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Jüdische Rundschau · 1911-09-08 · Heft 36 (8.9.1911) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36 J t J Dir-Cl:;! R U N D SCHAU Seile 427 stellt wcixlcn können und es sich (ür uns nur um Anregungen handelt, die auf ihre Durchführbarkeit zu prüfen sind. Als wir hi die Behandlung der kulturellen frage eintraten, haben wir die Fragen der Fonds für die Beschaffung der Mittel für alle palästinensischen Zwecke nicht nur für die der Kolonien und den Lmderwerb und die im engsten Zusammenhang damit stehenden Zwecke beraten, also wirtschaftliche Zwecke in den Städten. Wir beschlossen da, Ihnen eine Resolution zu unterbreiten, die fast genau fibcrcinstinunt mit der Resolution, die Dr. Zweig in der N.*F..Dcbatte vorgeschlagen hat. Sic lautet: Resolution 6. ״Der Kongreß empfiehlt der Leitung, die Sammclstellcn des J. N. F. derart aus• zugestalten, daß sic gleichzeitig auch als SantmeU stellen der anderen Fonds der zionistischen Organ!• sation fungieren und daß die verschiedenen Sainmclmittel der Bedeutung und dein Bedürfnisse gemäß auf die verschiedenen Fonds verteilt werden.“ Wir halten es für eine Sache der Ockonomic, daß bereits vorhandene Organisationen, die noch nicht vollauf belastet sind, auch für die anderen Fonds benutzt werden. Die Schaffung von neuen Organ]• sationen für neue Fonds hat sich als unmöglich er• wiesen; desgleichen die Aufbringung größereV Mittel mit anderen Sammehnitteln a's sie der N. F. besitzt. Wollen wir auch andere Palästinazwecke fördern, so müssen wir Fonds dafür schaffen; das ist nur in der vorgeschlagenen Weise möglich, ״der Bedeutung und dem Bedürfnisse gemäß.“ Konkrete Vorschläge in bezug auf kulturelle Unter• nehmungen bringen wir Ihnen heule nicht, aus dem Grunde, weil die Mittel nicht bereit und manche Fragen auch noch nicht kongreßreif sind; aber unseren Anteil an der kulturellen Tütlgkcit in Palästina wollen wir durch folgende Resolutionen bekurden: Resolution 7. ״Der Kongreß anerkennt den hohen Kulturwcrt des von dem Meister der hebräi• sehen Sprache herausgegebenen ״Miiou Halnschou baiwrith“ und drückt den Wunsch aus, daß die Fortsetzung dieses Werkes durch entsprechende Subvention aus Orgnuisationsmittc! gefördert werde.“ (Beifall.) Zur Erklärung: Das ist auch bisher geschehen; cs handelt sich nur darum, daß es auch weiter ge• schiebt und daß wir unsere Sympathie diesem Unter• nehmen aussprechen. Resolution 8. ״Der Kongreß begrüßt freudig die in letzter Zeit entfaltete vielversprechende literarische Tätigkeit in Palästina, wie sie haupt* sächlich in den Publikationen ״Uachimich" und ״Mo* ledeth“ sowie in den Ausgaben des ״tcam“ und ״Sephet“ zum Ausdruck kommt.“ Leider mußte sich die Palästinakommission mit einer Sache befassen, die wir in einer tingemein ko»• zilianten und nach keiner Richtung hin verletzenden Resolution behandelt haben. Diese stellt sich aber als ein Minimum dar. Sie wissen alle, wie hoch der Kulturwert der in Palästina geschaffenen neuen Schul• anstaltcn ist. Sie wissen, welche gewaltige Bedeutung für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache, insbesondere für die Befestigung der Jugend in den nationalen Kulturwcrten unsere 0 y m n a s i c n in Jaffa und Jerusalem und die T a c h k e m o n i - Schule haben. Leider hat die Tatsache, daß neben• einander Schulen verschiedener Richtungen bestellen, solche freisinniger Richtung und die Taehkcnioni• Schule, eine Art von Kulturknmpf hervargeruten. und cs ist von einer Seite zu Avis• schrcitungcn gekommen, zu denen der Kongreß Stcl• iung nehmen muß. Man hat gewichtige Vorwürfe erhoben, die objektiv absolut unrichtig sind und auch das Maß des im Kampfe UcblSchcn und Erlaubten übcrscbreiten, (Lebhafter Beifall.) Unsere Resolution, die ja entschieden nicht aufreizen will, lautet folgendermaßen: Resolution 9. ״Der Kongreß begrüßt das Wachstum der nationalen Schulaastalieu in Palästina, sicht das Ncbcncinnndcrhcslehen von Austaltcn verschiedener Richtung für durchaus natürlich an und spricht die Erwartung aus, daß das Ver* hiiltnis derselben kein anderes als das eines friedliehen Wettbewerbes auf erziehlichem und geistigem Ocbictc sein wird.