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Jüdische Rundschau · 1911-09-15 · Heft 37 (15.9.1911) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 444 JUED1SCHE RUNDSCHAU i 1 i 1 teilungen, die 4«. a, <lic ständige Niederlage von, N. PVMnrkcn und Telegrammformulare hei Gg, M a x C e n t n w c r• KatUnvitz, und den Vertrieb der Hiielivr des Jüdischen Verlages durch die Hticlilinndlimg Qeorg Hirsch helrafen, gelangten einige von de» OrUgrtippcn demnächst V0r/u»el11ne11de11 Arbeiten zur Beratung und Beschlußfassung, Die Ortsgruppen wurden angewiesen, anläßlich Roschhnschonoh Sammlungen bzw. Ablösung von Glückwünschen zugunsten eines David Wolfsoh n •Haines (Antrag Dr. Dobrcynski) einzulcitcn mit der Mallgabe, daß die kleinen Gruppen einen Teil der von Zionisten stammenden Beträge zur Deckung ihrer Verpflichtungen gegenüber der Landcsorganh'.atio» verwenden können, (Amendement Dr. Weiß mann,) Zu Limekas Thora wird wie in den Vorjahren die Verteilung von blauw e i ß e n Fahnen an Kinder im weitesten Umfange in Aussicht genommen. Eine Reil׳. weiterer Vorschläge wurde der Gruppenverbandsleitung zur Prüfung überwiesen. Vor Eintritt in die Beratung des llauptgegen- Standes der Tagung ״B c r i c b t über die K o » - gr e ß erge bttisse״ interpellierte Dr. Stahl- Tarnowilz den Vorsitzenden, ob und welche Schritte er in seiner Eigenschaft als Mitglied des Z.-C, zu unternehmen bereit sei gegenüber einer Ansprache, die Parteisekretär Bin in e 11 f e I d am Tage nach dem Kongreß in der russischen Landsmannschaft als Vertreter der deutschen gehalten hat. Blumenfehl hätte — nach dem Bericht des llaolam — eine nach Ansicht des Interpellanten schiefe Dra- Stellung der Entwicklung des Zionismus in Deutschlanü gegeben, die geeignet sei, die Träger und Propa* gandisten unserer Idee in früheren Jahren schwer zu verletzen. Der Vorsilzende lehnt ein Eingreifen in materieller Hinsicht ab. Wenn auch in diesem Falle die formelle Legitimation Hlunienfehls als Wortführer der deutschen Landsmannschaft bestritten werden könne, seine Ausführungen entsprächen durchaus der historischen Richtigkeit. In der sehr lebhaften Debatte sprachen diu Herren Hecker und Dr.!)obre y 11 s k i im Sinne des Interpellanten. Dr. Weiß mann und Kappaport verteidigten die Gcdankengänge Blumcnfehls und verwahrten sich mit Entschiedenheit gegen irgendwelche Schritte des Vorsitzenden in dieser Angelegen• heit (Raummangels wegen kann an dieser Stelle auf die sehr interessante Angelegenheit nicht eingegangen werden. Die Veröffentlichung einer autheiitisehen Übertragung des I laolam-Berichtes wäre zweckmäßig). Herr Wiener berichtete sodann über die Ergebnisse des Kongresses. Er begrüßte die Lösung der Beitragsfrage, erörterte wichtige Einzelheiten des neuen Organisationsstatuts und bedauerte mir die* unzureichende Finanzregelung. Er feierte die I lebraisieruug des Kongresses, und legte schließlich eingehend seinen Standpunkt gegen KulUirprobleme dar. Dr. med. Stahl brachte staatsrechtliche Argumente zur Wald des Präsidenten durch den Kongreß bei uml verbreitete sich ausführlich über alle Probleme des zionistischen Lebens. Dr. Dobrcynski nahm kurz und zum Teil ablehnend zu den Ausführungen Wieners Stellung. Die Debatte verdichtete sich schließlich, nach einigen Abschweifungen auf interne Angelegenheiten der oberschlesischen Delegation, zu folgender von Kappa port eingebraehtcr und von Hecker unterstützter Resolution: ״Der Ausscli ull des G r u p p e » v e r b a 11 des O b e r 8 c h I e s i e n nim mtdc» Kongreßbericht seines Vorsitzenden mit Genugtuung zur Kenntnis, begrüßt die neue Leitung mit Vertrauen und Zu versicht und appelliert