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Jüdische Rundschau · 1911-09-08 · Heft 36 (8.9.1911) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 429 der Zionismus alle» Bestrebungen »ach Gesamt- 1 Of1׳m1is1tion uml Demokratisierung der Auswnudcriiiigdil.’fc an. Er vertritt die Ansicht,־ daß es eine Rcilu־ produktiver Anregungen und wichtigerer ייי״וחחא auf dem Gebiet des Auswniidcrimgswcscns ♦I־״ mir infolge eines Meinungsaustausches, mul einer Koordinierung der verschiedenartigste» Flcment.׳ zutage gefordert werde» können. Der Ziouiüten'.ongrell begrüßt darum mit Freude» die Idee des E m i g r a t i o n 8 k o n g r c s s e s und mahn! alle Elemente im Judentum zu einer Ile-!eilig!,־,S •י«י Kongresse. f' r Zionistenkongreß fordert das künftige A. .r ", aut einem Einigrationskoiigreil, der Gewähr tl.de׳ bietet, dall an ihm grolle Organisationen, jildi!ho Gemeinden nsw. sich beteiligen, aut jede.׳ Fall als zionistische Organ!, falten sielt vertreten /.» lassen. l'e׳.. re Parolen sollen dabei sein: A. Allgern eie Organisierung mul Regelung der jiidisch• Auswanderung. B. Erforschung aller Arbeitsme; . ehkcilen im Orient und möglichste Ahlenkm des Auswandcrungsstroiucs nach dem Orient.*' P v Antrag Tri et sch lautet: . )er Kongrell empfiehlt dem Palästinarcssort h/v .!ein E. A, C., mit den für Palästina und überji.r.,'1 fiir die Türkei existierenden Informations- Im. .ns in Verbindung zu treten zwecks Koortli> ung ilirer Tätigkeit und Gründung weiterer Pn: ms für die Emigration nach dem Orient.“ Delegierter Trictsclu I 1•'׳ habe mich in der Komimcsion, in der von 4 M. :Iicdcr 3 Antragsteller waren — es waren im ganz.■1 nur d Mitglieder erschienen •־ an der Diskus-i••! in der Hoffnung beteiligt, dnh die Gegenteilt meine praktischen Anträge aul Schalt ung c i tu יי zionistischen E m i g r a t i o »s a m t c 8 »dili. i’dich amtcbitien werde. Das ist nicht geschehen, Ich imiiltc dalier meinen Antrag vor den Kongreb bfin,,.׳n. Mein Antrag lautet: .,Der Kongreß beschließt die Schaffung eines zion.-tischen Emigrationsamtes mit dem Sitze in P.ciiin und mit folgenden Zwecken: I. Sammlung informativer Materialien über alle Möglichkeiten jüdischer Einwanderung nach Palästi'ia und anderen (vorzugsweise den nächstgeh :enen) Gebieten des osmaniscJien Reiches. J. Verbreitung dieser Informationell. I. Realisierung (resp. Beihilfe zur Realisierung) der gefundenen Möglichkeiten,“ Der erste Antrag schließt den zweiten nicht aus. Ich schlage aber vor, meinen Antrag als den zionistisch positiven zuerst anzunelimen und daun den Antrag der Kommission. Delegierter Dr. Da ich es: Ich möchte bitten, die Anträge der Kommission nicht anzunelimen, da ich der Ansicht hin, dnh die Emigrationsfragc nicht in dm Kongreß gehört. Ich glaube, daß wir unsere Knfte nur zersplittern werden. Außerdem werden die großen Organisationen, die sich mit der Emigr.iiion befassen, unsere Mitarbeit nblchiien, In der Heliamllung der Emigrationsfragc durch die zionöiischc Organisation sehe ich die Gefahr einer Zer- Splitterung der Kräfte. Delegierter T r i e t s c 11: Der Vorredner hat ja nur an den Antrag der Kommission gedacht, und da wäi'e siii e Ansicht berechtigt. Aber das zionistische Emigr.1tionsamt gehört durchaus hierher. Es ist daher an ״zeigt, daß mein Antrag, der sich ja darauf bezieht, an ׳t'iiominen wird. Delegierter Motzkin: Die Beschlüsse der Kcumission sind ja nur die spezialisierten Beschlüsse von gestern. Sie gehen im wesen darnut hin, daß wii, wenn ein Emigratioiiskongreß zustande kommt, dnh •i sein sollen, um eventuelle Entnationalisicrungsten׳!enzen zurUckzuwciscn. Ich sehe nicht ein, warum wir eine solche Gelegenheit, die uns neue Kräfte HiGlircn kann, nicht benützen sollen. Ich beantrag 11.1! ׳.