“ (Lebhafter Beifall.) Sic sehen, wir haben nur das ausgedriiekt, was Usslschkln hier gesagt hat: wetteifert mitein• ander In der Arbeit, aber kämpft nicht miteinander. Die Resolution kann von allen Seiten angenommen werden. Eine sehr dankenswerte 'Anregung erhielten wir von unserem Freunde R a bl n c r s o h n, der dem in Palästina allgemein vorhanden Mangel an geistiger Nahrung durch Einführung von Wanderbibliotheken abhelfai will. Fr r.tclit isiiiic tätige Mithilfe zur Ver• (ügung. (Ikii ,.il.) Eine Re ululion über das Mikrobiologische In• stilut wird Ihnen Iler.־• Dr. Ucmlerr.ki unterbreiten, weil die Aerzte dieses dem P.dä׳.'dunrunt abnelimen und sieh seihst für die Dinci.iiiiiiung einset/en wollen. Wir haben 1111:. Futiiail .,11־nl;eil in bezug auf die Voiiichl’t :1111; ׳ den Kon;,:>׳ß .11: fei legt, Die Verband• hmp.cn im Palästinaau: :,c'auß waren außerordentlich lehrreich und dar. Material wird von großem Werte sein für spätere Verhandlungen. Zum Schluss noch eine kleine Bemerkung, Die er• frcuüchste Erscheinung dieses Kongresses ist, daß trotz der Debatten im tüil.’uclien Parlament und trotz mancher Mißerfolge in Palästina sich keine Stimme auf dem Kongreß erhoben hat, mit der Palästinaarbeit aufzuhören. Dieser gute Wille, unter guten und widri• gen Umständen an der Paiiistinaarbeit fcstzuhaltcn, ist ein Neues. Selbstverständlich heißt cs nicht, einfach dnraufiosarbeiten. Aber jede Arbeit innerhalb der natürlichen Grenzen soll ohne Kleinmut und mit der Hoffnung auf Erfolg in Angriff genommen und durch• geführt werden. (Lebhafter Beifall.) * Vorsitzender Dr. Boden h c i m c r unterbricht diese Verhandlung mit einer Traucrmittcilung: Einer unserer ältesten und treuesten Gesinnungsgenossen, ein Mitglied des Deutschen Zentralkomitees, Dr. 'Kaufmann In Freiburg, der mit sehnendem Herzen noch hierher blickte auf den 10. Kongreß, in der Hoffnung, an ihm tcilnehmcn zu können, ist nach kurzem Krankenlager soeben verschieden. Wir werden diesem Mann, der in den Zeiten, wo der Zionismus aufs schärfste bekämpft wurde, als echter Mann •zielbewußt und energisch für die zionistische Sache cingetreten ist an der Seite von Theodor Herzt, ein treues Andenken bewahren. Ich danke Ihnen, daß Sic sich zum Zeichen der Ehrung des Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben haben. Dr. B c 11 d c r s k i (spricht hebräisch) macht unter lebhaftem Beifall Mitteilung über den Z u s a m m eil Schluß jüdischer Aerzte und N a t u r f 0 r• scher zur Förderung des Sanitätswesens in Palä• stina — Aerzte und Naturforscher aus ganz Europa. Wir haben schon einen Schatzmeister mit dem Begum einer Kasse, Es sind schon einige Institutionen be• gönnen, z. B. die Gründung eines hygienischen iusti• tuts und namentlich die Fortbildung von Acrzten, ferner im Anschluß an die Bibliothek in Jerusalem eine medi• /mische Bibliothek. Wir wagen sogar an die Grün• düng einer jüdischen medizinischen Akademie in der Türkei zu «lenken. Der Beitrag beträgt 6 Mark pro Jahr, aber wir nehmen auch außerordentliche Mitglieder auf, Geheimräte usw., — die müssen aber den Beitrag etwas größer gestalten. Im Anschluß an das Palä• stinaressort in Berlin ist jetzt ein Bureau geschaffen. Auch die I ierren Misrachisten können mit uns ganz ] ruhig Zusammenarbeiten. Der Redner erklärt, die Aus• lagen für das erste Jahr, etwa 1000 Mark, auf seine Tasche zu übernehmen. (Beifall.) Del. F o n e r r.iiiildert in Jargon die unzulänglichen Zustände hinsichtlich der I.amlparzillicrung in Palä• stina. Es fehlt an LantJ für die, die Kolonisten werden wollen. Vorsitzender Dr, Boden he im er: Diese Dinge wurden 1111 Palüstinaaiisschuß eingehend besprochen; sie beschäftigen das N.