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Jüdische Rundschau · 1911-09-15 · Heft 37 (15.9.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Wassermangel ist die Hauplursache der Kala- Strophe gewesen. Der Vorsit/emle der Kommission für die Wasserversorgung der »Stadt, der die Verteihtug des Wassers an die einzelnen Stadtteile zu bestimmen hat, verweigerte uns das zäun!.״selten erforderliche Wasser unter dem Vorgeben, daß das Wasser zum Schutz, der Italic dem Judenvicrlel helegcnei! ״Moscheen gebraucht würde, Erst nach zwei• *!findigen Versuchen und Bitten, Weinen und Schreien Ist •Ins Wasser zum Löschen im Judeuviertel ein• getroffen ••■■ da alter war es zu spat, es Waren mir noch einige Maucrreste vom ganzen Stadtteil »ihrig geblichen. Das Verhalten dieses Vorsitzenden ist unbegreiflich. Ueherall reden die Leute von Gesetzliclkdt, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit; hier alter iiat mn» nichts als UcbcUvolle» gefunden. Gewollt oder nicht — jedenfalls sind heute über 2000 Per• so״en zugrunde gerichtet, die Not ist groll, mau fc!.'!t wohl sagen unüberwindlich. Seine Exzellenz Nasim Pascha, der Gouverneur 11׳ eres Vilajets, hat unsere Klagen mit außerordent- In :!er Liebenswürdigkeit angehört. Wie er sagte, it.";te er es für seine Pflicht gehalten, selbst herzu* k׳ innen und uns persönlich sein aufrichtiges Bedauern ft: ׳er das Unglück miszttsprechen, das uns betroffen Ir t. und »ins seiner herzlichsten Sympathie und 1 Ulfs- I־. reitschaft zu versichern. Für den Anfang hat er gleich 1000 Okka Brot aus Stimmt mitgcbraelit, hat u 20 י Zelte überwiesen und 30 weitere für morgen v ivprochcn; er hat sofort eine Geldsammlung zu• r :itslcn der Abgebrannten organisiert und zu diesem Z.veek ein internationales Comite gebildet. Außerdem fehlt es auch nicht an privater Wohl•;!tigkeit. Herr Pcrhi־Lcvy hat »ms 100׳ Okka Brot nid zwei Körbe Oliven zur Verteilung geschickt, Seitdem haben wir z.wei liebenswürdige Beileidsschreiben von zwei Mitgliedern der hiesigen grieclti- «eben Gemeinde, den Herren Tlicohnr Jorghiadis und Helia Maguissali. erhalten, denen J0 L. türkisch resp. 21'!• L. beigeschlossen waren. Schließlich hat einer unserer Glaubensgenossen verschiedene warme Decken, Unterkleider, Hemden und Strümpfe au die Abgebrannten verteilt. Eben komme ich von Seiner Exzellenz Nasim Pascha, der kurz vorher das provisorische Zeltlager unserer unglücklichen Brüder besucht hatte, ״Bestellen Sic den Armen in meinem Namen,“ sagte er, ״daß ich mit der größten Sorgfalt über ihnen waclten werde. Ich habe nach Konstantinope!׳ berichtet und habe soeben von der Hohen Pforte günstigen Bescheid erhalten. Man beatiltrngt mich, es Ihnen an nichts fehlen zu lassen und mich zu iltrer vollständigen Verfügung zu Italien, Das halte ich, wie Sie wissen, seit gestern getan, Bitte wenden Sic sich wegen aller Sachen, die Sie hrattelten, direkt ויי׳ mich, Wenn «Ile vorhandenen Zelte Ihnen nicht genügen, verlangen Sie mehr, ich weide Sie Urnen von Smyrna aus schicken. Ich habe dem Polizcikommissnr aufgetragen, Tag und Nacht aufzupassen. Die Stadtverwaltung wird cs übernehmen, jeden Morgen durch ärztlichen Besuch den Gesundheitszustand der Abgebrannten• kontrollieren zu lassen, damit in der augenblicklichen Epidemie-Besorgnis nicht noch schlimmere Ucbcl zu befürchten sind, Seien Sic also ohne Sorge, und der Allmächtige gehe Ihnen die Geduld, die Sie so notwendig brauchen I“ Nach diesen liebenswürdigen und wohlwollenden Worten verließ uns der Gouverneur uttd nahm alle unsere Segenswünsche mit. Hoffen wir, daß den Worten auch die Tat folgen wird. Heute haben wir kein Brot zu verteilen gebraucht, weil die meisten, Leute mit der gestrigen Ration für zwei