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Jüdische Rundschau · 1911-09-01 · Heft 35 (1.9.1911) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 35 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 35 Seite 411 Enthebung ersuchte. In dieser Eigenschaft leistete er wertvolle Arbeiten, besonders in organisatorischer llinsielit. In Freiburg selbst wirkte Rein Voibild auf die stiidcntiselie Jugend begeisternd und seine buchste Befriedigung sah er in der Weckung des neuen Juden• geisles in der her,־in wachsenden nkailemischen Jugend. Mit Ausnahme der beiden letzten Kongresse, wobreutl derer Kaufmann auf qualvollem Krankenlager weilte, hat er keinen versäumt, auch den weiten Weg zum Londoner Kongresse scheute er nicht. Vor dem 7, Kongresse hat er die sogenannte Freiburger Kon• ferenz organisiert. Das alles sind nur die iiullerlieh hervortretenden Merksteine itn zionistischen Wirken Moses Kaufmanns. Was aber tief in seinem Innern lebte, webte mul schuf, lallt sieb in keinen Nachruf bannen. Die cchtjiidischc Gesinnung, die jede Kaser in ilun durehdrang, lälit sieb nicht analysieren und nüchtern bcsehrciben'; sie war wie ein Feuer, «las nicht nur ihn erwärmte, sondern ausslraliltc auf alle, die ihm nahe standen,oder traten. Auf dem Studeutenkommerse des jüngsten Baseler Kongresses am 13. August P)U saß ich neben den beiden Snluien unseres jetzt verblichenen Freundes; sie waren mit den Farben der zionistischen Verbindung ge• 'chmückt und ich sah ihre Begeisterung für die grolle Idee, unter deren Zeichen die Veranstaltung stand. Heute tritt ihr Bild wieder vor mich als das einzige /eichen des Trostes, das ich in dem Schmerze um den Heimgang des Freundes finde.!11 ihnen setzt sieh seine Lebensarbeit fort; und nichts Ehrenderes können wir dem teuren Verstorbenen, uni den neben zier Familie die zionistische Welt trauert, der in seiner Heimatstadt und darüber hinaus als Mensel! und Arzt ein getreues Andenken!unterlasse» hat, nacbrülunen, als das, daß er in die Herzen seiner Kinder den Keim der jüdischen Gesinnung und der zionistischen Begeisterung gesät hat. 13er bescheidene, brave, liich• tige, vornehme und weise Freund ist Uingcgangcn. Die Fahne, die seiner Hand entfiel, wird von seinen Nachfahren ergriffen und liochgchaltc». Und so ent• hüllt sich uns an der Bahre des verlorenen Wcgge• nossen ein hoffnungsreicher Ausblick auf die Zukunft, die das Werk vollenden wird, dem er in seltener Treue gedient hat. Champcx in Wallis, 27. August 1011. Dr. Moses-Mannheim. Brandunglück in Aidin,KIeinasien (Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der Alliance Israölitc Universelle.) Wie der Schulleiter der Alliance Israelite Univer• seile telegraphisch berichtet, sind durch den Brand in Aidin, der besonders in dem dortigen Juden viertel ge• wütet hat, ()00 Familien mittel• mul obdachlos ge• blieben. Zur vorläufigen Linderung der Not hat die Alliance Israelite Universelle sofort 3000 Francs auf telegraphi• schem Wege gesandt. Eigenschaften, das Gesetz von der absoluten Konstanz, der Artcharaktere kann heute als gefall e n betrachtet werden. Eine solche Wescnsversehicden• heil der einzelnen Rassen etwa in dem Sinne, daß alle hervorragenden Franzosen durch Esprit, alle hervorragenden Deutschen als Dichter und Denker sich atiszciclinen müßten, daß die spezifische Fähig* keit der alte« Griechen nur die Kunst, die der alten Juden nur die Philosophie, die der Römer nur die Energie, die der heutigen Juden etwa 1 lamlelstalent, Familiensinn, die Fähigkeit sozial zersetzend zu wirken, gewesen sei, eine solche spezifische Wesenver» schiedcnheit der einzelnen Rassen gibt es nicht und hat cs nicht gegeben. Nicht daß diese Eigenschaften nicht existieren würden. Es