Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1911)
- Date
- 1911-09-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I tM«•»»! #"•ר*!v **«*׳*©*»* ft nיs*״w«s־t*rי*«1Nייו״>v.^יי>י** Nr. 36 JU ED ISCHE UU DSCII AU Seite 423 Der X. Zionistenkongress (Schluß des Vcrhaiidluiigshcriqjitcs.) Um den ganzen Rest des Kongrcßberichtcs bringen 21t können, wurde der Umfang dieser Nummer der ״J, R.“ um vier Seiten verstärkt. Der Bericht über die Schlußsitzung (Wahlen) war bereits in Nr. 33 enthalten. Fünfter Verhandlungstag — Montag, 14. August Vormittagssitzurig. Vorsitz/ider Dr. ßoücuhcimcr eröffnet die Süzung um 101,4 Uhr und erteilt dem Sekretär Dr. Iv'seiuilüth das Wort zu geschäftlichen Mitteilungen. Vorsitzender Dr. Boden heim er: Das Wort 1• •( Frl. Professor Mirjam Schach zur Erstattung; .־cs Referates über die zionistische brauen• . .־hei t. Rcfcrcntin Frl. Schach: Mir ist eine sehr ehrenvolle, aber bedenkliche Auf• , ,bc erteilt worden, und ich bitte Sie um Nachsicht. ’ .n Bericht über zionistische Frauenarbeit müßte sach• .-iniil) an das Bestehende anknüpfen, ein Bild von . ־:in entwerfen, was bereits geschaffen ist und nach ■deuchtung der Mängel und Vorzüge zum Ausbau;!ergehen, Leider muß dieser Teil des Vortrags aus• ' ilen. Erstens ist von den Frauen bisher sehr wenig , ,־leistet worden, und was geschehen ist, ist uuüber• Millich und zersplittert. Weshalb ist so wenig ge• chclicn, auch wenig im Verhältnis zu unserer Zahl? \n dem Zionismus lag cs nicht, denn der vereinigt alle Bedingungen, ein gesundes, edles Fra ucngein üt bis in die tiefsten Tiefen zu ergreifen ׳md gefangen zu halten. Auch au den Führern des untiounlen Ideals lag es nicht, llerzl und seine Frcnude haben uns weder vergessen noch verkannt. Man hat uns nicht die Arbeit zumuten wollen. Man hat gesagt, unsere Frauen •üben von jeher im Judentum eine so ■untergeordnete Rolle gespielt, daü sie sich nicht so leicht zur Höhe der nationalen Aufgabe zu erheben vermögen. Welche!;cringc Kenntnis der jüdischen Geschichte gehört dazu! Fine ununterbrochene Kette von hohen Frattcnbiklcm;.eilt durch die ganze Bibel und jüdische Geschichte. I'iiic Frau hat eine ganze Stadt vom Untergänge geidtet — iiir Name wird nicht genannt, sie heißt einfach ״eine kluge Frau“; ist denn das ein Wunder bei uns: eine kluge Frau? Und auch die DiirchschniUsfrau hat bei uns tausendmal mehr geleistet, als man von ihr gefordert haben könnte. Es heißt: unsere Frauen haben wenig Mizwaus; aber wer aus der warmen Quelle des eigenen warmen Herzens schöpft, der braucht keine Vorschriften. Was die Frau dem Mann von jeher gewesen ist, das zeigt uns die herrliche Sitte, dal! der Mann, wenn er am Freitag abend von der Synagoge kommt, noch ehe er Kidusdi macht, sein jüdisches Haus und sein jüdisches Weib segnet. Auf nichts konnte der Mann trauen, als auf die nimmer waii• kende Treue seines Weibes; und das hat genügt, jene wunderbare Reinheit und Hoheit in das jüdische Familicnlcbcn einzuführen. Die Frau wurzelt ja noch tiefer, ausschließlicher im Judentum als der Mann, sic kommt nicht mit der Außenwelt in Berührung, empfängt nicht die Eindrücke einer fremden Kultur. Die Frau hat das Judentum mit ihrem Gefühl liebevoll und ganz erfaßt. Und so geht die brennende Fackel der jüdischen Tradition von Mutier zu Mutter. Bis eine andere Zeit kam: wo den Töchtern Israels die Augen geöffnet wurden zu fremder Kultur, freu!• U .ia.iits in die Fremde, und v.a;i iliiicu die Rückkehr M.lo!.ich, wird sie wieder• sie wiederkehren? Das hat sieh Jüdische wurden ihnen entzu I liiU rimieii fremder Gürten mein eigener Garten verwahr• geriet d i inr. Wanken, nicht 11111־ Druck des Ostens, sondern vielmehr Druck des Milieus. Um das kämp• nicht bange, aber um das schläfrige, der Schönheit. Sie zogen niemand gab ihnen mit, zeigen köiinle: niemand kehren, und wie wird liitter gerächt. Das fremdet; ״leb wurde gemacht und so ist lost.