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Jüdische Rundschau · 1911-09-15 · Heft 37 (15.9.1911) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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11 mu** 1ר w *י« סי־*» fitmmtM ׳ Nr. 37 Jö DIS C!; .,oCHAU Seite 441 noch durfte sic sonst bei irgend wem auf Gegner• sehn ft Stollen. Von zionistischen Agitatoren in Deutschland ist in HlumenfeUls Ausführungen — nicht einmal unpersönlich — die Rede, noch wenige!• also von einer ״verächtlichen Beurteilung" dieser I Jenen. Ob es also notwendig war, g e r a d e jetzt ״im Augenblick der Versöhnung zu solch scharfen Worten zu greifen“ und einen so p e r s ö!11 i c 11 e n Angriff gegen den ancrkannterinnfScn um die zioui *tische Vereinigung für Deutschland sehr verdienten Parteisekretär in alle Welt hliiaus/utragen, das dürfen wir danach getrost der Beurteilung unserer Leser überlassen. Zur Frauenfrage Von Frau Edith Lachniann-Künigshime. In der Nachschrift zu dein Artikel ״Frauen• 1 rga 1118 at Ion“ von Sara Kailriel verlangt die ’Vdnktion der ״Jüdischen Rundschau“ mit vollem,!>cht ein bestimmtes, klares Programm über zio• ,׳!Mische Frauenarbeit, Und deshalb ergreife ich gern ,־ dieser Angelegenheit die Feder, um nicht mit;• honen Worten, sondern nur aus meinen praktischen Ltfahrungen heraus Vorschläge zu machen, - Zunächst aber möchte ich nochmals versuchen, die Einwendungen, die man überhaupt gegen Grün• hing von zionistischen Frauenvereinigungen macht, ,11 widerlegen, um die Diskussion darüber endlich .11 beendigen. Da wird zunächst immerfort von einer Zcrsplitlc* ung und Schwächling der Ortsgruppe geredet. Ganz .las Gegenteil ist in Wahrheit der Fall, Die zionistische Frau soll und nullt genau so, wie bisher, die Kleinarbeit für die Ortsgruppe leisten, nur dafi sie sie organisiert besser und inan• uigfalligcr leisten wird. Es gellt nicht an, da 11 mir liier lind da immer dieselben drei bis vier jungen Mädchen und manclimal auch eine vereinzelte Frau elwas leisten, nur durch Arbeitsteilung und Org.ini• *ation wird man neue weibliche Kräfte heranziehcii können und dadurch viel mehr mul besser arbeiten. Und cs ist ja viel leichter, in der iFraitemvell Gehör zu finden und die Frau durch die Frau fi'tr den Zionismus zu gewinnen. Die jüdische Frau, die von dem Kampf um die Existenz nicht so iu An• Spruch genommen ist, die aber andererseits oft nicht befriedigt ist durch die geringe, planlose Arbeit, die sie für ihr Judentum leiste(, ist natürlich viel leichter zu gewinnen für «len Zionismus wie der jüdische Mann, der einerseits oh zu viel mit dem Kampf um die Existenz zu tun hat, mul andererseits oft schon von zu vielen Richtungen politisch beeinflußt wird. Wenn wir aber erst mal eine oder die andere Frau für uns gewonnen haben, so müssen wir auch sehen, sie lins andauernd mit Interesse zu erhallen, und dazu ist cs notwendig, dall wir ihr Arbeit gehen und diese Arbeit durch Frauen kontrollieren, damit sie Verantwortlichkeilsgefiihl und Schaffensfreudigkeit für unsere groflc Sache bekommt; das aber wieder können wir nur, wenn wir richtig und plaumäliig organisiert sind. Ferner gibt cs noch gar viele Dinge, die wirk• lieh mir Frauen leisten können, die sie aber wiederum nur richtig und gut leisten können, wenn sie or• ganisiert sind. Und da greife ich als wichtigsten Punkt die Erziehung d e r J 11 g e n d heraus. Was nützen die leeren Worte, es mul! eine neue, jüdisch• zionistische Jugend heranwachsen, wenn wir ruhig mitansehen, wie ein völlig entjiidetes Geschlecht her• anwächst. