kompetenz, weil ziehen, so wird wohl der Apparat groll werden müssen, d. h. es wird sich dann die Notwendigkeit einer Untcrtci• lung in Sektionen ergehen. Wobei aber darauf zu ׳•chten sein wird, (lall die Einheitlichkeit der Exekutive in sich und mit dem Kongresse nicht verloren gehe. Denn in dieser Einheitlichkeit liegt ja der ganze Sinn der Sache: der Judenlieit einen Gesaintwillen und eine gemeinsame Tat zu geben und sie so der Welt der Freunde und Feinde als eine geeignete Potenz, gegcnüberzustcllen. Doch nun die Tat selbst. Was kann — ah• gesehen von der Einwirkung auf die (ieniüter durch die Kundgebungen des Kongresses - getan werden, was kann der Kongreß h/.w׳, sein Organ Inr die Juden in Rullland tun? Was für positive Mittel halten beide, tun die Lage der russischen Juden zu bessern, um daliiii zu wirken, dal! sie in die allgemeine Rechtsordnung wieder einbezogen werden, um das Verhängnis altzuwemlcn, das in Gestalt der russischen Judenbehamlhmg der ganzen Judenlieit droht? Darauf kann natürlich eine punktweise, er• schöpfende Antwort nicht gegeben werden. Es ist ״ich möglich, alle einzelnen Agenden und alle Einzel• heilen der Aktion vorauszuseheu, zumal ja vieles davon abhängt, wo der Kongrell die Grenzen seiner Tätigkeit ubstecken wird. Sollte er seine Aufgaben sehr weit auffnssen, so wird er sich z. H. auch nicht der Erkenntnis verschließen können, «lall es bis zu einem gewissen Grade möglielt sein muH, auch den widrigsten politischen Verhältnissen einen gewissen ökonomischen Widerstand entgegen/.usetzen und a;ic schließlich so,zu überwinden. Er w׳ird dann Mittel und Wege soziabökonamischer Natur suchen müssen, um das ökonomische Rückgrat der Juden in RuHlaml 1 י seihst nach Möglichkeit zu stärken. Oder er wird sich vielleicht für die Emigration inlcre:. ticrcn wollen, die ja einerseits vom Standpunkte der Augciibliekshilfc so grolle Bedeutung für die zunächst Betroffenen hat, andererseits aber w'eder die allgcmeinjüdische Situa• tion auf andern Punkten der Erde kompliziert und verschlimmert. Dann wird er das Werk des ge• planten Eniigratiniiskongrcsscs iitrerudimen müssen, falls dieser nicht zusaiinneiitieteu würde, oder falls der Zusammentritt doch erfolgen sollte, eine ge• meiiisame Aktion bzw. eine Vereinigung der beiden Organisationen anzuslreben haben. Und noch aijdeie Tätigkeiten mit viel weiteren Perspektiven sind denkbar. Eine Arbeit wird er aber in jedem Lalle leisten müssen und das wird seine dringlichste sein: Die Einflulliialime auf jene Faktoren, von denen direkt uml indirekt das Schicksal der russischen ‘ Juden ahliängl, das ist sowohl auf Rulllands Volk und Re* gicruug, als auf die Meinung der Ocffcntlichkeit uml der mallgehenden Faktoren in anderen Staaten und unter anderen Völkern. Und wer dahintcrgekoinnien ist, wodurch die Judenhetze in Rullland plötzlich zu solcher Intensität sieh steigern, so furchtbare Formen auuelmieii konnte, wer da sieht, woher die Fäden stammen, an welchen diese hiillliehe Schlingpflanze sich emporrankt mul weit über ihren ursprünglichen Spielraum sich hinwegstiehlt, — der weiß, daß es bei allem latenten ׳Antisemitismus der Völker so weit nicht kommen imillte, und der weil! auch, daß ein Entgegenwirken möglich ist und nicht ohne Nutzem sein kann. Was ist denn da los, dali in einem schließlich doch europäischen Lande offizielle׳ Pogrome s t a t i fi n d e n könnt e 11 uml nun wieder drohen? Was ist es denn, das plötzlich alle russischen Beamten, die