״ Alles Jüdische durch den harten durch den sanften fendo Israel ist mir um das eingelullte Israel ist mir hange. (Beifall.) Wenn mm in einer Zeit des Bangen!) und Schwan• keus der Zionismus kam, der grolle Ruf der Qc• tmitcr, da ist es kaum verständlich, wie es möglich war, daß unsere Frauen und Mädchen sich nicht mit hellen» Jauchzen um seine Falmc scharten. Es ist kaum faßbar, daß die große Mehrzahl der jüdischen Frauen fern geblieben ist, und daß auch die wenigen, die bei uns sind, sich nicht aufgcschwungcn haben zu einer Verinnerlichung und Vertiefung ihrer natio• nalcn Ucberzcugung. . Wir wurden von Hcrzl und seinen Freunden nicht vergessen und nicht verkannt, aber wir ' wurden a u c h n i c h t c r k a 11 n t. Gewiß, in der ersten Zeit des Zionismus hatte man große Sorgen und wenig Muße, sich tun die Frauen zu kümmern; man suchte nicht den Weg zu der Frauen Herzen. Aber mitbcstimmend war damals auch der Umstand, daß mau glaubte, auf dem kürzesten, dem politischen Wege Großes zu erreichen. Lächeln Sic nicht, es hätte auch so kommen können, und Sie wären dann die ersten, die das vorausgesehen hätten. Wären die schönen Erfolge eiiigetretcn, die Frauen wären mit• gegangen. Aber die Siege, die der Zionismus feierte, waren nicht romantisch, die auf den ersten Blick an• erkannt und erfaßt werden. Aber eins hat der Zionismus versäumt. Wenn wir Frauen, was ja selten vorkommt, auch wirklich dasselbe denken wie der Mann, so denken wir es doch nach anderen Modalitäten. Von wenig löblichen — oder unlöblichen — Aus• nahmen abgesehen, müssen wir zugeben, daß selbst der klarste und faßbarste Gedanke, den wir klar er• griffen haben, noch lange nicht unser eigener Ge• danke ist, bis er durch den Schiiiclzticgel des üc• fiihls gegangen ist. Was hat da der Zionismus getan? Hcrzl sagte: was könnten die F r a u e ״ f ii r den Zionismus sein — fast alles! Was sind sic? — f.1׳st nichts! Der Zionismus hätte alles tun müssen, um sieh zu versichern, daß er seine Rechnung nicht ohne — die Wirtin machte. Er hätte sich sagen müssen, daß die Frauen, die schon im Zionismus sind, wieder zu einer lebendigen Werhekraft werden: nach mißen und nach innen: der Zionismus hat es nicht getan. Wir gehen einen schwierigen und dornigen Weg; aber gerade darum muß man dafür sorgen, daß der Grundstein des Judentums, die Familie, unangetastet bleibt. Was haben die zionistischen Männer, die unsere Informatoren sein sollten, getan, daß wir mithin? Nicht weil unsere Pflichten nicht genau umschriebe:» waren, sondern weil wir sie nicht gekannt haben, habe:» wir sic nicht erfüllt. Was sind dem» die Pf lichten der Frauen um unsere nationale Bewegung? Sind das spezielle!1(lichten, oder können wir unser Bestes gehen, auch wenn wir einfach mit den Männern zu• sammen arbeiten? Es ist gewiß symbolisch, daß der Manu laut Kidusch macht und die Frau leise ihr Amen begann,' obwohl nur wenig veröffentlicht, Feind wie Freund des jüdischen Volkes sich mit meinen Ideen zu tränken und endlich, nach weiterer siebenjähriger Verdauungsarbeit, reif zu werden für den von mir nicht durch Worte, sondern durch mühsam tägliche Unter- Buchungen erbrachte!» Nachweis, daß die Juden in toto nicht nur keine Mischrassc, sondern eine Rasse sind, und zwar bilden sic nicht etwa eine Rasse unter Rassen, nein — letztere existieren unter diesen Breiten gar nlclitl — Ule'jüdische Hasse ist die Hasse, die Rasse kaFexochdn I Schon bei meiner Doktorpromolion in» September 1902 stellte ich die These auf: Die j ü d i s c 11 c Rasse hat auf dem Wege der Erblichkeit