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Jüdische Rundschau · 1911-09-08 · Heft 36 (8.9.1911) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 420 JUEPiSCHE RUNDSCHAU Nr. 36 Hegenden Statutenentwurfs zu beantragen: 1, M 44 soll lauten: Das Actions-Gomit* besteht aus 25 vom Kongreß gewählten Mitgliedern sowie den Mitgliedern des I:\ A. C. (also statt 2J sind 25 zu setzen und statt ״Präsidium“ ״L. A. G.'). 2. jj 45 (Das Actions-Coimte waWt einen Vorsitzenden aus seiner Mitte) soll gestrichen werden. 3. ln § 46 soll der erste Satz lauten: ״Das Actions- Comitd wird vom E. A. C. cinberufcn“ (statt: von einem Vorsitzenden oder vom Präsidium). 4, a) Abschrift Q erhält die UÜberschrift: ״Lngcres Adions-Comite“. Das Wort ״Präsidium״ ist zu streichen. ״״ ,, , b) § 5t Abst. 3 soll lauten: ״Die Wahl der Mitglieder erfolgt durch den Kongreü“. Der Rest dieses Absatzes!st zu streichen. Abs. 4: ״Da» E. A. G\ wählt aus seiner Mitte einen Vofsit/enden und einen Stell- Vertreter“. Soweit die Anträge. Wir haben im Permanenzausschuil die ganzen Tage und zum Teil die Nächte verhandelt unu haben diese Abänderungen als Basis unserer Einigung angenommen. Es ist also im Interesse des Friedens, den wir alle wünschen, im Interesse der Möglichkeit eines weiteren Arbeiteus die Annahme dieser Acuderungcn erwünscht. Ich bitte dringend namens des Permanenzausschusses, sie nnzunehmen und damit unsere mehrtägigen Arbeiten zum guten Abschluü zu bringen. (Beifall.) Del. Struck: Im Namen der Föderation Misrachi teile ich dem Kongreü mit, daü wir mit Rücksicht aut die beschränkte Zeit des Kongresses die Akten über die Schmitlafragc der Direktion des N. F. unterbreitet haben; ferner daü wir mit Rücksicht aut die Geringfügigkeit der Aemlerungcn gewillt sind, den Organisatioiisentwurf cn bloc anzunchmcn. tut en bloc an zu nehmen. (Lebhafter Beifall.) Ich weiß, daß Ihnen vieles daran nicht paßt. Auch uns nicht. Es gibt kein Organisatiousstatut in der Welt, zu welchem man nicht Hunderte von Abänderungsanträgen, und zwar begründete, stellen könnte. Man muß daher eine Basis suchen, auf der wir uns alle zusammenfinden, und dies hier ist eine solche. (Beifall.) Del. Dr. Mnrmorck: Ich habe mich zum Wort gemeldet, um im Namen der kleinen Landsmannschaften dagegen zu protestieren, daß man uns unsere Lebensbedingungen abschncidct, was durch En bloc-Annalunc dieses Grganisationsstatuts geschehen würde. (Lebhafte Zu- Stimmung und Widerspruch). Wir in den kleinen Landsmannschaften, in den Ländern mit wenigen Zionisten, verdienen viel mehr Berücksichtigung, wie die in den großen. Denn wir haben eine viel schwerere Arbeit; wir arbeiten auf einem sterilen Boden, und es ist Ihre Pflicht, die kleinen Landsmannschaften eher zu schützen als die großen (Beifall). Ich und die Mitdelegierten von Frankreich haben mindestens soviel Berechtigung zu reden wie Sie von den großen Landsmannschaftcn. Vorsitzender Dr. B o d e n h c i m e r: Die En bloc- Annahme ist nur hinsichtlich des Organisationsstatuts zu verstehen. Die Frage der Geselläftsord» nung braucht nicht unbedingt schon auf diesem Kongreß erledigt zu werden, weil sic für diesen Kongreü noch keine Bedeutung hat. Es wird sich aber auch in dieser Beziehung der Boden einer Verständigung finden, wenn wir eine kleine Kommission wählen, die die Frage erwägt, auf welche Weise die kleineren Landsmannschaften durch die Geschäftsordnung vielleicht benachteiligt sind. Damit können sich die Herren beruhigen. Im Statut sind die Interessen aller Landsmannschaften reichlich aufgewogen. Dr. Marmorek: