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Jüdische Rundschau · 1911-09-29 · Heft 39 (29.9.1911) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 39 (29.9.1911)
Date
1911-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 466 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 39 und sation der zionistischen!•rauenvereine lnliall Existenzberechtigung zu geben. liier ist eine Aufgabe, die zionistischen Frauen gut liegt: sie gibt ihnen Gelegenheit, sich eminent zionistisch, indem die Forderung der Sorge für einen zionistischen Nachwuchs erfüllt wird, zu betätigen; sie gibt aber auch Gelegenheit (und das geht besonders die Frauen als solche an) hauen• würdige Menschenliebe zu üben. Und das letztere ist nicht zu unterschätzen, da ein von diesem Standpunkt aus betrachtetes Unternehmen uns die Sympathien auch in jenen palästinensischen Kreisen verschaffen würde, welche, ohne Verständnis für unsere nationalen Bestrebungen, ein musterhaft verwaltetes zionistisch* humanitäres Institut als Vorbild unter den dort landesüblichen Millwirtschaften begrünen würden. Mögen die Frauen in diesem Sinne ans Werk gehen! Keine Personalunion in den Leitungen des Kultiirverbandes und der Frauenorganisation darf der Vollführung eines solchen Planes hemmend in den Weg treten, — eines Planes, der der Unterstützung zionistischer Frauen nur dann sicher sein darf, wenn seine Verwirklichung erfolgen wird ohne Maske, mit offenem Visier zionistisch! - ־«* Unsere Arbeit in Palästina Ucber die Tätigkeit der Zionistischen Organi• sation in Palästina gibt der von uns bereits rühmend er* wähnte Bericht des Aktions-Comites eine ausiührliehe Darstellung, die wir unseren Lesern im fol* Reuden auszugsweise zugänglich machen. (Der ganze Bericht — ein 260 Seiten starkes, außerordentlich instruktives Buch ~ ist für 1,5t) Mark vom Verlag jüdische Rundschau zu beziehen.) Auch in dieser Berichtsperioüc bildete die prak* tische Arbeit im Lande unserer Zukunft den um* fassendsten Teil unserer Gcsamltätigkcit. ln diese Arbeit teilt sich das Actiuns-ComiK mit verschiedenen Institutionen, die teilweise in sehr engem, teilweise in mehr oder wenig losem Zusammenhang mit der zionistischen Organisation stehen. Der Teil der Arbeit, der vom Actions-Comite direkt besorgt wird, wird in der Hauptsache vom Palästinaressort, das dem Mitglicdc des E. A. C Herrn Professor War bürg, untersteht und in Berlin ein eigenes Bureau unterhält geleistet, Palüstlnarcssort Das Paiästinaressort hat dreierlei ver* schicdenc Aufgaben: 1. die Verbindung d e r zio n is l i s che n Organisationen mit Palästina aufrecht zu erhalten, das Interesse für Palästina wachzuhalten und das Verständnis für die Aufgaben des palästincu tischen Kolonisationswcrkcs zu verbreiten; 2. die für Palästina tätigen Organi sationen in zionistischem Sinne zu beeinflussen, den mit Hilfe der Zionisten gegründeten Institutionen bis zu ihrer Selbständigkeit mit Rat und Tat be* hilf lieh zu sein, sowie schliciilich die Gründung der noch fehlenden Institutionen cinzulcitcn oder zu be• fördern; 3. das private Kapital auf Palästina aufmerksam zu machen und dorthin zu leiten, sowie demselben bei der Investierung in Palästina behilflich zu sein, bzw. es vor Verlusten und unnützen Anlagen zu schützen. Bei diesen Bestrebungen stützt sich das Ressort sehr wesentlich auf das in Palästina domizilierte Palästina-Amt. Zu Punkt 1 ist vor allem auf eine sehr rege Korrespondenz mit dem Zcntralbureau der Zionistischcn Organisation sowie dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds hinzuweisen. Ferner