׳r, die Vorschläge der Kommission aiizunehmen. Der Antrag Trictscli ist ein Sonderantrag. Delegierter Roseufeld (französisch): Ich he, 1!trage im Namen der internationalen Organisation zur Bekämpfung des Mädchenhandels, daß der Konpuh sich dem allgemeinen Ausdruck der Verachtung dir s-.׳s schimpflichen Gewerbes, das sich besonders auf den Orient erstreckt, anschließt. Vorsitzender Dr. Marmoreck: Wir sind selbstver.'läiidlich mit Herrn Rosenfeld in dieser Saciie eines Sinnes. Es ist unnötig, hierüber eine Diskus-ion zu fuhren- — Herr Trietscli verlangt fiir *ei!11׳n Antrag die Priorität. Wir werden also darüber zunächst prinzipiell ahslimmen. Diejenigen, welche dafür sind, bitte die Hand zu erhellen. (Nach einer Pause): Der Antrag ist abgelehnt. Wir schreiten also zu Ucn Anträgen des Herrn Motzkin. Die Anträge sind angenommen. Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag Trietscli. Delegierter Dr. Pasmanik: Wir können den Antrag nicht anneluneu, da wir nicht wissen, aus "eichen Mitteln wir die Kosten decken sollen. Vorsitzender Dr. Marntorek: Wir stimmen ״btr den Antrag Trietscli ab. (Nach einer Pause): Der Antrag ist abgelehnt. Wir gelangen nunmehr zur . Verhandlung des Budgets. ‘Das Budget befindet sich in Ihren Händen,'und wir können also in die Verhandlung cintrctcn. Düu;>i 1011/12 Einnahmen. Rückvergütungen: J.N..F. für Vertretung in Palästina Mk. 28(100,— I, N.-l'. fiir Subvention Technikum 200 3 ״,— Kulturfonds für Subvention Wörterbuch lk׳n Jeluula 800 ״,— Schekel und Jahresbeiträge _״_3'1_S 000,-- Mk. 170 000,— Ausgaben. Agitation mul Propaganda Mk.!8000,- Broschüren und Protokolle -,00() 1׳ ,Veit 8 (!00 - Prossblircaii 7000,- Presse 35 000,— (ii'hältcr 37 000,- Miete, Heizung, Beleuchtung tmv. 9t 7 000,- Rureauspese» »1 3 (MH),- Porti uml Telegramme »| 8 000,- Rückvergütung an Her/Is Erben M 3 •KH),. Auswärtige Vertretung des A.-C. I» 33 000,- Subvention Technikum 3 200,— Subvention Wörterbuch Beu jeluula 800,— •1000,- Unvorhergesehenes mul kleine Subventionen 1• 0000,- Mk־. 170000,-' Delegierter R a h I ne r soll n: Wir wissen nicht, wem wir eigentlich das Budget bewilligen. Ich wäre nur dafür, wenn wir es Herrn Wölfisch» bewilligen würden. ' Deleg. Dr. fl e ck er beantragt, wie er dies bcreits auf dem 8. und 0. Kongresse getan hat, die Besteuerung der Einkünfte des Nationnllonds, der Bank und aller anderen vom Zionistenkongreß noch zu schaffenden Institute für die Periode bis zum nächsten Kongreß zu beschließen und prozentuale Abgaben fest/.iisel/en, welche nie mehr als t״,. betragen sollen. Im übrigen beantragt Redner die Vorlage des Finanzausschusses a»/um׳h»te». ' Delegierter Wiener beantragt, die Erträgnisse aus der Nationalfondsmarkc, die nach den Erlab• rungeii der letzten Jahre 35—38000 Mk. cinbringen, also nahezu die Höhe der projektierten lOprozcntigcn Steuer erreichen, dem E. A. C. für die Zwecke der Organisation zur Verfügung zu stellen. Delegierter Go Id re ich verlangt, daß der Re• ferent des Finanzausschusses den Bericht erstatte. Dr. II a nt ke (als Referent des Finanzatisschus. ses): Der Finanzausschuß hat einstimmig bcsclilossen, daß die Institutionen, und zwar der Nationalfmuis mul die Bank das Budget bis zu einem gewissen Prozentsatz garantieren. Er lmt mich beauftragt, mit dem Aufsichtsrat und den beiden Direktoren zu vorhandeln. Die Verhandlungen haben uns gestern nachmittag und heute vormittag beschäftigt. Leider haben die Institutionen unsere Anträge abgclchnt. Man war der Ansicht, dall das Budget durch die Schekelgehler und Jahresbeiträge gedeckt werden wird. Der Finanzausschuß ist nicht in der