Ich verlange nicht, daß jede Landsmannschaft, klein und groß, im kommenden Permanenza us schuß vertreten ist. Wir kleinen Landsmannschaften haben allerlei geringfügige Wünsche; wir sind ja manchmal bescheiden. Wir wollen mit dent Referenten zusammen beraten, hoff entlieh tritt er für uns ein, (Beifall.) Vorsitzender Or. B od e n h e I m c r: Ich glaube, Ich habe einen besseren Ausweg als Dr. Marmorek. Die Frage des Permanen7.Ausschusses gehört streng genommen nicht In das Organisat i o n s s t a t u t. Es wäre möglich, daß wir sic in der Geschäftsordnung des Kongresses erledigen. Dann wäre die En bloc-Annalunc dahin zu verstehen, daß das Statut angenommen wird bis auf & 37, Abs. 2 und 3, und daß dies der Kommission überwiesen wird. Damit Ist wohl Herr Dr. Marmorek einverstanden. Dr. Marmorek: Vollkommen. Vorsitzender Dr. Roden beim er läßt abstimmen. Die Fragestellung zur Abstimmung wird ins Russische, Hebräische und Englische übertragen. Die En bloc-Annahme soll sich nur auf das Organisations- Statut beziehen und zwar unter Ausschluß des § 37, Abs. 2 und 3, die In die Geschäftsordnung cingcschlossen und der Kommission überwiesen werden sollen. Die vom Pcrmanenzausschuß gestellten Abänderungsantrüge werden ln das Organisationsstatut übernommen. vi u a «wt diesen Maßgaben w i so t Ion88ta tut mit 143 gegen 79 Stiii en bloc angenommen. (Lebhafter Belf; Vorsitzender Dr. Bod cn heim er: Dai diese für unsere Bewegung außerordentlich w Frage für den Kongreß erledigt, 1M>״Mll1(ln»01!lann ״״c kurze Erörterung ül Behandlung der schäftsordnung statt. Dr. Bodcnhclmcr: Ich schließe die Sitzung. Nächste Sitzung morgen um 10 Uhr vormittag. Schluß der Sitzung um P/z Uhr. Am Nachmittag fand die Generalversammlung des J. C. T. statt, weshalb 'der Kongreß keine Sitzung nbbielt. Sechster Vcrliondlungstng — Dienstag, 15. August VormUt.igcaltzung. Sekretär Dr. Roscnbliith verliest den Einlauf, Die Sammlung zur Kollektiv-Eintragung der H errett Dr. TscUlcnow, Usslscltkin, J. L. 0 o I d b c r g, D r. K o h a 11 - B c r n s t c i 11 und W. T c »1 k i 11 anläßlich ihrer 3 0 j ü h r i g c n zionistischen Tätigkeit hat bisher den Be• trag von 1035 Francs ergehen, (Beifall,) Bericht des PalllstlnnnuRSCliusscs. Referent Dr. H a u $ in n n n: Die Palästinakommission hat vom Kongreß kein cngmtischriebenes Beratungsthema bekommen. Sic hat aus dein großen Komplex der Paiiistinafragc eine Reihe Gesichtspunkte herausgegriffen und sic nach den verschiedenen Gesichtspiinkten, dent politischen, wirtschaftlichen, 80• zi.ilen usw., beraten. Die Kommission war in der glücklichen Lage, von Sachverständigen sehr wichtige Aufschlüsse, namentlich in wirtschaftlicher Be• ziclumg, zu erhalten. Die Kommission beschäftigte sich zunächst mit politischen Fragen, insbesondere den Beziehungen zur Türkei und zu den Arabern. In bezug auf die Türkei teilt die Kom• mission vollständig die Ansichten, die hier von bc* rufeneil Seiten geäußert svorden sind. Aber sic unter• streicht, daß das Mißtrauen, das chirclt Einfliistcrimgeii in der Türkei herbeigefülirt worden ist, nicht allein durch Worte und Informationen beseitigt werden kann. Die Kommission ist der Ueberzeugung, daß gerade die unbeirrbare Fortführung unseres Wirkens in Palästina die türkische Regierung und öffentliche Meinung nötigen wird, sich mit den Tatsachen zu befassen, und daß dieses unser Wirken die stärksten A rgumcn t c in sich selbst tragen wird. (Beifall.) Infolgedessen haben wir die unfreundlichen Worte in der Kanimerdcbattc nicht als Progiiostikiini für