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Jüdische Rundschau · 1911-08-25 · Heft 34 (25.8.1911) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 34 (25.8.1911)
Date
1911-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 Seite 395 JUL• DiSCUU 1UJNDSCH AU die Herr Kau» hat. Wenn wir aber »1,1s System »!es Herrn Kann nimcliiuen, i m 111 e r w a r t c 11 w ן!״ e 11, bis eine Sache schon Erfolg hat, wie weil wiircn wir jet/1? Wir wären 4uh.Ii nicht über »len J. C. T. Iiimmsgcktmimen (sehr richtig); wir hallen noch nicht die A. I* *. (.., geschweige denn den א, I'.! Also ich glaube, auch das Prinzip »les Herr״ Kann ist nicht richtig. Dali wir eine kaul'müuuisclie Leitung haben wollen mul ihrer he. dürfen, ist selbst» erslämllieh, und darum habe ich in Herrn Awadiowit / einen tüchtigen Kaidmami, und er wird mir auch bezeugen, daII ich nichts tue, von dem er sagt, dall es unvorsichtig ist. Ich bin' kein Kaufmann und ich kann mich in diesen Sachen irren; da, wo es sich um Ver»vnltung fremder Helder handelt, ist cs!׳an/ recht, »lall ich einen kaufmännisch eu II erat er halte, und das weide ich immer so machen. Herr Kami hat immer das System und die Klee aiuVcstellt, man solle von Nicht-Zionisten »lie }׳rollen Kapitalien erhalten. Ich habe ihn immer },•,:warnt mul ־!ין'•;;t: Herr Kann, versuchen Sie es, Sie werden div'Vihc Erfahrung machen, wie ich sie gemacht habe: und hier steht cs schwarz, auf weil): l;r scheint auch keinen Erfolg gehabt /u halten.' Also wenn wir w »iicr kommen wollen, so bleibt uns nichts anderes übrig. als auf dem alten Wege weiter /n }•eben. Jet/t halten wir es ja nicht mehr nötig; wir halten »las ja schon geleistet. Für die Kiilttiriustiliitiotu-n, »las Museum usw. werden wir Mittel suchen mul werden sie linden. Ich halte mir immer überlegt, wie können wir die Mittel auf anderen! Wege fiiulvu, als »lall wir minier an das }•rolle!,tiltliknm heranlreten, was sehr gelinge Ergebnisse hat? Und ich hin n\ dem Hesuilat gekommen, dall cs doch keine anderen Mittel gibt als die, die der N. I'. anwemlet; d, h. die Agitation von Mann zu Mann, durch Reisen und Sammelstelleii. Und wenn wir ilaiiei dem N. F. keine Konkurrvn/. bereiten wollen, um>sen wir uns mit ihm »׳crstüiiiiigen, mul »las ist eine »ler Hauptaufgaben, die wir in der Palästina- Kommission zu überlegen halten. Die Arbeit };eilt voiwärts; sie ist nicht so klein, wie sie Thon },׳eschildert hat, man sieht schon jetzt »len Erfolg, und wenn wir in der bisherigen Weise und in verstärktem Male weiter arbeiten, so hin ich über/eugt, »lauert cs noch keine zehn Jahre, dann wird die ganze Welt von unserer Arbeit »lort mit Hcfrieili}• uu<4 und Hochaclitimg sprechen. (Sliirniiseher, laiigniulaiiermlcr, sieh erneuernder Beifall.) Vors. I)r. lind e 11 bei m e r: Das Wort lial mmmehr der Präsident d»׳s L. A. Ilen WoIIImiIiii, (Minutenlanger Beifall, I lämleklatscheu, Tücherschwenken.) Präsident Wolffsolm: ncehrler Kongreß! Ich wcrite versnehen, );enau »ler Debatte entsprechend, mich auch kur/ zu fassen, ich werde versuchen, sämtliche Reden, »lie hier;;chalten wurden, kurz tlurclizutjchcii. Die erste war die des Herrn Böhm. Ich habe heute morgen bereits gesagt, »laß ich es nicht dulden will, »lall Herr Bühn» mich zum Rachmonus-'/.ionisien machen will, daß er Rachmoiius mit mir!iahen will; und ich freue mich, »lall meine Worte die Wirkung hatten, »lall nachher die Redner »las kritisiert haben, was sic zu krisieren hatten. Ich bedauere nur, dall »ler Ku11j;relt »len Wimscli »les Herrn Tri et sch ah-!!elelml hat, iluu »las Wort zu };eben, nachdem er .risdniikheli gesagt 1111־, »lall er kritisieren will. Da uh aber die Geschicklichkeit »les Herrn Trictsi'h in Parlament irisdien Dingen