höheren und die subalternen, in einen form• liehen Judcnpeinigungskoller liincmtrcibt, das die Besseren unter ihnen zwingt und den Schlimmeren die Gelegenheit gibt, grausam zu sein? Das zum großen Teil sogar ihre Lust an Nebenverdiensten paralysiert? Was hat die Hemmungen aufgehoben, die ja sonst doch vorhanden waren? Man kennt den Grund, man weiß, daß dieses alles nicht möglich wäre, wenn nicht alle das Gefühl hätten, nicht mir keine Strafe z.u riskieren, sondern sich noch dort angenehm zu machen, wo angenehm bemerkt zu werden eine sichere Anwartschaft auf Belohnung und Beförderung bedeutet. Und man weiß, daß diese Bei fallsstimmuug in den niallgehemleu uml verantwort liehen Stellen das Prodtikt der verlogenen, verleum derisclieii, verbrecherischen Einflüsterungen einer Verhältnis m ä 11 i g kleinen Schar p o I i ti scher Abenteurer und verrückter Fa natiker ist, Man hat sichere Kunde, daß diese Desparados nicht davor z.urüekschcucu, durch ihre teuflischen Lügen nach oben (wie natürlich auch nach unten hin) geradezu krankhaften Schrecken vor den Juden zu erzeugen und zu einer Art verzweifelter Gegenwehr anziistacheln. Jahre•, j a 11 r z e h 111 e I a 11 g s i u d dies e V e r b r e c h e r 11 n g e s t ö r t am Werk e. Nichts, rein nichts geschah, um ihre Pläne zu durchkreuzen, nichts, um ihre Verleumdungen zu enthüllen, nichts um die Betrogenen aus dein Netz der Lüge zu reißen, das die Verbrecher über sie gebreitet haben. Wohl ist manchmal etwas in Zeitungen und Büchern geschrieben worden, aber das ist ja eben nichts, wird nicht gelesen und beachte(. Anderes sei nicht möglich Ja, warum denn nicht?- Wenn die Kräfte gesammelt, die Mittel vervielfacht, der'Macht der Ver h r e e h er ei n e Macht der Retter ent g e g e n g e s t e 111 w i r d? Warum sollte diese orga nisierle Macht nicht eine Armee von Förderern in Rußland und anderwärts auf die Beine bringen können? Warum sollte sie nicht in die Kreise ein dringen können, in die sie eindringeii muß? Warum sollte sie nicht imstande sein, mit ihren koiizen״ trierteil intellektuellen, moralischen und maleriellen Mitteln ein so starkes Eicht uul/ustcckcn, daß es durch die dichtesten Schleier, durch die dicksten Mauern, durch die feilsten, verkommensten Höflings• scharen dringe, daß es überzeuge, oder zum mindesten zwinge, sich überzeugen zu lassen? l ange genug hat jeder niandatlose, auf gut Glück• Vertreter der jüdischen Sache seine Kräfte überschätzt mul lange genug waren wir geneigt, seine lieber* Zeugung auf Treu und Glauben hiiizuiiehmeii. Bringen wir doch endlich wenigstens jetzt einen Teil dieses Glaubens uns selbst, den Kräften unserer Gesamt• heil entgegen. () 1111 e dies e 11 G I a u I) c » , o h 11 e diesen Optimismus der Tat, sind wir sicherlich verloren, mit i h m w a 11 r * schein lieh gerettet. Wenn wir hiebt wirklich hoffnungslos 11 n f ii 11 i g sind, unser Schicksal in die eigem* I Lind zu nehmen, wenn unsere Schande, unser Ende nicht wirklich schon besiegelt sind, dann kann cs für uns keine Wahl gehen. Dann werden wir uns zu Rat und Tat gegen die ruchlosen Frevel, die in Rußland und anderwärts an unseren Brüdern bc* gangen werden, erheben und diese Erhebung wird vielleicht der Ausgangspunkt für uns werden, einer neuen Gestaltung und Wertung unserer uralten Ge* mci11',chuft. Wir geben den vorstehenden Artikel, der in der soeben. erschienenen Nummer der Zeitschrift ״Ost und West" veröffentlicht wird, gern wieder, weil wir Zionisten