Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 394 JUEDISCHE RUNDSCHAU Resultaten der Berliner Konferenz. (Stürmischer Beifall!) Mehr verlangen wir nicht. Wir alle wollen den Frieden, wir hier, die Zionisten dranlien und sehr viele Juden, welche nicht gerade unserer Organisation angeboren. Im Namen aller dieser trage ich Ihnen meine Bitte vor. Ich bin sicher, dall der Mann, der uns ain meisten entgegviikuimuen wird, der Mann sein wird, gegen den ich auf dem vorigen Kongreß die schärfste Kritik gerichtet habe. Ich hoffe, daß Herr Wolf (soll 11 mitwirkcu wird, dall wir in Frieden alle diese Be• schlösse werden durchführen können, daun wird unser Kongreil ein Jtihelkongrell sein. (Stürmischer Beifall!) Vorsitzender Pr. 11 cd e n 11 ei m e r: Herr Mofzkin verzichtet auf das Wort, ebenso Herr Dr. W c i z m a 1111. Das Wort hat Herr Prof. Dr. Wnrburgt ' Die Pulästmaarhcit, die ich hier zu vertreten habe, hat wenig Kritik erhalten, und davon ist ein Teil schon von l)r. Thon widerlegt worden. Am wichtigsten scheint mir die Beschwerde, die von .Seiten der i'oale Zion vorgebraeht ist, zu sein. Naturgemäß ist cs schwer, von hier aus die Einzelheiten hei jeder Vcr* Stimmung, die da zwischen Arbeitern und!.eitern von Unternehmen eintritl, genau zu erforschen: Wir müssen da das Vertrauen zu misern Vertretern in Palästina haben und wir haben ja in Pr. U 11 p p i n einen so auflcrordcnllidt gerechten und dabei• scharf• sinnigen Vertreter, daß ich nicht zweifle, daß wenn dort seitens der Pflaiizuiigsleiter Irrtümer vorge• kommen sind, sie in zufriedenstellender Weise bescitigt worden sind. Eine Schwierigkeit ist ja immer vorhanden, Es ist kein Wunder, dall dieselben Schwierigkeiten, unter denen bei uns die Unteriieh• muiigeii leiden, auch dort sieh widerspiegdu. Pagegen werden ja Versuche nach anderer Richtung gemacht, und wenn die siel» dauernd bewähren, wenn die Genossenschaften tatsächlich gezeigt haben werden, daß die Arbeiter imstande sind, in eigener Verwaltung diese Unlernchimingeii dauernd weiter zu führen, so werden solche Schwierigkeiten nicht mehr ciiitretcu. Ich möchte daher auch nur die der Partei der Poalc Zion nngeliöreiideii Gesinnungsgenossen bitten, nicht immer jede kleine Beschwerde zu ernst zu nehmen; wir werden versuchen, diesen neuen Geist in Palästina nach Möglichkeit einz.iifiihrcn. Wir haben aber noch nötig, zum Eiutcriicu der Leute im alten Sinne zu arbeiten.!:in anderer Punkt hat mir mehr Schmc1v.cn vcr• ursacht, das ist nämlich die Kritik — ja, ist es eine Kritik — die Herr Kann an die Arbeit des Paiästiuaressorts anlcgte. Herr Kann hatte mir, bevor ii!1 hierher reiste, einen Brief geschrieben, in dem er s ,gte, er fühle sich verpflichte(, diese Warnungen in einem Schreiben vor/tibringen und hat mir auch die Stelle* die darauf Bezug hat, mitgeteilt. Also insofern!. nm man Herrn Kanus Verhalten als loyal bezeichnen. Lme andere Frage ist die, ob er hcreclitigt ist, a l s Mitglied des E. A. C. auf einen Teil der Tätigkeit des E. A. C., die ihm nicht untersteht, in einem allgemeinen Schreiben Stellung zu nehmen. (Sehr richtig.) Mir liegt es nicht oh, diese Frage liier zu entscheiden. Ich bedauere, dall ein ,Mann, wie Kami, unbestimmte Angriffe gegen einen Kollegen im E. A. C. schleudert, ohne sich von ihrer Richtigkeit üher/eugt zu haben. Pall lieri Kann und ich verschiede• n e 11 P r i 11 z. i p i c n huldigen, das wußten wir beide Rassenproblem und Judenfrage Von Pr. Ignaz Zollschan*). Ich weiß, daß ich midi häufig in die (iefnltr begehe, alle die Sympathien, die ich das Glück hatte, mir durch mein Buch zu erwerben, nicht nur zu vcr• Heren, sondern in ihr Gegenteil