Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1911)
- Date
- 1911-09-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651747--07950-2665154- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nach dem Kongress Mit dem X. Kongreß ist der Zionismus in eine ganz neue Epoche eingetreten. Es ist nicht mehr wie selbstverständlich, daß in diesem neuen Abschnitt seiner Geschichte viele Fehler früherer Zelten vermieden und manche neue dafür ge* macht werden dürften. Aber darauf kommt cs auch gar nicht an. Sondern darauf, ob der X. Kongreß den berechtigten Erwartungen soweit entsprochen hat, daß er durch seine Beschlüsse die zionistische Bewegung und den Zionismus ein Stück vorwärts gebracht hat. Eine Tat wird dem X. Kongreß in der Ocschichte unvergessen bleiben: die unter dem Vorsitz Ussischkins geführte und von einem Re* ferat Sokolows eingcleitete hebräische Sitzung. Unnötig zu sagen, warum das eine Tat war und unendlich viel mehr als eine De* monstration, wie gelegentliche frühere hebrä* ische Reden. Dieser Sonntag — cs war der 13. August (19. Ab) ־־־ wird einmal ein historisches Datum sein! Ein geschichtlich bedeutsamer Augenblick war es auch, besonders für diejenigen, die ihn unmittelbar miterlcbcn durften, als der Kongreß kurz vor seinem Ende einen Antrag, die Kultur* debatte auf den nächsten Kongreß zu ver* schieben, trotz der großen Abspannung und Er* müdung aller Delegierten —* und trotzdem noch die mit größter Erregung erwarteten Wahlen bevorstanden! —• mit ganz überwältigender Mehr* heit ablclmtc. Darin sprach sich ein so beharrlieber Wille des Kongresses zur Arbeit, zur Er* ledigung der ihm obliegenden Aufgaben aus, daß man diesem Kongreß manche Unterlassung nachschcn darf. Ein so unerschütterlicher Wille, diesen Kongroß nicht wieder ohne positive Resultate auscinandcrgehen zu lassen, bat auch das neue Organisationsstatut zustande gebracht. Daß der Kongreß darauf verzichtete, in eine größere Debatte über das Ganze lind die ein* zelnen Paragraphen — mit einigen Ausnahmen — cinzutreten, war nichts als eine weise Selbst* bescheidung. Denn es ist ganz selbstverstündlieh, daß ein solches Statut, das in verschiedenen langen Beratungen und Besprechungen von Vertretern aller möglichen Richtungen vereinbart wurde, und dessen Grundsätze ja von einigen früheren Kongressen bereits durchdebattiert worden waren, in einer neuerlichen Debatte nur hätte verschlechtert werden können. Der Re* ferent des Organisationsausschusses Dr. Mar* gulics hatte ganz zutreffend betont, daß naturgemäß zu einem Statut mit so vielen Bestim* mungen immer wieder eine ganze Anzahl kleiner Verbesserungen vorgcschiagcn werden könnten, daß das aber nicht das Risiko einer einzigen Aendcrung lohne, die vielleicht eine Zufalls* Jüdische Rassen-Hochzucht Von Dr, med. Alfred Waldenburg*)• (Nachdruck verboten.) Ich konstatiere mit Genugtuung, die von mir seit elf Jahren ausgestreute rassenbiologischc Saat ist aufgegangen: sic fand keinen unschlcchten Boden, und mein geistiges Gut fand einen trefflichen Oehirnmagen in Zollsohan. Darin peptonisierten sich Scmons geistreiche Ideen über die ״Mncmc“ mit den ungeschützt in die Oeffcntlichkeit durch* gesickerten Ergebnissen mcincrcigcncn mehr ,als ein Dezennium währenden Untersuchung über die potenzierende Wirkung der Inzucht und Nahtucht auf den Rassenkörper des vor Kreuzung geschützten jüdischen Volkskerns, auf die schon in der Keimnntagc vorhandene, erblich gesteigerte zerc* bralc Hochzucht der jüdischen Rasse, die überhaupt, vor mir kein Stammesgenosse als Einhcitsrassc zu erblicken oder gar zu bezeichnen den Mut fand. Niemand betete damals noch naivgläubiger und papageienzungenhafter die Arlerlüge eines Houston Stewart Chambcrlain, dieses von mir zuerst durchschauten raffiniertesten aller Todfeinde des jüdi* ,sehen Volkes nach als gerade, wie immer, der Jude ^h*]״ErftSfrung״auf da9 Referat des Dr. Zoll■ Ä &SSSSSSSJT& tetra8״־ »iajoritüt finden und den ganzen Charakter des Statuts verwandeln und cs unbrauchbar machen könnte. Und wiederum waren Wille und Ein* sicht groß genug, um alle Sonderwünschc zu* rück treten zu lassen und das Statut zur Annahme zu bringen.