Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1911)
- Date
- 1911-09-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651747--07959-2665163- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 36 Seite 43t י, US, 1 גוז >1z ” a$ :: ir ס¬ .!! סי¬ *d ( eil '1. 1:r ■-s :i.1 ne •־Jl ךוו rj«'l ׳ns 11׳ ׳if ״) ■hl sic Ite eil 17• IIS ne ׳,״r mi Ml. cn he •זי bl, :11, ICn? ־ :m , de Ic ׳ ff. ■ er. :kt :ei-!en!es laß ir-. xls lei. :kc!en er• ils 1 len I :eh R eh• I!If. ן :en I icn I «ff I iß I US J U ED l3 C H E R U N DSC H A U uns die Rundschau in der nficlislcii Zeit einen brei- {ereil Raum '1« Htattes zur Verfügung stellt, um die weitesten Kreise unserer zionistischen Frauenweit über die schwebenden Verhandlungen zu infor- ״lieren. Vor allen Dingen müßte wohl aber zur Wahl von 11.111011־ peschritten werden., denen die Leitung der innen Fraucnvcrcinigung anvertraut werden soll. * Nachschrift der Redaktion ' ׳ir ncluucn an, daß die temperamentvollen Aus• füll!:׳:׳(:eil der Verfasserin, die jtt der schönen He. goM 11 ׳ ng für ihre Sache in ihrer Polemik manchmal ״was zu weit geht, nicht ohne Erwiderung blei* heu verden. Denn die Frage — obwohl sie ja ein׳■ eine Zwcckmiißigkeitsfragc ist — hat immer• hin . •<1c große Bedeutung. Sehen die Gegner der hes< : ‘eren Frauenorganisation in ihr eine überflüssige Krü .Zersplitterung und eine neue unnötige Vereinsnu. ei, so mögen ihre Anhänger — vielleicht mit Rei't — fürchten, daß eine gewiß wichtige Arbeit ju . ׳!;istina vernachlässigt werden könnte, falls sich mV• ein besonderer Frauciivcrband dieser Tätigkeit am״ :׳mt. •ir möchten mit unserer Meinung, daß für alle cre.!;baren spezifischen Frauenarbeiten der bereits be,!!ende ״Verband jüdischer Frntien für Kulturarbeit in Palästina“ vollauf zu gr :cn scheint, nicht zurückhaltcn und sind auch di י '!aus der Ansicht, daß cs viel verdienstlicher ist, äi ,0 bestehende Organisationen immer mehr zu akti. vi> >11, als für jede kleine neue Arbeit gleich eine m:c Organisation zu gründen. \ber wir geben gern zu, daß die Frage diskutiert w..1!cn kann und muß, und werden für Mcinungs«;in cniHgcn, die etwas wesentliches zur Sache hest.ui, unser Blatt in den nächsten Wochen gern zur V! liigung stellen. Nur die Bitte sei uns im Vorhin in erlaubt: die geehrten Einsenderinnen — wir m 11:11en an, daß hauptsächlich unsere Ciesiiinimgsg 1!ו o s s i 11 n c n das Bedürfnis haben werden, sich 711 dieser Frage zu äußern — möchten bei ihrer Argu. mmtation auch die ganz reale, rein praktische Seile <10 Frage (tatsächliche spezielle Aufgaben der Orga• nis tion, Existenzmügliclikeit der Organisation, Arbcii.niöglichkcit usw.) eingehend erörtern. Denn so tein theoretisch und mit ein paar allgemeinen hoff, mwgsvollen Worten lassen sich — auf dein Papier!! - sehr leicht neue Organisationen gründen — nur bleiben sic dann meist auch pnpicrue Verbände, deren einzige Leistung ihre Statuten, und deren ein• zlge wirkliche Mitglieder die Vorstandsmitglieder sind. Die Sache erfordert also eine gründliche Erörterung, die sie uns bisher nicht gefunden zu haben scheint, und eine ruhige Aussprache der zunächst Berufenen, der jetzt schon zionistisch tätigen Frauen. Dann wird sich ein sicherer begründetes Urteil, unabhängiger von vorgefaßten Meinungen, geben lassen. Dazu möchten wir gern beitragen, imlcm wir die Diskussion über die Frauenorganisation fortführen. Zionistische jugendvereine Von Bcrthold Halicnstein. Bei Gelegenheit des Baseler Kongresses wollte 1>׳an aucli zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen. Es kann jetzt dahingestellt bleiben, oh es zweckmäßig gewesen wäre, neben den großen Kongreßaufgaben ii besonderen Versammlungen auch solche Fragen z:1r Beratung zu stellen, die erstens vor das Forum