eine durch Inz.uc 111 gesteigerte relative Immunität gegen Pest und einige akute wie chronische Infektionskrankheiten erlangt, welche sich direkt proportional der Zufuhr fremden d, 11. nicht j ü d i - di sehen Blutes abschwächtl Aber diese Immunität ist nicht mir ein erblich gesteigerter phys i s c 11 c r Rasscnscliutz gegen Krankheiten, Epidemien und Klimaeiniiüssc, die dem jüdischen Volk im Goltis die Fähigkeit verlieh, sich selbst den widrigsten Milieucinwirkungcn zu adaptieren und zu acclimatisiereii, nein, sic ist mehr; sic ist ־zugleich der Ausdruck höchster Steigerung der eingeborenen Rasscnanlagen, welche die Resistenz, die erstaunliche Widerstandskraft, die Entsagungsfähigkeit und ־unerschöpfliche Leistlingslühigkeit des jüdischen Rassentunis auf seinem ureigensten, dem geistig-zerebralen Gebiete gezeitigt, die Vitalität, die den zeitlich noch so alten Stamm Judas־ •omatisch nimmer ver• dazu sagt; aber sie hat doch den sabbatlichcn Tisch hcrzurieliteii, vielleicht seihst mit verdient — da kann der Mann sechsmal Kidusdi machen, sie sind Jauzt. (Heiterkeit.) Aber wie soll die Frau den sabbatlichcn lisch!!errichten, wenn kein Sabbat mehr ist? (Bei• faß.) Ja, das Ist aber unsere eigene Schuld, wenn wir keinen Sabbat mehr haben, llerzl hat gesagt: der Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum, vor der Rückkehr ins Judenland. (Beifall.) Die Rückkehr zum Judentum ist uns streng geboten. An die Rückkehr der H Millionen Juden zum Judeulatid ist in abschbarer Zeit nicht zu denken, deshalb ist cs von grund• legender Bedeutung, daß die Frau siel» ihrer Pflicht bewußt ist. Daß wir ein gutes Stück Wegs mit Ihnen Zusammengehen können, wissen wir und wir sind es gegangen. Aller es ist ein großer Unterschied, °b mmi in einer Familie Mutter oder Tante ist. Die Tante ist da, um das. Kind zu verwohnen, um sich lieb Kind zu machen, und die Mutter hat die große Verantwortung. Darum ist die Mutter viel strenger als die Tante. Wir Frauen hoben im Zionis• mus bis jetzt eine Art Tantenstdhing gehabt. Wir haben bei den Veranstaltungen das Süße gegeben. (Heiterkeit.) Aber da cs nicht immer Sabbat und Feiir• ' tag bei uns ist, da zu den heiteren Festen die sehr sauren Wochen kommen, muß man auch etwas anderes kochen als Zimincs, (Heiterkeit.) Sonst kann n׳an die Pflichten nicht erfüllen. Wir Frauen hätten vor allem dafür sorgen müssen, daß die Vertiefung des »»atio« nalcn Gedankens durch uns in die Welt kommt. E.» ist eine beschämende Stellung, weiin Sie bedenken, daß. wir nach 14 Jahren zionistischer Arbeit heute mit der Schicksalsfrage an das jüdische Weib herantreten müssen: gehörst du zu uns oder gehörst du zu unseren Feinden? (Zustimmung.) Denn einen Mittel« weg gibt cs nicht, oder wird cs bald nicht mehr geben. (Lebhafter Beifall.) Entweder die Frau wird ihr Haus zu einem jüdischen machen, oder sie wird cs, ab* sichtlich oder nicht, unjüdisch machen. (Beifall.) Entweder die Frau wird ihre Kinder zu vollen Juden machen, oder sie werden über kurz oder lang zu Nichtjuden werden. (Beifall.) Da, wo alles gegen uns wirkt, Staat, Gesellschaft, Schule, da sollen wir denken, cs wird stille stehen, und sollen uns nicht wehren? Was wird aus unseren Kindern, selbst aus unseren zionistischen Kindern? Die Eindrücke, die ein zartes Kind aiifnininit, sind später nicht d u r c 11 z i o 11 i s t i s c 11 c Versammlungen er• s c t z b .