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben für den Zionismus, für zionistischen Nachwuchs gute Zionislinnen geworden sind. Sie meine ich nicht, obwohl man an diesen Erscheinungen nicht ohne tiefes Interesse vorbeigeht. Sie führte Liebe und Veranlagung zum Verstehen dieser nationalen Idee. Da ist aber ein alter Mann, ein frommer (nicht frömmelnder) Reverend, der mit ganzer Seele dabei ist. Er schlug eine!Menge Bibelstellen auf und bewies mit den Bihelwortcn, daß cs Gottes Wille gewesen, daß der Zionismus entstanden•, denn Gott habe «len Juden Palästina auf ewig gegeben. Er er• klärte cs rundweg für seine Pflicht ״to go to Pa• liistiua and to hclp tlie jews.“ Ein anderer, lange Jahre iu Palästina in deutschen Diensten, dann in der Ostmark als deutscher Kolo• nisator, ist den Zionisten als fachmännischer Berater wertvoll. Auch er ist orthodoxer Protestant und will aus denselben Motiven, wie der Reverend, der Be• wegung helfen. VI. Trotz der Menge wertvoller und interessanter Persönlichkeiten hat die Bewegung «loch seit I lerz.l’s Tod keinen ganz überragenden Menschen unter sich. Wohl hätte ein Genie selbst ein großes Bctätigtings. fehl: spielen doch alle Fragen des politischen kul• turellcn und Wirtschaftslebens unserer Zeit in die Bewegung hinein, ja werden in ihr noch kmnpli• zierter. Aber alles geht dort mit unendlichen Sclnvie• rigkeiten vorwärts. Die Taten jener, die heute der Sache dienen, .werden bestenfalls in Generationen wägbar. . . zu sorgen, 1X1;־.» abei• br.iiiclicn wir organisierte, zionistische Fiamn und MiHtcr, Denn im Jugendverein den iiidis1!;׳*/ioni: liveheu Geist in Mädchen uml Jünglinge liineinz.iipflaiizcn, ist meistens schon z.ui spät, denn schon in das Kind muß zionistischer Geist gelegt werden, mul schon dem Kiiule muß mau die Liebe zum Judentum und zu Palästina bei• bringen. Uml, was Frauen wiederum nur allein leisten können, ist, «len zionistischen Geist in ihre Häuser hiiieiii/iiti'agen, damit mit der Zeit wahrer, zionisti• scher Geist hcraiisstrünit aus jedem jüdischen Hause. Bis jetzt hatte «ler Zionismus nur einen öffentlichen Gharakter, jetzt soll er «Iiiicli organisierte Frauenarbeit auch Faiiiificnaiigclegciilieit werden. Ich glaube, unsere Gegner werden jetzt endlich duschen, daß war mir verbessern wollen, indem wir die Kleinarbeit in der Ortsgruppe «111 reit Organ!• sation besser und in größerem Stile leisten wollen, und nmlcrcrseils Arbeiten, die bis jetzt fast gut* nicht gemacht werden und die nur von I־'rauen ver* richtet werden können, auch durch Organisation leisten wollen, (tu übrigen mag es bedauerlich jiein, aber es ist mm einmal so, daß die Frau bis jetzt aus einer ganz natürlichen Zurückhaltung heraus sich in «ler allgemeinen Ortsgruppe im Hintergrund gehalten hat, und dafür müssen wir Abhilfe schaffen. ־־ — Was mm den Verein ״Jüdischer Frauen f ü r Kulturarbeit i 11 P a 1 ä s t i n a“ betrifft, so glaube ich mir da besonders ein Urteil erhüben! zu können. Ich habe schon sehr viel für den ycrein gearbeitet, trotzdem ich auch einen zionistischen! Frauenverein leite. Es hat nämlich eins mit dem andern absolut nichts zu tun, beide wollen d«» rieste für unsere heilige Sache, aber auf galiz verschiede• neu Grundlagen. Es ist ja ein großes Glück, daß wir den Kulturverein haben, der aber nur eine kultu• relie Gründung lediglich für Palästina ist, die mit Nationalismus nichts zu tun hat. Wir sichern uns da• durch <l״ch wenigstens «las Gehl der reichen Leute für Palästina, das wir für eine zionistische Institution nie bekommen hätten. Der Kulturverein muß deshalb unbedingt eine nicht zionistische Gründung bleiben, wie es von Anfang au projektiert war, was j.1 auch die Namen «ler Mitglieder, die meistens keine Zionisten sind, beweisen. Der Kulturverein arbeitet doch nur