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Jüdische Rundschau · 1911-09-15 · Heft 37 (15.9.1911) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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I * m **•*#-•־י•־*״*‘**?*»״> * n41&pmrr**Tf Nr. 37 JU EDI SC!iE RU II DSC IIA U Seiie.439 ein Informatlonsburcau mit dem Sitz in Petersburg, welches mit wachsendem Erfolg be• müht ist, au allen wichtigsten Plätzen Krciskoinitecs /u etablieren. Letztere sind ihrerseits bestrebt, über, all Subkomitees oder Agenturen zu begründen. Das llcstchcu dieser Komitees wird von Zeit zu Zeit durch Zeitungsinserate und Anschläge der ortliehen Bevölkerung bekauntgegeben und diese nufgeiordcri, im Bedarfsfälle sich vertrauensvoll an sie zu wenden. Zur Orientierung der Vertrauensmänner und beleb. r1׳ng der gesamten Bevölkerung werden nebst einem alle zwei Monate im Jargon erscheinenden Blatte ״Der jüdische Emigrant" zahlreiche kleine Broschüren und Flugblätter verbreitet. So u. a. die :chriitcn ״Amerika", ״Kanada", Argen- ־. i 11 i c n", ״T e x a 8", ״P a I u s t i n a n n d S y r i e n", ״Libau". Ferner sei rühmend die Herausgabe und üratisverteilung von Hand• und Wörterbüchern der englischen und spanischen Sprache hervorgehoben. Rieht ohne Interesse ist endlich die Schaffung, und Unterhaltung von Auswandererschulen, in welchen der jungen Generation Kenntnisse der Sprache und Sitten der wichtigsten Eiitwanderiiiigslämlcr beige•• uracht werden. Einstweilen bestehen nur zwei Schulen in Minsk und Lodz; eine dritte wird dem• nächst in Kowno eröffnet werden. Wenn aber die groll Tragweite der Emigrationsfragen vom Juden• tum dereinst richtig erkannt und gewürdigt sein wird, werden sie in jeder größeren Stadt begründet werden. Das jüdische Volk faßt immer mehr Vertrauen zu der von der J, C. A. geschaffenen Organisation, und die Zahl der Auswanderungslustigcn, die sich mündlich oder schriftlich um Kat oder Auskunft an sie wenden, wuchst von Jahr zu Jahr. Von den £1)000 Juden, welche im Berichtsjahre Rußland ver• ließen, haben •10 291 vorher sich mit den versehic• denen Komitees derselben in Verbindung gesetzt. Seit Begründung der Organisation im Jahre 1900 hat das Informationsburcau nebst Filialen 137 000 Per• sonen Auskunft, Hat und Hilfe gewährt. Der Hat bestellt häufig in der Empfehlung, die Aus wände* r u n g nach den Vereinigten Staaten und Kanada doch lieber zu unterlassen. Im erstgenannten Lande werden nämlich die ohnehin harten Einwanderungsgesetze seit einigen Jahren von• den Behörden so ungerecht willkürlich angewendet, und derart im frcnidenfeindliclicn Sinne ausgelegt, daß sic die Wirkung von Prohibitivma!}regeln haben. In Kanada schließlich werden die jüdischen Einwanderer nicht viel besser als Nigger oder Chinesen be• handelt. > Des weiteren werden die Auswanderungslustigcn in vielen Distrikten von Acrztcn auf etwaige Ciebrechen untersucht, die den Einwanderuiigsbchördcn als Vorwand zu einem Landungsverbot dienen könnten. Da erfahrungsgemäß in Nordamerika besonders auf Trachom gefahndet und jede leichte Augenentzündimg im Hafen von Ncw-York gern als eine solche an• steckende Krankheit erklärt wird, sind in Minsk, Lodz und Hornel Augenkliniken eröffnet worden, in denen im Berichtsjahre bereits 3237 Personen unter• sucht resp. behandelt wurden. Weitere 9UÜÜ Per• sonen wurden in Warschau und Libau ärztlich untersucht. Das Bureau warnte ferner die Bevölkerung unausgesetzt, sich ohne die nötigen Auskunftspapiere auf die Wanderung zu begeben. Da jedoch die Be• Schaffung von Au: l.uub.pa׳ :;cu in Rußland mit 1111• endlichen Scherereien vt:rküüpfl ist, wird die l’cvölkerimg über die /■!:!111; 1!, tug von P...! n nötigen Schritte durch Flugblätter und Bekanntmachungen unterrichtet. Auch werden Formulare für betreffende Eingaben an die Behörden gratis verteilt. Gleichzeitig sind sämtliche thihl.omitees angewiesen, den Eniigrauten auf Wunsch sulche Pässe selber zu verschaffen. Nicht weniger als II» 719 Auswaiulcruiigspässc sind so im Berichtsjahre durch Vermittelung der Organi• ausgehäudigt worden. Endlich haben 2851) sation Personen billige Schiffskarten resp. Vergünstigungen bet den Eisenbahnen und ebenso viele Unterstützungen in Bargeld erhalten. Um den zahlreichen Schwierigkeiten und Mindernissen, welche der Auswanderer heim Uehersclireiten der russischen Grenze harren, zu begegnen, wurden au sieben Grcnzpimktcn, nämlich Wirrhallen, Mlawa, Alexamlrowo, Wolotsehisk, Hadsiwilowo, Iwanctz und Novoseli/a Grenzkom itcch errichtet, die mit dem vom Hilfsverein der deutschen Juden an der deutschen und der Wiener Allianz m! der österreichischen Grenze begründeten korrespondierenden Komitees Hand in Hand gelten. Die russischen üreiizkomitccs haben zahlreiche und vielseitige Aufgaben zu erfüllen. Viele Auswanderer holen sich über Heisekosten, Ein• sciiiffungshäfeli und Hcrbcischaffung von Pässen erst in zwölfter Stunde, nämlich, wem! sic im Begriffe sind, über die russische Grenze zu gehen, die erforderlichen Auskünfte I Ihre wichtigste Aufgabe ist aber der Kampf mit den zahlreichen Agenten. Dieser nimmt von Jahr zu Jahr einen größeren Umfang an und wird von beiden Seiten mit großer Energie und Hartnäckigkeit geführt. Die den Emigranten so gefährlichen Elemente leisten nämlich den Zollbehörden freiwillige V i g i 1 a 111 c 11 d i e 11 s t e und sind deswegen bei ihnen häufig sehr gut a n g « s c 11 r i e beul! Nicht selten gelingt es ihnen, die Tätigkeit der Greiizkomitees empfindlich zu stören oder ganz lahm zu legen. So konnte das Komitee von Nowo» seii/a im Jahre 1910 nur 10 Monate in Funktion bleiben und mußte im Januar 19H seine Tätigkeit schließlich ganz einsteilen, Audi in Iwanek, einem wichtigen Grenzorte des Gouvernements Podulien, hatte das Komitee von den z\gente11 das Jahr über scltwer;zu leiden. Als einige von diesen endlich mit Hilfe des Petersburger Hauptbureaus wegen ver• sclticdener Betrügereien zur Verantwortung gezogen werden sollten, gingen sie über die Grenze nach Oesterreich und konnten erst nach großer Mühe ge faßt und der österreichischen Justiz übergeben werden. Eine bedeutende Rolle spielt endlich das Komitee zu Libau, einer russischen Hafenstadt, welche bei der Einschiffung der Auswanderer von wachsender Bedeutung wird. Im Jahre 1910 haben 39 161 Per• sonen, darunter 18 815 Juden, Rußland via Libau verlassen. Das Komitee hatte gegen 8000 jüdischen Einwanderern bei/usteiten. Die Fürsorge der J. C. A für die Auswanderer hört an der russischen Grenze noch keineswegs auf. Nur arbeitet die Gesellschaft in Westeuropa nicht mehr allein, sondern in Gemcinschaft mit anderen Organisationen. Der I I i l f 8 v e r e i 11 der deutschen Juden, dessen segensreiche Tätigkeit zugunsten der Emigranten bekannt ist, hat von ihr eine Subvention im Betrage von 121000 Mark erhalten. In Oesterreich geht sie zusammen mit der Wiener Allianz, welcher cs gelungen jst, für die in diesem Lande sich ein* schiffenden Emigranten eine Preisermäßigung von 50 Prozent zu erlangen, in Basel, das im Berichtsjaltre von •18 917 Emigranten, darunter 0107 Juden, passiert wurde, bestellt ein Hilfskomitee für jüdische Auswanderer, dem es gelungen ist, eine bedeutende Ermäßigung für Sehiflskarten zu erlangen. Auch der Verein ״Esra" in Antwerpen, der die EinscUilfmig jüdischer Emigranten