Tage reichen, nur einige kinderreiche Familien haben einige dreißig Okka Brot nachgclicfcrt bc* kommen. Was uns für den Augenblick die größte Besorgnis cinflößt, ist das enge Bcicinnndcrwohnct» von 3—4 Familien unter demselben Zelt; die 2000 durch den Brand obdachlos gewordenen Personen sind ganz dicht zusammengepfercht, Wir werden unser Mögliebstes tun, um die größte Sauberkeit zu erhalten, das Ist zurzeit das Wesentlichste, 51 A'OS A'L־L6R WftT •־ PpnfficftFfntd Aus Berlin wird der ״N, J, K,“ geschrieben: Im Scebadc Binz auf der Insel Rügen batte der Gastwirt Potcnberg, der auch der Gemeinde- Vertretung angehört, vor seinem Gastiiof in der Nähe des Baitrltofcs zwei Schilder mit der Aufschrift: ״Jiidischer Besuch verbeten!“ angebracht. Der Zentral• verein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens’ richtete deshalb eine Beschwerde an den Landrat und ersuchte ihn,, der öffentlichen Beleidigung der luden durch dieses Plakat ein Ende zu machen. Der Landrat hatte auch eine ״ernste“ Rücksprache mit Herrn Potcnberg, Die Folge des amtlichen Eingreifens war überraschend. Das beleidigende Plakat wurde abgeündert und lautete nunmehr: ..Jüdischer Be• such höflich st verbeten!“ Da in dieser Fassung von einer ״beleidigenden Form“ der Ankündigung keine Rede sein 'sonnte, war allen weiteren Ile• schwcrdcn die Spitze abgebrochen, . . . Die Schilder mit der ״höflichen“ Absage sind so angebracht, daß sie jedem Besucher von Binz ins Auge fallen, Der antisemitische Gastwirt hat also seinen Willen durchgesetzt, und der Landrat hat die öffentliche Bcleldlgung einer anerkannten Konfession gesühnt . . . In B 10 i c 11!* 1׳ b ׳׳ r!! in OJ׳״rb!011,״ד־ findet jetzt ein kostenfreier C)bstve1׳wertuu׳׳.;l:urs statt, der von! der Oberin׳■!'!:'.•׳hm t :״h(\vh! 1! k,׳<t:1tt1cr veranslaitct wird. Zu dem Kilt!,:;.; uh hieton siili aueli zwei jüdische Fra»u1:־, und •zwar hinten ihre Anmeldimgen zu den t rs.m, I zic b1:.־׳leu wurden nun von dem l.a.1״v;i;t nl1a,1',kau11m׳uuissi 111111 unter dem Vorwand zurück;,׳ewieseu, daß mir 30 Personen teil• nehmen sollten und die Mddun; 111 ״vsehlosscn seien. Trotzdem findet der Kursus mit 33 Personen statt, Es haben Personell noch Aufnahme gefunden, die sich in den letzten Tagen gemeldet bähen. Es liegt also klar zutage, daß die Zuiückwcisuiig der jü* ■dischcn Frauen lediglich aus antisemitischen Motiven erfolgte. Hierbei muß hervorgehoben werden, daß die Obcihessi.srlie Lamlwirtsebaflskammcr eine Staat•» liehe Einrichtung ist, Zu dem Bericht ״J u d e n a 11 s \v c i s 11 n g e n a »1 s München in der letzten Nummer der ״J. K.“ wird uns aus München geschrieben: Es handelt sich nicht um Hau uererfamilien, sondem um die Inhaber von vier W ii s c tt e g e 8 c 11 ä f teil und eine Au za 111 Re isende derselben. Insgesamt sind bis jetzt annähernd z w a n z i g Familien betroffen lind wieviele ihre Existenz verlieren werden, wenn die fraglichen vier Geschäfte eingelicn müssen, ist noch nicht abzuselien. Ohne zu untersuchen, wie weit der Vorwurf der Uurccllität, der gegen die Ausgewicseuen erhoben wird — man hat hier stark verallgemeinert berechtigt ist, kann man sicher sein, daß ihre 11 a 11 p t s eh u I d die Ist, -- daß sie eben politische Juden sind. Bezeichnend für die S c e I e 11 v e r f a s s 1111 g unserer G h e 11 o j u d e 11 ist es, daß die cinlieimischeu Münchener Juden zum Teil die Ausweisung laut begrüßen. Sie füllten nicht, wie beschämend das für sic ist. Die ״Laubhütte“ zu Regensburg bringt cs fertig, sich bei Besprechung der Sache völlig mit dem ״Bayrischen Vaterland“, das auch seine llauptquelle dabei ist, zu identifizieren, D :1 s ״U .lyrische V a t e r I a n d“ »1 ח d die ,Laubhütte“ vereinigt im Kampf gegen in ihrer Existenz bedrohte Juden — eine nette GesellschaftI Russland ״Eclitrusnischc“ Phantaslckraft Mau berichtet der ״N. J. K.