־» r. Und eine andere Frage: fühlen Sic nicht, daß Sic ein Verbrechen begehen an dem Heiligsten, was wir haben, an dem wehrlosen Kind, wenn Sie ihm sein eigenstes vorcnthaltcn, sein Recht auf alle nationalen Güter, sein Recht auf die jüdische Poesie, auf die jüdische Sprache? - selbstverständlich verstehe ich unter ״jüdisch“: hebräisch. Wenn wir das zionistische Bekenntnis abgehen und an unserer Lebensführung nichts ändern, wenn das jüdische Haus so a.issicht, wiedas Assimilanten* haus, Wenn unsere Kinder genau dieselbe Erziehung bekommen wie die Assimilantcnkinder (Beifall), außer daß wir ihnen zweimal im Jahr ein zionistisches Fest bereiten — können Sie es den Außenstehenden verdenken, wenn sie sagen, daß es uns nicht ernst ist? Wenn wir von der Frauen frage sprechen, haben unsere Männer und Brüder ein gewisses Lächeln zur Verfügung, das halb spöttisch, halb nachsichtig ist. Bedenken sie nicht, daß die Nicht-Zionisten das• greisen läßt und selbst nach Epochen scheinbarer Agonie immer wieder erweckt und erneut in Jungkraft und Blutcssclbstwchr, der cIngtzüc 111ete 1» K r a f t n 11 8 a 111 in I u 11 g u 11 g e z ii 11 l t c r Generationen die ihn seihst in seinen scheinbar zartesten und hilflosesten Gliedern befähigt, jedem Feinde zu trotzen, nur einem einzigen nicht, der Krcuzung, die einer Kreuzigung, einer Sclbstkrcu« zlg\111 g des jüdischen Volke» gleich käme. Nicht die Inzucht, die alle guten Keime ad iiiaiNimmi potenziert, und die nur solchen Stämmen schadet, denen jene guten Keime fehlen, nein, grade allein die Kreuzung ist cs, die in Wirklichkeit jene Degeneration herbeifütireu müßte, die bis jetzt selbst dort, wo es oberflächlichen» Laienblicke so vorkam, dem jüdischen Stamme in alten rein gcbtic• bene 11 Zweigen fremd geblieben ist: Nur dort, wo man das altgcfcsligtc Rasscnhlut mit u 11 ge festigteilt, rnsscnlosci! Mischgelräufel inferiorer Abkunft freventlich zu triibcu suchte, da büßt die alle Rassenenergie ein nicht geringen Quantum ihrer Stärke ein. Grade weil Israel eine Rasse ist, schadet ihm, dem Rasscnvolkc, die Mischehe mehr als jedem Würfelvolkc p o 1 y g o n e r Herkunft, Mischehe ist Rasscnsclbstmordl Palliativ bewirkt die Natur des Rassciiorganismus in Perioden eine wunderbare A u t o e l i m i 11 a t i o 11 gewisser schwanker Elcmente aus dem Rassenleibc. Auch das ist ein Ausfluß der ungeheuren Vitalität der jüdischen Rasse, deren S u pc ro r itä t ich Hingst bewiesen, und am 18. September 1902 öffentlich bei meiner Promotion in der Aula der Berliner Universität*) entwickelt und verkündet habe, also sieben Jahre bevor Zollschan überhaupt daran gedacht, sich mit dem Rnssenproblen», das für ihn noch ein solches ist, zu beschäftigen. Für mich ist die Lösung längst gefunden! Zoll- . schau ist erst heute dahin gelangt. Ob aus seinem eigenen Kopf heraus, oh befruchtet durch meine Ideen, das lasse ich offen. Wenn aus seinem eigenen Geliirn das gleiche Kind entquillt, um so besser für die jüdische Hasse, wem» sic in zwei Exemplaren die gleichen Schlüsse spontan gezeitigt haben sollte. Doch waren meine Untersuchungen zu einem Teile, und gerade dem besonders in Frage kommenden Punkte ihm bekannt, mul ich war es, der ihm und vielen andern den Boden gedüngt. Somit hatte Zollschan leichte Mühe, meine Saat aus diesen! Erdreich hervorzuholen, das zu meiner Zeit noch brach und öde lag, so öde wie das Land unserer Vater und unserer Zukunft zur Zeit der ersten PioniereI Weil eben erst ein Jahrzehnt nötig war, daß mir die langsame Herde nachkommen konnte, so dringt erst heute die Erkciintuis des eigenen Hassenwertes durch, die meinem Volk zum Quell neuer Taten werden soll dereinst für das genus lumianuni. Deshalb habe ich nur Grund zur Freude, wenn meine Ideen und meine diesbezüg- •) Siche meine Dissertation: Das* i s o cc p h a I c blunde R a 8 s c n c l c m c n t unter Haiti gfriescn und!iitliichni Taubstummen von Dr, mcd. Alfred Waldenburg. Mit einer tneättinitch mmmif btlicn Vererbunynhifcl zur Vcranscliauhehung w irkuug der psychopathischen A f!' I n i - tätl Berlins, dalvary & Co. 19 02.