am Platze überwacht, ist mit Erfolg bemüht, ihnen billigere Seliiffskarten zu verschaffen. In vielen Fällen ist es ihm auch ge• hingen, den Agenten, die jüdische Auswanderer übervorteilt haben, den Raub wieder abzujagen. Nicht weniger als 2015 Auswanderer haben die Hilfe des Vereins in Anspruch genommen. Ferner hat die ״Montefiorc-Veremiguug", die in Rotterdam eine billige Herberge für die Auswanderer unterhält, im Berichtsjahre von der J. C. A. eine Subvention er• halten. Das gleiche ist von dem bekannten Board 0( üuardiens in London zu melden, der u. a. jüdische Emigranten nach überseeischen Ländern, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, befördert. Lr hat 230 Personen auf Kosten der J. <J. A. zur Auswanderung verholfen. Endlich sei noch die Auswanderung aus Hu* mänien mit einigen Worten erwähnt. Diese hat in den letzten Jahren wesentlich nachgelassen, so daß im Berichtsjahre im ganzen nur 1059 Juden das Land verlassen haben, um nach Amerika zu gehen. Von diesen sind 97ö nach den Vereinigten Staaten, die übrigen nach Argentinien und Kanada ausge* wandert. 907 von ihnen haben durch die J. C. A. Pässe und billigere Fahrkarten und 152 eine direkte bare Unterstützung erhalten. im ganzen haben im Jahre 1910 83 500 Juden allein aus Rußland und Rumänien ihre Heimat ver* hissen. Davon gingen öl üüü nach den Vereinigten Staaten (darunter 51 •198 nach Ncw.York), der Rest nach anderen Ländern. — — weit besser. Unter jhiten, wie auch unter de». Deutschen und englischen Jüdinnen auf!allem! viel blonde, gracile Erscheinungen. Uin eine zu nennen, deren Namen doeli in die Ocffentliclikeit dringt: Miß Margcry B.e11twich, Schülerin Willtelmjs, die zugunsten der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem ein wunderschönes Gcigcnkonzcrt gab. Unter den Zuhörern aller Länder blitzten die dunklen heißen Augen von Frauen und Mädchen aus Palästina, die dort leben und arbeiten, die ein neues und lebendiges I Icbräisch sprechen und die sich an 'jenem Abend der Kunst und zarten, lichten Erscheinung ihrer Schwester freuten. Eine sehr hübsche Klavierlehrern! aus Jaffa erzählte übrigens, wie ernst und wie fleißig ihre Schüler und Schülerinnen die deutsche klassische Musik studieren — selig, überhaupt Musik zu lernen. Unter den deutschen Frauen war jede Art weihlieber Erscheinungsform vertreten: vom Erhabenen bis zum Rührend-lächerlichen. Natürlich sind es deutsche Frauen, die die Fraucngruppci» leiten, organisicrcn, und die vor allem gute Rcdiicriniieu stellen. So sprach als einziger weiblicher Redner, die Delegierte Frl. Professor Schach auf dein Kongreß über jüdische Frauenarbeit. Von deutschen Frauenrechtlerinnen fielen eine Kölner Dame und eine Münchener Acrztin auf, beides ausgezeichnete Rodncrinncn. Letztere war eine jener ersten badische« Abiturientinnen, deren erste Studienjahre so bedeutungsvoll für das Zustandekommen de» Deutschen Frauenstudiums gewesen sind. Außer diesen und noch einigen Wenigen waren keine intellektuellen, sozinlarbciteiiden Jüdinnen der deutschen Frauenbewegung zu finden. Das erklärt sich leicht: Jene Frauen haben mehr allgemeiiMiieiisch• liehe Interessen. Au sich ist ja leicht begreiflich, daß gerade Frauen mehr dazu neigen, den allge• meinet), großen Meiiseliheitsideen zu dienen. Die zionistischen Jüdinnen aber erklären, daß zimiichst jedes Volk normale Lehcnsbcdiiigungen haben muß, um gesund und aufrecht daziistehen. Dann ers» kann es im ewigen Menschheitsreigen mitsclireitcn. Der Wille, den Juden dazu zu verhelfen, lag auf den Gesichtern der verschiedensten Frauen, Ob sic deutsch, französisch, englisch, russisch, hebräisch sprachen: sie