kulturell in Palästina, wir aber wollen hauptsächlich in «ler Diaspora rein national arbeiten, da wir ja auch zurzeit noch gar keine Mittel haben, um an grolle P.dästinaarbcit zu denken. Wir haben leer noch so unendlich viel zu tun, daß es große Anstrengung und viel Arbeitseifer kosten wird, um alle Pflichten, die wir habe«, zu erfüllen. Wir wollen dem Zio• iiismus Geld schaffen durch Heranziehung alter jü• «iiselieii Frauen, daß er in Palästina mehr arbeiten kann, mul wir wollen ilun Zionisten schaffen, in• dem wir unsere Frauen und unsere Jugend z.11 Zionisten erziehen. Vor allem darin soll unsere Pa* lästiiiaarbeit bestellen, indem wir Mittel schaffen für die in Palästina wirkende allgemeine zionistische Organisatiou. Wir hatten Scbekilzahler, als wir uns iu Königsliütle zu einem zionistischen Frauen• verein organisierten, jetzt, nach zweijährigem Bestehen unseres Vereins, hallen sich die Scliekclzahler vcrtlrcifacht, mul so könnte es überall sein, durch Gründung von zionistischen Frauciivcreineii. Jeder zionistische Frauenverein aber sollte es sieb auch zur Aufgabe machen, «len Kulturverein zu unter• stützen. Ich glaube also auch hier unseren Gegnern bewiesen zu haben, daß beide Vereine Existenzbercchtignng haben, da ihre Arbeit sich ja auf ganz verschiedenen Gebieten bewegt. Zu der großen Arbeit, die wir leisten wollen, halte and! ich ein festes Programm für unbedingt erforderlich. Ein festes Programm für die einzelnen zionistischen Vereine und ein festes Programm für Bücher und Zeitschriften Arnold B. Ehrlich, Randglossen zur Hebräischen Bibel. Textkrilisclies, Sprachliches und Sachliches. Hd. 1111 ־, Genesis bis Samuel; z.us, '25,50 M. bröselt. J. C. Hinriclis, Leipzig. Zu einer Zeit, da eine von I lypolhesen wimmelnde Textkritik, mit WiUkürlicUkeileu operierende Quellen• analyse mul sich wissenschaftlich geberdende Synt• bolistik das gesamte Bibelstiiiliuin beherrscht und alle philologische Durcharbeitung uml sachliche Durch• «Iriiigung «les Stoffes überwuchert, ist es ein bcsolideres Verdienst, auf diese wichtigsten Forscluings• metlioden das Augenmerk der wissenschaftlichen Welt ziiriickzulcnkcn. Vielleicht ist cs kein Zufall, daß ein Unzünftigcr diesem Werk sieh gewidmet hat, ein in New York lebender Privatmann, der aller- «lings von früher Jugend in und mit der Bibel lebt mul mit ihrem Sinn mul Sprachgeist so vertraut ist, wie manch einer vom Bau nicht. Es ist darum für alle, die dem Urtext der Bibel Interesse entgegen• bringen — und im Zeitalter der hebrä* i 8 c h c 11 Renaissance m u B vor alle m den alten, ewig Irisch e 11 Quell e n unserer Sprache das Interesse sic h z u w e 11 den! - ein holler Genuß, «len Randglossen des Autors zu folgen. Wenn auch die textkritischen Notizen sich hei genauer Nachprüfung überall widerlegen lassen, so nötigen sie doch zu gründlicher Analyse des Wortlautes und hindern allzu bequemes Aus• weichen. Die sprachlichen Erklärungen und ver• die Organisation. Ich schlage deshalb zunächst 101• gciules Programm für die einzelnen zionistischen l'raiieiivereiiie vor: Einrichtung von Lese• lind Diskutierabendcn, um die einzelnen Mitglieder des Vereins mit dem Zionis* ums, seiner Geschichte mul Organisation ganz vertraut zu machen, damit sie imstande sind, in der Propa• gamia tätig zu sein. Desgleichen bei diesen Abenden I ler.iiihildtnig von Keducriiiiicn durch Halten von* kleinen Referaten und Diskussionen, Propaganda und Werbung neuer Mitglieder im größten Stile nach Listeiisystemen. Klein,11 beiten für die ' Ortsgruppe, als da sind: Natioiialfondhliihseii, Veranstaltung von Festen, Sammlungen, Materialien, Verkaufsstellen für zionistische Bücher uml Bilder usw. Gründung