wäre töricht zu leugnen, daß sich die Griechen durch ihren Kunstsinn und die Römer durch die Energie ausgezeichnet haben, daß manche Völker׳ tatkräflig mul daß andere wieder schwach und enorgic• los sind. Dafür lassen sich die konstitutiven Ursachen in dem Addieren, wie im historischen und sozialen Milieu dieser Volker ohne Schwierigkeit ausfindig machen. Es ist auch ganz, unmöglich, daß die Eigen• schäften durch die Jahrhunderte fort ganz, uiiveränüerlich und starr würden bestehen bleiben können, daß ein anderes Milieu nicht gerade die entgegen• gesetzten Eigenschaften hätte auslösen können. Die Hegabungsqualität irgendeines Volkes ist gegeben durch das jeweilige Milieu, mitbestim1.it durch das Milieu der Vorfahren. Mit den verschiedenen Kultur• stufen, die ein Volk durchmacht, ändert sich auch seine Psychologie, Einflüsse des Milieus a b c r können erforderlichenfalls ge• brocltcn werden. Und doch kann mit aller Be• *limmthcit behauptet werden, das die Kultufwertig- J U EDl SCH E RUN DSC 11 AU__ 033*1־׳׳ In Basel V * (Fortsetzung des Verhaudhingshericlites.) Vierter Veth.׳uul!;a1;׳;atr.^ — Sonnlag, 13. August Vorniitlaguifzimg. (Schluß aus Nr. 34). Del. Davis Trletr.cht Die Euiigralionsreferale, die wir eben gehört li.ibcu, hat Herr Wolffsolin in einer Eiöffmmgs. rede augekündigt. Er sagte, die Einwamlvrungsfrage stehe zum erstenmal vor dem KongreB, obwohl sie eigentlich nicht unsere Sache sei. Ich werde vorsuchen, zu beweisen, daß die Auswnuderungsfrage wohl unsere Sache ist, mehr als alle anderen, die die zionistische Or• ganisalion in ihr Programm aiifgenomine» hat. Sie ist wichtiger als Charter, Diploniatennolilik usw., sogar wichtiger für uns als Palästina als Hauptzweck. Denn nicht der Tiefstand Palästinas hat uns bewogen, die zionistische Bewegung auf/tibaiteii, sondern der Zn. stand unseres Volkes. Das ist eine solche .Seihst- Verständlichkeit, daß wir unseren Progranunforimi- Herlingen eine Fassung gegeben haben, die es fast übersehen läßt, weil es so selbstverständlich ist. Ich habe midi gefreut, von Dr. Nordau aut diesem Kongreß Dinge zu hören, die .sachlich durchaus mit unserer modeineii Auffassung vom Zionismus über• ciiistimmcn, besonders auch in der ,Emigrationsfrage. Dr. Nordau sagte: Für die Leiden des jüdischen Volkes gibt er nur das I leilinittel der Auswanderung, und unser I leilinittel ist, daß die Auswanderung nicht in die Zerstreuung, sondern in die Sammlung gehen soll. ״Ich sehe nur noch ein Land, das seine Grenzen gegen die Mnsseiieinwandcrung der verfolgten Juden mul ihre bäuerliche Ansiedlung nicht grundsätzlich versperrt hat: die Türkei." Das wird mit zu den Grundlagen dessen gehören, was ich weiter sagen will Der Redner bemängelt cs, daß die Referate nicht vom Großen A.־C. verteilt wurden, denn dann hätte inan auch andere cingelade», auf dem Kongreß über diese Frage zu referieren. Die erstatteten Referate waren nicht einem zionistischen KongreB entsprechend. In bezug auf die Verteilung von Referaten durch das I;. A. C. nach Gunst oder Ungunst hat es Ihr großer Führer anders gehalten. (Unruhe, stürmische Zu. rufe: Ihr?) Präsident Wolffsolin: Lochern welau lau! (Beifall.) Trictsch: Aber, meine Herren, wir haben zwei Parteien am Kongreß, die politischen mul die prnk• tischen Zionisten, vielleicht auch noch andere Slrö. imingen. Alle diese stimmen darin überein, daß llcrzl ihr großer Führer war. (Lärm und Zwischenrufe.) Vizepräsident Stand: Ich bitte um Ruhe. Hoher Kongreß! Ich möchte Herrn Trictsch auf eines auf• »1erl;sa111 machen: Herr Trictsch hat im Rahmen seiner sachlichen Ausführungen selbstverständlich jede Freiheit. Ich möchte ihn aber bitten (Zwischenrufe), ich möchte ihn dringend aufmerksam machen, daß er