begeisterten sieh für eine Idee; die sie nile zu Schwestern machte. IV. Von den Männern war mehr zu gewinnen, als wechselnde Eindrücke imumigfacher Physiognomien. Sie sprachen, arbeiteten, und aus der Fülle der Er• schimmligen tauchten starke Persönlichkeiten auf. ’ Da ־war Einer: schlank, nervig, mit einem zeit• losen Antlitz; nicht schön, nicht häßlich; ein Ge• sicht, das ganz arabisch nnmulctc. Russe von Oe• hurt und »Maggid I Maggid heißt Lehrer. Das aber erschöpft nicht das Wesentliche: man darf nicht an einen Gelehrten oder Schulmeister dabei denken. Der Maggid kann mehr als das ABC. Er beseelt die toten Dinge, macht die leeren Worte lebendig. Er hat fast magnetische Kräfte ... es ist schwer zu erklären, wie ein Maggid ist. Besonders ein mo• derner, der Mitglied der ersten Duma gewesen, jü• Der neueste Plan Stolypins Dem Petersburger Spezialberiehterstaltcr der ״R. K." ist es gelungen, eine Kopie der konfiücnticllcii Broschüre zu bekommen, welche Stolypin während seiner jüngsten Kampagne gegen die Juden unter den Ministern und ihren Gelüjfen verbreitet hat. Er schreibt uns darüber: Der Ton, in dem das offizielle antisemitische »Machwerk abgefaßt ist. läßt die Gefahren deutlich erkennen, welche der sechs Millionen starken jüdi• scheu Bevölkerung Rußlands drohen. Wie in den rohesten judenfresserisclicn Blättchen, ist darin von ״Jiidcheii", von ״jüdischer Herrschaft" und ״jüdischer Ausbeutung" und dergleichen auf Schritt und Tritt die Rede. Das Memorandum des Premiers, das völlig aus dem Rahmen eines offiziellen Dokuments fällt, belegt seine Behauptungen durch endlose Zitate aus der russischen Presse; es ist aber charakteristisch, daß ans der »Menge der Residenz• und Provinzblätter nur die offiziöse ״Rossja" und die antisemitischen Zeitungen ״Nowojc Wremja", ״Ruükoje Siiamja", ,״Semstschina" und ״Rußkaja Rjetseh" erwählt wor* den sind, um den ministeriellen Standpunkt zu er* härten, üubrowin, Purischkewitsch, Totniatsehow und allenfalls noch »Menscliikow als ״objektive" Quellen zur Erfassung des ökonomischen Einflusses der Juden, discli-rtissischer Standesbeamter (Kronrabbiner), den deutschen Doktor hat und doch vor allem Bildner, Rainer, Impressionist ist und bleibt. Er halte Tausende von Hörern — und nicht nur Juden — in Rußland, als er dort noch wirken durfte. Einstens . . . Jetzt redete er hier. Und in sehr gutem Deutsch, in seiner Rede flammte etwas auf, das die Herzen wach werden ließ; er weckte die Seelen und nahm sie mit auf seinen Wegen. Er war in Palästina und wird bald für immer dort leben. Er redete vom palästinensischen Leben, von der Art, der Sehnsucht, der Seele seines Volkes — nicht von praktischer Arbeit — aber man verstand daun, daß es der Mühe wert sein könnte, sich für dies Volk mit praktischer Arbeit iicrumzuseiilagen. In ihm ist Intuition, Wissen, tuitiative . . . Man hörte viel zu wenig solche Männer. Er r.eil>ht meint bescheiden, er sei nur Einer von Vielen, mir Einer: die andern würden leider nur die russische und jüdische Sprache genügend beherrschen, Aber nur deutsch und hebräisch sind die offiziellen Kongreßsprachen, wenngleich alle Sprachen zuge* lassen und für alle Uebersctzcr aus der Reihe der Delegierten bestellt sind. Unser Maggid übersetzte die hebräischen Reden aus dem Stegreif, und trug sic mit demselben Feuer vor wie seine eigenen Reden. — Ein anderer, der auffiel. Auch ein Russe, der seit dreißig Jahren, lange, che Hcr/ls geniales Wesen der Bewegung Flügel lieh, zionistisch arbeitete und die Bewegung in Rußland «organisieren half. Er sicht ganz anders, aus, •wie jener schlanke Orientale:

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