“ aus Odessa: Unter der Spitzmarke ״Die 1) a s 1 e r V c r s c 1» w ö - rung“ veröffentlicht die berüchtigte ״Sem sehtschi ua“ einen ״Bericht“ über den zehnten Zionistenkoiigreß, Der Korrespondent des famosen Patriotenblattes schildert den Kongreß als geheime VerschwörerVersammlung, wo neben den zur Irreführung der ״Gojitn“ abgilialteni’ii öffeirtlidie11 Sitzungen auch ge- 11 e i m c Beratungen über allgemeine jüdische Fragen abgehalten wurden. Freilieh sei es schwer gewesen, sich zu den geheimen Sitzungen Zutritt zu verschaffen, zum Glück«׳ für die christliche Welt gebe cs aber immer ein Jiidleiu, «las sieb bereit finden lasse, die Geheimnisse, die sieh hinter den Kulissen abspielen, zu verraten. Von einem solchen Jiidleiu habe er, der Baseler Korrespondent der Zeitung, in Erfahrung gebracht, daß man in der geheimen Sitzung Beratungen darüber gepflogen hätte, wie all den Prozessen über religiöse Morde in Kiew, Warschau, Radom, Bukarest usw. ein Ende gemacht werden könnte. Der gut informierte Korrespondent weiß von einem Beschlüsse zu berichten, es keinesfalls dazu kommen zu lassen, daß die Juschtscliinsky-Angelcgcnheit als Rilualimml enthüllt werde. Ferner sei beschlossen worden, überall die revolutionäre Bewegung, ähnlich wie in den Jahren 10!)3■—lOßfi, zu lördern, ganz bcsonders aber soll diese Bewegung in Rußland unterstützt werden. An den geheimen Sitzungen hätten sieh Vertreter des britischen Reiches beteiligt, die «las Versprechen abgegeben hätten, in Petersburg in Sachen der Ritualmorde ihren Einfluß zugunsten der Juden geltend zu machen. In diesen Sit/nngcn habe cs sieh klar lierausgestellt, weshalb die Juden so sehr gegen die Autokratie sind. In den parlamcntarischen Ländern, wie in Frankreich fl., sei cs möglich, die Politiker zu bestechen, wä 11• r e n d die M o n ג r c h c n 11 a t fi r 1 i c h u n b c st echt ich sind. Sodann wird etwas vom Be• richte des A, C. über ״das Kapital des universellen jüdischen Fonds“ erzählt, wobei ganz gruselige Märchen über diese enormen Kapitalien aufgetischt wenten, So werden die beneidenswerten Leser des ein• flnllrcichcn patriotischen Blattes über die Ziele und Bestrebungen der zionistischen Bewegung informiert. * Aus Odessa schreibt man der ״N. J, K.“: Es scheint nun endgültig festzustellen, «laß der berüchtigte Stadthnuptinaiui von Odessa, General T o Im a t s eh o w , seine Demission einreiehen wird. Dem Vernehmen nach soll er zum Gouverneur in K a I u g a ernannt werden. Nicht nur die j tut i s c 11 e Bevölkerung Odessas, die er wiihreiiil seiner ganzen Amtszeit in unerhörter Weise drangsalierte, sondern auch weite Kreise der christlichen Bürger• schuft werden erleichtert aufaimeu, wenn die Ab• heriifimg des verhaßten Odessacr Tyrannen zur Tat• Sache geworden sein wird. Aus Petersburg berichtet man der ״N. J. K “: Die administrativen Judcnausweisuiigcn nehmen einen immer grüßern Umfang an und werden immer grausamer gcliaiulliabt. Aus den Gouvernements Bes sara bien und Witcbsk Ire! fei» täglich Schreckensnachrichten über die plötzliche Vertreibung» unzähliger jüdischer Familien ein. In der Nähe von Jusowka gewähren die Behörden den aus den Dörlern au«gewiesenen Juden bloß eine Frist von zwei Tagen zur Ordnung ihrer geschäftliehen Angelegenheiten. In ihrer Verzweiflung nehmen viele jüdische Familien zum Schein das Christentum an. So haben u. a. ein Greis von 75 und eine Greisin von Ü0 Jahren, denen aufgetragen worden war, ihr 1 leimatsdorf innerhalb zweier Tage zu verlassen, ihre Zulliichl zur Taufe genommen. Der Gouverneur von Woiogda hat an einem Tage z w ei hundert jüdisch e F a n» i 11 e n ausgewiesen. Die Betroffenen meist kleine Kaufleutc und Handwerker -- sind größtenteils seit Jahrzehnten unangefochten im Gouvernement ansässig; viele von ihnen sind dort sogar gehören. Und dabei verkündet der Gouverneur, daß die Ausweisung der 200 Familien nur als bescheidener Anfang gedacht sei, r/h'A'Pi Aus Saloniki wird der ״N, J. K.