an alle obers c h I c s i s c h e n G c s i 11 n u n g s g e 110 s s e 11, in i t Eifer und Hingabe in die neue A r b c i t s- Periode einzutrete 11/' Jüdischer National-Fonds Außerordentliche Generalversammlung in Base ׳ Am Montag, dem M. August, fand im Stad Kasino in Basel eine außerordentliche Generalversanm jung statt, an der folgende Herren teihiahinen: I) Bodcnhciincr. Vorsitzender, Dr. Wolffsohn, Prof. Wa bürg, L. Keßler. E. W. Tschlcnow, Dr. Hantkc, A yssisehkin, Dr. Bruzkus, Jean Fischer, Dr. Marmore! Jakob Moser, S. Piueles,/. A. Rosoff, Adoll Stand. D Jakob Thon, ferner die Herren S. Hoofien. N. Oro A. Awadiowitz und H. Neumann. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung ui! erstattete einen längeren Bericht über eine Reil von Transaktionen, die /.wischen dem N. |\ tu mehreren Institutionen durchgcführl worden sind, 111 zwar Versuchsstation, P. L. D. C., üczalcl, 01 namnpnanzuiigcn usw. An den Bericht knüpfte si» eine lungere lebhafte Debatte, an der sich die meist« Anwesenden beteiligten. Mit Rücksicht auf die drin Ischen Kongreßarbeiten wurde beschlossen, die Reg diskutierten Fragen den Direktoren der b etUgten 11ntcrnehniungen zu übertragen. — wurde C«ön1?Cm?״S? Kongresses, am 16. Augu! wurüc eine Dircktoriumositzung abgehaltc die von folgenden Herren besucht war: Dr. Bodenheiuier, Dr. Wolffsohn, Prof. Warburg, Dr. Ilanlke und Dr. Tschlcnow, ferner die Herren Hoofien, Groß, Neuinanu und Awadiowitz. Außerdem nahmen Herr Dr. Thon und Herr Direktor Auhagen an der Sitzung als Gäste teil. Es wurden die Arbeiten auf einer Reihe von Be- Sitzungen des N. F, wie Unidjimi und Ben Schemen besprochen mul wichtige Beschlüsse bezüglich der Ausgestaltung derselben gefaßt. Verschiedene Bureaufragen, die mit dem Verbleiben des N. F. in Köln Zusammenhängen, wurden erörtert und einer Erledigung ziigefülirt. Persönliches Von einem schweren Verlust wurde unser Gesinmiiigsgenosse A. Awadiowitz, der langjährige Sekretär des Palästina-Ressorts, betroffen» dessen Vater aut Montag in Königsberg i. Pr. plötz* lieh gestorben ist. Am gleichen Tage erlag in Berlin die Mutter unserer üesiiinungsgeiiossi» und eifrigen Mitarbeiterin Früulciij Helene Hanna Cohn einem langen schweren Leiden. Wir sprechen den beiden bewahrten Gesinnungsfreunden auch an dieser Steile unsere herzliche Teil• nähme aus. PALACSTINA-RUMDSCHAU Unter der jüdischen Jugend in Hebron ist eine Bewegung im Zuge, die auf die Schaffung jüdischer Ackcrbaukolonlen in der Umgehung von llebron ab• zielt. In einem Brief aus Hebron, der in der Jcrusa•!einer liebräisehe» Zeitung 1״ laeheriitli" abgedruekt, .war, werden die vielen Vorteile erörtert, die solche landwirtschaftliche Ansiedluiigeii in tler Uiiigebiiugi von I lebron für das gesamte jüdische Knlnuisatious• werk in Palästina im Gefolge hätten. Insbesondere wird auf die Aussichten eines rationellen Weinbaus uml einer großzügigen Milchwirtschaft liehst Molke• reibclrieb in dieser (legend hingewiesen. Audi wird das freundschaftliche Verhältnis liervorgeliuben, «las zwischen tler jüdischen Bevölkerung in llebron und ihrer arabischen Naehharseliaft bestellt, im Gegensatz z. B. zu den teilweis recht unfreundlichen Be• Ziehungen zwischen Juden und Arabern in Galiläa. Am '2$. August fand in Jaffa in tler Aula des hebräischen Oyiimasiiims die siebente Ocuer;ilvcr« Sammlung des Verbandes hebräischer Lehrer in Palästina statt. Etwa 150 Delegierte hatten sieh eingefiiiitlen. Es waren Vertreter aus Jaffa, Je• r 11 s a I e 111, Tiberias, Beirut, Haifa und fast sämtlichen jüdischen Kolonien Judäas uml Ga• liläas erschienen. Auch der Direktor der jüdische» (ieiiieimleschnle in Alexandrien