von Zweiggnippcit in der Umgegend. Besuche bei reichen Juden, PropagandavorncrcU tungen für die Badeorte. Hebräische Sprachkurse, weibliche Turnriegen, Gründung von Madchenvereiuen, zionistische Biblio• tlickcu, Erziehung der lugend, Kinderspielnaclunittagc, Kinderfest«•. Ferienkolonien, Heranbildung von Frauen und Madclten zur Erziehung der Jugend für den Zionismus, Das wäre in ganz kurzen Zügen das Programm für einen zionistischen Frauenverein. Als Programm für die Organisation schlage ich folgendes vor: Fühlungnahme mit den schon bestehenden Gruppen. Austausch von Anregungen. Verschickung von Rednerinncn. Gründung von neuen Vereinen. Kontrolle über die bestehenden Vereine, Schaffung einer Leitung für jedes Land. Auch das sind nur einige kurze Anregungen, und ich hoffe, cs werden mich von anderer Seite viele folgen. Notwendig aber ist, «lall wir uns nicht zu lang«: mit der Diskussion auf halten, sondern so schnell wie möglich zur Arbeit sehreilen, sie drängt gar sehr. Schade tun jeden Augenblick, «len wir ver• licreit! Das hebräische Gymnasium in Jaffa In einer Erwiderung des Herrn Stern schreibt in der letzten Nummer der ״Welt“ Jehoschuah F e I d m a n 11 über das hebräische Gymnasium in Jaffa, das in letzter Zeit der Gegenstand so luißvr Kämpfe war: ״Herr Stein sehreiht: ״Herr T". wirft mir gojisclte Betrachtungsweise vor. Das ist schlimm; aber ich habe gezeigt, «laß ich «lavon frei bin. Ich werfe aber seinen Freund« 11 und «1.1s ist viel schlimmer gojisclte Handlungsweise vor. Demi wie anders kann mau diese Abschaffung eines uralten Gebrauches (den der Kopfbedeckung) be/eicliuen, «leim als Assimilation au gujischc Sitten. Noch dazu iu Palästina!“ Nun, nichts lag mir so fern, als Herrn Stern gojisclte Betrachtungsweise vorzuwerfeii. Ohne ihn zu Kennen, halte ich ihn für einen guten Jehudi der Gesinnung und «ler Tat nach. Ich habe bloß gesagt, daß er in seinem Aufsätze, für den er eingestandenermaßen vorzüglich Judengegner hcrangc/ngcii hat, gojisclte Betrachtungsweise ״bezüglich «les Religionsunterrichts auf das Judentum überträgt“, während wir nt. E., wenn wir jüdische!"ragen behandeln, die Pädagogik Pädagogik sein lassen und mehr unsere eigenen Ver- It.'illnisse objektiv studieren sollten. Vom Standpunkte der reinen Pädagogik gibt es beispielsweise unermeß• lieh viel au «ler T.iclikeiiioiiisclitiie auszusctz.cn, und gleichenden Zusammenstellungen bieten eine Fülle wertvoller Materialien; die sachlichen Anmerkungen werfen vielfach hellstes Licht auf dunkle Stellen. Nur wer so, wie der Autor, das Sprachgut «ler Bibel beherrscht, vermag auch in eine ästhetische Würdi• gütig der Darstellung und Diktion eiuzutreten und hier den uralten Erzählungen neue Lichter aufzu. setzen. So werden alle, denen der Urlcxt der Bibel teuer ist, mit reichem Gewinn das Werk des Ver• fassers benutzen. Den Glossen zu den übrigen Büchern der Bibel darf man mit Ungeduld entgegen• sehen, J• Heinrich Heine und die Festrede Bei der Ucbcrgabc des von den Vereinigten Staaten dem deutschen Kaiser geschenkten S t c u b c 11• den km als sprach das Mitglied des amerikanischen Kongresses, Herr Richard Barthold, in seiner An• rede an den Kaiser von ״jener Treue, von der der Dichter sagt, daß, wenn sie nicht so alt wäre wie die Welt, gewiß ein Deutscher sie erfunden hält c“. Der Dichter, «ler liier zitiert wird, ist — Heinrielf Heine, der kürzlich aus dem Park des Achillcion hinaiiskomplimcntiert wurde und der hei preußischen' Denkinnlcnthülhmgen bisher noch keine Verwendung getunden hatte. Die angeführten Worte stehen in der Harzrcisc (Elster, Gesamtausgabe Band 3, Seite 31).

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