kenne, hoffe ich, er wird uoäi irgendwie die (ich־};enheit finden. (Heiterkeit.) Herr Rühm hat, wie er ausdrücklich sagte, nicht kritisiert, und Herr Pasniaiiik hat nachher seine Metlmde akzeptiert, und sie haben, wie man sagt - ieh will »1 as Wort nicht aiiwemlcn, cs könnte ntiliverstamleii werden auf einen gewissen Gegensl nid geselllagen, aber einen andern Gegenstand »la• m:t }:enieint. Sie haben immer gesagt, was die nächste Leimig tun solle, und damit bewiesen, was die alte I.c;l1111}• unterlassen hat! Ich!glaube, sie haben den I eitler he};a11};cn, »le netiv Lcihing mit zu vielen W 11 n s e 11 e 11 u 1» »I z u v :eleu Hoff 11 u 11 g e n zu belasten. (Sehr richtig.) Ich würde mich freuen, und Sie alle mit mir, wenn die neue LeiUmu so viel, als Sie erwarten, leisten könnte tmd würde; aber Sie können nichts Ueheniienschliehcs von der neuen Leitung erwarten. Herr Rühm hat aber etwas gesaut, was ieh zurück* weisen 11111I1, weil ich cs für ein PhanlasicprcKlukt halte. l־ir hat gesagt: Wir, »lie Opposition, haben »las alles errungen, wir haben die praktische Arbeit ilurdigcsetzt, auf unsere Wünsche hin ist sie erfolgt. Ich weiß nicht, wann Herr Böhm in die liewegtmg eiiigetrclcn ist, ich weil! nicht, oh er Zionist gewesen ist, ob er den Zionismus kannte, als wir bereits praktische Arbeit gemacht haben, mul ich miiclite mit »ler größten lintsdiicdeiiheil zurück* weisen, »lall di»• Opposition es war, die uns praktische Arbeit ahgc/wungei» habe. Wünsche Jiullern, das Ist sehr leicht, meäie I lerren, aber die Wünsche durchführen, »las »erlangen Sie von »ler Leitung. Wenn wir alle Projekle (liireligefülirt hätten, die Sie vorgesehlagen haben »las wäre ja wunderschön gewesen , aber wir hatten nicht »li»׳ Möglichkeit dazu. Ich möchte »las ausdrücklich zuriivkweiscn, daß wir uns »lie Dinge hätten alilrot/en lassen, »l:e wir gemacht haben. Ich konnte Ihnen Dinge nufiihrcn, die Sic nicht gefordert li.ihcu mul die wir gemacht Iribeii und die gut gemacht worden sind. (Beifall.) Herr Böhm sprach »lavon, daß »ler Zionismus verwässert worden ist, Util; ich weiß aber nicht .bei uns wird soviel über diesen (iegensland dehatteil, »lall ieh wirklich nicht weiß, wer recht hat: ob »l'c reelil haben, die sagen, »laß die Beschränkung tl»׳s ganzen Zionismus auf »lie Kleinarbeit in P.aläslina eine Venvässeiung »laistelle, oder »lie anderen, »l e »las Umgekehrte sagen ich versiehe »las iiielil. Aber teil lütte nur »lie Herren, zu glauben, daß die Männer in der I eitmig mindestens eheiisognte Zionisten sind, wie »lie nnderen Zionisten, die hier im Saale s'ml. (Beifall.) Dr. Da ieh es hat /.um Frieden gemalmt. Tr war entsetzt, daß man hier überhaupt Debatten gefühlt 11:11! Ja, d e 11 Fri eilen wollen wir auch; aber wir wollen auch leben, mul leben heißt kämpfen. Nie ist es mir eingefallen, oder »viril mir ein füllen, mich gegen die Kritik atiszusprechen. Die Kritik muß geübt werden, aber sie muß sieh in den richtigen (ireuz.cn halten; sie muß eine freundschaftliche sein, »lie den Zweck hat, etwas zu verbessern, aber nicht zu verbittern. (I.chhafle /.iistimmung.) Um Ihre Zeit nicht z.u lange in Anspruch zu nehmen, werde ich über die Programinrcdc des Herrn Di. H n n tk e und über »lie Rede des Dr. Werner kurz liinweggclieii; ich wüßte auch nicht, was ich darauf zu aulworleu hätte. Ebenso werde ich rasch hinweggelien über die Dinge, auf die die Herren Prof. War Burg mul Dr, Thon bereits fiir das Palästinarcssort lüngcwicseii haben. Ich mochte mir dem Herrn Dr. Reich, »ler hier ein Wort hat fallen lassen und es ist mir berichtet worden, daß dieses Wort beinahe zum Sehlag»vort »viril, auch in Palä* slina י erwidern. Er sprach davon: mau muß den Mut liatien,• auch schlechte Arbeit