und der Lehrer der Allianeeschule in A I e p po nahmen an den Beratungen teil. Der Vorsitzende des Gentral-Coinites, Josef Isnrknwsky, erstattete Bericht über die Tätigkeit des Lebrcrverbandes im abgelaufencn Jahre. Er wies insbesondere auf die Gründung der ausgezeichneten pädagogischen Zeitschrift 1־1״ a c 11 i 1111 u c 11“ hin, deren bisher erschienene I fefte die rückhaltlose An• erkeiimiiig aller Fachkreise gefunden haben. Nach einer überaus lebhaften und vielseitigen Aussprache wurde ein von der Vcrbamlsleitung vorgelcgter Ar• bcitsplan für das nächste Jahr genehmigt. Es wurden auch verschiedene Beschlüsse betreffs der Ausge« staltmig der Lehrcrorgauisation und der Gründung einer speziellen Leih• und Sparkasse für die Mit• glieder des Verbandes gefaßt, * Wir werden um Aufnahme׳ folgender Mitteilung gebeten: Fiir ein auf sicherer Grundlage stellendes kauf• iiiäiiuisehcs Unternehmen in Palästina wird iutelli• genter, sprachgewandter Vertrauensmann gesucht, der imstande wäre, ein Geschäft selbständig zu leiten. Deutsch und französisch, mögl. auch hebräisch er• forderlich, auch sollte Betreffender die Buchhaltung verstehen. Gehalt nach Uebereinkunft, Offerten an die Adresse der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ erbeten. AUS HAMBURG-ALTONA General-Versammlung der Zionistischen Ortsgruppe. Donnerstag, 10. Oktober im Loge n h c i in , Hartungstraßc 0/11, Beginn 9 Uhr abends pünktlich.!Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Wahlen des Vorstands und der Kommissionen. 3. Etwaige Anträge. Der Vorstand. Einer Teilauflngc unseres Blattes liegt ein PI des Zionistischen Lieder-Vcrlages M H ü b n Nadworna Galizien, bei. Wir bitten 'unsere Lc dieses Plakat m den Schaufenstern oder sonst günstiger Stelle anzubringen. um den Verlag zu tu stutzen. Weitere Plakate sind direkt vom Verlar beziehen. * Die zehn jüdischen Märtyrer Im Israelitisch-Wissenschaftlichen Vereine snnrl! Rabbiner L. D » k c s z Altona über die zehn j״.! ' scheu Märtyrer unter der liadriaiiischen Verfo!■״״״׳" deren Schicksal vielfach in poetischer Form vedicrr licht wurde. Er wies zunächst darauf hin, daß » verschiedene handschriftliche Erzählungen über d״ Schicksal dieser Märtyrer gilit und legte seinem Vor trag die seltene Handschrift der Hamburger Stad!', bibliothck zugrunde, die jetzt auf der Dresdnet \u%. Stellung allgemeine Beachtung findet. Die zehn Müri tyrer wurden nicht zu einer Zeit angeklagt und hi״! gerichtet. Es liegt zwischen dem lode des Erste!! und dem des Letzten ein Zeitraum von ungefähr 70 Jahren. Wenn nun dennoch diese zehn Märtyrer gewöhnlich zusammen erwähnt und betrauert werden so ist dies damit zu erklären, «laß ein gemeinsame{ grausames Geschick sie ereilt hat, Deshalb sind sje auch in den Erzählungen und liturgischen Dichtungen zusammen erwähnt mul unter der allgemeinen Ih/cich• ming ״Die durch Rom Getöteten" registriert. Die ersten zwei, der Fürst Simeon, Sohn üaiiilicls des Zweiten, und der Hohepriester I s 11, a e I Sohn Elisas, wurden zur Zeit der Zerstörung de« zweiten Tempels im Jahre 70 11. dir. hingemlitci. Die römische Regierung wollte jede etwa beahsidü tigte Erhebung des jüdischen Volkes schon im Keime ersticken, mul um es am empfindlichsten zu treffen, ließ sie den weltlichen uml geistlichen Führer, l urst und Hohenpriester, gemeinsam töten. Der Fürs» wurde enthauptet, während dem Hohenpriester die GcmcIiIs. haut mit spitzen, eisernen Kämmen nhgczogcn'umi ihm dann das Haupt abgeschlagen wurde. Der Kopf dieses auch durch seine körperliche Schönheit ausgi/dcli• ncten Mannes wurde eiiihnlsainicrt und nach Rom gebracht, wo er sieh noch jetzt unter den Schätzen