־F.־l)irektorimn und das Palä- .stinaressort schon seit mehreren Jahren, Wir keimen die Schwierigkeiten. Wenn wir eine große Land• parzellicrmigsgescllschaft haben, wie die P. L, D. C., die wirksam arbeiten kann, dann werden diese Miß• stände aufliörcn. Del. Rabinersohn regt, wie schon gestern im Palästinaaiisschuß, die Einrichtung eines hebräi• scheu Theaters im Anschluß an das Gymnasium in Jaffa an. Es sollen jüdisch-nationale Stücke ins He• hräisclic übersetzt und mit den Kindern, die ja he• brätsch spreche« könne«, cmsUidiert werden. Es stehen uns hervorragende Künstler, die das einschlägige Material studieren können ~* im Museum in Berlin, im Louvre in Paris — zur Verfügung. (Beifall.) Vorsitzender Dr. Bodenheimer: Auch ich habe eine Anregung an Rnbinersolm: Daß er selbst nach Palästina limausgelit. Denn solche Leute können wir drüben gut gebrauchen. (Lebhafter Beifall.) Vor der Abstimmung Uber die Resolutionen erklärt Dr. Pnsmnuik, daß die ersten beiden Re• Solutionen, nicht nur wie die anderen sieben, dem künftigen E. A. C. zur weiteren Behandlung übergehen werden, sondern als bindend zu betrachten seien. Del. Möller beantragt im Namen der Misrachi• Föderation, über die Kulturrcsolution nicht abzu• stimmen, sondern sic der gestern eingesetzten Kultur• kommission zu überweisen; denn die Kulturfragc sei »och nicht geklärt. Dr, P a s!11 a » i k: Bezüglich der Kulturfragc richtet die Resolution lediglich em Malmwort, die Bitte, Frieden zu schaffen. Der Redner richtet an die Misracliisten die Aufforderung, für die Resolution zu stimmen. (Del. Struck: Nein, Sie wollen den Un• frieden!) Der Antrag Möller wird nbgclchnt, Sämtliche vom PnlUstlnnaunchuß vorgcschlage* nen Resolutionen werden angenommen. Die Geschäftsordnung des Kongresses Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden Dr. B o d e n 110 i m c r wird wie beim Organisationsstatut eine Redezeit von drei Minuten beschlossen und so• dann aur Antrag von Dr. Marmorck weiter besclilf'ssen, von einer Generaldebatte ganz abzuschcn. Referent Dr. Margulies berichtet über die• jcnigcii Armierungen au dem vorliegenden Entwürfe des Organisationsausschusses, über die er sieh gestern mit den Vertretern der kleinen Landsmannschaften verständigt habe: Erste Aeinlermig zu § I Abs, 1: ״Ein Delegierter darf nur e i 11 Mandat übernehmen und ausüben.“ Nach dem offiziellen Entwurf hat jeder Delegierte das liecht, mehrere Mandate zu übernehmen, verfügt je• docli mir über eine Stimme iin Kongreß. Selbstver• stündlich kann ein Delegierter in mclircrcn Wahlkreisen gewählt werden, hat aber vor Eröffnung des Kon• grosses sich zu entscheiden, welches Mandat er an• nimmt. Zweite Aenderung, zu § I Abs. 2: ״Ein Ersatz* delegierter tritt mir dann an die Stelle eines Dclcgierten, wenn dieser an den Verhandlungen des Kon• gresses noch nicht teilgcnommen hat.