zu machen. Das ist ein Mut, den ich allerdings bewundere, aber ein Mut, bei dein man »las üeniek brechen kann. (Lebhafte Zustimmung.) Wir müssen den Mut haben, zu arbeiten, etwas zu unternehmen; wenn wir aber scheu, »tas etwas schlecht ist, dann!missen wir den Mut haben, diese Arbeit nicht mir nicht zu beginnen, sondern, wenn wir sie begonnen haben, sie einzu* stellen. Wenn »vir so im Sinne dieses Schlagwortcs »virtschäften würden, dann könnten »vir wirklich (iefahr laufen, »laß wir überhaupt nicht mehr arbeiten könuteil. Im Gegentcd: lieber weniger, aber was wir machen, muß gut sein! (Stürmischer Beifall.) Ist es dann gut gemacht, dann zieht das zehn neue Sachen nach sich. Das Vertrauen müssen wir erst haben. Die ganze Welt muß zu uns Vertrauen haben, und wenn »vir dieses Vertrauen erworben hohen, daun können wir weiter maiseliie.en, 11 i e 111 e 11 e r! (Beifall.) Dr. Reich sprach auch über die politischen Verliältnissc. Ich habe es bedauert ich will daran) nicht eingilicn. Mein Standpunkt ist Ihnen nicht neu. Wenn ich über ihn noch einige Worte sage, so ist cs mir, weil wir jetzt eine neue Leitung bekommen. Ich hin »ler Ansicht, »laß uns Zionisten unsere eigenen, rein zionistischen Angelegenheiten gerade genug zu tun geben, um unsere ganze Kraft zu fordern und uns den Wunsch zu nehmen, uns in Dinge zu mischen, die uns als Welloigaiiisation nichts angehcii. Das ist meine Ansicht. Ich will cs jetzt atissprcchen, da ich zurücklicte, »lall es ein Ding der Unmöglichkeit!st, »laß der Zionismus sieh mit der Politik aller ein- /ilneii Staaten befassen soll. (Zustimmung.) Ich muß cs aiisspreehcn: daß »vir (iefahr laufen, daß »vir »Iahe: hier und da in Konflikt kommen mit uns seihst, daß die Zionisten in »lein einen Tarnlc oft für eine ganz, andere Politik arbeiten müssen »vie in einem amleren l.andc. Ich will mich aufmerksam machen auf die (iefahr, daß wir dabei mit verschiedenen Reg.'eriuigcii in Konflikt kommen könnten. Wir haben schon genug zu leiden; wir müssen für uns sorgen, für unsere Idee, Ich komme mm zu Herrn R a bb i n e r s oh n. Die Rede des Herrn Rabhinersolm, den wir das erstemal das Vergnügen haben zu begrüßen, hat mir wirklich T'rctidc gemacht; es war so ein Zug darin aus der allen Zeit, wie man vor zehn, zwölf Jahren mit Projekten kam, daß uns ilas Herz vor Ereude sclilug. Er hat vorgesehlagen, daß wir einen Dampfer hauen; auch ller/l hatte dieselbe Absicht, und es ist auch mein innigster Wunsch, »laß »vir einmal mit einem grollen Dampfer in ganz großer Zahl nach Palästina überfahren. (Beifall.) Aber heute ist es noch zu früh. Herr Rabbiuersolm ist sogar soweit gekommen, dem Schiff einen jüdischen Kapitän untl jüdische Mannschaft z.u gehen! Ich glaube, es wird so rasch nicht gehen. Es könnte eine grolle Landsschwereres, weil irreparables Vergeben gegen das tigere Volk »larstellt, als »lie bisher allein so stark befilulcte kulturelle und (icfühlsassiinilatioii. Wir müssen nbec bestrebt sein, aus der Argumentation unserer Idee alles Problematische zu entfernen und ihre Fundamente aus Quadern anfziiriehten, deren Objektivität auch von der schärfsten Kritik.nicht au- }׳»,zweifelt wertlen kann. Nicht viel besser aber als mit der nationalen! geht es mit unserer sogenannten so/hboknuomischeu Argumentation, obwohl gerade diese eigentlich liiekeiilos und völlig in sich geschlossen aussicht. Ein über die Möglichkeit eingeschränktes Exislcn/ininiuiuni der jüdischen Massen infolge »les Fehlens von Arbeitsgelegenhcilcn in den Elrmlgebieten des Ostens, ungeheure Dimensionen annehmcmle Mnssenwamlc• rungen hei zunehmender Tendenz, nach Abschluß »ler lininigrationslämler, 'Daher die zweifellose Not- Wendigkeit der Schaffung eines Refugiums fiir »lie I