*) Freilich hat der Kongreß dafür auch in mancher anderen Hinsicht versagt. So hat er eine Geschäftsordnung beschlossen, die noch mancher Abänderung und Ergänzung bedürfen wird, bevor sie wirklich allen Anforderungen genügen kann, die an eine Geschäftsordnung für den Zionisten ko ngreß gestellt werden müssen. Denn wir müssen immer bedenken, daß unser Kongreß ein ganz eigenartiges Par* lament ist, sowohl was die Zusammensetzung als die Datier der Tagung und deren Zwecke an» geht, so daß auch die Ordnung, die unsere Verhandhingen regelt, eine ganz andere sein muß als eine, die für reguläre Parlamente maßgebend ist. — Nicht befriedigen konnte auch die Art, wie der Kongreß die Finanz frage erledigt oder richtiger abgetan hat. Für diese doch ge* will höchst wichtige Angelegenheit hätte unbedingt mehr Zeit erübrigt und mehr sachliches Interesse aufgebracht werden müssen. Hier ist bis zum nächsten Kongreß eine wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten, damit die Delegierten des nächsten Kongresses wenigstens etwas mehr Verständnis für die Notwendigkeit einer ver* nünftigen Finanzpolitik an den Tag legen, als cs diesmal der Fall war. Wir hatten vor dem Kongreß geschrieben, daß dieser Kongreß vor allen anderen die eine Aufgabe habe: ״Unserer Organisation eine Lei* tuug, unserer Leitung eine Organisation — und beiden die Mittel zur Arbeit zu geben.“ Um den letzten Teil dieser Aufgabe hat sieh der Kongreß, wie gesagt, zu wenig bc* kümmert, weil er anscheinend noch nicht begriffen hat, daß hier die Angeln seiner Macht verkettet sind. Dafür aber hat er sich — abgc* sehen von allem anderen — redlichst und mit bewundernswertem Eifer in den Kommissionen besonders, aber auch im Plenum bemüht, den beiden ersten Teilen der Hauptaufgabe, die er batte, gerecht zu werden. Das neue Aktionskomitee, das er gewählt hat, darf mit Recht erwarten, von allen Zio* nisten als ein Friedensausschuß, ein Einigungs* komitcc betrachtet zu werden, welches das Ver* trauen aller Zionisten in gleichem Maße ver* dient. Von der mit der Wahl zugleich ei folgten Verlegung der Leitung nach Berlin erhofften wir reiche neue Arbeitsmöglichkeiten. Hoffentlich werden die neuen Männer, denen die Geschicke der zionistischen Bewegung nun *) Wir veröffentlichen das Statut mit den kleinen vom Kongreß vorgenommenen Aendcrungcn ln einer der nächsten Nummern. — Die Redaktion. selbst, aber leider nicht etwa nur der dcutschpatriotische Berliner Assimilationsjude, nein selbst mancher Zionist saugte arglos und nascnlos das Gift, das der pantcutonischc ütutliasscr des jüdischen Rassentums, vor dessen Unverwüstlichkeit und Supcrirorität ihm graute, dem er mit unvergifteten Pfeilen nichts.an• haben konnte, dem jüdischen Volk wie allen seinen Blutsverwandten bereitet. — Indes, er sollte sich ver• rechne». I c 11 war der Erste, der ihm öffentlich die Maske Ueruutcrgensscn, ihm und seinen tcuto• manischen Kumpanen, die auf dem echt ״germanisehen“ Ethikniveau eines Wilser, Ammon, Woltmann, Dricsmamis und wie sic alle heißen, liegen geblieben sind. Aber Juden wurden ahnungslos Ihre beste Schutztruppe, Juden waren cs, die in Entsetzen ge• rieten, wenn ihnen durch meine Untersuchungen auf den Halligen der Glaube an die Existenz einer arisch• germanischen Rasse für immer dahinschwand, aber vor der sicht-, fühl- und greifbaren T a t s a c 11 c ihre eigene Rasse und sich verhüllten, ja selbst zu zittern begannen, als ich in der ״Jüdischen Turnzcitung“ im Februar 1903 in meinem Aufsatze: ״Die Qrund* lagen des Rassenphänomens. Zur jüdischen Rassen* tatsachc" die neue Wahrheit uneingeschränkt aus* sprach und midi gegen ״Chambcrlain“ mit