efr deutschen Landsmannschaft gehören (weil darin!,:!möglich die zionistische Organisation allen Lau- •km einheitliche Direktiven geben kann) mul für ״■eiche v.weUens die Kougrcßdelcgieitcu schwerlich genügend Zeit und Interesse aulzuwenden haben '׳erden. Man hat ja nun auch in Frankfurt und Nürnberg - und andere Städte dürften diesem Beispiele wohl lolil folgen — mit der Gründung zionistischer Jngcndvcrcinc bereits begonnen. Es ist in der Nürnberger konstituierenden Versammlung aiisdriick• lieh ahgelelmt worden, sich auf denselben Gebieten z<1 betätigen, auf welchen die neutralen Jugend- ',ereine die Erfüllung ihrer Aufgaben suchen. Ganz mit Recht. Man hat dagegen das Programm aufge- **teilt, die zionistische Jugend in rein z i o n i s t i ־ sehen Disziplinen fortzubilden, unsere Jungmann• scliaft mit dem Geiste zu erfüllen und den Kennt- »jssen auszustatten, die für eine künftige erfolgreiche Wirksamkeit im Zionismus die Voraussetzung bilden. Oewiß ein dankenswertes Vorhaben. Aber ich "erfc die Frage auf: War die Gründung eines Jugend• Vereins zur Lösung dieser Aufgaben unbedingt not- )',endig? Bedeutete das nicht vielleicht eine unnötige Zersplitterung der Kräfte? Ist nicht auch die Bc* fürchtung begründet, daß die Reilnmgsfläclien zwisehen zionistischen und neutralen Jugcndvercinen bc• bäuerliche Disharmonien entstehen lassen werden, die einerseits ein friedliche; Zu;miifieiiaiheiteii von Zionisten und Nicht.'ionir.tai zu himlTi!, andererseits die Hauptaufgaben der /ioiibli •du 11 Jugeiulvereine selber zu beeinträchtigen geeignet nind? Und schließlich: Würde cs nicht auch i m R a h m 1:11 u 11 s c r e r O r t s gruppen möglich sein, jene Ausbildung der jungen Zionisten duich/iiüihren, der sich die Jugeiulvereine widmen wollen? Es soll zugegeben werden, «laß in einem Zen• triiui wie Berlin die Uohertrngimg dieser Erzieliungs• aufgabc an eine besondere Organisation, den ״H e r z 1• l< 1 u b“, aus praktischen Gründen zu empfehlen ist. In andern Städten, wie das Beispiel des trotz aus■ gezeichneter Leitung selig entschlafenen ״Hcr/.l-Klub“ in Köln beweist, würde der Verein sich über die erste Zeit der Begeisterung hinaus nicht zu halten ver• mögen. Eine Ortsgruppe aber kann und soll, selbst nach einer Periode mißglückter Versuche und der Stagnation, immer wieder von neuem versuchen, Kurse I für die jüngeren Gesinnungsgenossen einziirichtcn und sonstige Anregung zu gehen, während ein an den zahlreich vorhandenen Klippen gestrandeter Jugend, verein nicht so leicht eine Neugründung erleben wird. Es hat den Anschein, als oh in manchen Ortsgruppen eine Anzahl jüngerer Kräfte existiert, deren BctiitU gmig durch die älteren, bewährten Ortsgriippenlciter einstweilen noch gehemmt wird. Aber cs ist wohl nnzunehmen, daß hei einer Abgrenzung der Tätigkeit auf die Ausbildung der Jugend auch diesen ״Offizieren der Reserve“ ein Arbeitsfeld eingeräumt werden wird. Diese Ausbildung der zionistischen Jugend ist eine außerordentlich wichtige und dankbare Aufgabe, übrigens ein Stück ״Kulturarbeit“, das nicht einmal die Misrachistcn pcrhorrcs/icrcn werden. Unsere zio. nistischcn Akademiker aber sollten sich dieser Aufgabe unterziehen, indem sie die Leitung von Kur• sen übernehmen, welche den Unterricht in jüdischer Geschichte, Literatur usw. und in zionistischer Agitation bezwecken. Es sind Ortsgruppen vorhanden, in denen an fünfzig junger Leute einer solchen Unter• Weisung das größte Interesse cntgegenbriiigcn würden. Der Erfolg solcher Vortragszyklen, abwechselnd mit Diskussionen, würde darin bestehen, daß nach Becndigtmg der Kurse, die — auf zwei oder drei Abende der Woche verteilt — sieh etwa über sechs bis acht Wochen erstrecken könnten, eine große Anzahl junger Kauflcutc die Befähigung erlangt hätten, als Pioniere der zionistischen Idee aufzutreten und zu wirken. Oh es durchführbar sein wird, daß die aktiven Mitglieder des ״K. Z. V.