die Zukunft betrachtet, sondern! sind Optimisten, Etwas besorgter sind wir in der arabischen F r.n g c. Das läßt sich nicht leugnen, daß in manchen Gegenden durch gewisse wirtschaftliche Härten, die unvermeidlich sind, wo eine Verschiebung in Eigen• tuinsverhältnissen und in den wirtschaftlichen Grup• piertmgen stattfimdet, und vor allem durch Verhetzung Konflikte zwischen Arabern und jüdischen Kolonisten und ncucingcw,änderten jüdischen Elementen bestehen, die heute auf die Spitze getrieben sind. Die Koni• mission hält cs für von größter Bedeutung, daß das Palästiiinamt und die Leitung der Bewegung die Lage in Galiläa fortgesetzt mit gespanntester Aufmerksam• keit verfolgt und die erforderlichen Mittel ergreift. Bestimmte Vorschläge machen wir nicht; die von andc• reu Herren gestellten Anträge tiberweisen wir direkt der Parteileitung. In wirtschaftlicher Beziehung haben wir uns eine große Enthaltsamkeit in bezug auf neue Vorschläge und Projekte aufcrlegt. Wir sind der Ansieht, daß die Palästiuaunterueliimingcii sehr grüiullieh geprüft werden müssen und, wo sie von grüße• rem Umfange sind, von einem vorbereitenden Aus• schuB zunächst einmal einer ersten erschöpfenden Beralting unterzogen werden müssen. Daher haben wir uns auf gewisse allgemeine Sätze beschrankt, oder, soweit es Spezialsätz.c sind, auf solche Resolutionen, die heute schon kongreßreJf sind. Die anderen Vor• schlüge überreichen wir dem E. A. C. Von den Sachverständigen, insbesondere den Palästinenser Herren haben wir einstimmig gehört, daß das Grundühel die mangelnde Ausbildung der jüdischen Frauen als Kolonisten ist. Sic machen cs unmöglich, den Arbeitern Nebenerwerb durch Gemüsebau und Milchwirtschaft zu geben und cs fehlt eine wichtige Tätigkeit im landwirtschaftlichen Haushalt. Nun hat der Verband für Frauenkultur die Anregungen für die agrikulturcllc Ausbildung der Frauen cntgegcngenomnien und ato.11 die ersten Schritte ein• geleitet. Wir sind der Meinung, daß dies von unseren Institutionen, insbesondere dem N. F. unterstützt werden soll. Die Resolution, die wir hier Vorschlägen, lautet: Resolution 1. Der Kongreß erwartet vom J. N. F., daß er auch fernerhin die mit dem Landerwerb im Zusammenhang stehenden, auf Gesundüng und Verbesserung der Landwirtschaft in Pa• lüstina hinzlelcndcn Bestrebungen unterstützen und insbesondere auch Unternehmungen fördern wird die sich die Ausbildung der Frauen für die Land' Wirtschaft zum Zwecke machen. (Beifall.) Ich erkläre ausdrücklich, daß wir diese Resolution ri eht stellen, um einen Druck auf den N. F. ouszu• üben. Der Vorsitzende des N, F., Dr. Bodenheimer, wie auch das Direktorium haben ausdrücklich bereit! ihre Zustimmung erklärt 11ml werden die Sache von selbst fördern. Es handelt sich lediglich um 1i״. Richtlinie. e Die zweite, wirtschaftliche Frage, die uns viel, leicht am meisten befaßt hat, war die Ansicdlung minderbemittelter und vermögensloser Elemente. Wir haben sehr fach- und sachgemäße Vorschläge und Auskünfte erhalten, die wir Ihnen als Anträge an den Kongreß nicht unterbreiten. Wir schlagen ihnen aber zwei Resolutionen vor, weil diese aus unseren bisherigen Erfahrungen resultieren. Die eine betrifft die P. L. D. C., deren Tätigkeit wir für sehr wichtig halten; die andere betrifft die Schaffung eines Agrarkredits. Sic lauten: Resolution 2. Der Kongreß verpflichtet die Leitung, alles aiif/uhieten, tun der P. L. I). C. die ihr zum statutengemäß vorgesehenen Kapital von 50 00t) Pfund noch fehlenden Mittel zu verschalten. Er erklärt cs für die!,flieht jedes einzelnen Zio• nisten, nach seinen Kräften an der Beschaffung dieser Mittel sich zu beteiligen. Resolution 3. Der Kongreß spricht sci:.1:n Wunsch aus, daß der A. P. C. ein größerer!)