Lage, irgend welche andere Vorschläge zu machen. Ich bin der festen Ueberzeugtmg, daß, wenn die gesamte Organisation Vertrauen zu der neuen Leitung haben wird, die Scliekelgelder und die freiwilligen Beiträge zu einer Deckung des Budgets führen werden, wenigstens in tlcr 1 lohe, in der es jetzt aufgestellt worden ist. Das ist die Sachlage. Delegierter Syrkin beantragt, die Redezeit aut 3 Minuten zu beschränken. Angenommen. Delegierter Trop beantragt: Die Subvention von 28 000 Mk. durch den Nationalfonds ist nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn die Schekclcingängc die nötige Höhe nicht erreichen. Delegierter Barth spricht sich gegen die Bc- Steuerung der Bank aus. Delegierter G e 11 e r beantragt Schluß der Debatte ohne Anhörung der vorgemerkten Redner. Delegierter Mcthamcd spricht sich dagegen aus. Der Antrag wird abgelehnt, dagegen ein Antrag aut bloße Schließung der Rednerliste angenommen. Delegierter W a s s i I e w s k y (hebr.): Dr. Becker schlägt vor, unsere Institute zu besteuern. Ich spreche mich dagegen aus. Die Lage der Institute gestattet dies nicht. Wir müssen auf eine Vermehrung der Schekel hinwirken. Delegierter S a c k h e 1 m wendet sich gegen den Antrag Wiener. Delegierter Löw verlangt Aufklärung darüber, wie sicli das Direktorium des Nationnlfoiuls zu dem Beitrag der Kosten des Palästina-Amtes stellt. Er spricht sich gegen die Besteuerung der Dividenden der Bank aus, der Kongreß kann aber den Wunsch nussprcchcn, daß eine von Zionisten gegründete Bank, so wie das viele Banken und Sparkassen z. ft. in Oestcrreicli tun, die nationalen Einrichtungen finan- ’ziell unterstütze. Dr. Tschlenow (als Direktor des Nationalfonds): Es ist nichts neues, daß der Nntionailonds 1 zu den Ausgaben in Palästina beiträgt. Er hat bloß I jetzt die ganze Summe auf sich genommen. Dies j zum ersten Teil der Ausführungen des Herrn Löw. Gegen den Antrag Wiener möchte ich mich deshalb nussprcchcn, weil er eigentlich eine zchnprozeiitigc Besteuerung des Nationnlfoiuls bedeutet, vvas j'a auch der Antragsteller selbst erkannt hat. Wir hätten es also mit einer indirekten Besteuerung zu tun, die wir ebenso ahlchncn, wie die direkte. Vorsitzender Dr. M a r in o r e k: Die englischen Delegierten haben Herrn Wolffsolm in das Goldene Buch eingetragen. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Simon: Die neue Leitung muß die I!Möglichkeit unbeschränkter Arbeit innerhalb der bcstellenden Verhältnisse haben. Sic wissen, daß wir uns gegenwärtig in einer schlechten finanziellen Situation befinden. Dieser Situation müssen Sie Reellinnig tragen, wenn Sie überhaupt wollen, dnh der Zionismus in den nächsten Jahren vorwärts kommt. Ich glaube nun, dall eine Besteuerung der Bank mit Rücksicht auf den geschäftlichen Charakter dieses Institutes nicht erfolgen darf; ich glaube aber, dah es im Interesse der Bewegung ist, wen» eine Be- Steuerung des Natioiiallnmls erfolgt fiir den Fall, daß die Mittel der Bewegung mul die freiwilligen Beiträge nicht atisrdcltcii. Ich möchte den Antrag Becker etwas modifizieren, leb bi» prinzipiell gegen eine Besteuerung des Nationalfonds. Del. Simon beantragt, daß zur Deckung allenfalls der Defizite im Budget der Organisation bis zmn nächsten Kongreß der N.-F. bis höchstens bis zu 10״״ seiner Bruttoeiuualmien besteuert werde. Präsident Wolffsolm: Entweder machen Sie ganze Arbeit oder lassen Sie diese Sachen fallen. Im übrigen ist dieses Budget von der neuen Leitung ZHsammciigestellt mul sie schlügt es Ihnen vor. Wir liahen uns geeinigt, in welcher Weise für die neue Leitung gesorgt werden soll, damit sie die nötigen Millci hat. Sie hraucheu sicli um diese Dinge nicht zu kümmern, überlassen Sic es der neuen Leitung. Es ist dafür gesorgt, daß sie gut arbeiten kann, es ist jedenfalls bedeutend besser für sic gcsorgt, als für die bisherige. Dr. II cy mann: Machen wir ganze Arbeit. Ich beantrage daher zur Deckung des eventuellen Defizits des Budgets eine Besteuerung sowohl der Reineiunahmen des I. C. T. wie des N.