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Jüdische Rundschau · 1911-09-08 · Heft 36 (8.9.1911) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 424 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 36 selbe Liiclieln haben, wenn wir von der Gcsamtarheit des Zionismus sprechen? Wir können ein schönes Judentum einriebten im Hause. Und überall müßten jüdische Scliönheitsblumen blühen und« duften, daß man vor der Schwelle schon fühlt: hier ist ein jüdisches Haus! Sic wissen gar nicht, welche Wirkung ein solches Haus auf einen ganzen Kreis hat. (iewiil, es gibt Leute, die dazu lächeln: machen wir doch, daß wir zuletzt lachen. Es gilt nicht nur mit Gedanken zu arbeiten, sondern mit dem lebendi* gen Lehen, und das ist das Alltägliche, das Allslünd• liehe. Charlty begins at hamei Fangen wir mit der Er• ziehungsarbeit bei uns an: inachen wir unser Kiddusch — Sic werden sehen, wie gut cs schmecktI (Beifall.) Da sagen Sie: Euch fehlt ja das Geld, die Kiesen• summe I Für unsere Frauensache brauchen wir keine Riesensummen; was wir brauchen, ist Herz und Ver* stand, Ausdauer und. Wille, was wir brauchen, ist Gemüt und Verständnis. Wollen Sie uns diese Eigen• schäften absprechen, daun möchte ich dabei sein, wenn ihre Frauen mit Ihnen obrechneii. (Heiterkeit.) Unter unseren Brüdern und Männern gibt es auch einige, die sagen: die Frau soll arbeiten, gewiß, aber meine Frau lassen Sie aus dem Spiel, die eignet sich dazu nicht! Mit welchem Recht wollen Sie der natio* ualcn Sacjie die Hälfte von Ihnen, man sagt sogar die bessere, vordnthalten? Und wenn cs der Frau erst klar geworden ist, aus welchen Motiven heraus der Mann seine Frau verschonen will mit zionistischer Arbeit, dann wird sie sich schönstens bedanken: sie wird sagen: dein Wunsch ist mir Gebot, aber gebieten lasse ich mir nichtsI (Heiterkeit.) Ich hoffe, dall die Frauen umkeliren und sich ernstlieh die Frage vorlegen werden: wie weit können wir die Pflichten erfüllen, wie weit habe« wir sie erfüllt? Und Sic können es — es ist nicht unbescheiden, Was können wir? und liier komme ich zu einem Teile meines Programms: Daß man aus jedem zionistischen Haus ein jüdisches Haus macht, nicht durch Gewissenszwang; aber cs gibt so viel jüdische Schönheit, Poesie, jüdische geschichtliche Erinnerungen, (lall Sie damit lange Zeit wirlseliaften können mul noch einen Sparpfennig hohen. Sie sagen, man muß dazu die jüdische Sprache können. Ehen darum: cs ist he* schämend, wenn wir auf einem ZionistenkongrelS, ich will nicht sagen, nicht alle hebräisch sprechen können, aber daß wir nicht hebräisch verstellen. Wenn die Frauen hebräisch könnten, so würde der Mann cs lernen, und wenn das jüdische Huch, das jüdische Blatt zum Familienhuch, zum Faniilienblatt geworden ist, dann haben Sic ja ein Stück Judentum im Hanse. Dann ein zweiter Punkt des Programms. Iler/l hat die Parole ausgegebem gellt und erobert die Gemeinden I Gegangen sind wir ja, erobert haben wir noch nicht alles. Hier haben wir ein Stück Arbeit zu tim, das uns die Herren nicht ahiiciunen können; denn gar manches, was den Herren nicht zugänglich ist, wird uns leicht, fast selbstverständlich. Napoleon wollte das Wort ״unmöglich“ aus dem französischen Wortschatz ׳;ausmerzen; wir Frauen haben es gar nicht in unseren Wortschatz aufgeuonime». Nicht bescheiden, nicht nur privatim sollen Sie auftreten in den Frauenvcreiucu; und überall eintreten und die Zügel aus schlaffen Händen in unsere nehmen. Ich glaube an den Enderfolg des Zionismus, wie ich an •das Lehen glaube ״־ aber nur wenn wir Frauen mittun. Es ist die höchste Zeit, daß wir anfangen, das Rcltmigswerk zu vollbringen. Die Referentin schließt mit der Unterbreitung eines von der Fraucnkonfercnz gestellten Antrags. Nicht einverstanden ist die Referentin mit der in dem Antrag enthaltenen Forderung auch einer materiellen Unterstützung. Der Antrag lautet mit einer von der Referentin akzeptierten redaktionellen Aenderung*. ״Der Kongreß hält die Zusammenfassung der zionistischen Frauenvereine und die Errichtung einer offiziellen Zentralstelle für Frauenarbeit für drin• geml wünschenswert.