hat das Paiästinaressort wie in den Vorjahren auch in der Bcrichtspcriodc die Funktionen eines Informationsbureau für Palästina cctüUt und zahlreiche Anfragen aus zionistischen Kreisen auf mündlichem und schriftlichem Wege ein* gehend erledigt. Das Ressort hat auch während der Berichts- Periode die größte Sparsamkeit walten lassen, was aus den veröffentlichten Bilanzen deutlich hervorgeht; schließt doch das letzte Geschäftsjahr sogar mit einem kleinen Ucberschuß ab. Nichtsdestoweniger war cs möglich, den besonders wichtigen und zur Verbreitung der Palästinakunde bestimmten Publikationen namhafte Beiträge zu ecwähren. Der von dem Paiästinaressort verwaltete Kulturfonds besteht leider noch immer nur auf dem Papier. Sein Vermögen hat sich während der Berichtspcriodc nur um eine Kleinigkeit vermehrt. Es wird, nach der Ansicht unseres Palästinarcssorts, eine der Aufgaben des X. Kongresses sein, entweder Mittel ausfindig zu machen, die dazu geeignet sind, die Propaganda für den Kulturfonds endlich ln Fluß zu bringen, oder aber andere Wege hu,B **¥״״• dic Zwcckc• dcnc* «»«r Kulturfonds zu dienen berufen ist, zu erreichen. Es unterliegt keinem Zweifel, «1:111 ohne einen großen Fonds zur Unterstützung nationalwichtiger Institutioucn in Palästina unsere Organisation auch in der Zukunft keine Möglichkeit haben wird, die Entwickhing Palästinas, abgesehen von der Landwirtschaft, in gehörigem Maße zu fördern. Besonders empfindlich hat sich das Fehlen eines solchen Fonds bei der Entwicklung des Mikrobiologischen Instituts zu Ehren Pr. Mordaus und «ler N a t i o n a l b i b l i o t h c k fühlbar gemacht. Nicht nur, daß wir nicht selbst mit eigenen Mitteln die Ausführung dieser schon längst beschlossenen Institutionen in die Wege leiten konnten, wir vermachten nicht einmal die Gelder für umfassende Propaganda atif/ubringen, noch au andere Organisationen mit festen Vorschlägen heranzutreten. Beide Institutionen sowie mich ein N a t i u n a 1 m u s c u m würden sich leicht mit reinzionistischen Mitteln begründen und erhallen lassen, wenn wir den ernstlichen Willen dazu uns ancigueu würden. Mit Freude ist es zu begrüßen, daß die Propaganda des Palästinarcssorts behufs Gründung einer Landwirtschaftlichen Versuchsstation In Palästina, dank der Munifizeuz amerikanisch-jüdischer Philantliropen, erfolgreich gewesen ist. Unter dem Namen ,The Jcwish Agricultural Experiment Station" ist dieselbe jetzt, wie cs scheint, finanziell sicliergestcllt, und die Vorarbeiten sind mit der Einrichtung der Versuchsfelder bei Athlit nahe Haifa und der Station in Haifa selbst schon begonnen worden. Wir zweifeln nicht daran, daß diese Institution unter der sach* kundigen Leitung des Agronomen Aron Aaronson iür die landwirtschaftliche Entwicklung Paläsiinas von der größten Bedeutung sein wird. Die Vorbereitung der Gründung der Versuchsstation hat mehrere Jahre in Anspruch genommen. Sie wurde uns durch einen Kredit von 3ÜÜ0U Fra., den das Actioiis-Coiiiite im Jahre 1900, als cs noch den Jüdischen Nationalfonds verwaltete, aus den Mitteln des letzteren gewährte, ermöglicht. Für dic Tätigkeit der im Bureau des PalästinaresMH ts geleiteten Gesellschaften Pnlcstinv Land Deve lopmcut Company, Palästina-!luiUHtricsymlikat, und Immohiliciigcsellschaft ״Palästina" verweisen wir auf deren Somlcrberichte. 