“ (statt über* haupt nicht teilnimmt, wie es im offiziellen Entwurf heißt). Es soll während der Sitzungen kein Austausch von Delegierten stattfinden. Del. Wechsler will die Bemerkung des Refc• reuten zu Abs, 1 als autoritative Erklärung in die Geschäftsordnung aufgenommen haben, unu spricht gegen die Aenderung zu Abs. 2, die die Wählerschaft ihres Rechtes beraube. Nach weiterer Erörteriuig werden zu § 1 die vom Referenten vorgcschlagcncn Aenderungen angc• nomine״, Dritte Aenderung zu § 2: Der Paragraph soll nach dem neuen Vorschläge lauten: § 2. Landsmannschaften, bezw, Sonderverbands• delcgationen und Fraktionen. Die auf dem Kongreß anwesenden Delegierten bilden Landsmannschaften bezw. Sondcrvcrbandsdclc* gationen und Fraktionen. Die Rechte einer Lands• mannschaft (Sondervcrbandsdelcgation) sind von der Mindestzahl von zehn Kongrcßuelcgierten abhängig. Entscheidend dabei ist die Zahl der gewählten Dclc• gierten. Die Rechte einer Fraktion sind vom Zu• sammenscliluß von mindestens dreißig Kongreßdclc• gierten abhängig. Jeder Delegierte ist berechtigt, bei Austritt aus einer Landsmannschaft sich einer Fraktion anzu• schließen. Abs. 3, der sonst unverändert bleibt, erhält folgenden Zusatz: ״Die Bildung von Fraktionen kann spätestens bis zum Anfang ucr zweiten Sitzung er* folgen.“ (Dies mit Rücksicht darauf, daß die Wahl des pcrmancnzaiisschusscs bis zu Beginn der zweiten Sitzung erfolgt sein muß, und ein Flukticren der Mit• glieder des Pcrmancnzaiisschusscs vermieden werden soll.) Naeli «lein offiziellen Entwurf werden für die Landsmannschaften und die Fraktionen mindestens 13 Mitglieder gefordert. Im Zusammenhang mit § 2 wird der vom Organi• sntioiis.iiisscliull vorgesehlagenc neue § 9 verhandelt. Er soll an die Stelle des bisherigen 8 37, Abs. 2 und 3 tles O r g a n i s a t i o n s s t a t u t s treten und hat fol• genden Wortlaut: ״Zur Vorbereitung der vom Kongreß vorr.unch• inenden Wahlen mit Ausnahme «ler Wahl «les Kongreß• Präsidiums wird vom Kongreß ein Permanenz• a uss eh 11 IS gebildet. Der Perinaiien/ansscliub bat sich vor Beginn (ler zweiten Sitzung zu konstituieren. Er besteht aus den Vertretern der Landsmannschaften bezw. Soiidcrverhaiulsdelegalionen und Fraktionen, «lic das Recht habt», für je 10 Mitglieder einen Vertreter in den Ausschuß zu entsenden. Die kleinen Lands• iiiannscliafteTi und diejenigen Delegierten, welche keiner Landsmannschaft oder Fraktion angeboren, wählen gleichfalls in einer gemeinschaftlichen Sitzung für je 10 Mitglieder einen Vertreter in den Perma• inenzausschuß. Ein Uebersclmß von mindestens sechs Delegierten berechtigt zur Wahl eines weiteren Ver• treters. Die Vertreter der kleinen Landsmannschaften, die im Perinaiienzaiisscluiß nicht vertreten sind, balzen das Recht auf Entsendung eines beratenden Mitglied! in den PerinancnzatisschuU." Es cntspiimt sich bei der Beratung dieses Para• graphen eine überaus lebhafte Debatte über das Inter• esse der kleinen Landsmannschaften. Dr. Spitzer bekämpft im Namen der kleinen Landsmannschaften den Teil des § 2, der die Bildung einer Fraktion von mindestens 30 Mitgliedern ab• hängig macht, und vor allem den § 9. Das sei eine Vergewaltigung der kleinen Landsmannschaften. Der Permancnzansschuß sei eine der wichtigsten Insti• tutionen, Auch die kleinen Landsmannschaften, die nicht zehn Mitglieder haben, müssen da ein Recht haben, sich ans/iisprcchc». Mit Fremden, die man nicht Kennt, deren Sprache man nicht verstellt, kann man zu Beginn eines Kongresses nicht zusammen einen Vertreter wählen. Der Redner beantragt: Jede Lands• mannschaft, Fraktion oder Sonderverband hat. ohne Rücksicht auf die Zahl ihrer Mitglieder, ausnahmslos mindestens einen VertreUy in den Pcrmancnzausschuß zu entsenden. Es entwickelt sich eine lange Und stellenweise 8 e h r c r r e g t e Diskussion, in welcher die Ver• treter der kleinen Landsmannschaften und zwar Dr. Marmorck für Frankreich. Dr, Franzic*Bcrcnstcin für; Holland. Dr. Ravenna für Italien (in italienischer Sprache), Dr. Florentin für die Türkei (französisch), Dr. I rerbstem für Ungarn, Jean Fischer und Hera für Bel*

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