bekanntlich immer und bei jeder Gelegenheit für die Idee einer all jüdischen Organisation oder eines alljüdischcii Kongresses eingetrelen sind. Selbstverständlich würden wir — was ja der un* genannte Verfasser des obigen Aufrufes ebenfalls fordert — bei einem von den bestehenden jüdischen Organisation e 11 einzuherufciulen Kongresse stets verlangen müssen, daß auch der zionistischen Organi• sation eine ihrer Größe und Bedeutung entsprechende Vertretung cingcrüumt wird. Auch wir sind der Meinung, daß endlich einmal etwas geschehen müsse — aber wer ergreift die Initiative? — — öillSTiSCHe ßa-JcGUMG Share-Club für Deutschland Kupon Nr. 7 des I. C. T. und Kupon Nr. 4 der A. I*. C. sind fällig. Erstcrcr wird mit 0,50 M., letzterer mit 0,85 M. vom Unterzeichneten cingelöst. In Berlin erfolgt die Einlösung mn bequemsten beim Bankhaus A. II. Hey mann, Unter den Linden 59. Share-Club fUr Deutschland Dr. Wasch itz Hamburg, Fcrdinandstr. 55. Gruppenverband Rheinland-Westfalen Am 22. Oktober findet in Köln die Tagung des Gruppenverbandes ״Hhcinlnnd-Wcstfalcn" mit fotgender Tagesordnung statt, Vormittagssitzung: 1. Begrüßungsansprache des Vorsitzenden. 2. Ansprache des Herrn David Wolffsohn. 3. Bericht über die Tätigkeit des Arbeitskomitees, erstattet vom Vorsitzenden. 4. Bericht des Kassierers. 5. Referat des Herrn Kurt B l u m e n f c I d: ״Der X. Kongreß und die gegenwärtige Lage im Zio* nismus״. Nachmittagssitzung: 1. Referat des Herrn Dr. G rü n eberg- Elbcrfehl: ״Agitationsmethoden". Korreferat: Herr Julius K a u f nt an n Eschweilcr, 2. Besprechung der Winterarbeit. 3. Neuwahlen. 4. Evenütalia. Die Verhandlungen beginnen präzise 10*/» Uhr im Saale des Hotels ״Goldener Stern". Nach der ersten Sitzung findet ein gemeinschaftliches Mittagessen (Gedeck 2,25 Mk.) statt. Alle Zuschriften (Anträge zur Tagesordnung, An-!Meldungen zum Mittagessen) sind an Dr. Albert Kratncr, Köln, Moltkcstr. 51, zu richten. Mitteilungen der Zionistischen' Vereinigung für Deutschland Das Zentralkomitee hat in seiner Plenarsitzung vom 17. September seinem Mitgliedc Herrn Kurt BI u tu e 11 f e 1 d , der am I. Oktober sein Amt als Parteisekretär der Z. V. f, I). niedergelegt hat, in folgendem Beschluß seinen Dank ausgesprochen: ״Das C. C. dankt seinem Mitglied Kurt Blumenfehl anläßlich seines Ausscheidens aus seiner Tätig* keit als Parteisekretär der Z. V. f. I). für seine erfolgreiche Tätigkeit und spricht die Hoffnung aus, daß er sich soweit als möglich auch in Zu• kunlt der Arbeit in Deutschland widmen wird." Wir können die Mitteilung machen, daß Herr Illumenfeld auch in Zukunft einen Teil seiner Zeit der Propagamlaarheit in Deutschland widmen wird. Der Gcschiiftsführcmlc Ausschuß hat in seiner Sitzung vom 5, Oktober Herrn Kurt Rosen ha tim zum Parteisekretär der Zionistischen Vereinigung für Deutschland ernannt. Wir glauben in Herrn Rose»• bäum einen besonders gründlichen Kenner der Fragen des modernen Judentums und der z.ionislischen Partcigesehicltte gefunden zu haben. Den Schwerputtkl seiner Arbeit wird er in der organisatorischen Festigung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erblicken, und wir sind sicher, daß cs ihm gelingen wird, den Aushau unserer Lattdesorganisation wirksam zu fördern. Wir erwarten, daß die Ortsgruppen und Ver- Iraiiensniänner die Arbeit unseres neuen Partei• Sekretärs in reichem. Malte unterstützen werden. Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen• Vereinigung für Deutschland.