uinzmvaudeln. Aber die Frage, warum wie denn für unsere der gesatMen Jtidcnhcit dienenden Ziele nicht auch über die doch immerhin in Betracht koiuincndcii M a c h t m i 11 e l der Juden heit verfügen, muH uns notwendig da. zu zwingen, die Untersuchung unserer Argumenta• tion auch auf solche Argumente zu erstrecken, die uns heute dtirdi ihre Selbstverständlichkeit und durch d;e Heiligkeit ihres Alters unantastbar scheinen. Eine vielleicht nicht unwichtige Ursache alles dessen, was die Partei in ihrer propagandistischen Kraft bisher gelähmt hat, was sogar manche Zerwiirfnisse im Innern und Mißverständnisse nach außen erzeugt hat, eine der Ursachen dieser Schrecken, die den Pessimismus so manches ehrlichen Beurteilers hervorgerufeti haben, ist der Mangel einer genügen• den wissenschaftlichen Verankerung, das Fehlen eines genügend festen theoretischen FunQamcnts. Ohne daß man sich genauer darüber Rechenschaft gab, zehrte man bisher eigentlich nur von den Ge- •) Vortrag, gehalten anläßlich des X. Zionis Kongresses am Montag, den 14. August 1911. längst und das hätte ja auch nicht viel geschadet. Er ist dafür, dall er etwas von einer Seite stark in Angriff nimmt und dann wartet, welchen Erfolg dieser Angriff hat; hat er günstigen Erfolg, dann geht er weiter. Ich verfolge das Prinzip, (laß, wenn man eine Festung zu erobern sucht, man Batterien rings herum stellt lind v o 11 a lieft Seit e 11 B r e s c h e zu schießen versucht. Darüber läßt sieh diskuliereii, es mag ihireh Majorität entschieden werden usw. Wenn er aber sagt, daß dieses Prinzip, das ich angewandt habe, verkehrt ist und sich nicht bewährt 11,11, dann muß er auch die Tatsachen iieniicti. Ich halte mir natürlich überleg(, auf welche Tatsachen könnte er eventuell exemplifizieren und zweitens: ist das, was er au die Stelle setzen will, besser oder überhaupt neu? Hin großer Teil der Unternehmungen scheidet von vornherein aus. Er sagt also, und das ist ein I l.mplvonviirf, es sind kleine und schwache lebensunfähige Unternehmungen, keine der vielen Unternehmungen hat siel» konsolidiert, und er verlangt daher die Gewähr, dall sie nach solchen kaiifm.'iiiiii• sehen Grundsätzen geleitet werden. Aid die Vereine kann tlas nicht gut passen. Per Verein jüdischer Frauen verbraucht das Geld, das er erhält; der Verein für Palästmaforselumg kann;Hielt nicht gemeint sein. Anders ist es mit dem Verein OcUiauuispemle. Als Konsolidierung verlangt er, daß die Verwaltung der Oelbauiiispeiidc durch den N. F. erfolgt. Pas geschieht ja auch schon. In der ersten Zeit geschah das nicht; nach meiner Ansicht geht es nicht besser, eher etwas schlechter als früher d. 11. die Sammlungen sind etwas geringer geworden. Ich schiebe das darauf, daß der N, F. viele Leute zu befriedigen hat und nicht die Intensität auf die Sammlungen für die Oclbautnspeiule verwenden kann, wie wir es früher getan halten; es kann auch einen andern Grund haben, jedenfalls geht es nicht besser. Pie Leitung ist jel/t in den Hiimh 1 des Palästina, amts, d. b• Bes Pr. Kupp in. Nun hat er seit längerer Zeit die Furcht geäußert, daß die Sache drüben nicht richtig geliamlliabt wird. Ich weiß, dall sich hei jeder Gesellschaft, die sich mit Baiimpfhin. zmigen abgibt, in der ersten Zeit Schwierigkeiten er• gehen, die uns aber nicht abschreckc», weil das später nachgeholt wird. Nun, ich war nach manchen Nachriihten, die von drüben kamen, etwas ängstlich und habe deshalb auch der Ansicht zugestimmt, daß wir einmal die Sache untersuchen ließen; aber das wußte I ierr Kann; wir haltenden Befehl schon heraus• gegeben. Nun wundert cs mich außerordentlich, daß er .schreibt: ״ich halte Inspektion verlangt, aber es blich alles heim alten!