das, was uns das Allerhciligstc ist, sicher nicht an rührt. (Stürmischer Beifall.) Außerhalb dieses Rahmens werde ich ihn nicht unterbrechen. Trictsch: Ich kann doch nicht darauf verzieliten, dazu ein paar Worte zu sagen. Was liegt denn darin Unpassendes, wenn ich konstatiere, daß alle Parteien darin übereinstiinmcn, daß I ter/1 ihr großer Führer war? Theodor 1 Icrzl, mit dem ich so schwerwiegende Differenzen hatte, hat es doch für richtig gehalten, keifen verschiedener Völker auch je nach ihrer Rasse variieren. Es ist für seine Leistungsfähigkeit, fiir seine seelische und geistige Begabung nicht gleich• gültig, von welcher Rasse irgendein Volk ahstammt. Die Erklärung dafür liegt in der Vergangenheit des betreffenden Stammes. In der ganzen organischen Natur hat jedes Wesen dasjenige Organ zur größten Ausbildung und Durchbildung gebracht, welches am meisten bei ihm betätigt war. Was man übt, wächst. Wenn irgendeine Gattung oder Rasse aus freiem Willen oder infolge von Nötigung das Schicksal hatte, gerade auf dem Gebiete der Leistungen des Gehirns sich besonders z.u vervollkommnen, so haben not• wendiger- oder natürlicherweise die Abkömmlinge geradc dieser Rasse hier den Vorrang vor den Ahkönim* liugeii anderer Rassen. Während also die Uegabungs• qiialitiit vom Milieu ahhängig ist, ist das rein Qu an* t i t a t i v e an den geistigen und seelischen Fällig• keilen, die Größe der Begabung mul die Intensität des Seelenlebens, kurz also die Be g a b 11» g s <( 110 t c, nicht vom Milieu, sondern von der Rasse alihiingig, a h 11 ii 11 g i g von der Intensität der kulturellen Tätigkeiten der Vorf a 11 r e 11. Was aber die Bcgahiingsqualität «((belangt erscheint es uns mehr als sonderbar, von dem kardi na len und u 11 ü he r b r ü c k b arc n Gegen* satz zu sprechen zwischen den ״a rische 11“ Seelencigcntiinilielikeitcn mul semitischen Rnsseneigen* schäften. Denn wir finden, daß auf Grund solcher, durch ungezählte Generationen sich hinzieiiciiden Ge* schichtsliigen irgendeiner Volksgruppe Seclenndel und ITochflug der Gedanken ahgcsprocheu wurde, während audere Volksgruppen schon allein durch ihr Vorrecht der Gehurt, ohne einen Finger zu rühren, sie besitzen sollten, im Wilder IW2/(1't sieh mit mir wegen eines Emigranteiiamles in Verbindung zu setzen. Es schwebten damals Verhandlungen nicht in dem Sinne, wie das heute geplant zu werden scheint, einer Anteilnahme an der allgemeinen Emigrationsheweguug, sondern in dem Sinne, von zionistischer Seite cm Emigrationsaint der Sammlung gegenüber den auf der anderen Seite bestehenden /erslremmg>te11(le11zen zu schaffen, gegenüber Ten* (lenzen, denen wir vom allgemein menschlichen und allgemein jüdischen Gesichtspunkt Sympathie und Mit* aibeit nie versagen können, die aller sofort im Ge* geiisatz stellen zu der eigentlichen zionistischen Auffassung. I lerr Dr. K a t z c n c I s o 1111 hat uns sehr viel über Amerika und auch einiges über Palästina gesagt. Aber wenn Sic - nicht in diesem Momente, sondern später einmal im Kongrcßprotokoll — sehen werden, welchen Raum A in e r i k a in diesem Referat ein* nimmt, und welchen Raum Palästina lind dessen Möglichkeiten der allernächsten Zukunft, so finden Sic vom zionistischen Standpunkt aus ein krasses Mißverhältnis. Das ist selbstverständlich. Herr Dr. Katzeiieisolm hat in Libau Gelegenheit gehabt, sieh mit der Emigrationsfrage zu befassen. Aber von dort geht die Emigration nach Amerika, nicht nach Pa• lästina. Wir sind aber auf dem Zionisten» kongreß, mul da sollte mau doch mehr an Palästina den keil. Herr Dr. Katzeiieisolm hat lins liier mit rührender Ausführlichkeit aiiseinamlcrgesetz.t, was das Recht der luden in Amerika ist. Er hat als Politiker auf die I reilici! Amerikas