befinden soll. Sechzig Jahre später wurde der greise Rabbi A k i b a , einer der bedeutendsten Gelehrten uml einflußreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit, seiner öffentlichen Lehrtätigkeit halber auf Befehl der ronii• scheu Regierung verhaftet mul wegen seiner ßc• üüiistiguug des Bar-Koehbar-Aufstamles, der bekannt• fielt die Befreiung Palästinas vom römischen Joche bezweckte, vom Kaiser Hadrian zu einem grausamen Tode verurteilt, der vom Statthalter Tnreiis Rufiu vulllührt wurde. Mit spitzen eisernen Kämmen wurde dem greisen Gelehrten das Fleisch vom Körper ge• rissen und er langsam zu Tode gemartert. Stand, halt ertrug er die iininciisehliclien Qualen und ver• suchte die Scliiiierzenslaute der Umstellenden durch das Gehet zu ühcrlöiicn. Mit dem (ilauheiishekenntnis auf «len Lippen hauchte er seine reine Seele aus. Ile•• sonders tragisch war das Geschick des großen Lehrers (נ hau au jo, Soll» Tcradiinus. Er wurde, weil er öffentlich zur Bildung von keligionsgemcinden Gaben sammelte und in der jüdischen Religionslehre unter• richtete, /um Feuertöne und seine Frau zum Tode durch das Schwert verurteilt, während seine Tochter der Schande preisgegeben werden sollte. Ergeben und mutig ertrug er die Qualen des Todes, die ihm noch durch Auflegen von feuchten Schwämmen ver• liingert wurden und ermahnte noch im letzten Moment seine weinend um ihn versammelten Schüler zum Ausharrcii im Glaube» der Väter. Einige Jahre später starben auch die anderen «eehs in den Handschriften erwähnten Talmudlehrer eines grausamen gewaltsamen Todes, wegen der Erfüllung ihrer Rcligiousgebotc oder wegen der öfleiitlichcii Ausübung ihrer Lehrtätigkeit angeklagt und verurteilt. Diese zehn Männer haben freudig und frciiiiiiti״ für ihren Glauben ihr Leben geopfert und waren durch• drungen von dem Bewußtsein, sterbend ihrem Y׳»lkc die Liehe und Treue zu ihrem Goß ciii/nprägeii. Atu dem Opfcrmutc dieser zehn glaubensstarken Mii' i.r hat das jüdische Volk stets von neuem Begcisti’ii.ni׳, Mut und Trost in den Zeiten der Verfolgung gesell׳■'׳!»• Wanderarnien-Fürsorge Der Ausbau der von der ״Deutschen Ze׳׳*ral• stelle fiir jüdische Wamlerarmctifürsorge“ gelernten großen Organisation hat wieder einen Fortschri1.. zu verzeichnen. Am Sonntag, 3. September, hat in »V et/ eine Versammlung der lothringischen und luxem! 0ךי• scheu Gemeinden bzw. I'rcmdeiikassen staßgeft!:uU׳n uml zur Bildung einer Udhrmgisebduxemburgi :•'.er» Kasse geführt. Die Einladung war von der jiidi!־ J׳.:n ZentraUUnterstützungskassc in Metz misgcgaiig» n, an deren Spitze der verdienstvolle Herr Eugen Frü! :!fg stellt. Seine Bestrebungen auf Reform der Wa :!der• armenfürsorge sind von den Herren Dr. med. (nies Meyer und Leon Levy in Metz stets wirksam unter• stiitzt worden. Das Referat hielt Herr Cliaim •uu Köln, der zu den besten Kennern und cifri:׳״ten Förderern des Organisationswerkes zählt. Seiner S.ivli• kciintm's gelang es, mancherlei noch vorhandene auf Mißverständnis beruhende Bedenken zu /.erst! •neu und so zum Gelingen dieses Werkes wesentlich bei• zutragen. — Fs dürfte allgemein interessieren, daß auch Verdun vertreten war. Ein neuer Beweis dafür, wie großen Anklang die von der Deutschen Zentralstelle cingclcitctcn Bestrebungen zur Beseiti• gung der überall drückend empfundenen Mißstaiidc finden. In den nächsten Tagen finden Besprcclmn• gen mit Vertretern belgischer und hollündiscficr Kor• norationen statt. Ucber die sich an die deutschen Vorarbeiten anlcliucndcn gleichgerichteten Beslrcbun• gen in Oesterreich und der Schweiz ist bei früherer Gelegenheit berichtet worden.

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