“ Die Sachverständigen sind doch dort nicht so ohne weiteres zur Hand. Wir halten llernt Aarons ohn beauftragt, aber der hat auch etwas anderes zu tim, als gleich die lnspektjon zu machen. Er iiat daun einen Bericht hergeschickt nebst einem Bericht von Dr. Ruppln, der die Schlüsse aus der ganzen Lage zieht. Da hat sich herausgestelli, daß jeder Baum von den 15 211111)0 Bäumen, die in der iMlnii/iuigsschtilc stehen, bis zu seiner Vollendung 7,50 M. kosten wird, 11. 11. mir 25 ״.״ mehr, als wir im Durchschnitt angenommen halten. Wenn das richtig ist, dann können wir sagen, mit (> Mark werden wir zweifellos auskomnten, ich hoffe, später sogar billiger. Alter seihst wenn s!e <1,50 M., selbst wenn sie 7 M. kosten sollten, ־—ist das ein Grund, eine so w ich• d.inkcnschätzen, die in den Schriften Pinskers und Birnbaums l igen. I )ie Ewigkeit d e s Anti* s e m i t i s in 11 s , die 1111 111 ö g I i c 11 k e i l d e r g ä 11 z* liehen A s s i in i I a t i o 11, das Recht auf nationale Existenz und die Notwendigkeit des Streitens nach voller Entfaltungsmöglichkeit in nationalem Sinne: diese Sclilagworte wurden d i e jüdisch-nationalen Exiome. Diese Kraftworte br iclilcu zwar auch cmllieh einen grollen Zug in das jüdische Geistesleben, uml sie erst ermöglichten es, ait eine alljüdisehe Politik zu denken. Ich werde aber /um Teil wohl schon auf lieislim• iiumg, ziiiii andeni alter sicher noch auf Widerspruch stoßen, wenn ich meiner Meinung Ausdruck gehe, dall ein A h f I a 11 c 11 d e s A111 i s e m i t i s in u s und eine gänzliche Assimilation heute rein logisch nicht mehr als undenkbar erscheinen, i >as nationale Moment vollends stellt zwar heule dis kraflgeltende Rückgrat der bewußten Judenhcit dar. Aber t ot/.dem ist diese nationale Idee nicht da, allein selig machende i’riu• zip, ja in vieler Hinsicht müssen wir geradezu konstatieren, daß sie schädigend gewirkt hat. In der Einbildung Vieler stellt die nationale Idee das tro• j a 11 i s e 11 e P f e r 11 dar, das entweder dazu dienen sollte, ein Gift gegen das bisherige religiöse Band in den Körper der J11 d e 11 hei t, nach der Meinung Anderer, ein neues, unnützes, d. 11. zersetzendes Moment an die Stelle gesunder kosmopolitischer Ten• denzen in den Körper der Menschheit zu bringen. Auf anderer Seite endlich mußte die überstarke Be• tommg des nationalen Moments ein, wenn auch durch• aus unberechtigtes Mißtrauen, gegen die letzten Ab¬ ׳Nr. 34 tige, eine so vitale Institution wje die O e I It a u 111 s pe n d c, ii i e r vor t|cr Oe f f e 1111ic 11 k 0iI zu kritisieren? ($c|)f richtig I) Ich komme zum Pflan/ungsvereiii Palästina Der ist sehr klein gehlieben; wir haben uns wenj« darum gekümmert. Wir haben ihn damals besonder, deshalb gegründet, weil wir glaubten, daß die gc. s e I / e s I r e 11 e 11 O e s i 111111 n g s g e 11 o s % c ןן dieser Sache Interesse Italien würden; sie haben c» nicht gehallt, er ist klein geblichen, die IMIan/ungen gelien zurück. Von einer Nielitkonsolidiernng diese! Vereins kann keine Rede sein. I),1111t kommt der Verein ״Be za lei", dm cr noch ganz speziell aiiführt als einen Verein, der rt. organisiert werden müsse. Gerade dieser Verein stellt nun zufälligerweise linier der Leitung eines sehr t ii e 111 i g e 11 K a 11 f in a 1111 s, der iimi fast seine ganze Zeit widmet und dessen enormer l.iligkeii mul Liehe tur diesen Verein wir es zu verdanken halten, daß er sich in kurzer Zeit so mächtig am. gedehnt hat. (Beifall.) Der Verein hat ein große, Biidgcf. In diesem Jahre wird er für zirka 1511000 Francs Ware inachcii, im nächsten Jahre für 21)0 000 I׳Taues und fast ohne Betriebskapital; d. h. das