“ berichtet: Wie die hier in spanischer Sprache erscheinende Zeitung ״Opoca“ mitteilt, sind in diescin lalirc nicht weniger als 32 jüdische Mädchen in Saloniki zum Islam übergetreteii. Der Grund dieser bcklagenswerten Erscheinung liegt in der durchaus uiijiidischcn Erziehung, die die jüdischen Eltern in der Regel ihren Töchtern .•!״gedeihen lassen. Die Zustände lunsichtlich der Müdcliencrzichuug in Saloniki erinnern vielfach an die Verhältnisse in Galizien, wo bckanntlich ebenfalls gewaltsame und freiwillige Taufen jüdischer Mädchen häufig Vorkommen. EIOrilSTISCHe bcwcgung I. B. Saphir """'Am 1. September ist Herr I. B. Saphir, der Subdirektor der Auglo-Palestinc Company zu J a f t a, dort plötzlich einem Herzschläge erlegen. Der Ziouismus und die jüdische Siedlungsarbeit in Palästina überhaupt verlieren in dem Verstorbenen einen ergcbcnei» Freund, einen treuen Anhänger, der d c in neuen J 18 c h »1 b die Arbeit eines ganzen L c 11 e 11 s g e w I «I m et halt c. Ein geborener Jerusalemer — so schreibt die ״Welt“ in ihrem Nachruf für den Verstorbenen -- wählte Saphir in seiner Jugend den Lebrerberut und zeichnete sich dermaßen aus, daß die lea, als sic ihre Vcrwaltungstiitigkeit in Palästina aufnahm, ihm einen wichtigeren Posten in ihren Diensten anvertraute. Als aber die Anglo-Palestinc Company in Jalta eröffnet wurde, wählte Herr Lcvontin, deren erster Direktor, «len tüchtigen und zuverlässigen Mann, den vorzüglichen Kenner der Landesverhältnisse, zu seinem ersten Mitarbeiter. Bis zu seinem Tode ist der Verblichene in den Diensten der A. P. C, geblieben. Durch seine Sprachkcnntnisse, seine gründliche Vertrautheit, mit allen einschlägigen Verhältnissen und mit der einheimischen Bevölkerung, durch seine eitrige Pflichterfüllung und seine außerordentlich zuverlässige Amtsführung! hat Saphir unsern Institutionen im allgemeinen und der A. P, C. im besonderen u n schätzbare Dienste zu erweisen gewußt. Die hervorragendste Eigenschaft Saphirs war sein unbeirrbarer Gerechtigkeitssinn, der ihm zwar manche Gegner schuf, ihm aber in den Kreisen derer, die ilun nahe standen, ebenso viele ergebene Freunde verschaffte. Ein Wohltuender Chnrakter/ug des Verstorbenen war auch seine große Bescheidenheit. Er stellte sich niemals in den Vordergrund und begnügte sich in seiner Lebensführung mit den bescheidensten Ansprüchc»». Seine Kinder erzog er zu wahret» Kolonisten, die mit eigenen Händen den llodcn urbar machen. Dem hingebungsvollen Zionisten, dem treuen Be- ,amten, dem unermüdlichen Arbeiter im Dienste der jüdischen Siedlungsarbeit werden die zionistische ürgauisation und das jüdische Volk stets ein treues Andenken bewahren. Gruppenverband Oberscltleslen Am 10. September tagte im Grand-Hotel zu K a 110 w i t z eine erweiterte A u s s c I» u I) s i t z u 11 g, zu der etwa (10 Gesinnungsgenossen aus allen Teilen des l)istrik*&, darunter einige Gäste aus Russ.-Potcn, erschienen waren. Es waren sämtliche Orts- »nul Schekclzahler,«ruppen (mit Ausnahme von Groß- Strehlitz, Nicolai, Ratihor und Lnurahüttc) vertreten, Der Vorsitzende Herr Arnold Wiener begrüßte die Erschienenen, besonders die Kongrelllahrcr, die Gäste atis Rußland und den Leiter des kürzlich be* gründeten zionistischen Jugeudbtmdcs Myslowitz, Herrn Dr, Weiß. Nach einigen geschäftlichen Mit-

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