3. Die Heranziehung privaten Kapitals nach Palüstina hat schon bedeutende Erfolge ntif/itwciHcit, Die mit dem Palästina-Ressorl zusainineiiurheitemleu Institutionen wie das Paläslit1a*industrie*Sy1ulikai, die Ininiohiliengesellschaft ״Palästina", die P, L. I>. C. usw. haben sehr wesentlich dazu beigctrageii, diese Erfolge zu erzielen. Sind wir doch mit Hilfe derselben in der Lage, die Wünsche und Bedürfnisse fast eines jeden, der sein Geld in Palästina investieren will, zu befriedigen, einerlei, ob er es auf einmal oder ratenweise lüuühcrscndct, ob er selbst mit seinem Gehle nach Palästina wandern will, ob er einen Verwandten oder Beauftragten schicken oder ob er sein Geld durch eine unserer Institutionen verwaltet selten will. Wenn auch die Arbeit der Heranziehung von Kapitalisten nicht immer leicht und oftmals nicht gerade äugenclim ist, so ist doch das Palästina-Ressort schon mit vielen hervorragenden Vertretern der Judvnhcit hierdurch in Verbindung getreten, und cs hat häufig die Vorurteile dieser Leute gegen die Palästina- Arbeit zerstören können. Wir müssen durch Ausdatier und Energie dahin gelangen, daß cs allgemein üblich wird, daß wohlhabende Juden sich im Alter nach Palästina zurückziehen, sei cs, daß sic sich an einem der schöneren und klimatisch bevorzugten Orte eine Villa bauen, sei es, daß sie sich dem gesunden Landleben ergeben, letzteres am besten in der Weise, daß sic schon jahrelang vorher sich eine Pflanzung haben anlcgen lassen, deren Früchte sie dann in beschaulicher Ruhe genießen. Das gilt vor allem für die in Rußland, Rumänien und Südafrika lebenden Juden, aber auch für viele, die in englischen, amerikanischen und deutschen Großstädteil leben, sich aus den! Hasten und Treiben des üroflstadtiebeas herausschnen, aber doch einer jüdiselten Atmosphäre nicht entraten wollen. Viele werden auch ihre für dic Landwirtschaft geeigneten Söhne für Palästina vorbcrciten wollen und ihnen dort eine Wirtschaft zu kaufen wünschen, so daß auch der Landwirtschaft auf diese Weise neue und solide Kräfte zugeführt werden. Schon erkennt man überall die Anfänge dieser Entwicklung, dic große Dirnensionen anzunelimcn vermag. Auch die Vereinigung einer Anzahl von Kapita* listen zu gemeinsamer Bewirtschaftung ländlicher Güter ist ein erfreuliches Zeichen des wachsenden Interesse» für Palästina, sei cs, daß dic Besitzer später die Güter unter sich parzellieren wollen, wie cs z. B. bei einer rumänischen und amerikanischen Gruppe der Fall ist, sei cs, daß sic das Land dauernd gemeinsam mit jüdischen Arbeitern bewirtschaften wollen und nur den Nutzen daraus zu ziehen beab* sichtigen. Hierfür ist ein typisches Beispiel die im \ur,״..n Jahre als «1 e u t s c 11 e Gesellschaft mit bc. sciiränktcr Haftung begründete Tiberla-Land- und Plantagcngcsdlschaft. Diese Gesellschaft, an «ler /dm Herren in Moskau und zwei Gesinnungsgenossen in Wien und Berlin beteiligt sind, hat am Tiheriassce in einer uln-rau! fruchtbaren und zukunftsreichen Ebene eine f;r*1»v Gutswirtschalt eingerichtet, in «ler schon jewi «a. 70 jüdische Arbeiter ständig Beschädigung finden, m Interesse «ler Ausdehnung des Betriebes muH das Kapital der Gesellschaft, «las bisher '1CUÜÜ1» M. betrug, um weitere :15"״ erhöht werden. Vermögend«; P a I ä s t i 11 a f r c u n d e , «lie in der Lage sind, A ״ . teile ä 'JO 0 0 0 M. zu erwerben, können demnach noch Aufnahme finden. Eine besonders erfreuliche Erscheinung ist schließ, lieh »och das Bestreben manelicr reicher Stammes, genossen, sicli durch größere Stiftungen für gemein, mit/igc Zwecke in Palästina zu verewigen und den dauernden Dank ihres Volkes hierdurch zu erwerben. Dic Stiftungen unserer Gesinnungsgenossen Mo. ser und Wolffsohn für das Gymnasium und Arbeiterhäuser sind uns allen bekannt, ebenso hat ein Herr in Kiew vor einigen Monaten JüUOü I