“ zum Beispiel diese Lchraufgabc über• nehmen, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls aber sind für diesen Zweck pädagogisch geschulte Kräfte zu verwenden. •־־.— Zum Schlüsse noch ein Wort über das Verhältnis der Zionisten zu den neutralen Jugend vereinen. Bekaimtlich sind in den letzten Monaten von niclitzio• nistischcn Angehörigen der Jugendbewegung sehr scharfe Angriffe gegen die Zionisten gerichtet worden. Man hat letzteren den Vorwurf gemacht, daß sie die neutrale Tendenz der Jugendvereine nicht anerkennen mul die Vereine für ihre Partciiiitcresscn mißbrauchten. Ich glaube, im großen Ganzen ist dieser Vorwurf unberechtigt. In einer Reihe jüdischer Jugend• vereine, die ich aus eigener Anschauung kenne, haben unsere Gesinnungsgenossen stets i 111 S i n n c des Programms gearbeitet, daß alle Partcirichhmgcn in Vorträgen mul Diskussionen unbehindert zu Worte kommen sollen, ohne jedenfalls den Versuch zu machen, dem Vereine als solchem einen bestimmten Parteicharakter zu verleihen. Von der Entfaltung zio• nistisclicr Propaganda in unzulässiger Weise wird wohl nirgends gesprochen werden können. Dagegen habe ich vielfach den Eindruck gewonnen, daß die a n t i z. i 0 n I s t i s c h gesinnten Mitglieder der J u g c 11 d v e r c i 11 c durch die Mcrvorkchrung einer anti-jüdiscliiiatioiialen Tendenz oftmals einen Verstoß gegen das neutrale Vercinsprogrnmm begangen haben. Dafür, daß eine systematische Zurücksetzung der von Zionisten geäußerten Wünsche, beispielsweise bezüglich Förderung der jungiüdischcn Ideen, eben• falls eine Verletzung des Grundsatzes der •Olcicli• bercclitigiing aller Richtungen bedeutet, fehlt vielfach jegliches Verständnis, Den Begriff ״Neutralität“ deuten manche Jugciidvereinlcr — und in dieser Bc- Ziehung umschlingt Liberale und Orthodoxe eine ״Entente cordiale“ — als-Antizionismusl Ich denke, wir Zionisten sollten uns durch derartige, unter dem Protektorate des Zentralvereius erfolgende Hinschüclitcrimesversuche nicht beeinflussen lassen. Denn eins 'ist gewiß: man kann uns Zionisten in den jugcudvcrHm11־ einfach nicht entbehren, man braucht unsere Mitarbeit so notwendig wie irgend etwas, notwendiger auch als die finanzielle Unler* Stützung der anderen Organisationen. Ich darf mich hierbei auf chic autoritative Meinungsäußerung aus gegnerischem Munde berufen. — Ich resümiere dahin: Die Oründung bcsonderer zionistischer Jngcndvcrcinc scheint mir nicht empfehlenswert. An deren Stelle sollten von den Ortsgruppen Kurse zur Belehrung der jüngeren Generation eingerichtet wer• den. In den neutralen Jugcndvercinen unter Berück• sichtigung der neutralen Tendenz, d. h. in vornehm• sachlicher Weise, den jungjiidischen Anschauungen die ihnen gebührende Geltung zu verschaffen, bleibe unsere zionistische Aufgabe I fvtisraclii und Zionismus Noch sind die Nachklüiigc zum X. Kongreß nicht verhallt und schon hören wir eine traurige Botschaft aus d c m Lande, das bisher als ein Hort der Freiheit galt, wo ein Angriff auf Leben und Habe eines Juden zu den Unmöglichkeiten gehörte. England ist in die Reihe der Staaten eingetreten, wo Hooligans ihr Wesen treiben können, wenn auch die Behörden cs nicht so weit wie im Zarenreiche kommen lassen. Und gerade zu einer solchen Zeit, die mehr als je zur Einigkeit malmt, macht sich in zionistischen Reihen eine Bewegung geltend, welche eine Zer• splilteiung unserer Kräfte bedeutet, Alle Zionisten, inklusive Misrachistcn, haben über den Verlauf des Kongresses jetzt genügend gelesen, um informiert zu sein, lind so sei denn einem gesetzestreuen Zio• nisten, der als Zionist auch Misrachist