Kapital sparen wir uns ab von den Ucher! schiissen. Die einzige Schuld ist ein Kredit Inj der Bank, ich glaube von TO 000 M. oder dergleichen. Ich miiclite ein anderes gewerbliches Unternehmen selten, das derartig sicher stellt; denn wenn wir die Waare berechnen, so bekommen wir doch die 150 000 Francs wieder, so daß der kleine Kredit reichlich gedeckt ist. Ich vermag nicht ciii/usehen, weshalb dieser Verein vom kaufmännischen Standpunkt einer Reorganisation bedürfte. Wir kommen zu den wirklich kaufmännischen Unternehmungen: tlas I* a 1 n s t i 11 a •Industrie• Syndikat. Es ist ein Stiitliciisvmlikat; es soll /u. sehen, welche Industrien in Palästina mit Erfolg be. trieben werden können. Eine Konsolidierung dieser Gesellschaft scheint mir auch vorläufig gänzlich über, flüssig zu sein. Die hniiiohiliengesellschaft Palästina! Die Gesellschaft kauft städtische Terrains, parzelliert mul verkamt sie. Sie hat so viel Kredit bei den Käufern, dall diese ihr Geld vorher einschicken, so daß sie den größten Teil ihres Kapitals auf der Hank liegen hat; wenigstens bis vor kurzem, jetzt hat sic große Käufe gemacht. Sie hat keine Schulden, alles Geld ist auf der Bank und alles ist jtt guten, sicheren, verkäuflichen Terrains angelegt. Also wo bleibt da ein Grund zur Konsoiidieriing? Nim kommen wir zu der I*. L. I). C, und diese hat tatsächlich in den ersten beiden Jahren einen rechnerischen Verlust gehabt, wie es jedes lauihvirt. sehaftliche Unternehmen auf neuem Boden anfänglich haben muH. Deshalb die Gesellschaft zu konsolidieren, ist kein Grund; man soll ihr mehr Kapital gehen, mau soll ihr mehr Aktien ab• 11 eli m eit, damit sie für ihr ParzellierinigsgesiTialt nicht so viel Kredit heim N. F. nehmen muß. Das ist die Konsolidierung, die ich vor• schlage. Daß der N. F. ihr alter Darlehen gibt und gehen muß, ist selbstverständlich; denn das ist doch gerade der Zweck des N. solange er noch nicht für seine eigene Rechnung unveräußerlichen Binlet kaufen kann. Also auch da sehe ich keinen (,:und zu den Befürchtungen und z.u den Beschwerden, stellten mit der Hyposlasierung des Streitens nach einem Nalionilstaate zur Folge halten. Uml /um Schluß endlich ist es, theoretisch genommen, doch nicht so ohne weiteres sicher, oh mau die Juden* heit in ihrem heutigen Zustande wirklich mit Recht als eine Nation bc/eichneii darf. Das wichtigste an dem Begriffe ״Nation" ist ja, wie die Ely logie des Wortes seihst angibl, vier Nativismus, d. 11 die Gemeinsamkeit der Abstammung. Vier ebenso wichtig jsj ti.ieli der Ansicht der meisten staatsrechtlichen Auflassungen, dall diese durch die Gemeinsamkeit der Allst iimmmg zusammengehörige Meusehcnkategon'e auch c'11 11 u r g e r I i c 11 1 ״ g ג• »isicrles Ganzes darstelle; und es sicht leider n'.Tler Frage, dall heute nicht mir die staatlich.׳, recht• liehe und sprachliche, sondern auch die kulturelle Zusammengehörigkeit anfgehört hat, ein einigender Faktor der Judenhcit zu sein; daß wir diese 11״י"״• gc'i'.ül, die uns zu einer Nation wieder machen soll, er>t für die Zukunft erstreben. Die bisherige Theorie hat also außerordentlich starke Geltreellen, und ziiiii Teil sind cs nicht äußere, sondern sind es diese inneren Gründe obwohl d.e innere Wahrheit des Zionismus von diesen Schluß• folgerungen ganz unabhängig ist die die Pro• p.'ignmlakraf! unserer Idee noch lähmen mußten. Audi ist dieser Nationalismus viel zu sehr auf die subjektive Richtung des Denkens t״ul Wullens aufgebaut, auf das bloße, nicht immer gleich stark ausgeprägte nationale Gefühl und zu wenig auf die Objekt i v e Tat s a c 11 c, daß z. B. die Assi• milation des Blutes, d. 11, die Mischehe, ein viel