rcs. für Arbcitcrwohmltigcn gestiftet, während ein Mos. kaucr Gesinnungsgenosse siel» vor kurzem bereit er. klärt hat, einen namhaften Betrag für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Audi unsere Petersburger Gesinnungsgenossen haben unlängst eine größere Sammlung für Arbeiterhauser eingeleitet. Hoffentlich wird das Beispiel der russischen Zionsfreunde überall Nachahmung finden, denn die Errichtung von Wohnungen für die jüdischen Landarbeiter gehört zu den gegenwärtig wichtigsten Fragen «les Kolonisationswerkes. Auel» wird erst dadurch die Ucbersiedlung der für die palästinensischen Verhält* uisse ganz hesomlers geeigneten Juden ans dem Vcincn in größerer Zahl ermöglicht werden. Amerikanische Pliilaiitliropen haben sieh bekanntlich in hervorragen* der Weise durch die Sicherung des Technikum* und der I 11 ה «I w i r t s c h n f 11 i c h e 11 Vcrsuc 11 s* Station in Haifa verdient gemacht, ein Gesinnung*, genösse aus Kiew «lurcli Stillung eines Musik* k o n 8 e r v a t o r 1 u 111 s sowie einer 11 a 11U vv e r k e r schule in Jaffa. Wir zweifeln nicht daran, «laß diese schönen Beispiele Nachahmung finden werden. Wem» man bedenkt, was die griechischen und arme• uischen Bankiers und sonstige Kapitalisten, die in der Diaspora leben, für ihr Mutterland tun, so muß man sich wirklich geradezu beschämt fühlen, daß wir, die wir für die Länder, in «lenen wir leben, so be* reitwillig große Unterstützungen zu gewähren ge* wohnt siiul, uns unseren» Stammlande gegenüber noch so überaus spröde verhalten. Unsere Vertretung In Palästina Unser Palästinaamt hat auch in der abgclaufctwn Berichtsperiode alle unsere Arbeiten, soweit sie nicht in das Ressort der Anglo.Palestiiie-Conipany fallen, geführt. Außer der Vertretung und laufenden Orien* tierung des Actions-Comites und des Palästinarcssorts in allen Palästina berührenden Angelegenheiten sind dem Palästinaamt auch die Geschäfte der anderen mit uns in Beziehung stellenden Gesellschaften über* tragen. Das Palästinaamt bildet daher die palästi* nensischc Verwaltungsstelle für folgende Gescllschaf* ten: Jüdischer Nationalfonds und Verein ״Oelbaum* *pende", Verein ״Be/alcl", Palestine Land Development Company, Palesti1»a*h1Uustrie*Svndikat, Immobiliciigesellschaft ״Palästina", Sicdhmgsgcscllschaft ״Erez Israel" sowie für einige kleinere GcsvUscIraitcn und Fomlv Das Palästinaamt stellt durch diese einheitliche Vertretung der zahlreichen Gesellschaften gewissermaßen den Brennpunkt dar, in dem sich die nach verschiedenen Prinzipien gegründeten und ge• leiteten Gesellschaften wieder vereinigen. Dadurch wird die Einheitlichkeit der Arbeit dieser Gesell* schäften in Palästina gewährleistet und gegenseitige Förderung in vielen Fällen ermöglicht. Das ist be* sonders deshalb wichtig, weil mehrere dieser Gesell* schäften aufeinander angew iesen sind und nur bei sieti* gern Zusammenarbeiten Ersprießliches leisten können. In dem Maße, als dic praktische Arbeit der zionistischen Organisation und der ihr nahestehenden Gesellschaften sich vermehrt hat, ist auch der Oe* scliäftskreis des Palästinaanitcs, das jetzt im vierten Jahre seines Bestehens steht, gewachsen. Es hat für die Palestine Land Development Company di« Farm Kincreth und die Arbeitergenossenschaft in Umd* juni errichtet, dic Pflanzungen des Vereines ״Oclbaum* spende" in Bciischemeu und Hulda angelegt, auf dem neuen Boden der Siedlungsgcnosscnschaft und der Palestine Land Development Company in Mcrchawja alle Vorarbeiten zur Bewirtschaftung und Parzellierung

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