״ Die Referentin schließt: Der nächste Kongreß wird hoffentlich eine Referentin finden, die mit stolzem Bewußtsein von einer geleisteten Arbeit wird bc• richten können. Mögen die Anfänge noch so 11c• scheiden sein, das Werk svird blühen und gedeihen I (Lebhafter Beifall.) Schachtel (zur Geschäftsordnung): Es würde nur die Wirkung des Referates nbsclnvächen, wenn wir in eine Diskussion eintreten, (Zustimmung.) Ich halte es für das richtigste, möglichst einstimmig ohne Diskussion die Resolution anzunchmcn flebhattc Zu• Stimmung), das ist keine Mißachtung der Frauenarbeit. Wir haben den Frauen in unserer Organisation voll• ständig gleiche Rechte gegeben. Wir wollen auch liier das Wort gelten lassen: weniger reden und mehr arbeiten t (Beifall.) Der Schluß der Diskussion wird fast einstimmig, die Resolution der Referentin einstimmig unter leb* haften! Beifall angenommen. Vors. Dr. Bode 1! h e i m c r: Wir kommen mm zur Beratung des Organisationsstatuts. Berichterstatter der autoritativen Kommission, Dr. Margulics: Die Kommission, die das ürganisationsstatut ausgearbeitet hat, bat vor allem in der ,Geschichte der Entstellung des Statuts eine bestimmte Richtschnur gehabt. Mau hat die Jahreskonferenz in Berlin, die die Organisalionskomiuissiou eingesetzt hat, nicht mit Un* recht die Friedenskonferenz genannt, Diese Konferenz hat sieh einhellig auf gewisse Gesichtspunkte geeinigt. Sic hat, alle Parteien der Bewegung ׳/usammenfassend, den Versuch gemacht, die Gegensätze, die uns trennen, in möglichst abstrakter Form festzustellen und daraus eine Basis zu bilden, auf der die ,Gegensätze der Parteien versachlicht werden. Von diesem Fricdeusgeist haben wir uns leiten lassen. Die Orgaiiisatioiisfrage hat zwei Perioden hinter sich. Wir hatten auf einer ganz anderen Basis auf• gebaute Statuten den jeweiligen Strömungen der Be• wegimg anz.upasscn versucht und daraus ein Flick* werk gemacht. Die Organisatiouskommission ist mm z.urückgckehrt zu den Formen der Organisation, die wir u r s p r ii 11 g I i c 11 hatten. Wir haben uns bestrebt, den Rahmen des Statuts soweit zu fassen, daß alle Individualitäten der Gruppeithildung, soweit sie beeid• flußt sind durch die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern, darin Platz finden. Aber andererseits mußten wir, da wir eine über die ganze Welt verzweigte Organisation haben, die sehr schwer zusammenzufassen ist, uns bemühen, den Rahmen so straff zu fassen, daß die Organisation nicht vollständig auseinanderfällt. Nicht zu eng, damit nicht kommende Entwick• itmgcii diesen Rahmen sprengen oder behindern, und nicht soweit, daß überhaupt keine Organisation mehr vorhanden ist, Wir haben an die Spitze dis Orgauisationsstatuts den Leitsatz des Baseler Programms gc. stellt. Ich habe darüber kein weiteres Wort /u Ver• licren — das ist unsere Fahne! Wir haben die Organisation aiifgehaut auf dem Gc. danken des Schckclzahlers, wir haben aber im Statut dem Ausdruck gegeben, daß wir in der Bewegung;,is solcher den einzelnen Schekel/ahlcr nur soweit kennen, als er einem besonderen Verband, Lamlesvir• haud \1lcr Sonderverhaud, augehört. Wir müssen v!