׳.trag zur Verfügung gestellt werde, der durch Gewährung langfristiger Kredite auf finanziell sicherer Basis die Ansicdlung von zum Ackerbau ge» ig. neten, minderbemittelten oder vermögenslosen Eie• menten ermöglichen soll.“ Wir befaßten uns auch mit den Fragen des Aus• bnus und der Ausgestaltung bereits vorhandener 111• stitutionen, deren Nützlichkeit wir durch die bis• herigen Erfahrungen als. erwiesen betrachten. Vor allem ist cs die Oclbaunispcndc, die neben den Aufgaben und Zwecken, die sie so populär gemacht haben, noch einen neuen großen Nutzen in der praktischen Bewegung gebracht hat. Sie eignet sich nämlich vorzüglich als Kernpunkt neuer Ansiedhmgen. Sic wissen ja, wie schwierig es ist, neue Ansiedhmgen ins Leben zu rufen, entfernt von bestellenden Kolonien. Die Oclbaumspcndc hat bereits zwei neue Ansiedlungcti ermöglicht. Wir beantragen die folgende Resolution: Resolution 4. Der Kongreß weist auf die eminente Wichtigkeit der Oclbaumspcndc für die Förderung des Kolunisntionswcrkcs und Schaffung neuer Erwerbsgelegenheiten in Palästina hin 11ml erachtet cs als eine Pflicht eines jeden Zionisten, für diese von der Organisation geschaffene nützliche Institution fortdauernd die eifrigste Propaganda zu machen. Ebenso hält cs der Kongreß für notwendig, daß für den B e z a 1 c I in erforderlichem Umfange die Mittel beschafft werden, damit er seine Aufgabe der Verbreitung von Kunstgewerbe in Städten und Kolonien in beschleunigtem, seiner inneren Entwicklungsfähigkeit angemessenem Tempo erfüllen kann. (Beifall.) Die nachfolgenden, rein wirtschaftlichen Resolutionen schlagen wir Ihnen in folgender Form v:*r: Resolution 5. Der Kongreß überweist der Leitung nachstehende Resolutionen zur Erwägung, Ucherprüfimg und eventueller Durchführung der darin enthaltenen Vorschläge: 1. Es sind in der Nähe der Städte mit gröl' rer jüdischer Bevölkerung nach Möglichkeit Mז• .־״• farmen, speziell zur agrikulturcllcn Ausbildung •'*er alteingesessenen jüdischen Elemente, zu hegrü׳: -n, wobei besonders auf die Garten- und Milclnvirivd.nit das Hauptaugenmerk zu richten ist. 2. Die in den Farmen des Nationalfonds ח!ge• stellten Agronomen sind nach Möglichkeit ar ä in der Weise zu verwenden, daß sic die bei der i10׳ ׳• uisation bestehenden Einrichtungen zur agrikidi‘ tellen Ausbildung der Schuljugend inspizieren und durch Wamlervortr'age und Belehrung sowohl n׳.;• die zweckmäßige Ausgestaltung dieser Einrichtungen als auch auf die Vermehrung der lamlwirtschafü-ehon Kenntnisse in den Kolonien überhaupt einwirke,;. Die folgende Resolution ist wichtiger und.ist!וזז Zusammenhang mit unseren Bestrebungen aui Verbesserung der Arbcitcrcxistcnz, hezw. auf Schaffung der Voraussetzungen für eine!dauernde Existenz jüdischer. Arbeiter im Lande gestellt. Sie lautet:' Resolution 3. Nach Maßgabe der zu bc• schaffenden materiellen »Mittel ist an den Bau von Arbeiterhäusern für ledige Arbeiter auch in den galilälschcn Kolonien zu schreiten (nicht nur, wie bis jetzt, in den jüdischen), ebenso sollen in dcr Nähe der bestehenden Kolonien und der Städte Ar• bcitcrhäiiscr mit Gartenwirtschaften für verheiratete Arbeiter errichtet werden. (Beifall.) Wir halten cs für verfrüht, diese Vorschläge schon heute zum Beschluß zu erheben, da wir nicht wissen, ob die Mittel schon In der nächsten Zeit bereit ge• I

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