gcpoel't. 11'41 ihm nicht die Freiheit, Gleichheit mul Brüderlichkeit Frankreichs eine Lektion gegeben? Seit wann ist es Mode, auf diesem poii• tischen Kongreß von Moral in der Politik zu sprechen V Er ging noch weiter. Er verlangte eine Vorbereitung der Auswanderer. Sehr gut für das neue Land. Aber er sprach von den Augen und von der Sprache, und das zeigt klar, daß da Amerika gemeint war, denn nach Palästina kann man einwandern, ohne eine allzu scharfe Aiigenkontrolle und mit jüdisch-deutsch allein. Herr Motzkin hat in scharfen und klaren Worten aiisgedrückt, daß die zionistische Lösung der Erage nur eine theoretische ist, einstweilen, da wir nicht über die Mittel der gesamten Judenlieit ver• fügen. Wir werden niemals über die Mittel der gesummten Judenlieit verfügen, und was er sagte, ist auch deshalb falsch, weil wir die Palästinaarbeit als eine Arbeit der ge• samten Judenlieit betrachten. Er hat also das Miß• Verständnis begangen, die zionistische Bewegung als eine Palästiiiasachc mul nicht in weitaus überwiegender Weise als eine Sache des jüdischen Volkes auf zu• fassen. Wir wollen keire Antithese zwischen Volk und Enml! Herr Motzkin sagte, wir müssen uns an «len Palliativmittelii beteiligen, weil er der Ansicht ist, daß die zionistische Lösung der Emigrationsfrage nicht in naher Zukunft liegt und heute keinen großen lhnfang Int und haben kann. Ich habe keilten Auftrag zu einem Referat erhalten, aber bevor ich wußte, daß diese Frage hier besprochen werden soll, habe ich eine kleine Arbeit* über Palästina und die neue Türkei geschrieben, und daraus möchte ich Ihnen einiges vorlesen. Redner verliest «las Manuskript eines Artikels, ״Die neue Türkei als Ziel ostjüdischer Auswanderung“, in welchem er über die osteuropäische Einwanderung mul die jüdische Kolonisation spricht. Die neuert• Einwanderung in Palästina habe gezeigt, daß die Kolonisation mehr eine städtische als eine So sehen wir, daß eine solche (ieschiclitslügc nur ilurcli jene andere Liigc noch iibertrolfcii wird, die seit genau hundert Jahren von Gelehrten und von Laien, von Jluten und Christen für «ins Sclbstvcrständ• liebste gehalten wurde, und deren politische Trag* weite kaum von irgendeiner anderen Sache noch über• troffen werden kann: Das ist der kaum z.u fassende Unsinn, der in dem Worte ״Arier" seihst liegt. Alles was, abgesehen vom Gebiete der Religion, je geleistet wurde, alle Wissenschaft, Philosophie und Kunst, alle Staats• und Wirlscliaftsbililung war an• gehlieh das Werk arischer Völker. Und auch, was nicldarische Völker hier geleistet haben, das danken dieselben ausschließlich mir einem arischen Einschlag, einer gütigen iiulogcrmanischen Rassenbeimiscluing, Wenn man aber nur ein bißchen anthropologisch schürft, so ergibt sich eine ganz, aber ganz andere Gruppierung. * 1 Die weiße Rasse, und damit natürlich auch jene Völkergesellsehaft, die man die Arier nennt, zerfällt in zwei ungleich große Teile, ln eine nördliche, hellhaarige xanlnchroc Gruppe und eine südliche, brünette melanochroe. Die Xantoclirocn, das ist der slaviseh-keltisch-gcnnanischc Stamm. Die Melanachrocn, dazu gehören die Völker des westlichen Asiens und diejenigen Völker Afrikas und Europas, die um das Miltciinecr herum wohnen, darunter also auch die Inder, die Juden, die Egypter, die Griechen usw. Diese Gegenüberstellung ergibt nun allerdings ein ganz, anderes Bild, als es in der Schule gelehrt wird, als es heute als Axiom giltj Alle diejenigen Völker, die die erwähnten großen Leistungen geschaffen haben, gehören zu derjenigen großen Kisscngruppc, welcher auch die Juden ang״h0rcn. La: würde, wenn X. Zio Ii 1 i v t ■ f * l f * - » V ,1 I I <i ft» / 4 I

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