ist, ein Wort an dieser Stelle gestattet. Jahrelang waren die Misrachistcn bemüht, die der Bewegung fernstehenden orthodoxen Kreise lür sich zu gewinnen, umsonst wurde diesen Gegnern nahe gelegt, daß nur eine starke Misrrwc'dgruppc größeren Einfluß auf den Zionismus zu eräcien vermöge: allein nur die Anerkennung, daß der Misrnchi Sympathien verdiene, war die Antwort dieser Kreise. Jetzt, wo misrachislischc Kreise eine Trennung von der großen zionistischen Vereinigung in Erwägung ziehen, kommen von dieser Seite warme Töne der Ermunterung zur Trennung, ja sogar der Eintritt in den Misrnchi wird in Aussicht gestellt, wenn dieser die Brücke zum Zionismus nhbricht. Ich glaube ja, daß die tonangebenden Kräfte des Misrnchi sich bewußt sind, was sie auf diese ״Erimmteruug“ zu gehen haben, allein cs kann doch nicht energisch genug vor diesem Bruch in unseren Reihen gewarnt werden. Was ist mm der Grund dieser Spannung zwischen Misrnchi und Zionismus? Die geplante Kulturarbeit in Palästina, leb stimme mit meinen gesetzestreuen Freunden im Zionismus darin überein, daß cs besser gewesen wäre, die Ausführung der KuHurniifgaben den einzelnen Parteien und Föderationen zu überlassen, obwohl ich nicht einsclicn kann, wie auf diesem Wege die Sache sieh geändert hätte. Der Kongreß erklärte in Punkt II. seiner Resolution, ״daß in k c i 11 c r d c r von d c r z i o n i s t i s c h c n O rga n i s n t i 0 n geschaffenen Institutionen für Kulturarbeit irgend etwas untern o m in c n werden darf, wnsdcrjüdi sehen Religion z u w i d e r I ä u f t“. Das ist die Haupt- Sache. Die Misrachistcn und die Freigesinnten konnten bisher jede nach ihrer Weise für Kulturarbeit sich bemühen und können sich auch weiterhin diesen Aufgaben widmen — die zionistischen Organisationen sind durch Kongrcßheschhiß gebunden, nichts gegen die Religion zu unternehmen. Ein gewiß als streng, gläubig bekannter Großer in Israel, Rabbiner Rabino* witsch, hat den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn er sagt: ״Weshalb soll ich gehen? Glaubt man denn, daß im Lager der Antizionistcn bessere Juden zu finden sind? Wünschenswert ist, daß die Kultur• frage auf dem Kongreß nicht behandelt wird, denn sie bringt Mißverständnisse. Sollte der Kongreß den Resolutionen zustimmen, so bin ich nicht dagegen. Nur die eine Bedingung: am Sabbat soll bei uns gcschlossen sein.“ Und wenn man einen Blick in das Protokoll des 2. Kongresses (Seite 205) wirft, da lesen wir in einer großzügig angelegten Rede des strenggläubigen Rab• biners Dr. Gaster (London) unter anderem: ״Wir müssen uns dazu cinverstchcn, uns gegenseitig zu achten in iiuscra religiösen Freiheit, wir respektieren tmü wünschen die individuelle absolute Oeislcsfrcilicit. Wir wollen unter keiner Bedingung in das individuelle Lehen des einzelnen eingreifen. Die Zeit der Inquisition ist vorüber, und aucli eine entfernte Nachahmung darf nicht geduldet werden. Aber Toleranz kann nicht einseitig sein. Wir wünschen gegenseitig absolute Toleranz zu üben, wir• müssen der Welt ein Beispiel liefern, wie wir 1ms gegenseitig achten können, wenn auch wir persönlich in unserem religiösen Leben auf extremen Punkten stehen. Ich wünsche auch nicht, daß dieser Bewegung ein religiöser Charakter aufgezwängt würde. . . . Der Zionismus ist nicht der Ausdruck einer mdividwcllcn Anschauung, er darf nicht einer einzelnen öcistesrichtuug entsprechen, denn dann hört der Zionismus auf der Ausdruck des ge• samten J u d c 0 t u m s zu sein.“ Es würde zu weit führen, liier all die schönen. Gedanken Dr. Gasfers vorzubringen. Nur noch seine Schlußworte seien her• vorgehoben: ״Nur verlangen wir orthodoxen Juden, daß der Zionismus nichts unternimmt, was den rcligiösen Qesctzen widerspricht (was ja durch Beschluß