>r• suchen, dem territorialen und dem ideellen Gesichts, punkt gerecht zu werden und haben deshalb hiile Gruppen nebeneinander berücksichtigt. Wenn wir 1iie Laudesimtersciiiede als Bereicherung der jüdischen Psychologie anerkennen, so können wir nicli*. darüber hinwcggchcii. Die Organisatiouskommission war i'vr Ansicht, daß die La n d esorga 11 i sa t i on, »■•f. gebaut auf dem Grundsatz des Zusammcnwoliiiciis in dem betreffenden Lande, ein zu starkes Moment stellt, als daß man darüber hiuwcggehcn könnte. Stehen wir es In den Dienst der Organisation, dann dient es zum Zusammenhang; vernachlässigen wir cs, dann wird es ein Widerstand, der ihn zerreißen würde. Wir haben aber nicht übersehen, daß es ldeeul-.il. düngen gibt, die ein noch stärkeres Band darstvllcn können, als diese territorial-soziologischen Zusammen• hänge. Freilich dürfen wir ihre Entwicklung nicht fördern über das Maß derjenigen Kraft, die ihnen wirk• lieh beiwohnt. Den Ausweg glaubten wir darin zu finden, daß wir den Gedanken des Landesverbandes als das Normale hiustellen und daneben Hildungui innerhalb des Programms volle Freiheit geben dann, wenn sic eine wirkliche Kraft bilden. Und diese wirkliche Kraft muß darin zum Ausdruck kommen, daß eine gewisse Anzahl von Zionisten, ein gewisser Prozentsatz des Zionismus sich um dieses Programm sammelt. Der Referent betont die Sch wie* rigkeiten, die sieh bei dieser Lösung ergehen. Wir sind uns ihrer voll bewußt gewesen und haben diese Lösung trotzdem vorgvsehlagen, weil wir der Ansicht sind, daß jede andere Lösung noch größere Schwierig keilen verursachen würde. Nun war die weitere Frage zu beantworten: wie soll sich die Willensbildung der zionistischen Welt• Organisation außerhalb des Kongresses betätigen? Das heißt: welche Rechte gehen wir den Lnmlesver• bänden? Wie sollen sie sieh bilden, wie sollen sie ihre Leitung zusammetisetzeu? und das noch viel wichtigere Moment: die Leilimgsfrage in der zionisli sehen Weltorganisation überhaupt; und zwar die Lcitungsfrago als ein sachliches Problem! Der Gedanke,, mit dem wir von allem Anfang au in die Bewegung gekommen sind, war der d e in »kr a tische Gedanke•. Ich hebe das hervor, weil es in der Bewegung vielfach üblich geworden ist, über dt 11 demokratischen Gedanken die Nase zu r ü inp f c u und hochmütig darüber zu lächeln. Ich glaube, da» der demokratische Gedanke der Grundpfeiler des 71׳. nisnuis ist. (Beifall. Wir, die wir in der Agitati 1 gestanden haben, wissen, daß wir unsere Deduktion•11׳׳ auf diesem Gedanken aufbaiien mußten. Er hat m:> den Schwung gegeben und die Begeisterung, die v r nötig hatten in unserer mühsamen Kleinarbeit. l'״,l mit diesem Gedanken haben wir das Fundament t'< r liehen Forschungsergebnisse auch in Zollschan endlich so glücklich aufgingen: Nur darf er selber nicht vergesscn, mich er ist in gewissem Sinne ״der Erbe der Erben seiner eigenen Vergangenheit״. Meine Initia• .live hat ihm das Neuland geschaffen, in dem nur der Uneingeweihte das Altiaud nicht wiedererkennt und mein sind die Trauben, die er dort pflücktI Die Luft ist zum Segen des jüdischen Volkes heute derart von meinen RasscnlUec» geschwängert, daß sic dem Slanuuesgenossen unbewußt von selber ■/ullogen und ihm dank gleicher Rassenanlage und Richtung um so leichter sich verdichten konnten. Meine Resultnte haben sich bei Dr. Zollschan so tief ״c 11 graphiert" in die photographische Platte seines ,,U 111 c r kewußtseins", daß sein ״O berbewufltsein״, wie ich bedenkenlos zu Gunsten meines Mitkämpfers für mein Volk und meine Rasse, die ja auch die seine ist, annehmen will, die wahre Herkunft aus dem Unterbewußtsein des Zollschanschcn Gchirnlehcns vergessen hat, in das es aus dem mehligen vor Jahren ohne sein Zutun