tuten dieser modernen Völkerwaiulerung. So zwingend aber auch diese Argumentation zu sein scheint, so muß uns doch die Liehe zur Wahr- Beit zu dem Geständnis zwingen, daß sic in dieser Form die Argumentation des Zionismus nicht werden dürfte. Palästina ist zwar vollauf geeignet, der Krislallisationskcru einer neuen kräftigen Judcnhcit zu werden, aber alles ist, wenn »vir ehrlich /!! uns seihst sein wollen, eher möglich, als daß cs gegen■« wärt lg ein Refugium für »lie Hochflut »1er "fädtisch proletarischen Auswanderer•!nassen werden könnte. Die Orundclemeutc »ler neuen Ansiedlung müßten ja agrarisch ßcln, sie müßten, wirklich von Grund auf in langwieriger mul umsichtiger Arbeit in elementarer Form erst neu errichtet werden, und ein gütiges Schicksal bewahre unsere herrliche lilec vor der unvermeidlichen Kata- Strophe, wenn ein beruflich nicht gegliedertes Heer von I limderttauseiideu auf einem dazu nicht vorbercilcicu Boiten ihre Pioniere sein sollten. leb will also wiederholen, »laß sowohl »lie gegenwärtige so/ialökonomisclic Argumentation ebenso wie die luslwuge uaUouak‘ Argument;»(»»»»» nicht »lie ganze Tiefe unseres grollen Problems erschöpfen, ja daß uns iiinnehmnl sogar diese Argumentationen selbst prohlciiinlisch erscheinen müssen. Und doch erscheint es einer eiiulriiigciuleii Analyse nicht unmöglich, bis in jene Tiefen der Argumentation gelangen zu können, die »lie gemeinsam»: Basis »larstellen aller bisher so gegensätzlich scheinenden Eutwiekliiiigslinieii, ja »lie uns sogar für die Betrachtung unserer Aufgabe eine Perspektive von einer so migcliemon Wirkungskraft eröffnen, »vie sie, »venu zum Gemeingut der judenbeit geworden, vielleicht überhaupt kaum mit Irgendeiner amleren Sache verglichen »verden knnn, Z»var allgemein herrschend »vie sonst nichts in der Gegenwart ist die Verachtung jeder Theorie. Aber »lie »leiikerisch zusainmcnfassciide Tätigkeit und die »Iciikeriseh Ziele setzende Tätigkeil, »I. h. die 'Theorie mul in höchster Potenz die Philosophie, wirken nicht nur, »vie man so oft tmrichtig sagt, bloß kritisch mul analysierend, und »len wirklichen Tatsachen nachhiiikcnd, sondern durch die logische Erfassung des Gegenstandes und durch die, durch das voraussetzungslose Denken gewonnene überragende Perspektive in Wirklichkeit auch Richtung gebend, Ziele setzend, ja sogar geradezu Tatsachen schaffend. Der auf bloße Erfahrungen und unmittelbare Notwendigkeiten siel» stützend»•, wenn auch noch so geschickte Politiker bleibt ohne die großen orientierenden Linien, der sich mir zu leicht in Aiigenhlickskoiistellatioiien verlierende Roulinier; mul erst dann, »vcim diese großen oriciiticrenduii Linien, »venu die durch soziologische Erkenntnis giwonnene überragende Perspektive sein Denken und Wollen bestimmen, erst dann wird aus ilmi der große in »lie fernsten Weiten blickende schaffende Staat:»• mann. Eine programmatische Idee, die nicht nur der momentane Willcnsaiisdruek einer Partei ist, deren gedanklicher Unterbau vielmehr auch theoretisch gilt verankert ist, gewinnt so erst die notwendige Ziel- Sicherheit und die Möglichkeit großzügiger Propagnmla. Wir wollen deshalb kurz untersuchen, welche E'itw.cklung unsere theoretischen Grmulanschauuiigcii• in den letzten Jahren durebgemaebt haben. * Soeben ist nun die zweite Auflage des R u p p i nscheu Buches erschienen. Ruppin hat gezeigt, daß er einer der nicht vielen ist, deren etwa vorhandene seelische Emotion sich nicht in Rhetorik und Gefühlsaffekteu entlädt, sondern in Handlungen und vor allein aber in klarer, die Materie durchdringender Logik. Deshalb dürfte mit berechtigter Spannung er»varttft »»׳erden, wie Ruppin als Theoretiker sich

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