-F. bis zu IO"״. Der Redner erklärt seine Uehcr/eugtmg, dah die Ein- »ahmen die im Budget veranschlagte Höhe nicht erreichen werde. Präsident W o 1 f t s o 1111: Woher wissen Sie das? Ich habe erklärt, es ist gesorgt. Pr. Bo de 11 bei in er erklärt als Vorsitzender des Direktoriums des N.-F.: leb halte die Bestellerung des N.-F. für ein Unglück. Die Gründe habe ich in meinem Bericht über den Nationalfonds angegeben. Ich. erkläre ausdrücklich, damit Sie sich über die Konsequenzen Ihres etwaigen Beschlusses im Klaren sind, daß Tel! die Verantwortlichkeit für eine Besteuerung des N.-F. ablelme. Dr. K a t z e n e I s o 11 n ersucht im Namen des Direktoriums des I.C. T.: Leimen Sie ab! Es ist ein Unglück, wie Bodenhcimcr gesagt hat. Präsident W o I f f s o h »: Wir haben heute dafür g e s o r g t, daß die Leitung w i r t * schäften kann. Nach weiteren Erklärungen wird abgestimmt. Das vorgelegte Budget Wird en bloc a n g e n o m m c n. Unter Ablehnung aller weiteren Anträge wird folgender Antrag im Anschluß hieran gleichfalls angenommen: Der Kongreß erklärt: Es ist Pflicht a II e r G c s i n n 11 n g s g e » o s s c n , d i e z. u k ü n f t i g e Leitung durch freiwillige Jahresbei träge zu unterstützen. (Antrag Ussisch* kin-I feyma»».) Damit ist die Budgctfrage erledigt. Aut Vorschlag von Wolffsolm wird beschlossen, sofort in die Erledigung der Anträge des Kulturausschusses ein/ulretcii, damit licrnacl! der Schluß des Kongresses in besonderer Sitzung erfolgt. Dr. Sam. Da ich es: Ich beantrage, die Kulturdebatte auf den nächsten Kongreß zu verschieben. (Beifall, Widerspruch.) Syrkin erhebt Widerspruch. Wir haben einen Auftrag; die Rcsolulionvn müssen zur Abstimmung gebracht werden. Der Antrag D a i c h c s wird unter s t ü r m i s c h c m Beifall mit großer Majorität a b g e I e 11 n t. Syrkin erstattet in hehräischer Sprache (Dr. Thon übersetzt ins Deutsche) den Bericht der Kulturkmuuiissiüii. Er beantragt folgende drei Resolutionen: Die vom Kongresse eingesetzte, aus Vertretern aller Grippen und Föderationen bestehende Kommissin» stellt fest: Die verschiedenen Strömungen und Fraktionen des Kongresses stimmen in der Ueberzcugung überein, daft unsere Kultur- und Erziehungsarbeit auts innigste zusamincnhängt ‘mit der hebräischen Sprache und mit all den Kurlturschälzcn, die unser Volk seit Jahrtausenden aufgehänft hat. Von dieser Ucber/eugmtg ausgehend, beehrt sich die Kommission, dem Kongresse nachstehende Anträge zur Beschlußfassung zu unterbreiten: I. Der X. Zionistenkongreß fordert das E. A. C. auf, die Kulturarbeit in Palästina und im Orient zu organisieren und zu zentralisieren. II. Der X. Zionistenkongreß gibt seinen Willen kund, dall in keiner der von tlcr zionistischen Organisatio» geschaffenen Institutionen für Kulturarbeit irgend etwas unternommen werden darf, was der jüdischen Religion zuwiderläuft. Hl, Der Kongreß erklärt die Kulturarbeit in den Ländern der Diaspora für eine autonome Angclegcnhcit der einzelnen Lamlcsorganisationcn und Föderationen; er legt jedoch jedem Zionisten und allen Lnndcsorganisationcn und Föderationen die Pflicht auf, für die Förderung und Verbreitung jüdisch-nationaler Kultur auf allen Gebieten jüdi* sehen Schaffens und Volkslebens zu wirken. Del. Simon beantragt Enbloc-Annahme der Resolutionen ohne Debatte.

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