hiiieingelangt war, bis er sein Buch damit konzipierte. Oder sollte Herr Zollschan sich dach seines Unterbewußtscinsinhaitcs erinnern, sollte er nicht bloß im Latenzzustamlc mein Gcistescrbo daraus hervorgeschöpit haben? Ich will das nicht glauben, will meinen Kampfgenossen einer geistigen Anuektion nicht zeihen, Er ließ allerdings selber in gewissem Sinne einen solchen Schluß zu, indem et sowohl in seinem Buche ״das Rassenproblem״, wie jungst auf dem ersten Ha ssenko ngre ß In Lo 11 auch ich beiwohnte, öffentlich ohne Ursprungstmiweis meine Ideen über den Wert dci h ö c h s t g c z ii c 111 c t c n jüdischen K u 11 u r ras sc für die Fortentwicklung des Menschen• g e s c h I e c 111 c s als neu verkündete. — Ich trat ihm damals nicht entgegen, ließ es ruhig geschehen, daß meine Ideen aus seinem Munde in die Vcrsamm• hing und in die Presse flogen. Ich wollte nicht um den Preis meines eigenen Selbst auf diesem, dem jüdischen Gehirn eines echten Edclmcni>chen wie Felix Adler, entsprungenen Friedenskongresse der 11 i c 11 \ jüdischen Welt das Schnuspiel gönnen, daß ein Jude gegen einen Juden, ein Zionist gegen einen Zionisten auftritt, und schwieg auch, weil ich bei Herrn Dr. Zoilsclinn psychologisch uncntrütsclbarc beste Motive für sein Verhalten gern und freudig an• uelime, da ich mich nämlich des Kapitels in dem nicht anthopoiogischen Teile seines Buches erinnern will, wo er so fein über den Ursprung der Religiosität der Juden sich ergeht und jenen Chamberlainschcn 1 loliuruf, der auch im'cli immer mit der grüßten Entriisamg erfüllte: ״Die Semiten seien bettelarm an wahrer Religion״, so sinnig und so gemütstief zurückwies. Sollte ihn selber da so wenig die Religion erfüllen, daß er fähig wäre, geistiges Gut seines eigenen Blutsgciiossen zu usurpieren? NimmerI Also kämpfen wir lieber gegen unsere gemeinsamen Feinde. Ficrr Dr. Zollschan hat mir ja in London gleich bei den ersten Worten, als ich ihn zum erstenmal sprach, zwei Tage vor seiner Rede auf dem Rassenkongreß bekannt, daß «f »• a. meinen Aufsatz*) aus der ״Vossischcn *) Der Schädelfund zu Herford im Jahre 1901 und seine anthropologische Bedeutung. Von Dr. Alfred Waldenburg. Zeitung gelesen, der nebenbei gesagt aus dem S> fernher 19 04 stammt und erst am 8. Januar l'h /, jedoch selbst da noch unter redaktioneller Streicht. ־.g des Wesentlichsten in einem sonst so liberalen Bl;: ׳<• abgedruckt wurde. Ich will es nun Herrn Dr. / ■ I schau nicht Vorhalten, daß er diesen meinen An; dem Sinne nach in den für das Rasscnohjekt wie steil Hauptteil seines erst End c 1 909 ersc ־׳• neuen Buches hineinprojiziert hat. Hier auf u Zionistenkongreß habe ich auf Grund des eben :;e• halteiien öffentlichen Vortrages des Herrn Dr. /.<!1• schau keine Veranlassung mehr, das auf dem a’.i c• meinen Rassenkongreß bewahrte Schweigen fort■״• setzen. Die Rücksichten, die mich in London ö׳׳h bestimmten, fallen in Basel fort. Hier stehe ich r,11 der Agora meines eigenen Volkes! Es ist mir .1:1• genehm, von ilun selbst gehört zu haben, wie st.v.k er sich durch meine Ideensaat befruchten ließ 1:.!d meine Rcsuitntc aufzog, so sehr ihm selbstvcrst.irullieh alle Einzelheiten meiner Untersuchungen 11׳:!״’• kannt sind. Meine leitenden Gesichtspunkte gcmij;<'11, Ihm und allen Künftigen dun Weg zu zeigeii nach dem einen Ziele, dem wir alle zustreben, auf das ich bin• arbeite: Der jüdischen Rasscnliochzucht auf uns er 111 ureigensten Boden in Pa* 1 ä s t i n a , der Individualentwicklung unseres s e 1 b s t s t c i g e r u ngs fü h i gs t cn Hohcnvolkes zum Besten des künftigen Menschengeschlechtes! Basel, 14. August 1911.

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