unver* hülitcm Visier wandte. Der unvergeßliche Oeorg Arndt, damals Redakteur des Barkochba-Organs konnte, wenn ihn nicht die Erde deckte, von den Nachwirkungen dieses meines Aufsatzes erzählen. Bei ihm könnte ein Zolischan, dem damals noch die heutige Rasscuforscliuug ein Buch mit sieben Siegeln war, sich Auskunft holen, wer zuerst die Supcrioritüt der Ei3E33E3E₪iI₪0ElE₪ElElE₪ Adressen - Aenderungen l! Bei Adressen •Aenderungen wahrend des Quartals beliebe man bei der Postanstalt des alten oder des neuen Wohnortes die Ueber• Weisung an die neue Adresse zu beantragen. Irgend eine Mitteilung an die Expedition hat keinen Zweck, da diese in derartigen Fallen niemals direkt etwas unternehmen kann. Verlag ״Jüdische Rundschau E10EEEBBEEEEBEEEEE |t1tn|a|p|olDl□ anvertraut sind, sich auch so sehr vom Vertrauen der ganzen Bewegung getragen fühlen können, daß sic den Mut haben, keine Chance ungc• nützt zu lassen und an alle Aufgaben kühn her• anzugehen, die ihrer warten.- Unsere Gegner hat der X. Kongreß schwer enttäuscht. Und wenn uns das auch keine Ge* nugtuung sein kann — denn unsere Gegner sind leider so leicht zu enttäuschen —, so darf es uns doch ein wenig freuen. Der X. Kongreß hat die nicht zu verderbende Einheit der Bewegung, ihre zähe Lebenskraft und ihr sicgessichcrcs Selbstbewußtsein trotz aller Differenzen so sinnfällig dargetan, daß auch dem mißgünstigsten unserer Gegner die Hoffnung auf ein nahes Ende der zionistischen Bewegung geschwunden sein muß. Vor allem aber hat dieser Kongreß eine so straffe Selbstd i s z i p I i n aller unserer Anhänger gezeigt, daß auch die ärgsten Pessimisten in unseren eigenen Reihen nicht nur unser Ziel, sondern auch unsere Bewegung wieder freudig bejahen dürfen. So wollen wir, wenn wir nun in nächster Zeit wieder an eine Erörterung von Einzclfragen, die der Kongreß ungelöst ließ, oder die der neuen Leitung zu bearbeiten bleiben, herangehen, das eine dem X. Kongreß nicht vergessen: daß er uns unser Selbstvertrauen und die frohe Ge* wißheit wiedergab, daß unsere Bewegung so jüdisch, so national und so politisch im besten Sinne dieser Worte ist wie je zuvor. Und ein Jubiläumskongreß war dieser X. Kongreß, weil er uns in seinen schönsten Momenten wieder greifbar nahe unser Ziel, unsere jüdische Heimat in Palästina erstehen ließ und das Mittel, zu ihr zu gelangen: stark sein und einig! jüdischen Rasse erwiesen und erstritten! Aber auch lebende Zeugen stehen mir zu tausenden zur Vcrfü• gung: Alle die, deren Schädel ich gemessen und aße die, welche die Versammlungen und Kongresse besucht, auf denen ich gesprochen, Die damaligen Berliner Tageblätter natürlich kannten noch nicht dar Wort ״Rasse“: das Wort ״Volk“ Hellen sic wohl gelten, aber nur mit dem begriffsloscn Adjektiv ״deutsch“ — jüdisches Volk und jüdische Rasse schwiegen sic tot, schwiegen sich und ihr eigenes Blut tot und den einzigen, der damals schon den Mut hatte, cs in seinen Stammesadern mit dem Lichte der Wissenschaft zu beleuchten. Daher kam es, daß viele meiner in den Jahren 1901 bis 1903 in den Versammlungen ״deutscher Staatsbürger jüdi• sehen Glaubens“, sowie in andern jüdischen Zu• sammenkünften gehaltenen Reden mit ängstlicher Scheu methodisch aus den offiziellen Versammlung«• berichten eliminiert wurden und selbst über meinen in der Berliner anthropologischen Gesellschaft am 25. April 1903 gehaltenen Vortrag: ״Die Energie der Vererbung und die Schä* delformcn: Inzucht und RassenncubiIdüng“ sowie den von mir in demselben Jahre abermals mit zahlreichen Fatuilicnaufnahmcn und Scliädclmcssungcn der jüngsten und vorjüngsten, ja vielfach selbst noch vorvorjüngsten Oencrationsvcrtretcr meiner Stammbäume und Ahnentafeln, die ich damals öffentlich ausliing, illustrierten, aber nicht im Druck erschienenen Vortrag auf dem Wormser An* tbropoiogcn-Kongrcß, August 1903, wurde offiziell wie offiziös jeder Bericht unterdrückt. Doch inoffiziell